112 Stufen, 71: verlassen (Eichendorff)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Ein Gedicht von Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857) über das Verlassenwerden wurde zum deutschen Volksliedgut und ist daher auch mir aus meiner Kindheit wohlvertraut: „In einem kühlen Grunde“ wurde 1813 unter Pseudonym als „Lied“ veröffentlicht. Eichendorff nahm es dann in seinen 1812 geschriebenen und 1815 veröffentlichten Roman „Ahnung und Gegenwart“ auf. 1826 erschien es erneut im Anhang der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“.

 

Joseph von Eichendorff 

Das zerbrochene Ringlein

In einem kühlen Grunde
Da geht ein Mühlenrad,
Mein Liebste ist verschwunden,
Die dort gewohnet hat.

Sie hat mir Treu versprochen,
Gab mir ein’n Ring dabei,
Sie hat die Treu gebrochen,
Mein Ringlein sprang entzwei.

Ich möcht als Spielmann reisen
Weit in die Welt hinaus,
Und singen meine Weisen,
Und gehn von Haus zu Haus.

Ich möcht als Reiter fliegen
Wohl in die blut’ge Schlacht,
Um stille Feuer liegen
Im Feld bei dunkler Nacht.

Hör ich das Mühlrad gehen:
Ich weiß nicht, was ich will –
Ich möcht am liebsten sterben,
Da wär’s auf einmal still!

Häufig finden sich unerwartete Übergänge zwischen den Einträgen der Treppenstufen, so auch in diesem Fall: Vorgestern postete ich das Nietzsche-Gedicht „Verzweiflung“, und heute entdeckte ich Nietzsches Vertonung des Eichendorff-Gedichts als „Melodram für Sprechstimme und Klavier“ (1863)! Hier das erste Blatt der Handschrift:

7.2_GSA_71_240,10_Seite1_klein.pngQuelle hier

Bekannt aber wurde das Gedicht vor allem durch die erste Vertonung durch den Zeitgenossen Eichendorffs, den Pfarrer und Komponisten Friedrich Glück (1793-1840), die auch einer Interpretation von 1905 durch Franz Porten zugrundeliegt. Die seltene Original-Tonaufnahme fand ich, wie auch viele andere Informationen, bei Wikipedia.

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In dieser Form fand es auch Eingang in die „Kommersbücher“, also die speziell für studentische Verbindungen zusammengestellten Liederbücher, seit diese aufkamen. Die Geschichte dieser Liederbücher für Studenten ist übrigens auch von historischem Interesse und bei Wikipedia nachzulesen. Da mein Vater Mitglied in einer studentischen Verbindung war und das Lied (so sagte man mir) mit großer Freude sang, vermute ich, dass es auf diese Weise in unsere Familie gelangte. So richtig glaubwürdig fand ich den Text jedoch nie, denn waren es nicht die Männer, die ihre treu zu Hause bleibenden Frauen und Kinder verließen, um in den Krieg zu ziehen? Und mir schien, dass sich auch dieser Mann da, der sich beklagte, schon längst getröstet hatte, indem er lustig hinauszog in die Welt und nun, zurückblickend, die vergangene Idylle noch ein wenig sentimental betrauert. Wie auch immer… Jedenfalls hatten die Männer einen Ausweg, die verlassenen Frauen aber nicht. Das empfand ich als Mädchen sehr deutlich, und es erbitterte mich. Mir sollte das nicht passieren, schwor ich mir. Ehe ein Mann mich verließ, würde ich ihn verlassen! Ob das nun klug war?

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Männerportrait hängt in London

Heute freute ich mich sehr über eine Nachricht und ein Foto. Die männliche Figur, die bei der kürzlichen Ausstellung „Kunst hilft“ in Kardamili wegging, ist gut beim neuen Besitzer in London angekommen und hängt nun in einem Raum, in dem offenbar viel Musik gemacht wird. Das inspiriert mich, das Kaufgeld entsprechend zu verwenden: ein Musikinstrument für ein musikalisches Kind, dem die finanziellen Mittel dazu fehlen, zu beschaffen. Win-win-win.

