Tagebuch der Lustbarkeiten: Aus fremdem Fenster blicken

Heute waren wir bei einer Bekannten zum Kaffeetrinken eingeladen. Ihre Wohnung am Rand der Altstadt von Kalamata betraten wir zum ersten Mal.

Der Blick aus dem Fenster ist überraschend. Der Ausschnitt im Fensterrahmen wirkt wie eine Ansichtskarte mit den beiden Hauptattraktionen der Stadt:  Kathedrale und Burgberg mit Burgruine.

Der Grund für diesen weiten Blick ist ebenfalls überraschend: Im Vordergrund befindet sich eine über und über mit Feigen und Efeu überwucherte Ruine. Das war mal ein Gymnasium, der Ehemann der Bekannten hatte es noch als Schüler besucht, doch bei dem großen Erdbeben von 1986 brach es zusammen. Danach wurde es als denkmalgeschützt deklariert. Und da der Gemeinde das Geld fehlt, die Ruine im alten Stil wieder aufzubauen, blieb sie eben eine Ruine und wurde von den Pflanzen erobert.

Die Gebäude im Hintergrund gehören der Kirche. Man erkennt das an den Rundbögen. Auch die hohen Bäume rechts säumen ein kirchliches Grundstück. Und so schaut man von dieser Wohnung auf einen ausgebreiteten grünen Teppich mit rosa-weißer Stickerei-Umrandung.

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Vögel nach Fotos: der Fitis

Heute sah ich in Jürgens Blog „Linsenfutter“ bezaubernde Fotos des wenig bekannten Fitis. Wie er schreibt, konnte er ihn an der Lippeaue beobachten.

Und bekam Lust, meine Serie der Singvögel um eine Zeichnung zu bereichern. Ob ich ihn getroffen habe? Jürgen beschreibt ihn als „zarten und schlank wirkenden Singvogel“.  Nun, ich tat mein bestes.

Jetzt ist es kein Quartett mehr, sondern ein Quintett. Star, Fitis, Zaunkönig, Blaumeise und Rotkehlchen. Hört ihr sie zwitschern und singen?

Sehr gern würde ich dem Spatz einen Platz in dieser Serie geben. Aber kann man ihn als Singvogel bezeichnen? Tschilp tschilp! Wohl kaum. Höchstens als Proletarier zwischen den edlen Sängern.

Spatz

 

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Zeigt her eure Tassen: Espresso!

Eine Espresso-Maschine mit kleinen Tassen, die ich in einem Schaufenster in Kalamata sah und bewunderte, möchte ich heute im Rahmen der von Juzicka-Jess (Amorak) initiierten Blogparade zeigen.

Wie sie funktioniert bzw einst funktionierte? Ich weiß es nicht. Aber ich bewunderte das golden glänzende Messing, die beidseitigen Halterungen für die Tassen, die sich mit dem dunkelbraunen, fast schwarzen Espresso füllen würden, und rätselte über den Aufsatz für weitere Tassen im Kopf des Geräts. Wurden die Tassen dort vielleicht schon vorgewärmt, damit es espresso espresso voranging und die Kunden nicht ungeduldig wurden?

Auf den Tassen lese ich „Hausbrandt“. Dieser Kaffe kam 1892 in Triest zur Welt. Die Stadt gehörte damals noch zu Österreich-Ungarn. „Im Jahr 1892 wird das Unternehmen Caffè Hausbrand von Hermann Ernest Hausbrandt gegründet. Der Kapitän der Handelsmarine hat eine Idee, die den Geist der Zeit trifft: er will Privatleuten einen einfachen Zugang zu Röstkaffee verschaffen. Kaffee konnte man zum Ausgang des 19. Jahrhunderts bereits für den eigenen Haushalt kaufen – allerdings befand er sich dann noch im Rohzustand. Selber rösten war angesagt – etwas anderes blieb den Familien nicht über. Hausbrandt ist der erste Hersteller, der den Kaffee frisch geröstet und im Metallbehältnis versiegelt auf den Markt bringt – eine Erfindung, die eine neue Ära einleiten sollte“. Dies, und dass sich der Firmenhauptsitz jetzt in Nervesa della Battaglia im Nordosten Italiens befindet, lese ich auf der Website der Firma.

Die Kaffeemaschine ist eine  „Victoria Arduin0“, und den Namen gibts auch immer noch. „Pier Teresio Arduino (1876 – 1923) konstruierte seine erste Espresso Maschine 1905, basierend auf den physikalischen Prinzipien des Wärmeaustauschs zwischen zwei Flüssigkeiten“, lese ich auf der Website des inzwischen deutschen Herstellers „Henschke Kaffeemaschinen“, der offenbar Patente und Namen der ursprünglich italienischen Firma übernommen hat.

