Tagebuch der Lustbarkeiten: abnehmende Mondsichel über den Bergen

Heute gegen fünf Uhr nachts sah ich die feine Sichel des abehmenden Mondes wie ein goldenes Boot über dem Gebirgskamm aufsteigen. Der Anblick beglückte mich. Da ich um die Zeit meist schlafe, war es für mich ein ungewohntes Erlebnis. Die Sichel würde nun über den weiten Himmel schippern, bald nur noch als ein weißes Federchen sichtbar.

Die Sichelform ist leider auf dem Foto nicht zu erkennen.

Die nächsten Nächte werden mondlos sein. Schwarzmond. Dann aber wird die feine zunehmende Sichel des neuen Mondes in den frühen Abendstunden am Westhimmel wieder auftauchen, kurz sichtbar sein und im Meer versinken. Auf diese Wiederkehr des Mondes freue ich mich immer sehr. Der Anblick der feinen Sichel ist wie ein Kick für meinen Optimismus: Trauere nicht dem Verschwindenden nach, freu dich über die immer neue jugendfrische Welt!

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In der Zeichenschule 20: Jünglingskopf

Jedes Mal, wenn ich zum Zeichnen gehe, bin ich voller Optimismus: diesmal werde ich eine perfekte Zeichnung hinlegen, denke ich. Bei den ersten Strichen hält der Optimismus noch an. Dann aber beginnen die Details, mich zu fesseln. Zig mal korrigiere ich die Linie der Nase, des Mundes, den Schattenverlauf des Auges. Je länger ich mich mit solchen Einzelheiten aufhalte, desto mehr geht das Insgesamt zum Teufel.

Am Ende ist der Kopf zu groß, aber die besondere Neigung des Gesichts, die mir so viel Mühe machte, habe ich jedenfalls getroffen. Für weitere Korrekturen fehlte die Zeit.

Es ist ein recht weiblicher Kopf geworden. Wenn ich Zeichnung und Foto überblende, sieht man, dass das Profil fast stimmt, aber Hinterkopf, Nacken und Kinnpartie überdimensioniert sind.

Zeichnung und Foto lassen sich leicht anpassen. Nur die Kiefer- und Nackenlinien fügen sich nicht.

Und so ist mein Optimismus wieder hergestellt: Nächstes Mal wird es perfekt. Bestimmt!

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Juli ade!

Vorbei, vorbei auch dieser Juli 2024. Die Wolken, die sich gestern am frühen Morgen ballten und am Nachmittag verdichteten, so dass ich fast schon auf Regen hoffte, lösten sich gegen Abend spektakulär auf.

Mögen sich andere Wolken, die sich über unserer Welt ballen, ebenso in Schönheit auflösen!

Καλό μήνα! Einen guten Monat August wünsche ich uns und dir und allen!

Blick von unserer Turmterrasse, 31.7.2024, 19.42 Uhr

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Dienstagsdrabble No 2 am Mittwoch: das Paar

Knoten. Kugelschreiber-Zeichnung

Als sie sich begegneten, war es wie ein leiser Windhauch nur. Dann fielen untereinander die ersten Worte, und die Stimmen umschlangen sich, verbanden sich locker. Dann fanden sich auch die Leiber und vereinigten sich. Sie blieben zusammen. Schlinge um Schlinge legten sie um ihr gemeinsames Sein. Ein Lebensfaden sollten ihre Lebensfäden werden, untrennbar verknotet. So geschah es, dass sie nicht mehr unterschieden, was zu ihnen selbst, was zum anderen gehörte. Ihr Vorderteil war sein Rücken, sein Kopf ihr Herz, ihre Hand sein Fuß, seine Zunge ihr Ohr.

Dann zerschnitt die Todessichel das Band und sie blieb mit dem Knoten zurück.


Dies ist mein zweites Dienstagsdrabble, das Heide vom Puzzleblumen-Blog organisiert, diesmal mit den Wörtern: Knoten, untereinander und Vorderteil.

