Gingernillis 21: Buddha

Es ist ein winziger Buddha aus weißer Plastikmasse, den ich heute im Rahmen des Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) präsentieren möchte. Er ist weder schön noch kostbar, sondern unansehnlich und verwittert. Und doch strahlt er irgendwie auf seine Umgebung aus, gibt der Fensterbank eine freundlich-besinnliche Couleur. Wie immer meditierend, sitzt er vor seiner Höhle, die eigentlich das Skelett einer Landschildkröte ist.

Seine unzerstörbare geistige Präsenz noch im traurigsten Material wollte ich in einer Zeichnung deutlich machen.

Ist es mir gelungen? (Kugelschreiber-Zeichnung der Serie „Kleine Dinge ans Licht gehoben“, November 2019, farbverstärkt, farbverschoben)

 

 

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Fotografie, Krimskrams, Leben, Materialien, Meine Kunst, Natur, Psyche, Skulptur, Tiere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 10 Kommentare

Dienstags-Drabble: Was ist gut, was böse? (kata-strophisch)

Mit genau hundert Worten – darunter die von Heide (Puzzleblume) vorgegebenen Küche + hoffen +  entsetzlich – habe ich versucht, eine uralte nie gelöste moralische Frage zu stellen: was ist gut, was ist böse?

Der eine findet es ergötzlich

Der andre aber höchst entsetzlich

Was doch dasselbe ist vor Gott.

 

Der Wurm im Apfel lebte glücklich

Der Bauer findet dies nicht schicklich:

„Was willst du Wurm in dem Kompott?“

 

Die Küche ist ein Ort des Grauens

Fürn Hahn, der voll des Urvertrauens

Dem Schlächter folgte auf den Block.

 

Die Oma aber hofft auch heute

Dass die von ihr geliebten Leute

Sie loben für den leckren Gock.

 

Wie soll ich nur dies Rätsel lösen

Dass von den Guten und den Bösen

Ein jeder Recht hat, wie er meint –

 

und einer lacht, der andere weint?

IMG_4231

 

Veröffentlicht unter Drabble, Erziehung, Katastrophe, Krieg, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Natur, Psyche, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Grüße von zu Haus.

Von „zu Haus“ bedeutet: aus meiner alten Heimat. Dort, wo ich geboren wurde, lebte, die Schule besuchte…. Zwei Freundinnen hatte ich. Die beiden, so schrieb mir die eine auf einer Glückwunsch-Postkarte, machen am Himmelfahrtstag zusammen einen Ausflug nach Helgoland. Wie gern wäre ich dabei!

Doch auch so bleibt die Freude, dass beide leben, unternehmungslustig sind und an mich gedacht haben. Und ich baute der Postkarte einen provisorischen Altar aus Tagebüchern. Danke! Und Gute Fahrt euch beiden! Mit dem Herzen bin ich bei euch!

 

Veröffentlicht unter Autobiografisches, Fotografie, Leben, Psyche, Reisen, schreiben | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare

Gingernillis 20: Londoner Doppelstockbus

Hier ist er nach Kensington unterwegs, bedeckt vom Staub der Sahara.

Dann gings durch eine Waschanlage, und rot und proper machte er sich auf nach Hilton. Kam er vom Weg ab?  Alle Fahrgäste sind ausgestiegen, auch der Fahrer suchte das Weite.

Ich bot ihm eine Garage im Setzkasten auf dem Balkon an. Und fotografierte ihn für den Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak).

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Fotografie, Krimskrams, Reisen | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 4 Kommentare

Gingernillis 19: Falknerin

Die sehr hübsch bemalte Marionette aus Ton hängt ziemlich unbeachtet am Regal auf dem Flur. Ich hielt sie für Till Eulenspiegel, bis ich sie mir genauer besah: nein, der Vogel ist keineswegs eine Ule, sondern ein Falke, und Tracht und Gesichtsauasdruck passen nicht zu Till. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es sich nicht um eine verkleidete junge Dame handelt. So tränenreich das Auge, so lieblich der Mund!

Ich weiß nicht, wie diese Figur in unserem Haushalt gelandet ist. Ich liebe Marionetten, wollte ursprünglich das Herstellen und Spielen mit Marionetten zu meinem Hauptberuf machen – aber wie so vieles andere auch (Flusskapitänin, Regieassitentin, Zigeunergeigerin) blieb dies Vorhaben in den Kinderschuhen stecken und geriet, als diese abgelegt wurden, in Vergessenheit.

