Tagebuch der Lustbarkeiten: Eidechschen

Vom Schwimmen in der Bucht kommend kletterten wir langsam die Stufen zur Straße hoch. Da präsentierte sich uns ein Eidechschen.

Vorsichtig näherten wir uns.

Es war kein bisschen schreckhaft, sondern glitt in seinem eigenen gemächlichen Tempo die Treppe hoch.

Offenbar gefiel es sich in seiner Rolle, für meine heutige Post zu posieren. Zuletzt dreht es sein Köpfchen und betrachtete interessiert den Fotografen.

Die Fotos machte mein Sohn, der zu Besuch ist. Mir aber fielen die Strophen ein, die ich einst für den Roman „Schwanenwege“ erdichtete:

Eine Eidechse glitt über einen Stein, hob das Köpfchen, stutzte, krabbelte auf Swantjes Hand. Die Berührung war wie ein zarter Hauch. Funkelte nicht ein Krönchen auf ihrem Kopf? Swantje hielt ganz still und flüsterte:

Kroko, Krone, Krokodilchen,
hast wohl Lust auf Liebesspielchen?

Das Eidechschen züngelte und lispelte:

Woher kommst du, holde Nymphe?
Aus dem schwarzen Sog der Sümpfe?
Aus dem tiefen Brunnenloch,
woher kommst du, sags mir doch!
Wo fandst du das goldne Leibchen,
schönstes aller schönen Weibchen?
Wart ich bring dir sieben Schleier,
dass geschmückt du gehst zur Feier.
Tanzen wirst du, schönes Kind,
tanzen mit dem Frühlingswind!

und schon raschelte es davon.

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Dienstags-Drabble. Kein Durchkommen (kata-strophisch)

Mein Beitrag zum Dienstags-Drabble, das Heide von der Puzzleblume ausrichtet. Die zu bedienenden Wörter waren Durchkommen, anders, einkaufen.

Irgendwas ist heute anders.

Hier war früher eine Tür

Und jetzt ist da ne Wand.

Du sagst, das war nicht hier

Das war woanders?

Wo denn? In einem andern Land?

 

Nein, nicht in einem andern Land, mein Lieber

Es war ne andre Zeit, von der ich sprech.

Durchkommen nannt man das.

Und hatte einer einmal Pech

Und war sein Tag mal trüber

Dann machte man zusammen auf ein Fass.

 

Jetzt heißt es, warum hast du nicht

rechtzeitig vorgesorgt

Und eingekauft, was nötig?

Da wird nicht mehr geborgt,

da ist man nicht erbötig

Den, der gescheitert ist, den kennt man nicht.

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Impulswerkstatt, Wasserfall über Felsen (5)

Mein 5. Eintrag zu Myriades „Felsenparade“ zeigt die Felsen, über die ein Wasserfall stürzt. Ich liebe diesen Ort, der durch seine unberührte vielfältige Natur und das eiskalte Wasser besonders im Sommer viele Naturfreunde anlockt. Kein Wunder, denn es ist ein Wunder der Natur.

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Zum großen Wasserfall kann ich nicht mehr klettern, Aber die niedriger gelegenen Becken, die das strömende Wasser in die Felsen gemeißelt hat, sind nicht minder schön.

 

 

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Gingernillis 12: Kleine graue Mutter

Als Beitrag zum heutigen Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) und zugleich  Nachtrag zum gestrigen Muttertag eine Kleinplastik aus Afrika – mein Mann brachte sie mir einst aus Zaire mit. Ihr Kind hat sie auf den Rücken gebunden, und mit einem Stößel bearbeitet sie Getreide in einem Trog. Um sie zu zeichnen, stellte ich sie zusammen mit Naturobjekten vor einen runden Holzteller aus Ravenna – kunstvolle Nachbildung eines im 17.Jahrhundert beliebten Spiels, das mir hier als „Weltall“ dient.

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Gingernillis 11: indonesischer Denker

Im Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) zeige ich heute eine kleine hockende Messingfigur aus Indonesien (ich war nie dort, habe sie wohl mal in einem Geschäft gekauft).

Wie klein sie ist, kannst du durch Vergleich mit dem Meerschneckenhaus und dem Pinienzapfen ermessen.

Natürlich habe ich sie auch gezeichnet, mit weichem Bleistift auf einer großen Zeichenpappe.

 

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Archivbild der Woche: „Denn man sieht nur die im Licht sind….“ (Bert Brecht)

Es macht Spaß und ist anregend, jeden Sonntag ins Archiv hinabsteigen und zu schauen, was einen in früheren Jahren bewegt hat. Danke für die Anregung, Heide! (hier)

An einem Tag wie diesem, am 11. Mai 2020, fotografierte ich einen Papa und sein Töchterlein beim Ballspielen in der leeren Dexameni (Wasserreservoir) in Maroussi (a). Das Foto wurde zum Anlass, ein paar allgemeine Gedanken zum Geschehen auf der Vorder- und der Hinterbühne zu formulieren (hier). Ich illustrierte die Gedanken, indem ich (b) den dunklen Hintergrund aufhellte und (c) den Vordergrund abdunkelte.