2024-07-26 3 Wörter-Bild Drabble-Einladung f. Di 30.07.2024 Handarbeiten Jutenetz -  Vorderteil, knoten, untereinander

 

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In der Zeichenschule 19: Doppelkopf im Raum und Jünglingskopf

Trotz Hitze fand ich mich gestern wieder in der Zeichenschule ein, stellte mich in den Wind des großen Ventilators und beschaute mir, was dort an Zeichnungen und Malereien entstanden ist.

Dann suchte ich mir einen Platz. Mir schwebte vor, es auch hier, wie letztlich im Atelier, mit einem Raumbild zu versuchen, aber dann blieb ich doch an zwei – oder genauer sogar drei – Köpfen hängen (der dritte liegt unter der rosa Tüte). 

Ich machte eine erste Skizze, indem ich die Zwischenzone mit den Büchern stark verkürzte. Denn sonst wären mir die Köpfe zu klein geraten.

Die Zeichnung auszuführen, hatte ich dann keine Lust mehr. Um mir auszumalen, wie sie in etwa hätte aussehen können, montierte ich die fotografierten Köpfe in Schwarz-Weiß-Version in die Zeichnung hinein (50%-Transparenz).

Auf der Rückseite des Zeichenkartons begann ich dann eine Zeichnung des Jünglingskopfes.


Die Überblendung mit einem Foto zeigt mir die Fehler. Ich mache mehrere Überblendungs-Varianten: a) Schwarz-Weiß mit sehr starken Kontrasten, wie es hier gerade Mode ist, b) 50% Transparenz c) leicht auf der Farbskala verschobene Farbverstärkung.

Vielleicht versuche ich mich irgendwann an einer farbigen Arbeit. Mal sehen.

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Dienstags-Drabble: Die Geschichte vom Knoten, den es zu lösen galt.

Das Seil, das Deichsel und Zugjoch des Streitwagens des phrygischen Königs Gordios verband, war aus dem Bast der Kornelkirsche. Es war auf eine so kunstvolle Weise verknotet, dass niemand es lösen konnte.

Ein Mythos besagte, dass der, der es dennoch zustande brächte, Herr über ganz Kleinasien würde.

Vierhundert Jahre später kam ein junger entschlossener Mann und zerschlug den Knoten mit einem Schwertstreich. Den Vorderteil Kleinasiens hatte er da schon erobert, nun aber war der Weg frei, um auch den Rest zu unterwerfen. Das gelang ihm.

Doch dann starb er an einer Krankheit.

Seine Nachfolger teilten das eroberte Gebiet untereinander auf.

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Dies ist mein Beitrag zum heutigen Drabble, zu dem Heide von Blog Puzzleblume einlud.

2024-07-26 3 Wörter-Bild Drabble-Einladung f. Di 30.07.2024 Handarbeiten Jutenetz -  Vorderteil, knoten, untereinander

 

 

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Tagenbuch der Lustbarkeiten: Schattenspiel

Wenn nach einem glühheißen Tag die Nacht kommt, beginnt das Leben auf der Turmterrasse. Die Tür zum dortigen Zimmer steht offen, und an der Wand gegenüber zeichnen sich Schatten ab – geworfen von den beiden Lichtquellen, die die Nacht erhellen: Mond und Straßenlaterne.

 

Mit verstärkter Beleuchtung. Ja, es handelt sich um Schatten an der weißen Innenwand: Schatten der provisorischen Vorhänge und des Gitters mit meinen Händen. Nur das Bett im Vordergrund ist „real“ und drinnen, alles andere befindet sich draußen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Ausflug mit Meeresblicken

Fährt man von uns nach Kardamili, dem Hauptort unserer sehr ausgedehnten Gemeinde „West-Mani“, öffnet sich unvermittelt das gebirgige Gelände und vor dir liegt eine weite Bucht. „Das blaue Auge des Meeres“, denke ich unwillkürlich. „Und die fransigen Ausläufer des Gebirges sind seine Wimpern.“ Viele halten hier an, um den Ausblick zu bewundern und zu fotografieren.