Im Museum Aargau ist die mittelalterliche Falknerei zu besichtigen. Dort auch das Bild

Dies ist mein heutiger Beitrag zum Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak).

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Autobiografisches, Fotografie, Geschichte, Krimskrams, Kunst, Leben, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 11 Kommentare

Archivbild der Woche: Kleiner Sisyphus

Vor zehn Jahren, im Mai 2015, eröffnete ich diesen Blog mit dem Ziel, mithilfe meiner „Schnipselbilder“ das politische Geschehen in Griechenland zu kommentieren. Die Idee kam mir infolge der plötzlich über Griechenland hereinbrechenden „Schuldenkrise“.

„Macht aus dem Zerfetzten und Unbrauchbaren Neues, Besseres, Schöneres, erzählt Geschichten in der Manier der Alten!“ so wollte ich den gebeutelten Griechen zurufen. Standen nicht schon alle Antworten in ihren Mythen? Und so veröffentlichte ich am 18. Mai 2015 den „Kleinen Sisyphos“.

Little Sisyphos

Sisyphos war König von Korinth und mit hoher Intelligenz begabt. Er wollte das menschliche Los der Sterblichkeit für sich außer Kraft setzen und überlistete, zum großen Ärger der Unsterblichen, zweimal den Tod. Zur Strafe verbannten sie ihn in den Tartaros, wo er nun für alle Ewigkeit einen Felsbrocken einen Berg hinaufrollen und miterleben muss, wie dieser Felsen, kaum hat er den Gipfel erreicht, donnernd ins Tal zurückrollt.

Das Bild „Kleiner Sisyphos“ spielt auf die Schuldenfalle an, in die das griechische Volk damals geriet. Kein Schuldenschnitt, verkündeten die Götter in Brüssel und Berlin, denn Strafe muss sein. In alle Ewigkeit sollt ihr büßen für die Sünden eurer Väter. Ihr braucht aber nicht gleich zu bezahlen. Das werden die übernehmen, die heute noch in den Windeln liegen oder noch gar nicht geboren sind. Also arbeitet mal schön, strengt euch an, stabilisiert die Wirtschaft, schafft Gewinne – und dann bezahlt, mit Zins und Zinseszins.

In Deutschland hat man dieser Tage den noch Ungeborenen einen ähnlichen Felsbrocken überantwortet. Und wieder schweben die Göttlichen über allem, und der Götterbote fächelt dem kleinen Sisyphos mit dem Schuldschein den Schweiß von der Stirn und befiehlt ihm, sich gefälligst stärker zu bemühen und mehr zu arbeiten.

img_2671a

 

Doch es wird unmöglich sein, den Felsbrocken jemals auf den Gipfel zu schaffen, denn die Zinsen werden ihn immer wieder zu Tal befördern.

 

 

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Ökonomie, die griechische Krise, Erziehung, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Mythologie, Politik | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Gingernillis 18: Gartenzwerg

Wir besitzen keinen Gartzenzwerg, doch als ich heute anlässlich eines Verwandtenbesuchs in deren Garten herumschlenderte, lachte mir ein solcher inmitten von Mohnblumen entgegen. Ich lächelte zurück und knipste ihn für den heutigen Beitrag zum Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak).

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Krimskrams | Verschlagwortet mit , , , , | 6 Kommentare

Tagebuch der Lustbarkeiten: Bummel in Maroussi

Gestern war die Atmosphäre dicht vom Wüstenstaub, heute aber ging ein lustiges Windchen, und so machten wir uns auf zu einem Bummel durch den Stadtwald und die Altstadt von Maroussi.

Maroussi, gemeinhin als nördlicher Vorort von Athen bezeichnet, ist verwaltungsmäßig eine eigene Stadt von über 100 000 Menschen, mit eigenen Traditionen, Heldendenkmälern, Kultur- und Sportereignissen.