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112 Stufen, 70: Enttäuschung (Luise Büchner)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Luise Büchner (1821-1877), eine Schwester der berühmten Büchner-Brüder Georg, Wilhelm, Ludwig und Alexander, ist vor allem als Frauenrechtlerin und Förderin der Mädchen- und Frauenbildung in die Geschichte eingegangen. Dass sie auch schriftstellerte und dichtete, versteht sich fast von selbst. Denn wie sonst hätten die gebildeten Damen des 19. Jahrhunderts ihre Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen sollen? Und gebildet war Luise, die sich ein umfangreiches Wissen in Selbstunterricht aneignete. Wegen einer schweren Rückenverkrümmung konnte sie auf keine glückliche Ehebeziehung hoffen und ging wohl auch deshalb entschlossen den Weg, anderen Frauen und Mädchen Alternativen zum Leben als Ehefrau und Mutter aufzuzeigen.

Luises Dichtung reicht bei weitem nicht an die ihres Bruders Georg heran, aber ihr Lebenwerk, das mit dem Frauenberufsbildungswerk der Großherzogin Alice von Hessen eng verbunden war (Alice-Hospital Darmstadt, Alice-Verein für Frauenbildung und -Erwerb, Alice-Basar, Alice-Berufsfachschule, Alice-Lyceum), ist bedeutend und wird an ihrem Geburts- und Lebensort Darmstadt bis heute geehrt. Über ihre persönlichen Lebens- und Liebesenttäuschungen weiß ich nichts, doch spricht ihr Gedicht „Höchstes Leid“, das 1862 in der Sammlung „Frauenherz“ erschien, eine deutliche Sprache.

Luise Büchner

Höchstes Leid

Hart ists an dem Grab zu stehn

Derer die du heiß geliebet,

Hart auch, wie am Fels der Zeit

Traum um Traum am Nichts zerstiebet.

 

Bittrer als des Todes Raub

Und was kalt die Zeit entwendet,

Ιst’s, wenn du dein best’ Gefühl

An Unwürdige verschwendet.

 

Wie ein Bettler stehst du da,

Der alles hingegeben

Dem nichts blieb von seinem Schatz,

Als das nackte arme Leben.

 

Wie von roher Hand gestürzt,

liegt ein Götterbild im Staube,

Also ist ein Trümmerhauf’

Deines Herzens schönster Glaube!

 

Neue Rosen bringt die Zeit,

Frisches Grün das Grab umkleidet,

Aber öd bleibt dieser Platz

Und kein Thau drauf niedergleitet.

 

 

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112 Stufen, 69: Verzweiflung (Kierkegaard, Nietzsche)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

„Verzweiflung“ ist das heutige Wort – und sofort fällt mir Sören Kierkegaards „Die Krankheit zum Tode“ ein (Sygdommen til Døden, 1849 unter Pseudonym veröffentlicht). Und als zweites fällt mir Friedrich Nietzsche ein, der in mancher Hinsicht wie ein lebender Beispielsfall für Kierkegaards Erörterungen gelten kann. Kierkegaard (1813-1855) starb, als Nietzsche (1844-1900) elf Jahre alt war und der christliche Glaube im Gefolge der Aufklärung in ärgste Bedrängnis geraten war. Inzwischen gehört die Nichtgläubigkeit zur Normalität des aufgeklärten Menschen – was, nach Kierkegaard, die Stufe der tiefsten Verzweiflung ist, da das Bewusstsein nicht einmal mehr erkennt, was ihm fehlt.

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Die Eingangssätze zu Kierkegaards Schrift sind berühmt geworden:

„Der Mensch ist Geist. Aber was ist Geist? Geist ist das Selbst. Aber was ist das Selbst? Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält, oder ist das am Verhältnis, dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält; das Selbst ist nicht das Verhältnis, sondern dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält. Der Mensch ist eine Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit, von Zeitlichem und Ewigem, von Freiheit und Notwendigkeit, kurz, eine Synthese.“ 

Als die drei Hauptverhältnisse des Selbst zu sich selbst, die mit dem Bewusstsein seiner selbst zu tun haben, benennt Kierkegaard: a) Ich will verzweifelt ich selbst sein (ich empfinde, nicht authentisch zu sein; „eigentlich“ bin ich nicht ich selbst) – b) Ich will verzweifelt nicht ich selbst sein (ich wehre mich dagegen, das erfahrene Selbst als wirklich anzuerkennen; ich lehne mich selbst ab, ich hasse mich selbst) – c) Ich verzweifele mir nicht bewusst zu sein, ein Selbst zu haben (ich weiß nichts von einem Selbst, und das heißt: weiß nichts von Gott, der das Selbst gesetzt hat; ich bin ohne Bezug zu meiner Quelle).