Herangezoomt entpuppen sich die „Wimpern“ als bewaldete Riffs. Kardamili breitet sich auf einem mit Olivenbäumen bepflanzten Zwickel aus.

Es ist eine der schönsten Strecken auf dem an Schönheiten nicht eben armen Peloponnes. Kardamili ist ein alter auch für die griechische Geschichte bedeutender Ort, aber gestern war er nicht unser Ziel. (In Alt-Kardamili machte ich mal diese Zeichnungen, Hier auch ein paar Fotos)

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Wir wollten weiter nach Ag. Demetrios, eine junge Freundin besuchen, die dort mit ihrer Mutter ein Cafe betreibt und versucht, einige meiner Aquarelle unter die Leute zu bringen (ich berichtete hier davon).

Es beginnt zu dunkeln, als wir zurückfahren, Einen letzten Blick auf das Meer genießen wir schon fast wieder zu Hause, in der Bucht von Akrogiali,

Dann kommt die Nacht, und das Meer macht sein Auge zu.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Lesen, vergleichen (Anmerkungen zum Glasperlenspiel)

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Als Willi das „Glasscherbenspiel“ erfand (hier, dazu die obigen Bilder), kannte ich Hermann Hesses späten Roman nur dem Titel nach. Er ruhte ungelesen auf einem Regal im Keller. Nun zog ich ihn heraus, um ihn als Einschlafhilfe während der Mittagspause zu lesen.

Dumm ist nur, dass er mir gar nicht beim Einschlafen hilft. Denn trotz seiner altmodisch-umständlichen Sprache (oder vielleicht gerade deshalb?) bin ich in seinen Sog geraten. Inzwischen habe ich mich schon fast durch die Hälfte des 613-seitigen Wälzers (suhrkamp taschenbuch) gefressen, quasi mit der Nase am Boden schnüffelnd, wohin mich die Erzählung mitnehmen will. Welche Hinweise auf die Gegenwart des Autors (das Buch wurde 1943 veröffentlicht) und vor allem: auf unsere aktuelle Gegenwart finden sich? Wo versteckt sich der Autor mit ironischem Lächeln hinter dem braven Erzähler – der übrigens kein Einzelner, sondern ein „wir“ und „uns“ ist, denn das Individuum mit seinem subjektiven Streben und Schnickschnack hat in der geistigen Welt von Kastalien keinen Platz. Sein Wert wird ausschließlich durch seinen Dienst in der Hierarchie bestimmt.

Und so verfolge ich den für mich ganz fremden Werdegang einer von Anfang an schon der „Privatheit“ entkleideten Persönlichkeit (Joseph Knecht) mit Spannung. Die Handlung spielt in der fernen Zukunft, aber diese Zukunft ist wie in eine ideale Vergangenheit eingekleidet: der Bildungskanon beginnt in der Vorzeit und bricht im 19. Jahrhundert ab, die Musikgeschichte endet mit Schubert – gefolgt von einer Niedergangszeit und einem fast völligen Zusammenbruch von Kultur und Zivilisation, in der das Subjekt mit seinen Leidenschaften und seiner undisziplinierten bodenlosen Kreativität triumphierte und die im Chaos endete…. Diese Zeit liegt nun schon viele Generationen zurück, eine strenge geistige Elite hat sich des alten Kulturerbes bemächtigt und wendet es um und um in geistreichen Spielen und vor allem im Meisterspiel: dem Glasperlenspiel, das „einst, vor Generationen, begonnen (hatte) als eine Art von Ersatz für die Kunst, und es war, für viele wenigstens, im Begriffe, allmählich zu einer Art von Religion zu werden…“ (S. 144)