(a) Der gewöhnliche Blick auf ein Geschehen: man beachtet die Vorderbühne, die Hinterbühne liegt im Dunkeln.

b) Die Hinterbühne wird erhellt. Ein ganz anderes Geschehen wird sichtbar.

c) und die Vorderbühne liegt nun im Dunkeln. Das geschehen auf der Hinterbühne rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Man kann das natürlich als Allergorie auf das politische Geschehen lesen…

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Gingernillis 10: Meerschneckenhäuser

Zu den Gingernillis aka geliebter Krimskrams, den ich hier einen Monat lang im Rahmen des Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) zeigen will,  möchte ich auch die kleinen Kunstwerke der Natur zählen, die sich in Schalen, Dosen, auf dem Kaminsims oder dem Couchtisch herumtreiben und die ich immer gern mal wieder in die Hand nehme und bestaune. Dies ist nun ein Meerschneckenhaus.

Woher ich es habe? mir scheint, ich habe es vor vielen Jahren auf der griechischen Insel Karpathos gekauft. Die Insel ist berühmt für ihre Schwammtaucher, aber ob sie auch dieses Meerschneckenhaus vor ihrer Küste gefunden haben, weiß ich nicht.

Woher ich es habe? mir scheint, ich habe es vor vielen Jahren auf der griechischen Insel Karpathos gekauft. Die Insel ist berühmt für ihre Schwammtaucher, aber ob sie auch dieses Meerschneckenhaus vor ihrer Küste gefunden haben, weiß ich nicht.

Es kann aber auch sein, dass ich dieses Meerschneckenhaus, das noch besser in der Hand liegt, dort kaufte.

 

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Impulswerkstatt, im Schatten der Felsen (4)

Ein weiterer Beitrag zu Myriades Myriades Impulswerkstatt und ihrer Felsenparade.

„Meine“ Bucht wird durch eine Reihe von Felsen begrenzt. Auf einem steht ein Haus, das seit langem unbewohnbar geworden ist.

Das Meer davor ist die schönste Ecke der Bucht. An heißen Tagen ist es ein besonderes Vergnügen, im Schatten dieser Felsen zu schwimmen. Man kann allerlei Fischlein beobachten … aber das ist eine andere Geschichte.

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Gingernillis 9 : blauhaarige Puppe

Gehören Puppen zu der Spezies Gingernilli? Ich denke schon, dann nämlich, wenn sie einst im Haushalt landeten und dort nun ein stilles Eigenleben führen.

Die Puppe, die ich am 9. Tag der Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) zeigen möchte, hat sich eines Nachts bei mir eingefunden – oder genauer: ich habe sie in einer schmutzigen nächtlichen Straße zwischen zwei Autos am Boden liegen sehen und, da ich sie nicht einem düsteren Schicksal überlassen wollte, mit nach Hause genommen. Seither hat sie mir so manches Mal Modell gesessen. Hier habe ich sie mitsamt ihrer Konterfeis anlässlich einer Aktion für behinderte Jugendliche ausgestellt.

In Aufstellungen, aber auch in Zeichnungen ersetzt sie gelegentlich die Rolle eines Babys.

 

 

Inzwischen ist sie arbeitslos geworden und träumt mit einem verletzten Arm, aus dem die Füllung quillst, still vor sich hin.

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Impulswerkstatt, Felsen 3: Symplegaden

Mein dritter Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt und zur Felsenparade.

Die Symplegaden – die Zusammenstoßenden – waren frei schwimmende Felsen, die im Mythos der Argonauten eine Rolle spielten. Es war schwierig, durch diese Felsen hindurch zu segeln, zumal in den homerischen Zeiten und erst recht davor das Segeln auf Treibsegel beschränkt war: das Kreuzen gegen den Wind kannte man noch nicht. Und nun stell dir vor, du sollst durch zwei Felsen hindurchsteuern, die sich bewegen! Genau das aber musste man bewerkstelligen, wenn man den Bosporos, also die „Kuhfurt“ vor dem heutigen Istanbul durchqueren wollte.

Die Argonauten wollten nach Kolchis – heute in Georgien gelegen -, um das „goldene Vlies zurückzuholen“, und dafür mussten sie den Bosporos und das Schwarze Meer durchqueren. Was also taten sie? Jason, der Bootsführer, ließ eine Taube fliegen, um die Zeit zu testen, während der die Symplegaden auseinandertrieben und bevor sie wieder zusammenstießen.  Die Taube schaffte es hindurch, die Argo folgte ihr rudernd. Seither sind diese berühmten Felsen unbeweglich geworden. Wir brauchen daher keine Tauben mehr, um sicher durch den Bosporos zu schippern.

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