Apropos: Heute war das Endspiel für den Pokal, was ich natürlich nicht wusste und mich daher wunderte, was die vielen schwarz-weiß gekleideten Menschen in Maroussi vorhatten. Sie waren aus Kreta angereist, um ihre Mannschaft gegen die ewig siegreiche Mannschaft aus Piräus zu unterstützen. Die Mannschaften und ihre Fans würden im Olympischen Stadion aufeinandertreffen, dass 2005 zum Zwecke der Olympischen Spiele in Maroussi erbaut wurde. Keine Ahnung, wie das Spiel ausging.

Auch sonst waren natürlich viele Menschen an diesem sonnigen Samstag unterwegs, zum Beispiel diese Damen, die offenbar zu einem Foto-Shooting eilten.

Von den Olympischen Spielen 2005  ist heute nicht mehr viel zu sehen. Aber immerhin hat sich im Skulpturenpark des Museums eine Keramikstele erhalten, die damals mitsamt anderen Skulpturen internationaler Künstler erworben und ausgestellt wurde.

Sie wirkt vielleicht ein wenig deplatziert und armselig, doch wenn man sie von Nahem betrachtet, zeigt sie einen gewissen Charme.

Gleich daneben gibt es einen kleinen  Park mit einem Denkmal für gefallene Krieger. Errichtet wurde es, um der Gefallenen zu gedenken, die um 1830 die Akropolis gegen die Türken verteidigten. Weil aber danach die Kriege nicht ausgingen, gibt es auch noch Blöcke mit Namen von Männern, die während der Balkankriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts fielen.

Weiter zurück in mythologische Zeiten reicht eine andere Skulptur auf dem zentralen Platz der Stadt: sie stellt eine Amarousse – auch Amazone genannt – mit ihrem Hund dar. Besucher werden ermuntert, dem Hund (oder Wolf) die Schnauze zu streicheln. Das brächte Glück.

Was sonst? Nun: ein Blick hinauf und hinunter die Straße und ein traditionelles Mezodopoleion, wo man „mezedes“ – also kleine Speisen mit allem Drum und Dran serviert.

Darauf hatten wir keine Lust, wohl aber auf ein Eis im benachbarten Lokal.

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Architektur, Fotografie, Kunst, Leben, Mythologie, Tagebuch der Lustbarkeiten, Tiere | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Gingelnillis 17: mexikanische Katze

Als ich heute Heides Ringsammelkatze aus Indonesien sah, war klar, dass bei mir die mexikanische Katze im Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) ihren Auftritt haben muss. Die habe ich tatsächlich aus Mexiko mitgebracht. Ein Ohr bracht schon beim Transport ab. Ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat sie auf einem Bücherregal in Maroussi, wo wir uns mal wieder befinden.

.

Hier bewacht sie ein Stillleben mit einem zerbrochenen Ziegel-Hermes und etlichen Trockenpflanzen (Bleistiftzeichnung).

Hier hat sie sich an einen afrikanischen Hafen begeben (Bleistiftzeichnung)

IMG_5035

und hier hat sie sich beim tanzenden Krokodilgeist eingefunden (Bleistiftzeichnung).

 

 

 

 

Veröffentlicht unter alte Kulturen, Fotografie, Krimskrams, Kunst, Leben, Meine Kunst, Reisen, Tiere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , | 3 Kommentare

Gingernillis 16: Der aufziehbare Clown

Der Clown, der sich nach einer Leierkastenmelodie freundlich auf seinen Füßen wiegt, wenn man ihn aufzieht, soll den 16. Tag im Krimskrams-Challange von Juzicka-Jess (Amorak) bestreiten. Ich fand ihn heute, von der Mani in Athen landend, lächelnd auf seinem angestammten Platz. Das ebenfalls aufziehbare Karussell, das ihm Gesellschaft leistet,  habe ich mal von einem Weihnachtsmarkt mitgebracht.

Manchmal hat er mir auch Modell gestanden, wie in einer Szene aus dem Stück „Wenn Zwerge reisen“.

Hörst du ihn singen?

Wenn die Zwerge Hilfe brauchen

Bin ich gleich zur Stelle

Kann in ihre Träume tauchen

Bin ein fröhlicher Geselle.

Ich bin dunkel angezogen

Wie die finstre Nacht

Doch mein Herze, ungelogen

Ist ganz zart und sacht.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Fotografie, Krimskrams, Märchen, Meine Kunst, Reisen, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar