Andalusienreise (9) Cadiz 2: Meer und Kathedrale

Drei wundervolle Tage lang waren wir in Cadiz, also habe ich noch einiges zu nachzutragen. Und ihr verzeiht mir, dass ich erzähle von Dingen, die nun schon fast zwei Wochen zurückliegen. Das lässt sich nicht vermeiden: Die Erinnerung hinkt immer hinterher.

Sicher weißt du, dass die Altstadt von Cadiz auf einer Insel liegt, und dass der Atlantik und nicht das Mittelmeer an seine Küsten spült. Es liegt also jenseits der „Säulen des Herakles“, wo sich Afrika und Europa am nächsten kommen, und wurde im Altertum Gadir genannt. Bloggerfreund Michael hat schon zum vorigen Eintrag den entsprechenden link gesetzt (hier).

Ich war scharf darauf, den Atlantik zu sehen, Als ich ihn sah, schien er mir auch nicht so viel anders zu sein als das Mittelmeer. Aber das Wissen, dass sich so bald kein Land mehr zeigen wird, wenn man einmal von hier aus in See sticht, beeindruckte mich doch.

Nicht nur Weite kennt diese Stadt, sie kennt auch Enge: Die Straßen sind wie in einer militärischen Anlage im rechten Winkel zueinander angelegt, und sie sind eng. Um den Himmel zu sehen, musst du den Kopf in den Nacken legen. Oder weitergehen in der Gewissheit, dass sich irgendwann der Blick wieder öffnen wird auf das unendliche Meer.

Es war heiß in Cadiz, aber das Meer bringt doch immer einen Hauch von Frische mit. Und so sind auch die Farben andere als in Sevilla oder dem danach besuchten Cordoba.

Das Meer ist präsent, ist Teil der Stadt. So ist auch die gewaltige Kathedrale wie eine Trutzburg gegen das Meer aufgerichtet, Sie dreht ihm freilich den Rücken zu.

Von vorne betrachtet vergisst man das Meer und sieht nur den gleißenden Himmel.

Und geht man hinein, wird man überwältigt von dem Gefühl einer anderen Erhabenheit: hochragende Säulen und lichtdurchflutete Wölbungen schaffen eine dem Meer so ganz entgegengesetzte Atmosphäre.

Die Kirchen Andalusiens sind stark vom Barock, und das heißt auch, von der Gegenreformation geprägt. Die angeschlagene, in Frage gestellte katholische Kirche stellte sich noch einmal, entschlossener denn je, den Reformatoren mit Inquisition und Prachtbauten entgegen. Das, was sie im ausgehenden Mittelalter, in der beginnenden Neuzeit schuf, womit sie ihre „Schäflein“ noch einmal um sich zu sammeln verstand, ist tatsächlich eindrucksvoll. Die Wände sind hier, anders als in den orthodoxen Kirchen, unbemalt, die Wirkung wird durch den gewaltigen Bau selbst erzeugt.

In diese Hallen eingefügt sind dann die Bildwerke: anrührende geschnitzte Figuren, marmorne Engel, Märtyrer, und mythische Könige …

Bin ich in einer solchen Kirche, kommt mich weniger das Gefühl der Frömmigkeit und inneren Einkehr an als das der Bewunderung für die Selbstherrlichkeit und den Herrschaftswillen der katholischen Kirche. Es ist schon großartig, es ist römisch, wie sie sich darstellt in der Welt.  Mit diesem Selbstbewusstsein hat sie sich den südamerikanischen Kontinent und seine Schätze einverleibt. Von hier fuhren ja die Flotten los, die Spanien mit Südamerika verbanden.

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bloggerbesuch aus Österreich

Ich mags es ja sehr, wenn man Menschen, die man nur vom Bloggen kennt, persönlich kennenlernen und umarmen kann. So ging es mir heute mit Lo Padi und ihrem Ingenieur, die mit ihrem Mucki in Griechenland unterwegs sind (schau mal hier). Sie hatten ihren großen Camper im Nachbardorf abgestellt. Ich war ganz schön erstaunt, dass sie plötzlich schon hier waren, denn sie hatten sich zuletzt von einem schönen Campingplatz bei Igoumenitsa gemeldet.