 

 

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Von Ameisen und Menschen II (abc-etüde, gereimt)

Am Ostermontag stand ich noch etwas verschlafen vor dem Bücherregal der Freundin, in deren Wohnung wir übernachten durften. Da fiel mir ein dicker Buchrücken auf, denn darauf stand das Wort „Ameisen“.

Ich zog das Buch heraus, legte es vor mir auf den Schreibtisch.

Blätterte ein wenig. Staunenswerte Zeichnungen gab es da, und Fotos gab es auch. Ich begann zu lesen und staunte immer mehr. „Die Entdeckung einer faszinierenden Welt“ versprach der Untertitel. Und das war wirklich nicht übertrieben. (unbezahlte Werbung)

Ich hatte keine Zeit, das ganze Buch zu studieren. Aber der Impuls war gesetzt, einen zweiten Beitrag für Christianes abc-etüden zu schreiben. Die Wörter dafür hat der „Schreibenblog“ spendiert. Sie lauten

Ameise – unmenschlich – quellen.

eigenes Foto

 

Von Ameisen und Menschen II.

Weißt du, wer die Herrscher auf Erden sind?

Der Mensch, so meinst du wohl, mein Kind.

 

Doch gibt’s daneben nen anderen Herrn

Den haben die Menschen nicht allzu gern

Das sind die klitzkleinen Ameisen

Du siehst sie erst, wenn sie an eben den Stellen

Auf denen du sitzt, plötzlich wimmelnd vorquellen

Und sich stürzen auf deine Leibspeisen.

 

Wie schaffen sie’s bloß, dass sie überall leben

Und niemals eroberte Räume aufgeben?

Sind wir nicht die Riesen und Zwerge sind sie?

Fast scheint’s mir unmenschlich, wie sie da marschieren

Und tapfer auch Mauern und Gräben passieren

Und immer vorangehn, ermatten sie nie?

 

Mag sein, sie ermatten, mag sein, dass sie sterben

Doch immer wird ihre Art sich vererben

Im Großen und Ganzen, zu dem sie gehören

Da wimmeln die Schwestern und bauen die Nester

Und hüten und schützen die Kleinen, mein Bester,

und wenn wir Menschen die Nester zerstören

 

Dann ziehen sie um, beginnen von vorn

Sie schaffen und bauen und schleppen das Korn

Und schleppen die Fliege und melken die Laus.

Die Königin nur, die muss überleben

Denn ohne würd’s keinen Nachwuchs mehr geben

Leer stünde der Hügel, und das Leben wär aus.

 

Die Ameisen erfanden ein soziales System

Das ist für die Vielen vielleicht unbequem

Dem Ganzen jedoch bringts Gewinn.

Heißt das nun, wir sollten den Ameisen gleichen

Mit vielen Arbeitern und wenigen Reichen,

Wo nur der Staat zählt und nie das „ich bin“?

 

Gemeinschaftlich handeln, das sollten wir auch

und uns nicht nur füllen den eigenen Bauch.

Doch Ameisen wolln wir nicht werden.

Ameisen sind ein andres Geschlecht

Ihr Kollektivismus ist artgerecht

und ist für sie nützlich auf Erden.

 

Der Mensch sei sozial, er sei gleich und doch frei.

Dafür wurd gekämpft und wir bleiben dabei

Wir wolln keine Ameisen werden.

296 Wörter

eigene Zeichnung

 

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Dienstags-Drabble: Alte Muster durchbrechen (in Reimen)

Das Dienstags-Drabble, für das Heide (Puzzleblume) die Wörter aussucht, fordert einen 100-Wörter-Text, in dem die Wörter Muster- ermöglichen – ausgeklügelt vorkommen.

Dem „alten“ Auf-um-Aug-Gesetz hatte das frühe Christentum abgeschworen – was ist draus geworden? Und was ist geworden aus Franz Joseph Strauß‘ Satz, dass jedem Deutschen die Hand verdorren möge, der jemals wieder ein Gewehr in die Hand nehme? Schnee von längst vergangenen Jahren.

