Adventskalender (9.12.)

Und wieder will ein Türchen des Adventskalenders geöffnet werden. Was wird sich heute dahinter zeigen?

Ein Blatt vom Aprikosenbaum! Die Blätter verfärben sich jetzt und fallen zu Boden. Alle? Nein, durchaus nicht. Die meisten sind noch grün und wollen sich nicht von den Ästen lösen, aber täglich verfärben sich mehr goldgelb und einige haben bereits die Aprikosenfarbe angenommen. Sobald sie nicht mehr grün sind, wollen die meisten Blätter nichts mehr von der Welt wissen und rollen sich ein, aber ein paar bleiben offen und glatt. Eines hob ich auf und zeichnete es.

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Zwei Gesichter (Impulswerkstatt, Verbindungsübung)

 

Zwei der vier Bilder, die du, Myriade, diesmal als Impuls gesetzt hast, sind „Portraits“ – Portraits sehr verschiedener Art freilich.  Das erste hat ein vermutlich junger Mann imaginiert und an eine Mauer gesprayt – wir wissen nicht, wer er war und mit welcher Absicht er es tat. Das Wesen, das er abbildete, starrt uns aus drei Augen an und ist mit Spiralen geschmückt, die teils in die Zukunft, teils in die Vergangenheit laufen. Es scheint keiner Zeit und keiner bekannten Weltregion anzugehören, auch keine seelischen Eigenschaften zu besitzen, aber es will oder soll Gefühle im Beschauer erwecken. Welche Gefühle? Schrecken, Sorge, Angst? Neugier, Staunen? Lachen vielleicht?

Ich schaue bei den Mitschreibenden vorbei und lese, das Wesen sei „im Weltraum“ beheimatet, „felin“ oder „grotesk“, es habe etwas von KI und Computern. Das „Dritte Auge“ führt zu Spekulationen über die Signalverarbeitung im Innern von Insekten, über das „gespaltene Ich“ und zyklopisches Wahrnehmen…  Ist es menschlich? Kann man sich mit ihm identifizieren? Eher nicht. Und doch ist es ein Wesen, das auf seine Weise mit uns Erdlingen kommuniziert.

Das andere Portrait wurde 1892 von einer gebürtigen Nordirin namens Helen Mabel Trevor im bretonischen Fischerstädtchen Concarneau auf eine Leinwand gemalt und ordentlich gerahmt. Es hat einen Titel („Mutter des Fischers“), und ein Entstehungsdatum. Zeit, Ort, Weltgegend, soziales Milieu von Malerin und Abgebildeter sind somit „bekannt“.

Fischerhäuser

Aus dem Rahmen schaut mich eine alte Frau an, deren Sohn Fischer war – wie die meisten anderen jungen Männer jener Gegend. Vor allem Thunfisch fing man, um ihn an die Fischfabriken zu liefern, wo er verarbeitet wurde. Mein Opa war Fischer, 1885 geboren, also sieben Jahre alt, als das Bild entstand.

Fischereimilieus sind tief in meinem Herzen verwurzelt. Ich bin damit identifiziert, sie regen in mir Gefühle an und auf, und in meiner Malerei sind sie sehr gegenwärtig.

meinem Großvater gewidmet, der ein Fischer war

Wie alt mag die Frau auf dem Gemälde sein? Sie schaut mich aus zwei vom Alter getrübten Augen an, Gefühle der verschiedensten Art haben sich in ihr faltenreiches Gesicht eingegraben. Ein bitteres Lächeln huscht um ihren Mund. Ich stelle mir vor, dass sie um 1815 herum geboren wurde, in den dreißiger Jahren heiratete, Söhne bekam, die Fischer wurden oder in der heimischen Fischindustrie anheuerten (Tourismus war damals noch nicht sehr angesagt), vielleicht hatte sie auch Töchter, die ihrerseits Fischer heirateten und Kinder bekamen, Fischer wie ihre Brüder, ihre Väter. So mancher der Söhne und Enkel mag ertrunken sein oder in einem der Kriege, die sie nichts angingen, verschollen. Sie aber lebte weiter, wurde alt und älter und ihr Rücken bog sich unter der Last der Jahre.

Eines Tages sprach sie eine elegante Fremde in gebrochenem Französisch an und bat sie,  sie malen zu dürfen.Und so schaute sie zu, wie ihr Portrait auf der Leinwand entstand, sie als alte Frau, schwer auf den Stock gestützt, und ihr langes Leben eingegraben in jede Pore ihres Gesichts.

Wer war diese fremde Dame? Wozu brauchte sie das Portrait einer alten Fischer-Mutter?