Ich sauste hinunter an den Strand, um mit ihnen gemeinsam zu frühstücken. Doch leider fanden wir kein geöffnetes Cafe. Es ist Mitte Oktober, und trotz zauberhaften Badewetters ist die Saison eben doch schon so ziemlich vorbei. Also fuhren wir zu mir nach Haus, was dann auch Gelegenheit zu einer Hausbegehung bot. Lores Ingenieur entdeckte prompt auf dem Turmdach eine ausrangierte Klimaanlage, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte. Am liebsten hätte er sie ja gleich repariert ….

Das verlängerte Frühstück zu Viert bot Gelegenheit, Ansichten über Politik und Wirtschaft und Bildungssystem und dies und das auszutauschen und die beste Route für den nächsten Streckenabschnitt auszudebattieren. Beweisfotos dürfen natürlich nicht fehlen, hier beim Frühstück.

Das rote Getränk ist übrigens eine Probe von Nenas köstlichem Feigenkaktussaft.

Jetzt seid ihr beiden, so hoffe ich, schon längst bei eurem nächsten Ziel angekommen – dem Campingplatz in der Bucht Kalogria, wo Szenen des Alexis-Sorbas-Films gedreht wurden. Gute Nacht, ihr Lieben! 

 

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Andalusienreise (8) Ankommen in Cadiz: Hotel, Frühstückspark, Papgeien und Baumriesen

In Cadiz, unserer zweiten Station, hatten wir drei Nächte in einem prächtigen Hotel gebucht, das einst britischen Diplomaten, die die kriegerischen Maßnahmen gegen die napoleonischen Belagerer koordinierten, als Hauptquartier gedient hat. (Willst du mehr über die Napoleonischen Kriege in Spanien wissen: hier). Davon hatte ich freilich keine Ahnung, als ich buchte. Wie ich auch sonst fast nichts über Cadiz wusste. Mir ging es nur um etwas Luxus auf dieser unserer womöglich letzten gemeinsamen Reise. Und wenn es nicht unsere letzte war, was ich hoffe, so war der Luxus in jedem Fall angebracht, denn nach den anstrengenden Tagen in Sevilla brauchten wir Ruhe.

Die frühere Bedeutung des Hotels wurde uns in Form einer Seeschlacht, die als riesige Gravour über den extra breiten Betten angebracht war, vorgeführt. Bei flüchtigem Hinschauen könnte man sie für eine Notenschrift halten ….

Eindrucksvoll waren auch die dicken eisenbeschlagenen Holzflügel vor den Fenstern, geeignet, einen feindlichen Angriff abzuwehren. Doch gebraucht wurden sie nicht: Das Leben in Cadiz verlief ohne Kriegsgeschrei, Das einzige Geschrei kam von den grünen Papageien, die den naheliegenden Park bewohnten und in dem wir unser Frühstück einnahmen.

Die Vorzüge des Parks hatten wir schon am Abend unserer Ankunft ausgekundschaftet. Gewaltige Palmen, grüne Papageien, Hibiskusblüten, rote Sonnenschirme….(das Cafe als Zeichnung hier)

 

…kleine Statuen und ungeheuer große Bäume mit gewaltigem Wurzelwerk.

Ich sah auf unseren Spaziergängen noch viele solche Giganten, noch größere, noch mächtigere als diese, so dass am Ende von all den Schönheiten der schönen Stadt die Bäume sich mir am tiefsten einprägten. Ihre Großartigkeit ist auf Fotos kaum wiederzugeben.

Wer noch mehr Baum-Fotos aus Cadiz sehen will: es gibt eine Seite dazu (hier)

 

 

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Andalusienreise: Andalusisches Zentrum für zeitgenössische Kunst (Fortsetzung und Schluss)

Ins Andalusische Zentrum für Zeitgenössische Kunst, das zugleich ein aufgegebenes Kloster und eine stillgelegte Keramikfabrik ist, gerieten mein Sohn und ich zufällig und fielen von einer Überraschung in die nächste. Magische Momente waren das. Ich weiß nicht, ob du hier mitgelesen hast, falls nicht, findest du die Geschichte hier und hier.

