12. Raunacht: Die Mäßigkeit (+ Übersicht über die 12 Monate)

Für den Dezember habe ich nach gründlichem Mischen, Teilen, Häufeln und erneutem Mischen die Karte „Mäßigkeit“ gezogen. Besser hätte ich esnicht treffen können!

Damit schließt sich der Kreis der Monatskarten, der mit dem König der Kelche für den Januar eröffnet wurde, in wundersamer Weise:  Ein Engel (es könnte gut auch die Göttin Nemesis sein!*) steht mit einem Fuß auf der Erde, mit dem anderen im Wasser und gießt Wasser von einem Kelch in einen anderen. Hin und her schwingt die Bewegung, ein ewiges Geben und Nehmen im Ausgleich. Eingebunden in dieses strömende Gleichgewicht sind alle Elemente: das Wasser und das Feste, die Luft und das feurige Rot seiner Flügel. Harmonie und Fülle herrschen, wenn das Hauptgesetz der Natur von allen Lebensformen beachtet wird: Mäßige dich! Nimm nur so viel, wie du brauchst, und gib soviel, wie du genommen hast, damit auch die anderen Lebensformen nehmen können, was sie brauchen. Nimmt eine Lebensform zu viel und gibt zu wenig, entsteht Mangel. Dann bricht das lebendige Gleichgewicht zusammen, Chaos und Zerstörung herrschen.

Im Rowley-Tarot heißt diese Karte übrigens: Kunst!

Für mich ist die Karte ein Hinweis, im Dezember insbesondere ein Auge drauf zu haben, ob Nehmen und Geben im Gefühlsbereich, aber auch im materiellen Bereich und im geistigen Austausch im Ausgleich sind. Das wichtigste Mittel dazu soll mir die Kunst sein. Auch gilt es, alle Facetten der Entwicklung im Jahresdurchlauf zu integrieren und harmonisch ins Neue Jahr hinüberzuführen.

*zum Gesetz der Nemesis: hier.

Vergleiche auch eine Passage aus dem „Kleinen Welttheater“ vom 8.2.2023

Diaphania:

Nenn das Gesetz, auf das du dich berufst.

Domna:

Nicht ich wars, auch nicht du, die es erschufst

Es ist das Recht, das immer schon gegeben

und ohne das es gar nicht gäb das Leben:

Wer nimmt, muss geben und der gibt, der nimmt.

Es wacht die Nemesis, dass diese Rechnung stimmt.

Tschinn:

Was redst du da? wer ist schon Nemesis?

Die ist passee, auf die geb ich kein Schiss.

Inzwischen ist doch längst geklärt:

Nur ein Gesetz hat sich bisher bewährt.

Der Fitteste ist Herr, die anderen sind Knechte

Wer sich durchsetzt, der ist dann auch im Rechte.

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Hier sind die Karten des Jahres, wie sie mir zufielen, noch mal im Überblick zu sehen.

Die von mir dazu angefertigten neurografischen Zeichnungen, zu meiner Erinnerung. Im Laufe des Jahres werden sicher neue Varianten dazu kommen.

 

Wenn ich die Aufgaben der zwölf Monate gut erfüllt habe, erreiche ich am Jahresende Harmonie, Ausgewogenheit, Synthese der Gegensätze und Einzelentwicklungen auch in meiner Kunst.  

Ich bin dankbar. Es soll mir gelingen.

 

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Neues Puzzle-Projekt: Archivbild der Woche (5.1.): Bergtee.

Heide von der Puzzleblume hat sich ein feines neues Projekt ausgedacht (siehe hier), an dem ich sehr gerne teilnehme. Auch ich schaue nämlich gerne mal nach, was ich an einem „Tag wie heute“ vor Jahren getan und gedacht habe. Das Projekt ähnelt, wie Heide kommentierend feststellt, ein wenig „Kernbohrungen im eigenen Schelf“.