Die Malerin Helen Mabel Trevor war damals selbst schon sechzig. Geboren wurde sie in Nordirland, Tochter landreicher Protestanten. Die Einnahmen aus dem väterlichen Gutsbetrieb reichten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Malerei war eine Liebhaberei, die „höheren Töchtern“ gestattet war.  Sie malte, gefördert vom Vater, schon als Jugendliche. Sie malte Hunde, Katzen und Portraits, schickte ihre Bilder nach London. Mit 40 begann sie, ernsthaft Kunst zu studieren. Mit 50 bildete sie sich bei französischen Realisten in Paris und der Bretagne weiter, lebte fünf Jahre in Italien, immer begleitet von ihrer Schwester.

Zurück in Frankreich, bereiste sie erneut die Bretagne, begegnete der „Mutter des Fischers“, portraitierte sie und stellte das Bild in der Royal Academy von London aus. 69jährig, starb sie in Paris an Herzversagen.

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Selbstportrait

Und ich frage mich: Wo befinde ich mich selbst in der Geschichte, als Malerin, alte Frau und Enkelin eines Fischers einerseits und als Zeitgenossin von Marsexkursionen und künstlichen Intelligenzen andererseits?

Kugelschreiberzeichnung mit Foto-Überblendung

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gleiches Motiv – unterschiedlicher Zeichenstil

8.12.

Vom heutigen Motiv des Adventskalenders „Stein in der Hand“ habe ich, verstreut über die letzten  Jahre, neun Versionen gefunden. Bis auf zwei Zeichnungen (dritte und vierte: Kohle) sind sie mit Kugelschreiber gezeichnet. So mancher hat eine Abneigung gegen den harten, etwas groben Strich des Kugelschreibers, bevorzugt den geschmeidigeren des Bleistifts oder den eleganteren der Feder, den weicheren des Pinsels oder den kraftvolleren der Kohle. Auch diese Zeichenmittel habe ich häufig verwendet, doch in den letzten Jahren ist es fast ausschließlich der Kugelschreiber, den ich jederzeit zur Hand habe und dessen unpretentiöse Schlichtheit mir zusagt. Ein Allerweltsstift halt. Neuerdings sind die Buntstifte dazugekommen – ihre kindliche Ausstrahlung scheint mir für den Adventskalender gerade passend zu sein.

Andere Motive – etwa Gläser, Früchte, Katzen – sind weit häufiger. Mal sehen, ob ich auch davon gelegentlich Übersichten erstelle.

 

 

 

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Adventskalender (8.12)

Was wohl hinter dem Türchen zum 8.12. steckt? Ich öffne es und sehe: eine Hand mit einem Stein. Keine zwei Kerzen, sondern ein Stein zum zweiten Advent? Ich bin ein bisschen enttäuscht. Dann aber sehe ich: Es ist ein schöner weißer Stein mit einer besonderen Maserung, und er liegt gut in der Hand. Wie ein Auge schaut er mich an. Oder auch wie ein uraltes versteinertes Licht.

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Schamanischer Regen – neurografisches Zeichnen

Vorgestern lernte ich den „schamanischen Regen“ kennen – eine Themenstellung des neurografischen Zeichnens. Dabei handelt es sich darum, Samen in die Erde zu legen und dann die Himmelskräfte – vor allem Regen, aber auch Sonne, Mond und Sterne – drauf wirken zu lassen. Die Samen können Ideen, Pläne, Projekte sein, die noch nicht ausgereift sind. Es sind eben erst Gedankensamen, erste Ansätze, und man weiß noch gar nicht, was es damit auf sich hat und was man tun soll, um sie weiter zu entwickeln. Also beobachtet man sich, während man zeichnet, fühlt in sich hinein, und vielleicht sendet ein Samen dir eine Nachricht oder beginnt zu keimen, andere wiederum fangen nur leise an zu quellen oder rühren sich überhaupt nicht.

Die erste Zeichnung machte ich am Donnerstag abend mit Zoom-Anleitung:

Die zweite zeichnete ich gestern in mein Zeichenbuch hochformatig. Das beengte die Sichtweise und intensivierte zugleich die Wirkung für einzelne Samen.

Die dritte Zeichnung machte ich heute. Inzwischen hatte sich auch in der Wirklichkeit etwas in einem meiner „Samen“ gerührt. Ich konnte ihn benennen (finanzielle Hilfe für Behindertenverein), benannte auch noch zwei weitere (fürs nächste Frühjahr geplante Ausstellungen). So belebt, zeichnete ich mit großer Freude und voll von unterstützenden Gedanken. Ich spürte auch, wie wohl es mir tat, mir vorzustellen, dass der verfinsterte Himmel keine Bedrohung, sondern ein Versprechen auf „Regen = Segen“ enthält.  Und so wunderte ich mich kein bisschen, als sich hinter der Sonne ein rosarotes Herz zeigte.

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Adventskalender (7.12.)