Nun sind wir mit der Besichtigung der Gebäude und Ausstellungen durch. Einen letzten Blick noch werfe ich in eine Art Säulengang mit Wasserbecken, der von einem blühenden Teppich verhüllt ist…

dann wenden wir uns zum Gehen. Da bemerke ich zwei Männer, die damit beschäftigt sind, kleine Leckereien auf Tabletts zu arrangieren. Wir dürfen kosten, und ich frage mich, ob wohl eine Vernissage vorbereitet wird?

Die Antwort zeigt sich sogleich: vor dem Tor der Hauptkirche, die nun offen steht, stehen Menschentrauben, einige gehen hinein – darunter auch wir. Denn natürlich muss ich wissen, was hier abgeht. Und so geraten wir nun in eine weitere Wunderwelt: Schön arrangiert in den kirchlichen Räumen ist das Werk einer polnischen Roma-Künstlerin zu sehen, die im Vorjahr Polen auf der Bienale von Venedig vertrat (hier) und 2020 auf der Berlin-Bienale für zeitgenössische Kunst zu sehen war: Malgozata Mirga-Tas (weitere Info hier).

In diese Räumen in Sevilla  passt ihre Ausstellung , „Remembranza y Resignificacion“ wie eine Hand in den Handschuh:  Erinnerung und Neubestimmung sind ja die Motive, die diesen ganzen Baukomplex – und nicht nur diesen – kennzeichnen und geradezu als Leitmotiv für Andalusien gelten könnten (gestern erzählte ich z.B. von der Tabakfabrik, die zur Universität wurde).  Die Bilderwelt von Mirga-Tas selbst greift tief in die Vergangenheit zurück und sucht mithilfe einer lange in Vergessenheit geratenen Kunstform – Textilcollage – Erinnerungsbilder in die Gegenwart zu holen und neu zu interpretieren.

Auf drei Ebenen entwickeln sich Bildergeschichten, die das Schicksal ihres Volkes aufgreifen und deuten.  Seien es Festivitäten …

oder Szenen der Alltagswelt…

sei es eine alte Frau auf ihrem Sofa, das Kartenspiel griffbereit ….

oder diese Karten selbst

sei es die Imitation antiker Säulen wie auf den ganz oben gezeigten Friesen …

oder auch ein willkürlich herausgegriffenes Detail…

überall zeigt sich die Meisterschaft in der Zusammenfügung unterschiedlichster Textilien zu Bildern umd Bildgeschichten.

Der Kirchenraum fügt den Bildern eine weitere Dimension zu, denn etliche sind genau in die Felder eingepasst, die früher Heiligengeschichten und Kirchenfürsten vorbehalten waren.

Wir stehen und staunen und können uns nicht sattsehen. Als wir endlich aufbrechen und uns dem Tor nähern, das uns in diese magische Welt lockte, geht der Vollmond auf, und uns uns entgegenkommendes Paar fragt, wo die Flamenco-Vorführung sei ….

O ja! das wäre der passende Ausklang, aber wir müssen nun wirklich zurück zum Hotel, wo mein Mann auf unsere Heimkehr wartet.

Der Sevilla-Tower unddie nun erleuchtete Stadt spiegeln sich im Guadalquivir, dessen glatte Oberfläche von einem Boot zerrissen wird.

 

     
     
           
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Tagebuch der Lustbarkeiten: Sevilla noch mal im Zeitraffer

Kopfschmerzen und hilflose Betrübnis sind die Folgen, wenn man, wie ich heute, die Weltereignisse aus der Ferne zu verfolgen und nachzuempfinden versucht. Nun möchte ich mein und euer Gemüt mit Lustbarkeiten ein wenig aufheitern. Kramend in den Bildern der Analusienreise fand ich dieses geeignet.

Eine liebenswerte Kellnerin zauberte das Lächeln mit zwei Flaschen, die Öl und Essig enthielten, auf die Vorspeise. Welch entzückender Empfang!

Überhaupt ist dieses Restaurant, das wir am ersten Tag zufällig fanden, in jeder Hinsicht rühmenswert. Aus der Hitze der von Touristen gefluteten Straße traten wir ein in einen hohen schattigen mit Glas überdachten Hof. Zu dieser Stunde waren wir ganz unter uns und genossen die köstlichen Speisen. 

Eine Venus von Milo leistete uns Gesellschaft.