Soviel ich verstanden habe, geht es nicht darum, einen früheren Blogeintrag zu reposten, sondern darum, ein Foto aus dem Archiv zu fischen, das das Datum des heutigen Tages trägt: 5.1.. So bin ich auf die Fotos beschränkt, die auf meinem Handy gespeichert sind, denn alle anderen sind mitsamt dem Datenträger den Orkus hinab. Aber auch so gibt es genug zu schauen.

Heute soll es ein Foto vom 5.1.2023 sein, das genauso gut aus diesem Jahr stammen könnte. Denn eine Tasse Bergtee zu trinken, gehört zu den täglichen Lustbarkeiten des Winters.

Bergtee, Foto vom 5.1.2023

Bergtee wächst hier überall wild, er wächst und gedeiht prächtig auch in meinem Garten, denn er braucht überhaupt keine Pflege, kein Gießen, kein garnichts. Allerdings ist die Nachfrage so groß, dass er inzwischen auch angebaut wird, zumal das massenhafte Ernten auf der Peloponnes inzwischen verboten ist. Wissenschaftlich ist der Bergtee eine Art Empedoclia aus der Gattung der Gliedkräuter (Sideritis). Jede Region rühmt sich seiner eigenen Unterart. Für mich ist er ein Salbeiersatz, denn er sieht fast aus wie Salbei, duftet wie Salbei und hat dieselbe wohltuende Wirkung wie Salbei, hilft bei Erkältungskrankheiten, Verdauungsproblemen, Nervenkrisen … also so ziemlich immer. Schmecken tut er auch sehr gut, wenn er richtig zubereitet ist: Zerkleinerte Stängel, Blüten und Blätter übergießt man mit heißem Wasser, lässt drei Minuten lang ziehen, gießt ab und fügt je nach Geschmack Honig und/oder Zitrone hinzu. Ich trinke ihn am liebsten schön heiß und pur.

 

 

 

 

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11. Raunacht: Bube der Münzen (zum zweiten oder dritten Mal)

Bube der Münzen

Als ich für die elfte Raunacht zum zweiten oder sogar dritten Mal (ich bin mir da nicht sicher, siehe hier) den Buben der Münzen aus dem neu gemischten Kartenstapel zog, war ich etwas ungehalten. Was soll das? fragte ich. Warum verfolgt mich dieser Bube? Und war versucht, erneut zu ziehen.

Doch entweder ich halte mich an die Regeln oder ich lasse es gleich ganz. Also ist der Bube der Münzen nicht nur für den Juni, sondern auch für den November zuständig und teilt sich das Amt für Juli mit dem Buben der Kelche.

Und so betrachtete ich heute Nacht noch einmal eingehend diese Karte. Was hat es damit auf sich?

Der Jüngling steht auf einer weiten blühenden Ebene. Mit sanfter Gebärde hebt er seinen Schatz ans Licht und betrachtet ihn innig. Was ist der Schatz? Die Ressourcen, sagte ich. Oder auch die Talente, mit denen wir wuchern sollen(*). „Gaben“, sagt man auf deutsch. Jemand ist „begabt“. Es wurde einem etwas mitgegeben. Etwas, auf das man sich nichts einzubilden braucht, denn man hat es nicht durch Fleiß erworben,

Der Jüngling schaut ganz entspannt auf seine Talente, hält sie locker in der Hand wie einen Vogel, der gleich wegfliegen will. Oder der grad gelandet ist? In die Zukunft gerichtet ist der Bube. Aus der Zukunft heranschwebend sein Glück? Wie auch immer: der zugefallene Schatz der Gaben will beachtet und gepflegt und genutzt werden.

Das ist eine Verpflichtung. Tut man es nicht, macht man sich schuldig als Jemand, der seine Anlagen nicht nutzte, seine Talente vergeudete. „Du sollst mit deinen Talenten wuchern! Tust du es nicht, bist du ein fauler Knecht und wirst in die Finsternis verbannt.“ So heißt es im biblischen Gleichnis (*). Das Thema ist also durchaus angstbesetzt. Ich glaube, das ist auf der Junikarte ausgedrückt.

Bube der Münzen (Juni)

Im November aber, so befand ich heute Nacht beim Zeichnen, will ich unbeschwerter damit umgehen. Gaben fließen uns täglich neu zu. Wir brauchen nur die Hände und die Sinne zu öffnen, um den Reichtum des Lebens zu fühlen und zu genießen.