„Jeder Schuss ein Russ, jeder Stoß ein Franzos!“ sollte die deutschen Lanzer im 1. Weltkrieg befeuern. Inzwischen sind Frankreich und Deutschland „befreundet“ und stehen „vereint“ gegen „den Russen“. Und so wurde zwar der zweite Teil des Spruchs ad acta gelegt, aber der erste neu belebt. Möchten Napoleon und Hitler wieder gen Moskau marschieren lassen? Oder wer sonst? Wem dient dieses neue Kriegsgeschrei? Wer profitiert davon?

Auf einem Plakat neben mir an der Wand steht „Contro le Guerre“ – gegen den Krieg. Wir kauften es vor Jahren in Venedig und hängten es hier auf – unübersehbar für jeden Besucher.

Alte Muster durchbrechen

„Und ist die Technik auch schon prächtig ausgeklügelt

Die Falte, die mal war, wird nie mehr ausgebügelt

Und eine Tat, die mal geschehn, wirkt immer fort

Und wenn es Mord war, dann gebiert sie stets von Neuem Mord.“

*

Gibt es denn nichts, um dieses Muster endlich zu durchbrechen?

Muss immer wieder Aug mit Aug und Tod mit Tod sich rächen?  

*

Es fiel, als ich ein Kind war, einst das große Wort:

„Wer nochmal ein Gewehr ergreift, des’ Hand verdorrt“.

*

Ermöglicht wurde Frieden zwischen Feinden, weißt du noch?

Was zwingt Nationen wieder unters Kriegesjoch?

*

„Jeder Schuss ein Russ!“

Damit sei Schluss!

dem Frieden eine Chance!

 

 

 

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Zeigt her eure Tassen 22: Becher und Bewegung im Vergleich

Für den heutigen Beitrag zu Juzicka-Jess (Amorak)s Blogparade „Zeigt her eure Tassen“ habe ich zwei Zeichnungen ausgewählt, um sie zu vergleichen.

Auf der ersten Zeichnung ist ein einfarbig roter Becher wiedergegeben. Kompositorisch herrscht das Prinzip der Reihung, das die Bücher im Hintergrund vorgeben. Die Gegenstände werfen dunkle Schatten in zwei Richtungen, vor und zurück.

Auf der zweiten Zeichnung ist es ein Eulenbecher. Becher und Früchte spiegeln sich hell in einem runden Unterteller. Der Teller möchte Becher und Obst in die Kreisbewegung hineinziehen. Die Früchte scheinen willig, der Becher zögert, er kreist in sich selbst.

 

 

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Impulswerkstatt, Mosaikstein „Mole“ 4: Große Illumination in Koroni

Gestern verbrachte ich einen besonders schönen Tag in der mittelalterlichen Stadt Koroni auf der uns gegenüberliegenden Seite der Messenischen Bucht. Wir waren dort zum Osteressen eingeladen (dazu ein anderer Eintrag). Am Abend stiegen wir die steilen Treppen zum Hafen hinunter,

Unten erwartete uns eine Überraschung. Auf dem Kai drängten sich die Menschen. Als es dunkel wurde, begann das Spektakel mit rot illuminierten Fischerbooten. Im Hintergrund die Hafenmole von Koroni.

Eine magische Atmosphäre. Wir schlugen uns bis zur langen ins Meer hinaus gebauten Mole durch und ergatterten einen Platz auf einer steinernen Sitzbank. Und so hatten wir einen Logenplatz, um dem Feuerwerk zuzuschauen, das nun von den Fischerbooten aus gezündet wurde.

Fasziniert schaute ich dann zu, wie die Heißluftballons, die mir schon zuvor aufgefallen waren, gezündet wurden. Um solch ein Ding zu zünden, kooperierten Papa und Mama einträchtig, dann wurden die Kinder gerufen, alle fassten an und ließen dann auf Kommando los. Das waren schöne Szenen! Die Ballons stiegen einer nach dem anderen hoch und bildeten eine Kette, so als ob sie auf einer himmlischen Landstraße dahinzögen. Gelegentlich gelang es einem, einen anderen zu überholen.

Im Hafenbecken eine letzte Spiegelung des Ballons, der sich nun in den Weiten des Himmels verliert.

Dies ist ein weiterer Beitrag zum Mosaikstück „Mole“, das Myriade für die laufende Runde der Impulswerkstatt ausgesucht hat.

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Zeigt her eure Tassen 21: Ostermontag-Tasse in Koroni

Heute morgen erwachte ich in der Wohnung einer Freeundin in Koroni, die ihrerseits in Arkadien unterwegs war. In einem Glasschrank fand ich eine Menge Tassen.