Im Grunde beschreibt Kierkegaard mit den beiden ersten Hauptverhältnissen das, was man heute „misslingende Identitätsbildung“ nennt:  Ich möchte der sein, der ich eigentlich bin, doch gelingt es mir nicht // Ich will nicht der sein, der ich bin, kann mir aber nicht selbst entfliehen. Im dritten Hauptverhältnis ist die Verzweiflung unbewusst und daher am tiefsten, denn die Verbindung zum Selbst, also zu Gott, der das Selbst gesetzt hat, kann gar nicht realisiert werden. Bei Camus, der sich im Gegensatz zum christlichen Philosophen Kierkegaard als Atheist versteht, heißt es später entsprechend: „Das Absurde ist die Verzweiflung ohne Gott.“

Und Friedrich Nietzsche, der verkündete und zugleich beklagte, dass „Gott tot“ sei? „Gott ist tot. Gott bleibt tot: Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet – wer wischt dies Blut von uns ab?“ ( aus: „Die fröhliche Wissenschaft“, 1881).

Verzweiflung

Friedrich Nietzsche

Von Ferne tönt der Glockenschlag,

Die Nacht, sie rauscht so dumpf daher.

Ich weiß nicht, was ich tuen mag;

Mein Freud‘ ist aus, mein Herz ist schwer.

 

Die Stunden fliehn gespenstisch still,

Fern tönt der Welt Gewühl, Gebraus.

Ich weiß nicht, was ich tuen will:

Mein Herz ist schwer, mein‘ Freud‘ ist aus.

 

So dumpf die Nacht, so schauervoll

Des Mondes bleiches Leichenlicht.

Ich weiß nicht, was ich tuen soll…

Wild rast der Sturm, ich hör‘ ihn nicht.

 

Ich hab‘ nicht Rast, ich hab‘ nicht Ruh,

Ich wandle stumm zum Strand hinaus,

Den Wogen zu, dem Grabe zu…

Mein Herz ist schwer, mein Freud‘ ist aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Vollmond und Sonnenglanz

Heute Morgen gegen 9 Uhr erreichte der Augustmond seine volle Rundung. Ich hatte ihm in der Nacht bei seiner Wanderung über den Nachthimmel zugeschaut und auch gegen Morgen, als er goldrot über dem Meer stand und sich in den Fluten spiegelte. Die helle Linie einer Sternschnuppe blitzte daneben auf und verlosch. Es ist Persidenzeit.

Mich den Bergen zuwendend, sah ich die beiden hellsten Planeten, Venus und Jupiter, als Doppelerscheinung über den Bergkamm steigen. Merkur, der der Sonne am nächsten stehende Planet, ging fast gleichzeitig mit der Sonne auf und blieb für mein Auge unsichtbar.

Wir waren um halb neun zum Paneurythmie-Tanzen am Meer verabredet, danach gingen wir schwimmen. Das Meereswasser war von der Einstrahlung des Doppelgestirns Sonne und Mond und vielleicht auch der Planeten wie verwandelt: sanft schimmernd und geschmeidig, leicht wogend und klar bis zum Grund. So erlebe ich das Meer immer am Morgen nach Vollmondnächten, aber im August ist die Empfindung am stärksten.

zwei der Mittanzenden beim morgendlichen Schwimmen

Der Augustmond wird auch Erntemond genannt. Und wenngleich wir erst den Höhepunkt des Sommers erreicht haben, mischt sich doch schon die Ahnung des Herbstes ein: die Blätter der Feigenbäume rascheln zu Boden, der Wein, die Pfirsiche, die Feigen, Kürbisse, Melonen reifen. Und so kam mir heute Morgen angesichts der „Feier der Natur“ das schöne Gedicht von Friedrich Hebbel in den Sinn:

Dies ist ein Herbsttag …

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

Ein wunderschönes Hochsommer-Wochenende wünsche ich allen hier Mitlesenden!

