Ich habe heute noch mehr gemalt, darunter auch dieses Bild, wieder mit Erde, Salz, Pigmenten und Kleister auf Leinwand.
Ausschnitt:
Ich habe heute noch mehr gemalt, darunter auch dieses Bild, wieder mit Erde, Salz, Pigmenten und Kleister auf Leinwand.
Ausschnitt:
Seit geraumer Zeit klammere ich mich beim Zeichnen an die unmittelbare dingliche Alltagswelt, da sie mir noch die meiste Eindeutigkeit und Verlässlichkeit zu versprechen scheint. Früher war das anders. Da konnte ich meine aktuellen Gefühle angesichts von Weltereignissen, die mich schockierten. direkt oder symbolisch malerisch zum Ausdruck bringen. Ich erwähne beispielhaft meine Bilder zum Jugoslawienkrieg (verbrannte Dörfer), zum 11/9 (Flug-Dämonen), zum Borbardement von Afganistan (shock and awe).
Heute gelingt es mir nicht mehr. Zu viel ist bereits seit der Jahrtausendwende geschehen, zuviel ist am Werden, und ich kann kaum noch einzelne Ereignisse ins Zentrum der Aufmerksamkeit bringen. Schwindel ergreift mich, die Ohren sausen. Wohin soll ich zuerst schauen? Gestern aber nahm ich eine Leinwand und malte mit ockriger Erde, die ich zuvor in einer Baustelle gesammelt hatte, mit Salz, mit drei Farbpigmenten und mit Wasser, Kleister und dicken Pinseln auf eine Leinwand und ließ entstehen, was entstehen wollte.
(abc-etüde, kata-strophisch)
Gewohnheitstier
absichtlich
einsetzen.
Das sind die drei Wörter, die Christiane uns für die erste abc-etüde des Jahres 2026 ausgesucht hat. Danke, Christiane. Ich habe sie zum Anlass genommen, mir ein paar Kata-Strophen zusammenzureimen, verbunden mit einer Vornahme fürs laufende Jahr: nicht auf jedes rote Tuch zu reagieren, nicht in jedes Messer zu rennen. Kurzum: mich nicht wie ein Stier zu verhalten, während die, die die Welt regieren, den Matador spielen.

Geboren bin ich zwar im Sternbild Stier,
der stets, so sagt man, gegen rote Tücher rennt
doch bin ich deshalb ein Gewohnheitstier
das unbeirrt stets folgt dem gleichen Trend?
*
Als Kind, gewiss, da konnte es geschehen
Dass wenn man mir ein rotes Tuch gezeigt
Ich gleich, geblendet wütend unbesehen
Protest erhob dort, wo man besser schweigt.
*
Nachdem ich mir den Kopf oft eingerannt
Und nichts erreichte, als ne blutge Stirn
Und man mich einen Dickkopf nur genannt
Da endlich fing zu denken an mein Hirn.
*
Wär es nicht besser, selbst sein Ziel zu suchen
Als reagieren auf das Tuch, das andre schwenken?
Was nützte es, der Übeltat zu fluchen
Wärs besser nicht, sich selbst zum Guten lenken?
*
Absichtlich hält man uns oft Themen hin
Die uns erregen, kränken, was uns wütend macht
Und wer hat, bitte schön, davon Gewinn?
Der Tücherschwenker wohl, der hinterhältig lacht.
*
Der lacht, weil wir in unsrem Zorne übersehen
Die wahren Pläne, die im Hintergrunde reifen
Ach, könnten wir die endlich gut verstehen
Ach könnten wir den Zeitgeist recht begreifen!
*
Den Zeitgeist, der mit Macht schon eingesetzt
Als Spielfiguren uns hat auf dem Weltenbrette.
Der eine schießt bereits, der andre wird zerfetzt
Gibt es denn nichts, was uns vorm Zeitgeist rette?
*
Wie wärs, wenn ich, anstatt dem Matador
Weil er ein Tuch hält, hilflos meine Flanken
Zur Schlachtung anzubieten, ach, ich Tor,
ganz bei mir bliebe und bei dem Gedanken:
*
Ich bin ein freier Mensch und niemand
Ist schuld an dem, was mir zuletzt geschieht
Nur ich allein, es liegt in meiner Hand
Welch Schicksal mir am Lebensende blüht.
*
Mich kümmern eure roten Tücher nicht
Ich renne nicht, nur weil ihrs wollt, ins Messer,
und wenns mir auch an Tapferkeit gebricht:
der wer zuletzt lacht, lacht noch immer besser
Mein „Griechisches Alphabet des freien Denkens“, das ich im Dialog mit Ullis „Alphabet des mutigen Träumens“ entwickelte, beginnt mit dem Buchstaben A (Anthropos = Mensch). Der Buchstabe stellte ursprünglich einen Stierkopf dar, wurde dann aber umgedreht und so zum Anfangsbuchstaben des Wortes Anthropos = Mensch. Ich schrieb damals (hier):
Beginnen wir mit A – Alpha – Aleph. Aleph hieß der erste Buchstabe bei den Phöniziern. Aleph nannten die Phönizier den Stier, und so sah auch der Buchstabe aus: ein Stierkopf mit Hörnern.
Die Hellenen stellten es entschlossen auf die Füße: A. Und da steht es bis heute, kein Stierkopf mehr, sondern ein Mensch.
Picasso war bis ins hohe Alter vom Minotaurus fasziniert, der die menschliche Gestalt mit einem Stierkopf verband und so zu einem traurigen Monster wurde. Auch mich beschäftigte das Thema, zB hier.
Die umgekehrte Tier-Mensch-Kreatur ist der Zentaur, dessen Leib dem Pferd, dessen Kopf dem Menschen zugehört. Auch er ist ein wüster Geselle, kann aber, wie im Kentaur Chiron, auch zur höchsten Weisheit gedeihen.