Bube der Münzen (November)

(*) Das Gleichnis von den Talenten, mit denen man wuchern soll, wird im Neuen Testament gleich zweimal erzählt. Es ist eine Geschichte, die schwer zu verdauen ist. Bei Matthäus beginnt sie so:  Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging. Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an. Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. (Talent = griechische Maßeinheit, ca 26 kg Silber entsprechend).  Zwei der Diener verdoppeln  in der Abwesenheit ihres Herrn den anvertrauten Betrag, der Dritte aber fürchtet, etwas falsch zu machen, und vergräbt ihn aus Angst vor Strafe. „Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.“ – Sein Herr antwortete ihm: „Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten. Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis!“

Bei Wikipedia (hier) kannst du, wenn du möchtest, auch den Lukastext und die angebotenen Interpretationen nachlesen.

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10. Raunacht: Der Eremit (auf dem Kopf stehend)

In der zehnten Raunacht und mithin für den Oktober zog ich den „Eremiten“. Dieser grau gewandete, weißbärtige Mann, der sich mit seiner Latüchte und seinem langen Stab ins Gebirge begeben hat, gilt als Sucher nach der inneren Wahrheit. Wer bin ich, weshalb bin ich in der Welt, woran glaube ich – derlei Fragen verlangen nach Antwort, und so mancher denkt: ich müsste diese Fragen mal bündeln, mich zurückziehen, von der Bühne verschwinden, nur mit mir selbst sein und alle äußeren Impulse abschalten. Dann fände ich endlich die Antworten.

Ja, auch ich denke oft an Rückzug. Und tu es doch nicht. Denn ich misstraue dem Konzept der Eremitentums. Drum freue ich mich, den Eremiten auf dem Kopf stehend gezogen zu haben. Für mich ist das Heilmittel „Eremit“ eine „Kopfgeburt“: die bequeme Vorstellung, dass es die Umwelteinflüsse seien, die mich hindern, zu mir selbst zu kommen.

Natürlich brauche ich Pausen, Rückzug, Meditation. Die aber sollen sich in den  Tageslauf eingliedern und nicht an seine Stelle treten. In den normalen Tätigkeiten und Menschenbegegnungen liegt der Stoff, an dem ich reife. Wer sich isoliert, bleibt in sich versponnen und verworren. Und was die Laterne angeht: Nein, sie kann durchaus nicht leisten, was die liebe Sonne uns tagtäglich spendet: strahlend helles Licht!

Und so nehme ich gerne die Herausforderung des auf dem Kopf stehenden Eremiten für den Oktober an: Nimm deine Fragen an dich selbst ernst, ja! Aber hole dir die Antworten aus der Mitwelt, von den Menschen und der Natur. Schau, wie die Früchte im Oktober reifen! Sie ziehen alle Kräfte der Sonne nach Innen, um sie zu verwandeln und als Saft und Farbe, als Nahrung und Kern für neues Wachstum zurückzugeben an die Welt.

Die neurografische Zeichnung entwickelte sich aus der oben gezeigten ersten Anlage zu dieser Endfassung.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: grüne Sonne

Heute gabs als Mittagsgemüse gekochte Zucchini. Die werden mit Öl und Zitrone angemacht, mehr brauchen sie nicht. Und wenn es solches Öl ist wie das, was wir in diesem Jahr geerntet haben, braucht man eigentlich nicht mal die Zucchini. Die gesamte Sonnenkraft eines langen Sommers scheint sich in dem Öl gesammelt zu haben. Und obgleich wir es erst an den Weihnachtstagen ernteten, ist es von schönstem jungem Grün.

Mir war, als ginge auf meinem weißen Teller eine grüne Sonne auf.

Zucchini und frisches Olivenöl auf weißem Teller

 

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Impulswerkstatt Bild 1: Winterschwimmen

Heute vormittag tanzten wir mal wieder paneurhythmisch am Meer, trotz leichten Regens. Ein Vordach schützte uns vor dem himmlischen Nass, und es war eine besondere Freude,  Himmel und Meer tanzend beim langsamen Aufklaren zuzuschauen.