Die Original-Venus aus Marmor der griechischen Insel Milos steht natürlich nicht hier, sondern im Pariser Louvre. Aber sie scheint als Gegengewicht zu all den Madonnen und melancholischen Magdalenen (diese aus dem Kreis der großen Malerin Artemisia Gentileschi stammende, ca 1622 gemalte, sah ich zuvor in der Kathedrale der Stadt)

durchaus beliebt zu sein. Denn ich sah sie, samt anderen griechischen und römischen Berühmtheiten, gleich noch einmal in der Gips-Sammlung der Universität, die in der Alten Königlichen Tabakfabrik untergebracht ist. In diesem imposanten, wie eine Festung von einem Graben umgebenen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert – es galt damals als das größte Industriebauwerk Europas – waren wir nämlich auch noch.

Und besahen, was Studierenden und Besuchern als Gipsform an griechischer Anmut und Körperbewusstsein (oben) und an römischem Machtwillen und Gesetz (unten) dargeboten wird.

Das Gebäude haben wir, soweit zugänglich, auch durchwandert.

Auf einer Treppenstufe entdeckte ich eine andere mir unbekannte Schöne…

und dachte unwillkürlich an Marcel Duchamps berühmtes Gemälde „Nackte, die Treppe hinabsteigend“, 1912 gemalt und im Museum für Modern Art in Philadelphia, USA befindlich

Weit hergeholt? Na, meinetwegen. Bleiben wir also beim barocken Ausdruck, der Sevilla so liebenswert macht, auch wenn er sich, wie an dieser Wand, zeitkritisch präsentiert und damit meinem akuten Lebensgefühl ein wenig annähert.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: zurück in der Mani.

Während ich seelisch immer noch in Andalusien herumwandere, hat sich mein Körper inzwischen erst nach Athen, wo mich neben vielem anderen mein nächtlicher Balkon und die Blüten eines Tulpenbaums erfreuten…

und nun auch in die Mani bewegt. Und die Seele zieht dem Körper langsam hinterher . Denn das Leben geht ja weiter, und auch hier ist viel Schönes und Lustbares zu entdecken. Da sind vor allem die Katzen, die mich bewogen haben, schleunigst in die Mani zurückzukehren. Ich musste wissen, wie es ihnen ergangen ist. Offenbar gut. Der Fütterungsdienst hat geklappt. Die fünf erwachsenen Katzen und die zwei halbwüchsigen Kater stellten sich alsbald ein und belagern seither die Haustür, und als ich den Katzentransporter verschob, stoben zwei goldene Winzlinge daraus hervor.

Im Garten blüht die Lilie, die ich jedes Jahr begrüßen darf (hier), und ein Kürbis – oder ist es ein übergroßer Zucchini? – reift vor sich hin und wird gelb. Schwimmen im noch immer warmen Meer war ich heute auch schon wieder. Das Leben ist voller Lustbarkeiten.

Lin und Lan, die halbwüchsigen Kater, sind schon eine ganz besondere Rasse.

Die noch namenlosen Neulinge stellen sich vor: ängstlich fragend der eine ….

auf sichere Distanz unter der Palme der andere.

Ich weiß, ich weiß, es sind zu viele. Aber welche ist überflüssig? Es ist wie bei den Menschen: auch die sind zu viele. Aber wer, wer ist zu viel? Und wer ist wichtig genug, um zu bleiben?

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Andalusienreise (7): Das Andalusische Zentrum für Zeitgenössische Kunst in Sevilla (2)

Nun also mehr zu meinen Eindrücken im Andalusische Zentrum für Zeitgenössische Kunst, in das wir so überraschend und ungeplant gerieten.

A.

Als erstes betreten wir eine Kirche, die  heute zeitgenössischer Kunst als Rahmen dient. Und auch als geistiger Bezug – im Sinne des Widerspruchs, der Negation, der De-Sakralisierung. Tritt man durch eine schützende Plastikplane ein, scheint alles noch die bekannte religiöse Sprache zu sprechen. Merkwürdig sind nur die großen Schriftzeichen, die mit Nägeln und Fäden höchst kunstvoll an den Wänden angebracht sind. Die verkündete message? Die ist mehr als banal: QUESO bedeutet KÄSE

Damit nicht genug. In einer Nische hängt eine Madonna, umgeben von goldgrundigen Ikonen. Beim Nähertreten sehe ich, was auf diesen Ikonen abgebildet ist. Kein Wunder, dass die Madonna ihre Hände ringt und die Putten zu ihren Füßen bedenklich gucken!