 

 

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112 Stufen, 68: Weinen (J.W.Goethe, Lied des Harfners)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Schon wieder Goethe? Ja. Kaum las ich das Wort auf der 66. Treppenstufe, fiel mir das Lied des Harfners aus Goethes „Wilhelm Meister“ ein. Es ist einer der Texte, der mich mein Leben lang schon begleitet, ja, er war geradezu eine Grundmelodie meines Aufwachsens in den Nachkriegsjahren. Niemals wurde das schwere Thema von Schuld, Sühne und Reue anrührender formuliert als in diesen wenigen Liedzeilen.

Johann Wolfgang von Goethe

Das Lied des Harfners

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,
Wer nie die kummervollen Nächte
Auf seinem Bette weinend saß,
Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.

Ihr führt ins Leben uns hinein,
Ihr lasst den Armen schuldig werden,
Dann überlasst ihr ihn der Pein:
Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.

Ihm färbt der Morgensonne Licht
Den reinen Horizont mit Flammen,
Und über seinem schuldigen Haupte bricht
Das schöne Bild der ganzen Welt zusammen.

Hugo Wolf, Franz Schubert und Franz Liszt haben das Gedicht vertont, manch anderer hat sich der Anfangszeile bemächtigt, Pasolini hat sie seinem ersten Spielfilm im Titel beigegeben (Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß, 1961). Die Vertonungen sagen mir nicht zu, weil sie die Klage in eine musikalisch überhöhte Selbstbemitleidung verwandeln. Pasolinis Accatone ist ein übler Bursche, ein Zuhälter, Schläger und Dieb, und es fällt mir schwer, seine Nöte mit denen des blinden Harfners gleichzusetzen, der wegen einer verbotenen Liebe zu seiner Schwester (Inzest) ins Unglück geriet. Als Romantitel bezieht sich die Ausgangszeile dann auch auf die NS-Zeit, in der viele „arme Menschen“ schuldig wurden. Und was das bedeutet, begreife ich nur allzu gut.

„Das Böse muss ja in die Welt kommen, aber wehe dem, durch den es kommt!“ So werden verschiedene Wehe-dir-Drohungen im Matthäus-Evangelium paraphrasiert. Er ähnelt der Harfner-Klage, denn auch dies ist ein Satz, der dem Weinen über schuldhafte Verstrickungen einen besonderen, sehr bitteren Beigeschmack gibt.

Ödipus, die Sphinx und das Rätsel, dessen Antwort lautet: „der Mensch“. Legebild

 

 

 

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In der Zeichenschule 39: Modellzeichnen, Portrait

Gestern war ich wieder beim Modellzeichnen in der Zeichenschule. Ein neues Modell – für mich reizvoll. Zuerst zeichnete ich die gesamte Figur im Raum.

Nun hätte ich noch zwei Posen von je 30 Minuten zur Verfügung, um die Zeichnung zu verbessern und zu vervollkommnen. Mich aber reizte das Gesicht, und das in einer solchen Zeichnung kleinteilig auszuarbeiten, ist wenig sinnvoll. Also nahm ich mir ein neues Blatt und zeichnete in den folgenden Posen das Portrait.

Hier ein Vergleich mit dem Portrait der vorigen Sitzung, wo ich drei Posen a 30 Minuten zur Verfügung hatte, um die Zeichnung zu vollenden. Ich mag beide, auch wenn bei der zweiten ein paar Korrekturen (zB Schattierung des Halses) am Platz wären.

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112 Stufen, 57: Hass (R. Huch, H. Heine)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Schwer zu entziffern, als versuchten Regen und Sonne es auszulöschen, steht das Wort „Hass“ auf der heutigen Stufe der Holsteiner Treppe. Sofort fällt mir wieder das Gedicht von Ricarda Huch ein – „Mein Herz, mein Löwe“ -, das ich schon auf der Stufe „Vergeben“ zitiert und kommentiert habe (hier).