Viele Textpassagen unterstreiche ich. Es sind die Stellen, die mich, wenn auch völlig anders zugeordnet, an Aktuelles erinnern. Zum Beispiel die Besitzlosigkeit, die fast gleichlautend vom World Economic Forum im „Great Reset“ angedacht wurde: „Du wirst nichts besitzen und glücklich sein.“ Bei Hesse ist das raffinierter eingebaut und gilt nur für die geistige Elite. Gerade für hohe Begabungen wäre Freiheit „eine schwere Gefahr und müsste vielen zum Verhängnis werden, wie es in den Zeiten, vor unserer Ordnung, in den vorkastalischen Jahrhunderten, unzähligen hohen Begabungen gewesen“ sei. (S- 115) Keine Freiheit, also sind auch die traurigen „Schiffbrüche eines ungezügelten Dilettantismus“ Vergangenheit. Der Hochbegabte wird durch weise Anordnungen vor „Verlockungen und Gefahren“ , vor „Trunksucht“ und „sportlichen Exzesse(n)“ bewahrt (116). „Da es für den Kastalier kein Geld und so gut wie kein Eigentum gibt, existiert auch die Käuflichkeit der Liebe nicht“. (S. 116).

Oder eine andere Passage, wo es um die Faszination der Macht geht  „Es war schön und hatte etwas Verlockendes, Macht über Menschen zu haben und vor anderen hervorzuglänzen, aber es hatte auch eine Dämonie und Gefahr, und die Weltgeschichte bestand ja aus einer lückenlosen Reihe von Herrschern, Führern, Machern und Befehlshabers, welche mit unendlich seltenen Ausnahmen alle hübsch begonnen und übel geendet, welche alle, jedenfalls angeblich, um des Guten willen nach der Macht gestrebt hatten, um nachher von der Macht besessen und betäubt zu werden und sie um ihrer selbst willen zu lieben.“ (S. 143) Und was ist die Antwort von Kastalien? Sich „in den Dienst der Hierarchie“ zu stellen!

Nun, das vorerst. Vielleicht schreibe ich später noch ein wenig mehr dazu.

(Das Foto nahm ich imfebruar 2022 im „„NEW HUMANITY CENTRE“ auf, das wohl so was Ähnliches wie das Hesse’sche Kastalien zu werden hoffte und scheiterte)

 

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Etüdensommerpausenintermezzo (4): Olympiade – ein kata-strophischer Balkon-Dialog

Olympiade-Eröffnungsfeier   

Ein kata-strophischer Dialog zweier Balkonbewohner*innen.

 

Die Feier gestern, Junge Junge

Mir liegt ein Wörtchen auf der Zunge

Das werd ich besser mir verkneifen.

Ich kann die Welt nicht mehr begreifen.

 

Da hast du recht, mein lieber Schatz!

Das gestern war die reinste Hatz.

Was die da an Belustigung boten

War höchstens was für Vollidioten.

 

Da lob ich mir die Fallobstwiese

Wo faules Obst fällt, wenn die Brise

Die Bäume schüttelt, und man sammelt

Das Gute auf, der Rest vergammelt.

 

Paris, das warn mal Blütenträume,

das ist vorbei, jetzt sind’s Abschäume

für Trans, Vestiten und so weiter.

So mancher fand es trotzdem heiter.

 

Doch ernsthaft jetzt, was die wohl dachten

Die all den bunten Schnickschnack machten

Während im Regen hundert Kähne

Vorüberglitten auf der Seine?

 

Was wollten sie? Vielleicht Vergebung

Für ihre Sünden, ihr’n Verfall?

Versuchten sie ne Neubelebung

Von Olympias Geist kurz vor dem Knall?

 

Ich weiß nicht, wars nur Bluff und Tarnung

Für ihre primitiven Launen?

Vielleicht auch wollten sie ne Warnung

An alle Völker rausposaunen?

 

Denn wenns so weitergeht wie eben

Dann seh ich schwarz, dann kommts zum Fall

Dann wird’s vorbeisein mit dem Leben

Auf unserm schönen Erdenball.

 


Dies ist mein vierter Beitrag zu Christianes Etüdensommerpausenintermezzo.

Es war ein beliebig langer Text zu schreiben, in dem sieben der folgenden Wörter vorkommen müssen:

Balkonbewohner
Blütentraum
Gewitterfront
Lampenfieber
Portrait
Schnickschnack
Streuobstwiese
Unzulänglichkeiten
Vergebung
Vollidiot
Warnung
Wünschelrute

 

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