B

Wir gehen nun durch die Pforte in die eigentlichen Ausstellungsräume hinein. Die Räume sind groß, modern und weiß – ideal für große moderne Bilder. Die gibt es hier nun auch in riesigen Formaten, zusammengefasst unter dem Titel  Devenir pintura. Unter dem Link findet ihr bei Bedarf Namen von Künstlern. Ich war leider nicht fähig, sie mir zu merken.

Dies sind große Bildergeschichten, vor denen man lange stehen bleiben und die witzigen sorgfältigst gemalten Einzelheiten bewundern kann.

C

Weiter geht es durch die großen Räume mit sehr sehenswerten Malereien, die ich hier überspringen muss …

nun zu Installationen unter dem Titel „La danza mundanza“. Auch hier muss ich passen, was die Namen betrifft. Dabei habe ich versucht, sie mir einzuprägen.

D

Ist das nun alles? Für euch zunächst ja, nicht aber für uns, die wir noch durch viele Räume streiften, uns die Kunst besahen, uns über die dicken geweißten Schwellungen der Mauern wunderten und schließlich auf den Hof traten, wo wir dann auch die Ursache der Schwellungen sahen: die riesigen Keramiköfen der Fabrik, im Untergeschoss mit den Wänden der Ausstellungsräume vermauert, ragen hier frei in den Himmel. Das Konglomerat aus Kirchen- und Fabrikbauten wird hier oben offenkundig und schafft eine sagenhafte Atmosphäre, zumal nun die Strahlen der tief stehenden Sonne Schornstein und Öfen rötlich färben.

Fortsetzung folgt. Du darfst gespannt sein.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Erstaunliches in Sevilla

Ich mag es, Reisen in Städte, die ich gar nicht kenne, nur wenig vorzubereiten und nicht dauernd in Reiseführer zu schauen. Kenne ich eine Stadt, mag ich auch das umgekehrte Vorgehen, nämlich einzig wegen einer besonderen Veranstaltung eine Stadt anzusteuern. Im Falle Sevilla, einem zweitägigen Erstbesuch, ließ ich mich treiben. Alles war mir willkommen. Am zweiten späten Nachmittag machten mein Sohn Wassilis und ich uns auf die Socken, um am Fluss entlang Richtung Osten zu wandern, dann über eine Fußgängerbrücke die andere Seite zu erreichen und dort zurückzuwandern. Was wir auch taten.

Auf der gegenüberliegenden Flussseite gerieten wir in einen großen vernachlässigten Park. Er war schön angelegt, aber die Bewässerungsanlagen funktionierten anscheinend schon lange nicht mehr. Keine Seele weit und breit. Allein hätte ich mich nicht getraut, ihn zu durchqueren. Von dort versuchten wir, ans Ufer zu gelangen, mussten dafür etliche Umwege laufen. Schließlich gelang es uns, und wir hatten einen bequemen Uferweg unter den Füßen, blickten auf das still fließende Wasser und den Torre Sevilla, Wahrzeichen des modernen Sevilla in der Ferne, zufrieden, nach der Bilderflut der Stadt ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Wir erreichten auch die Brücke, auf der wir zurückkehren wollten, da fiel mein Blick auf ein wunderliches Tor, das offen stand. „Schau doch mal, was das ist“, bat ich den Sohn. „Eine stillgelegte Keramikfabrik“, vermeldete er, als er zurückkam.

„Lass uns reingehen, mal sehen, was da noch zu sehen ist“, schlug ich vor und überquerte neugierig die laute Straße, schritt durchs Tor und fand mich in einem stillen von alten Gebäuden flankierten Weg wieder. Der öffnete sich zu einem schön bepflanzten stillen Platz,und hinter einem Torbogen wurde eine Kirchenfassade sichtbar. Das Tor war verschlossen.

Nanu, wo waren wir?  Eine dezente Tabelle klärte uns auf: wir befanden uns im Centro Andaluz de Arte Contemporane. Im Andalusischen Zentrum für Zeitgenössische Kunst! Es gab auch einen Schalter und einen müden Angestellten dahinter, der uns. als wir den geringen Eintrittspreis zahlen wollten, informierte, dass der Eintritt eine halbe Stunde später umsonst sei. Wir könnten bis dahin den offenen Teil des Zentrums besichtigen. 

Immer noch verwundert machten wir uns auf den Weg. Von Ferne winkte ein Mann aus einem Fenster, ich zoomte ihn heran…

Wir ließen eine weitere Kirche links liegen und schritten durch ein gewaltiges Tor. Eineweite schön gestaltete menschenleere Landschaft tat sich auf. Der Torre Sevilla spiegelte sich nun in einem künstlichen See.

Inzwischen hatte mein Sohn unseren Standort ergoogelt und sich informiert (schließlich ist er Informatiker von Beruf): Das Gelände gehörte zu einem ehemaligen Kartäuser-Kloster, das in den Wirren der napoleonischen Kriege schloss. Im 19. Jahrhundert baute ein britischer Geschäftsmann ins Kloster hinein eine Keramikfabrik, die er irgendwann auch aufgab. Und alles geriet in Vergessenheit und fiel in Dornröschenschlaf, bis die Organisatoren der Weltausstellung, die 1992 stattfand, begannen, das Gelände zu renovieren. Rundum entstanden Pavillons… Und wieder fiel es in Schlaf, der aber nicht mehr so tief war. Langsam siedelten sich rundum Unternehmen an (man sieht sie nicht von unserem Standort aus), und im renovierten Kloster entstand das Zentrum für Zeitgenössische Kunst und gab dem merkwürdigen Konglomerat aus Kloster- und Fabrikbauten einen neuen Inhalt.

Und so beginnt eine wundersame Entdeckungsreise, von der ich in zwei weiteren Beiträgen erzählen will.

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Andalusienreise (6) Die Mezquita-Katedral von Cordoba

Ein wenig muss ich ja doch bei diesem weltberühmten Bauwerk, das viele von euch sicher kennen, verweilen. Ich habe nur einen Versuch unternommen (hier), das Wunderwerk des Säulenwaldes zu zeichnen, stattdessen sehr viel fotografiert, in der Hoffnung, dass ich dem Mysterium der Halbmonde und mit Hilfe der Fotos später zeichnerisch nachspüren werde.

Nicht nur die Halbmonde, die durch die sog. Hufeisenbögen gebildet werden, sondern auch die anderen Durchblicke faszinieren und brauchen näheres Studium, um sie zu begreifen.

Man wird sehen.

Die Geschichte des Bauwerks ist ebenso interessant wie dieses selbst: erst stand hier ein römischer Tempel, dann eine westgothische Kirche für den Heiligen Vinzenz. Die moslemischen Eroberer des 8. Jahrhunderts zerstörten sämtliche Kirchen außer dieser Hauptkirche. Eine Weile nutzten sie sie zusammen mit den Christen, doch schließlich zahlte der Emir Abd-al-Rahman I die Christen aus, auf dass sie sich außerhalb der Stadtmauern neue Gotteshäuser bauten, und ließ die Kirche abreißen. Das war Ende des 8. Jahrhunderts.  Dann begann man, die Moschee zu bauen. Zweihundert Jahre später ließ der Enkel des Emirs, Abd-al-Rahman III, die  Moschee  und den Orangenhof erweitern.

 

Der Orangenhof heute

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Erweiterungen und Zubauten gings weiter bis zur „Reconquista“. Ferdinand III widmete die Moschee sogleich (1236) in eine Kirche um und pflanzte auf das Minarett ein Kreuz. In den folgenden zweieinhalb Jahrhunderten blieb das Bauliche dennoch so ziemlich beim Alten.  Erst Ende des 15. Jahrhunderts beschloss man, ins Innere der Moschee eine gothische Kathedrale zu bauen. Um dafür Platz zu schaffen, riss man die mittleren Säulen ab….  

Die Säulen, auf denen die Bögen ruhen: ja, woher hatte man die eigentlich? Sie stammten aus dem ersten Vorgängerbau – dem römischen Tempel – sowie anderen römischen Bauten.  Sie sind aus Jaspis, Onyx, Marmor und Granit, zum Verlieben glatt, ich musste immerzu meine Finger drüber laufen lassen, und einige sind zudem wundersam geschmückt.