Ricarda Huch

Mein Herz, mein Löwe

Mein Herz, mein Löwe, hält seine Beute fest,
Sein Geliebtes fest in den Fängen,
Aber Gehaßtes gibt es auch,
Das er niemals entläßt
Bis zum letzten Hauch,
was immer die Jahre verhängen.
Es gibt Namen, die beflecken
Die Lippen, die sie nennen,
Die Erde mag sie nicht decken,
Die Flamme mag sie nicht brennen.
Der Engel, gesandt, den Verbrecher
Mit der Gnade von Gott zu betauen,
Wendet sich ab voll Grauen
Und wird zum zischenden Rächer.
Und hätte Gott selbst so viel Huld,
zu waschen die blutrote Schuld,
Bis der Schandfleck verblaßte –
Mein Herz wird hassen, was es haßte,
Mein Herz hält fest seine Beute,
Daß keiner dran künstle und deute,
Daß kein Lügner schminke das Böse,
Verfluchtes vom Fluche löse.

Fällt mit sonst nichts zum Hass ein?

Hm, das finstere Doppelgestirn „Hass und Hetze“ leuchtet ja anscheinend wieder über Deutschland – jedenfalls kommt man zu diesem Eindruck, wenn man die Verlautbarungen der Regierungsverantwortlichen und ihrer Medien verfolgt. Sollte es wahr sein, was der hämische Heinrich Heine über „uns Germanen“ sagt? Ich will es nicht glauben, denn ich, ebenfalls eine Deutsche, habe so gar keine Neigung zum Hassen. Andererseits, wenn ich die Kriegshetze und den Russenhass in Betracht ziehe, der sich neuerdings in Deutschland ausbreitet ….Sollte doch was dran sein?

Was Heines geliebte Franzosen anbetrifft, so bin ich mir wiederum nicht sicher, ob sie nicht mindestens ebenso viel Talent zum Hassen haben wie „wir Germanen„. Jedenfalls begegnete mir der Hass in der Nachkriegszeit jenseits der deutschen Grenzen häufig, nicht weil ich irgendetwas verschuldet hätte, sondern weil ich eine Deutsche war. Beispielsweise weigerte sich der französische Koch auf dem Handelsschiff, das mich 1963 nach Algerien brachte, mir Essen zu geben, weil Deutsche seinen besten Freund erschossen hatten. Dass „die Franzosen“ Algerier massakrierten, beunruhigte ihn hingegen nicht. In Norwegen, Holland, Israel hatte ich in den Jahren zwischen 1959-67 ähnliche Erlebnisse, in Griechenland aber nie, obgleich Griechen Schreckliches durch die deutsche Besatzung erlitten haben. „Aber du bist doch nicht schuld!“ sagten sie fast verständnislos, wenn ich bei Erzählungen über deutsche Gräuel in Tränen ausbrach.

Mögen alle Kollektivzurechnungen, egal in welche Richtung und mit welchen persönlichen Erlebnissen begründet, der Vergangenheit angehören!

Heinrich Heine

Diesseits und jenseits des Rheins

Sanftes Rasen, wildes Kosen,
Tändeln mit den glühnden Rosen,
Holde Lüge, süßer Dunst,
Die Veredlung roher Brunst,
Kurz, der Liebe heitre Kunst –
Da seid Meister ihr, Franzosen!

Aber wir verstehn uns baß,
Wir Germanen, auf den Haß.
Aus Gemütes Tiefen quillt er,
Deutscher Haß! Doch riesig schwillt er,
Und mit seinem Gifte füllt er
Schier das Heidelberger Faß.

Das rote Herz und die goldene Sonne stammen von Bruni, die anderen Schnipsel kamen mir von Jürgen Küster, Susanne B u.a. zu.

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112 Stufen, 56: Kurzschluss (Heinz Ehrhardt und Bertold Brecht)

Reiner hat ein „Mitmachding“ initiiert. Es geht darum, jeden Tag einen Text zu einem Wort zu posten, das sich auf der Holsteiner Treppe in Wuppertal, verteilt auf 9 Absätze befindet. Es reizt mich, da mitzumachen, allerdings eher nicht mit eigenen Textproduktionen, sondern mit literarischen Assoziationen und Gedichten anderer. Ich bin gespannt, welche Texte, Gedichte, Geschichten jedes dieser Wörter in meiner Erinnerung aufleuchten lässt. All diese Erinnerungen an Gelesenes und im Gedächtnis Aufgehobenes sollen mir einen nachklingenden Teppich weben, den ich über die Stufen lege, um noch einmal hinaufzusteigen.