Es ist ein merkwürdiges Gefühl, das ich beim Betrachten dieses Fotos habe, liebe Myriade. Sind das wirkliche Menschen oder nur ihre Schattenrisse, die dahinwandern und sich vor dem hellen Blau des Gewässers scharf abheben? Hat sich zwischen die Landschaft und die Menschen eine Folie geschoben, auf der sich ihre Schatten abbilden, als wärs ein Schattentheater, wie wir es hier in Griechenland als Karagiosis-Theater kennen, oder das, mit umgekehrten Vorzeichen. als Prager Schwarzlichttheater bekannt ist?
Aber nein, all das ist natürlich Unsinn. Es sind wirkliche Menschen… Doch warum sind sie so schwarz und so scharf abgegrenzt, ohne die geringste atmosphärische Verschwommenheit? Es sind ja doch wohl flache schreitende Plastiken aus Holz oder aus Metall, die mich irreleiten wollen…
Nur. warum spiegeln sie sich auf der blauen Kante? Oder spiegeln sie sich nicht, sondern ein künstlerischer Schlaumeier hat sich diese schwärzlichen Flecken ausgedacht, um die Illusion perfekt zu machen?
Da fallen mir meine eigenen Schattenspiele ein, zB dieses:

Na, was ist das? Ein Besenstiel, ein Putzlappen, eine helle Wand und eine starke Sonne – draus wird eine Eule. Doch die Augen? Wie kommen die da rein?
Selbstverständlich gehts auch ohne Putzlappen, wie diese beiden Wanderer verdeutlichen

Seit Platons Höhlengleichnis plagen sich die Menschen mit Fragen wie: ist die Katze aus Fleisch und Blut eigentlich nur ihr Schatten?

Dasselbe gilt natürlich auch für den Fuchs:

Auch da fragt sich der Philosoph und seufzt: Ist es so, oder ist es vielleicht genau andersrum?

Wohl uns, wenn die Schatten schief auf die Projektionsfläche fallen: da ist dann ein Irrtum ganz ausgeschlossen.