Gespannt öffne ich das Fenster zum 7.12.. Was wird sich mir heute zeigen? Die Fritzi ists! Sie hat auf dem Schoß meines Mannes Platz genommen und schaut mich herausfordernd an: wirst du mich zeichnen? Aber klar doch, Fritzi! Ich hoffe, du findest dich einigermaßen gelungen! In Wirklichkeit bist du viel hübscher? Ja, Fritzi! Aber ich kann dich ja nicht hier posten, die Zeichnung ist ein Ersatz.

Ich griff versehentlich einen blauen Kuli, aber Fritzi ists egal, und soll es mir auch egal sein.

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Adventskalender (6.12.)

Die Uhr macht ticke tacke, ticke tacke, und schon ist der 6. Dezember erreicht. Was zeigt sich hinter dem Türchen des Adventskalenders? Eine Uhr! Die habe ich vor vielen vielen Jahren meinem Mann geschenkt, damals, als er schon in Athen lebte, ich noch in Frankfurt. Wieviel Zeit ist seither ins Land gegangen? Und die Uhr macht ticke tacke.

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Fassadenglanz – eine Adventüde

Heute hat Christiane meine Adventüde „Fassadenglanz“ veröffentlicht. Danke dafür! Danke auch all den liebvollen Kommentatorinnen!

Es ist üblich, die Adventüde dann auch auf der eigenen Seite zu veröffentlichen. Hier ist sie!

Hänschen bleibt wie angewurzelt vor einer Kaufhaus-Fassade stehen, auf der eine Vielfalt von Gestalten erblüht. Engel, Rentiere, Hunde wie am Hundestrand, Hasen, sogar einen Hamster entdeckt er zwischen einem Gewirr zuckender Lämpchen. Manche sind so weit oben angebracht, dass man vom Hinaufstarren Genickstarre kriegt.

Doch plötzlich, wie von Geisterhand, fällt die bunte Fassade ins Dunkel zurück. »Wieder Stromausfall«, murmelt die Mama neben ihm. »Komm, wir gehen heim. Und mach den Anorak zu, es ist kalt.«
Während Mama ihn weiterzerrt, dreht er noch mal den Kopf zurück und sieht: Der süße Hamster ist jetzt nur noch ein bräunlicher Eierkopf. Und darüber starrt ein Riesen-Auge aus einem Fenster. »Mama, guck mal, der Mann da oben, der hat uns die ganze Zeit beobachtet.«
»Ach, der? Ist nur ein Plakat. Komm, ich mag die dunklen Straßen nicht.«
»Das Auge bewegt sich!« flüstert das Kind. »Der ist lebendig!«
»Quark«, sagt Mama, »das ist ein Video, das haben sie da oben wohl eingeschaltet. Nun komm schon!« Video bei Stromausfall? denkt sie und gruselt sich.
»Mama, er sagt, da oben gibt’s Lebkuchenschnaps. Was ist Lebkuchenschnaps, Mama?«
»Sicher ein neues dummes Produkt, für das sie werben. Für dich ist es eh nichts. Schnaps ist nicht für Kinder.«
»Mama, du bist eine Spaßbremse!«, stellt der Kleine wichtigtuerisch fest.

Mama muss lächeln, obwohl ihr gar nicht nach Lachen zu Mute ist. Diese Stromausfälle beunruhigen sie. Es ist schon der dritte in einer Woche. Letztens, als sie Nachtschicht in der Krankenhaus-Kantine hatte, ging auch die Tram nicht. Wenn das so weitergeht, wie soll sie da die ellenlange To-do-Liste vor dem Fest noch abarbeiten? Sie fühlt die Überforderung durch ihre Dreifachbelastung als alleinerziehende berufstätige Mutter in allen Knochen.

»Komm schon, wir müssen heim!« Zu Hause wird sie sich ein Fichtennadelbad machen, dann würde es jedenfalls schon mal nach Weihnachten duften.

 

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Adventskalender (5.12.)

Mitternacht. Schon ist das 5. Türchen des Adventkalenders aufgegangen. Und was zeigt sich da? Ein Korb mit Früchten! Die meisten sind leuchtend rotorange Orangen, es gibt auch ein paar Kiwis, glaub ich, und sogar eine Birne. Aber das Orange dominiert eindeutig. Orange ist derzeit sehr erwünscht, es ist DIE Farbe, die gegen schnell schwindende Kräfte hilft.  Der Korb ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, aber geräumig und daher sehr gut geeignet, die Fülle der Vitamin-C-Lieferanten zu beherbergen.

5.12.

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Adventskalender (4.12)

Und schon hat sich das vierte Türchen geöffnet. Ein Tisch mit Gläsern zeigt sich, dazu auch eine Karaffe mit goldenem Wein.  Licht und Schatten spielen drüher hin. Der Himmel ist blau.

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