Immer noch steige ich brav die Holsteiner Treppe hoch, auch wenns manchmal schwerfällt. Und so lande ich nun auf der Stufe mit der Aufschrift „Kurzschluss“. Bei solcher Gelegenheit hauts dann sämtliche Sicherungen durch.

Kurzschluss ist sicher ein modernes Wort, nicht älter als der elektrische Strom, der uns auch andere neue Redensweisen beschert hat, zB „auf der Leitung stehen“. Oder betrifft das den Fernsprechapparat? Nun, egal. Ich rede ja nur drumrum, weil mir nichts Literarisches zu „Kurzschluss“ einfällt. Aber vielleicht darf es „Kurz vor Schluss“ sein? Dann könnte ich mit einem Blödel-Gedicht von Heinz Ehrhardt (1909 –1979) dienen.

Heinz Ehrhardt

Kurz vor Schluss

Schön ist der Wein, bevor er getrunken,
schön ist das Schiff, bevor es gesunken,
schön ist der Herbst, solange noch Mai ist,
schön ist der Leutnant, solang er aus Blei ist.
Schön ist das Glück, wenn man es nur fände!
Schön ist das Buch, denn gleich ist’s zu Ende.

Ein anderes Gedicht fällt mir ebenfalls ein, das auch von „kurz vorm Schluss“ handelt. Ich habe es schon öfter in diesem Blog erwähnt, denn es gehört zu meinen Lieblings-Brecht-Gedichten.

Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht alles seinen Gang
und wenn die Chose aus ist
dann fängt’s von vorne an –

Der Matrosen-Tango aus „Happy End“  ist etwas länger als das Gedicht von Ehrhardt, aber was tuts? Wenn das Ende droht, ist es gut, die letzten Minuten auszukosten. Pardon, das ist schwarzer Humor, denn den ganzen Tag denke ich schon an die Atombombe, die  vor 80 Jahren auf die nichts ahnenden Menschen von Hiroschima abgeworfen wurde, und daran, dass sich die Herren und Damen der Politik neuerdings einen Scherz daraus machen, die Menschheit mit Atombomben-Einsatz-Drohungen zu erschrecken.

