Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein’ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.
Das Schiff, nicht der Weihnachtsbaum, ist das alte Weihnachtssymbol der Griechen. Man mag das darauf zurückführen, dass die Griechen sich immer als seefahrendes Volk verstanden haben. Aber es gibt in dieser Symbolik einen tieferen Sinn.
Das Schiff – so sahen es die mittelalterlichen Mystiker, zu denen auch der Dichter dieses Liedes gehört (Johannes Tauler) – symbolisiert den bergenden Leib Marias. Sie trägt den Sohn Gottes, des Vaters ewigs Wort.
Doch heute? Heute trägt das Schiff Geschenke aller Art. Hoch beladen ist es und kann kaum das Gleichgewicht halten. Ein kleines Seeteufelchen schwingt die Peitsche: Lustig, lustig trallarallala, bald ist Niklas Abend da – und bitte nicht nur ein Pfefferkuchen und derlei Schnickschnack! eine neue Playstation ist das mindeste! Für einen Sohn Gottes ist da nicht mehr so viel Platz.

Doch wenn man genauer hinschaut, bemerkt man, dass auf dem Schiff geheime Treffen stattfinden. Das eine findet hoch oben statt, ich habe es um der besseren Sichtbarkeit willen eingeschwärzt. Mir scheint, das sind die drei Heiligen Könige, auch Weisen oder Magier genannt, die die kosmische Konstellation im Auge haben und sich darüber austauschen, ob sie sich auf dem richtigen Weg befinden.
Das andere Treffen findet am Bug statt, der noch nicht vom Gewicht der Geschenke unter Wasser gedrückt wurde. Der Kopf, der da über dem Wasser schwebt, gleicht Apoll, dem Sonnengeist der Griechen. Man kann ihn auf vielen anderen meiner Bilder wiederfinden, so auch auf dem gestrigen mit den drei Weisen aus dem Morgenland. Die Vogelgestalt des Bugsprits repräsentiert seit altersher den Geist. Es ist ein redender Bugsprit, nicht anders als der des Schiffes Argo, das einst die Argonauten gen Osten führte.
Und so dürfen wir getrost auch heute noch die zweite Strophe des alten Liedes singen, die – ein wenig abgewandelt – lautet:
Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt den Sonnen-Esprit
das Segel ist die Liebe,
der Heilige Geist der Bugsprit.



Das Schiff, das Weihnachtssymbol der Griechen, kenne ich anders, z. B. aus dem Hafen Agios Nikolaos auf der Mani. Mir gefällt das Maritime, der bunte Schmuck, mir gefallen die Lichter, die ausstrahlende Zuversicht. Könntest du, Gerda mou, bitte auch mal ein solches Boot legen?
Nicht weihnachtlich, aber hell erleuchtet dümpelt ein Fischerboot im Hafen von Molivos auf Lesvos und weist den Weg.
Ingrid sou
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Dein Wunsch ist mir Befehl, mein Ingrid“
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Fröhliche Weihnachten und liebe Grüße aus Do, Annette 🙂
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Danke schön Anette, auch dir schönes Feiern! Den größten Tannebaum habt ihr ja schon, dann kanns ja auch das größte Fest werden 🙂
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danke sehr, Gerda.
Die Dortmund-Besucher lieben diesen Riesen. Von mir aus darf er auch gerne kleiner ausfallen 😉
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