Ich wählte eine aus und trug sie hinaus auf die kleine sonnige Terrasse, um sie auf dem hübsch dekorierten runden Gartentisch abzustellen und für den heutigen Beitrag zu Juzicka-Jess (Amorak)s Blogparade „Zeigt her eure Tassen“ zu fotografieren

.

Eine runde Sache!

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Zeigt her eure Tassen 20: Wohnraum mit Eulentasse

Auch am Ostersonntag soll die tägliche Tasse nicht fehlen, zu der uns Juzicka-Jess (Amorak) mit ihrer Blogparade „Zeigt her eure Tassen“ aufgefordert hat.

Die Eulentasse ist ja eigentlich nichts Besonderes  – aber sie weiß sich in Szene zu setzen: immer ganz vorn, in Reichweite der Zeichnerin.

Da ich morgen und übermorgen unterwegs sein werde, poste ich dies schon mal heute Abend.

Und nun feiert mal schön!

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Archivbild der Woche: 19.4.2020 war auch Ostern

Als ich eben im Archiv stöberte, um für das von Heide (Puzzleblume angeregte Projekt „Archivbild der Woche“)  etwas Interessantes zu finden, stellte ich fest, dass wir an einem Tag wie diesem vor fünf Jahren in Athen Ostern feierten. Das damalige „Osterfest mit beschränkter Haftung“ fand unter strengstem Covid-Regime statt. Die Stadt war mucksmäuschenstill, denn es galt ein allgemeines Verkehrsverbot, damit niemand in Versuchung geriet, seine Verwandten zu besuchen.

„Frohe Auferstehung uns allen!“ betitelte ich meine Oster-Postkarte.

 

An jenem 19. April machte ich außerdem eine Reihe von Legebildern mit Texten, die unter dem Titel „Knigge zu Covid-Zeiten“ standen.

Hier nun die Texte und Bilder vom 19.4.2020. Es darf gelacht werden.

Um den Regierungen in diesen schweren Zeiten zu helfen, beginne ich nun eine neue Rubrik: Knigge zu Corvid-Zeiten.

Übung No. 1: Die Situation korrekt einschätzen

Welchen Fehler macht der Mann mit Pudelmütze, der ein chinesisches Kleinkind im Rucksack trägt?

Wie ist das Verhalten des Hundebesitzers zu bewerten?

Was für ein Schriftstück hält der junge Mann rechts im Bild wohl hinter seinem Rücken versteckt? Unter welchen Voraussetzungen darf er die Herausgabe verweigern?

Übung No 2: Finde das korrekte  und das fehlerhafte Verhalten

a) Was macht der junge Mann links richtig? Welche Folgen hat sein richtiges Verhalten für ihn selbst und die anderen Beteiligten?

b) Was macht der junge Mann rechts falsch? Welche Folgen hat sein falsches Verhalten für ihn selbst und die anderen Beteiligten?

c) Stell dir eine Skala von 1 bis 100 vor, wobei 0 = ganz schlecht, 100 = ausgezeichnet bedeutet: Wie bewertest du das Verhalten der jungen Dame?

 

Übung No 3. Eine Mutiple-choice -Aufgabe.

Du siehst zwei Personen in lebhafter Unterhaltung, die sich nicht an die Corvid-gebotenen Anstands- (Abstands-) Regeln halten. Wie ist die korrekte Reaktion auf eine solche Regelverletzung?

a) weitergehen

b) stehenbleiben, irritiert den Kopf schütteln und ts ts ts sagen

c) deutlich vernehmbar rufen: Wenn alle das tun würden! Haben Sie denn gar keinen Anstand….Sie wissen doch, dass Sie Abstand ….

d) deinen Freunden in den social media missbilligend von dem Vorfall berichten

e) die Polizei benachrichtigen, damit sie für Ordnung sorgt und ein Bußgeld verpasst. Manche Leute brauchen das zu ihrem eigenen Schutz.

Übung No.4. Schreiben Sie einen Besinnungsaufsatz zu folgendem Thema:

„Darf man in Corvid-Zeiten unangenehme Fragen stellen?“

Hier ein paar Einhilfen:

Die Sphinx stellt allen nach Theben Reisenden eine Rätselfrage. Wer die Frage nicht beantworten kann – und das sind alle – wird von der Sphinx gefressen.

Die Moral von der Geschicht: Wer sich unerlaubt in der Welt herumtreibt, wird mit Fragen konfrontiert, die er nicht beantworten kann, und wird gefressen.

Da kommt Ödipus vorbei. Die Sphinx stellt ihre Frage, Ödipus aber …. kennt er die Antwort? Und was geschieht weiter mit ihm?

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