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Bertold Brecht

Matrosen-Tango 

Hallo, jetzt fahren wir nach Birma hinüber.
Whisky haben wir ja noch genügend dabei
und Zigarren rauchen wir, „Henry Clay“,
und die Mädels sind mir ja auch schon über
na, da sind wir eben jetzt so frei –
ja, da sind wir eben jetzt so frei!
Denn andere Zigarren, die rauchen wir nicht
und weiter wie Birma, reicht dem Kasten der Rauch nicht
und einen lieben Gott, den brauchen wir nicht
und einen Anstand, den brauchen wir auch nicht –
Na also, good-bye!
*
Und das segelt so hin – und das kommt auch mal an
und ein lieber Gott lässt sich nicht blicken
und dem lieben Gott, dem liegt vielleicht auch gar nichts daran
na und wenn, dann muss er sich drein schicken –
Na also, good-bye!
*
Mit „Mensch bei mir nicht!“ und „Na wat denn, mein Sohn!“
und „Fehlt’s wo, dann lass mich’s mal wissen!“
Und ’ne feinere Regung nicht um ’ne Million –
Da wird eben auf alles gepfiffen
*
Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht alles seinen Gang
und wenn die Chose aus ist
dann fängt’s von vorne an –
Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht ja auch noch lang!
Ja das Meer ist blau, so blau
das Meer ist blau.
x
Hallo, da könnten wir zum Beispiel mal ins Kino gehn,
das kostet Geld das hat doch kein Gewicht.
Ja graue Haare wachsen lassen wir uns nicht.
Leute wie wir, die müssen sich auch mal amüsieren.
Denn für sie, da gibt es keine Pflicht.
Zigarren unter fünf Cents, die rauchen wir nicht
und Schwarzbrot verträgt doch ihr Bauch nicht,
und für’s andere sorgen, das brauchen sie nicht
und mal in sich gehen, brauchen die auch nicht,
das hat sein Gewicht.
x
Und das lebt so dahin – und das stellt sowas an
und ein lieber Gott lässt sich nicht blicken,
und dem lieben Gott, dem liegt vielleicht auch gar nichts daran
und wenn, dann muss er sich drein schicken –
Na also, good-bye!
x
Mit „Mensch bei mir nicht!“ und „Na wat denn, mein Sohn!“
und „Fehlt’s wo, dann lass mich’s mal wissen!“
Und ’ne feinere Regung nicht um ’ne Million –
Da wird eben auf alles gepfiffen
x
Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht alles seinen Gang
und wenn die Chose aus ist
dann fängt’s von vorne an –
Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht ja auch noch lang!
Ja das Meer ist blau, so blau
das Meer ist blau.
x
Jetzt braucht da nur einmal ein Sturm zu kommen
na ja, da ist’s ja schon das Dock von Birma –
Halt du, das ist doch nur ’ne schwarze Wolkenwand
Mensch und die Wellen, ’s ist ja allerhand!
Mensch, das verschlingt uns ja die ganze Firma –
Ja, da sind wir jetzt glatt am Rand
ja, da sind wir eben jetzt am Rand!
Bald sinkt das Schiff zu Grund, das Meer geht drüber
Und die versunken sind, sieht nur der Hai im See –
Da hilft kein Whisky mehr und keine „Henry Clay“!
Wo’s jetzt hingeht, da geht kein Mädchen mehr mit rüber –
Ja, da heißt’s auf einmal jetzt, good-bye!
Ja, da heißt es eben jetzt, good-bye!
x
Und das Wasser, das steigt, und das Schiff, das versinkt
und ein rettender Strand lässt sich nicht blicken.
Nur ein Schiff, das nicht schwimmt, nur ein Strand, der nicht winkt,
na, da muss jeder sich dreinschicken –
na also, good-bye!
x
Da hört man auf einmal keine großen Reden mehr
da sind sie auf einmal alle ganz klein
da plappern sie plötzlich alle ein Vaterunser her
da will’s plötzlich keiner mehr gewesen sein!
denn jetzt ist’s vorbei.
x
Und jetzt will ich mal was sagen: Das kennen wir schon!
Da wird ein Leben lang das Maul aufgerissen
und steht so was dann vor Gottes Thron
dann wird in die Hosen geschissen.
x
Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht alles seinen Gang
und wenn die Chose aus ist
dann fängt’s von vorne an –
Ja das Meer ist blau, so blau
und das geht auch nicht mehr lang!
Ja das Meer ist blau, so blau
das Meer ist blau.

Lotte Lenya interpretiert das Lied kongenial:

 

Nun bleibt mir nur noch der fromme Wunsch, dass die Damen und Herren Politker nicht in einer Kurzschluss-Handlung auf den Roten Knopf drücken!

Ja, das Meer ist blau, so blau…, Foto-Legebild-Collage

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kaffeepäuschen in Kalamata

Bei den hochsommerlichen Temperaturen vermeide ich es, nach Kalamata zu fahren, aber manchmal sind ja doch Besorgungen zu machen. Und so saß ich heute auf dem zentralen Platz der Altstadt und beguckte mir die x-mal beguckten Häuser, die Menschen und die Hüte gegenüber, während ich einen doppelten Espresso genoss. Eine Flasche Wasser und ein Glas mit Eisstückchen wurde dazu serviert, und die Lokalzeitung lag griffbereit auf dem Tischchen.

Der Platz mit dem Hutgeschäft, den von Skitsofrenis gesprayten Revolutionshelden an der Wand, den Bougainvileas und anderem Grün  und der historischen Kirche, in der einst die „Revolution“ (sprich: Beginn der Befreiungskämpfe gegen das Osmanische Reich, die schließlich zur neuen Staatsgründung führten) ausgerufen wurde, gehört zu den schönsten und geschichtsträchtigsten der Stadt. Und so vermute ich, dass die junge Dame, die mit ausgestrecktem Arm eifrig in ihr Handy sprach und sich mal vor-, mal zurück gewegte, eine kleine Reportage über die Kirche machte, die sich in ihrem Display zeigte.

Übrigens hat es wenig später angefangen, leicht zu regnen. Und als wir wieder daheim waren, fanden wir unser Lager auf der Turmterrasse durchnässt vor. Das aber ist nicht weiter schlimm und wird durch die Freude über den Regen gutgemacht.

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