Mit unserer kleinen Tanzgruppe und unserem Athener Lehrer fuhren wir heute zur antiken Stadt Thouria. Wenn gestern strahlender Himmel und Sturm herrschten, so heute mildes wattiges Licht. In der Nacht hatte es geregnet, und die Landschaft leuchtete in saftigem Grün.
Von Thouria habe ich schon einmal erzählt (hier). Dort findet ihr auch mehr und bessere Fotos, vor allem auch von den mykenischen Grabanlagen, die wir heute nicht besuchten.
Man fand die alte Stadt, die einst die bedeutendste der Region war, durch Zufall. Dort, wo einst das Asklepiosheiligtum war, steht heute ein uraltes byzantinisches Kirchlein. Beim jährlich stattfindenden Panijiri (Volksfest) zu Ehren des Heiligen wird das Gras rundum zurückgeschnitten. Einer der Besucher entdeckte unter einem Steintisch das Kapitel einer Säule und erzählte einem befreundeten Archäologen davon. Das war im Jahr 2009 und der Startschuss zum Buddeln.
Inzwischen ist der ganze Hügel aufgegraben. Zwischen den Oliven sind Mauern, Säulenglieder, Wasserrohre zum Vorschein gekommen. Die wichtigsten Teile – insbesondere das große Theater – ist mit Plastikbahnen gegen Witterung geschützt, eingezäunt und abgesperrt, das Asklepiosheiligtum zusätzlich mit Schutzdächern versehen, das Kirchlein hat ein neues Dach und einen frisch gemauerten Vorplatz erhalten… ein wunderbarer Ausflugsort, denn all dies liegt auf der Höhe eines grünen Hügelzugs mit weitem Ausblick auf die messenische Ebene.
Leider sind solche Orte schlecht zugänglich, und betreten darf man sie auch nicht. Die Archäologen haben ihre Arbeit getan, solange das Geld (übrigens vom EU-Programm ESPA) reichte, und sind dann abgezogen. Die Zäune sind mit Vorhängeschlössern gesichert, und große Tafeln verbieten das unbefugte Betreten. Ich finde das sehr schade, denn hat die bildungsbereite Menschheit kein Recht, ein wenig von der Geschichte zu erfahren, die Steine anzuschauen und zwischen den alten Mauern spazieren zu gehen? Wozu die ganze Arbeit?
Nun, wir behalfen uns für unser Tanzen mit einem Wiesenplatz neben dem abgesperrten Gelände. Auch dort gibt es überall Grabungen, und am niedrigen Gras erkennt man, dass darunter gemauerte Steine ruhen. Die ganze Stadt aber konnte man wohl nicht ausgraben.
Heute stürmte es sehr, und die Wellen gingen hoch. In der Nacht hatten sie viel Sand gebracht, den sie jetzt glatt leckten. Sie umspülten die Tamarisken und holten sich einmal auch meine Jacke samt Schal, die ich unter der Treppe deponiert hatte, damit der Wind sie nicht fortwehte.
Sonst tanzen wir da unten. Heute aber mussten wir mit Zement vorliebnehmen.
Durch den Lärm von Wind und Wellen die Musik zum Tanz hören, den frischen Wind im Gesicht spüren, das gleißende Meer und die Berge abwechselnd im Rundtanz sehen – all das war mir eine großes Freude. Und so fühlte ich mich trotz Übermüdung fantastisch. Heute waren auch unser Lehrer aus Athen und zwei Neue dabei. Das Familienfoto zum Abschluss durfte natürlich nicht fehlen.
Licht, Sturm und Meer wirken nun weiter in mir, und ich fühle mich wunderbar gekräftigt.
Heute war ja der Tag der Wassersegnung. An den kirchlichen Ritualen nahm ich nicht teil. Mir reichte es, Sturm und Wellen zu erleben, die das Meer von allen Verunreinigungen des Jahres befreiten und es neu belebten.
Morgen treffen wir uns erneut zum Tanzen, diesmal in einem antiken Theater. Ich freu mich drauf.
Die Schaufenster in Kalamata sind immer noch weihnachtlich geschmückt, als stünde das Weihnachtsfest bevor. Aber nein, Weihnachten wird in Griechenland seit langem genau wie im Katholischen am 25. Dezember gefeiert. Am 6. Januar feiert man hier Epiphanias und die Taufe, nebenher auch die Heiligen drei Könige … , vor allem aber segnet man die Gewässer. Junge Menschen springen ins kalte Wasser und bemühen sich, ein vom Popen hineingeworfenes Kreuz herauszufischen. Früher erwarteten den Glücklichen dann allerlei Geschenke, heute ist es wohl vor allem der Ehrgeiz, der befriedigt wird. Und vielleicht bringt es ja auch Glück.
Weihnachten feiern freilich die Orthodoxen des alten Kalenders, und das sind vor allem die Russen, dazu auch die Altgläubigen hier und anderwärts. Sie richten sich nach dem Julianischen Kalender, haben die Gregorianische Kalenderreform nicht mitgemacht, deshalb.
Mit diesen witzigen Schaufensterpuppen, die ich gestern sah, wünsche ich Frohe Weihnachten allen, die heute das Fest der Feste feiern!
Весёлого Рождества! Веселого Різдва! Весела Коледа!
„Hach, Dionysis Savvopoulos!“ – rief ich gestern abend, als ich einen Blick in Richtung auf den laufenden Fernsehapparat riskierte. „Den liebe ich!“
Philippe schaute zwischen mir und dem Film im TV mit großen Augen hin und her, aber er fragte nichts. Er fragte nicht: „Wieso liebst du ihn? Was hat er, dass du ihn liebst?“ Er ließ die Musik, die Reden und die Bilder auf sich wirken, das war alles. Und ich bin froh, dass er nicht fragte. Denn was hätte ich ihm zur Antwort geben können? Was kann man überhaupt über die Liebe sagen?
Ein paar Bilder kann ich euch zeigen. Sie waren auf einer sich drehenden Trommel aufgemalt, und ich fotografierte sie vom Bildschirm ab.
Dann drehte sich die Trommel ins Nichts. Savvopoulos, der „letzte große Barde“, starb im vergangenen Oktober
Du kennst ihn nicht? Nun, du bist ja auch nicht von hier. Allerdings war er auch international bekannt. Hier kannst du ein wenig nachlesen, Fotos anschauen und links folgen, falls du mehr wissen willst.
„Alle die Lieder, die wir liebten“ ist der Titel dieses Videos, das anlässlich seines Todes veröffentlicht wurde.