Rätsel gaben mir die Decken auf: Mir scheint, die alte Moschee hatte ausschließlich Holzdecken, und die hohen steinernen Decken seien christlicher Inspiration. Ich finde diese Frage nicht unerheblich, da sich in den Decken doch sehr verschiedene Geisteshaltungen ausdrücken. 

 

 

Diese Mixtur aus Stilelementen der alten umayyadischen Moschee, der späteren Erweiterungen und der gotischen Kathedrale – unter Verwendung römischer Bauelemente –  ist trotz aller auch berechtigten Kritik als Gesamtergebnis erstaunlich und bemerkenswert. Ist das Bauwerk zu Recht christlich, weil ja einstmals eine westgothische Kirche hier stand? So behauptete der Bischof von Cordoba 2006. Oder ist es islamisch und muss den Moslems zu rituellem Gebrauch zurückerstattet werden, wie diese fordern? Oder ist es womöglich ein römischer Tempel, aus den genannten Gründen, und man sollte hier dem Zeus oder der Diana Opfer bringen? Dann wäre allerdings die Frage berechtigt, was denn vorher hier stand, bevor die Römer….

ps. Ich hatte tatsächlich vergessen, dass ich schon einmal über die Mesquita geschrieben hatte und traurig war, dass ich sie wegen der Reisebeschränkungen nicht noch einmal sehen konnte. Das war vor zwei Jahren, und ich erzählte Willi davon….  (s.u.)

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Tägliches Zeichnen: Skulptur in Sevilla, Architektonisches in Cadiz und Wieder-zu-Haus-Zeichnungen

Ich mache jetzt noch mal einen kurzen Zwischenstopp, um meine restlichen Zeichnungen  anzubringen. Da ist einmal ein steinerner Musikant, der auf einem Steinsockel steht und seinen Schatten gegen die rückwärtige Wand wirft. Ich sah ihn in Sevilla und zeichnete ihn, auf den Stufen darunter sitzend.

Die folgende Zeichnung ist von unserem Hotelzimmer in Cadiz. Ein großes prächtiges Hotel war das, und die Betten breit und bequem. Leider wurde mein Mann krank und lag zwei Tage mit Fieber darnieder. Ich zeichnete die Wand mit dem großen Flachbildschirm und dem Kram, der sich auf dem Bord davor angesammelt hatte. Kein besonders attraktives Motiv.

Hübscher war das Cafe, in dem wir unser Frühstück nahmen. Es lag an der Ecke eines reizenden Parks mit riesigen Bäumen und blühenden Büschen, in denen grüne Papageien herumkrakeelten. Die Zeichnung machte ich, bevor die Kellnerin die Tische und Stühle auf dem Platz ausbreitete. Der Kiosk mit den vielen kleinen Fenstern (rechts im Bild) war noch geschlossen, und die roten Sonnenschirme waren noch zusammengefaltet.

Cadiz liegt am Meer, genauer, auf einer Insel. Jedenfalls das alte Cadiz, das wir besuchten. Das neue auf dem Festland gehört nicht zu den touristischen Attraktionen. Zwischen beiden spannt sich eine großartige Brücke von Calatrava. Gezeichnet habe ich hier die Küstenlinie der Altstadt, wie man sie mit der Kathedrale im Rücken sieht.

In Cadiz machte ich ein paar weitere Versuche, architektonische Einzelheiten festzuhalten. Auf der zweiten Zeichnung wird die weiße Kirchenfassade von einem schweren Schatten halbiert.

In die großen Kathedralen hineinzugehen, ist nicht immer möglich, man muss sich in Geduld fassen. Während ich wartete, zeichnete ich das Türmchen eines neben der Kathedrale von Cadiz liegenden Gebäudes mitsamt einer Palme und dem Menschengewirr darunter – meist Touristen, die wie wir in die Kathedrale wollten.

Nachzutragen wäre noch eine Zeichnung, die ich in Cordoba machte: eine geschlossene Kirche der Magdalena, ich saß erschöpft von einer größeren Wanderung auf einer Bank und schaute auf ihre Rückwand mit einem Nebenturm.

Das waren dann auch schon die Zeichnungen, die ich auf der Reise zustande brachte. Am Abend des 4.10, nun wieder zu Hause, nahm ich erneut den Stift und zeichnete ganz entspannt den Balkontisch mit allem Drum und Dran.

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