Drei ältere Herren stiegen gut gelaunt ins Wasser: Es sind Winterschwimmer, die ich schon öfter hier sah. Und ich dachte: Ja, warum eigentlich nicht? Im Auto hatte ich noch Badesachen vom vergangenen November, also stand zwischen mir und dem Schwimmen nur mein innerer Schweinehund. Kurz und gut: Ich machte schnell für Myriades Impulswerkstatt ein Foto meiner Füße ….,

entledigte mich auch der Restkleidung, um sie gegen den Badeanzug auszutauschen.

Das Wasser schien mir anfangs eisig zu sein, aber klar, so ist es immer, wenn man sich entwöhnt hat. Ich schwamm ein paar Runden, und schon wurde mir wärmer, und schließlich hatte ich es gar nicht eilig, aus dem Wasser zu steigen.

 

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9. Raunacht: Der Stern (auf dem Kopf stehend)

Um Mitternacht der 9. Raunacht zog ich für den September die schöne Tarotkarte „DER STERN“. Sie stand auf dem Kopf, aber soll mich das stören? Wir stehen ja, von unseren irdischen Antipoden aus betrachtet, alle auf dem Kopf. Wie unten so oben, sagten schon immer die Weisen, und ob wir nun das Wasser aus der Tiefe heraufpumpen oder es uns von oben herabströmt – es ist immer dasselbe Wasser, seit dem Beginn aller Tage.

Da mich der Prognose-Aspekt der Tarotkarten wenig interessiert, habe ich sowieso keine Angst vor „verkehrt herum“ liegenden Tarotkarten. Aber ich drehe sie auch nicht einfach „richtig herum“, sondern spüre nach, ob die umgekehrte Stellung mir  weitere Gedanken eingibt – zusätzlich zu der Bedeutung der Karte.

Der „Stern“ also soll meinem September leuchten, und das stimmt mich fröhlich. Denn wie auch immer im einzelnen interpretiert – der Stern strahlt klar, hell, verheißend, er visualisiert eine Zukunft, die als „Wasserfrau-Zeitalter“ wie ein Zauberbild über allem Heutigen schwebt. Hier liegt alles nackt und klar vor Augen, nichts braucht verhüllt und verschwiegen zu werden, nichts liegt miteinander im Streit. Ah, blauer September! Genau so kenne ich dich, genau so liebe ich dich vor allen anderen Monaten. Du bist Fruchtbarkeit und Ernte, Bläue und Licht. Tag und Nacht halten sich die Waage und beleuchten sich gegenseitig mit ihren Gestirnen.

Auch wenn ich noch nicht ganz in diese Harmonie hineingewachsen bin, auch wenn das Wasserfrauzeitalter bisher nicht viel mehr als eine Kopfgeburt ist – was tuts? Wir werden den Stern schon vom Kopf auf die Füße stellen, wir Menschenkinder! Aber beeilen wir uns nicht! Besser, wir lassen die Idee zunächst mal im Kopf und im Herzen reifen und dort ihre Wirkung entfalten, und wenn es an der Zeit ist, wird sie hinauf-(hinunter -)wachsen in unsere Gliedmaßen und uns bewegen, das Richtige zu tun.

Dann wird sich der Fluss vielleicht ganz von allein umkehren, und was eben oben war, wird in der Tiefe liegen.

 

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8. Raunacht: Bube der Münzen, oder doch der Kelche?

Vergangene Nacht zog ich die Karte für die 8. Raunacht oder den August. Aber den Buben hatte ich doch bereits für den Juli gezogen! dachte ich unwillig. Nochmal derselbe? Ich war drauf und dran, ihn in den Kartenhaufen zurückzuschieben, besann mich dann aber eines anderen: Ich würde die Karte ernst nehmen und eine neue neurografische Zeichnung machen. Die erste war sowieso arg kompakt. Und war es nicht richtig und gut, meine „Ressourcen“ auch im August sorgfältig zu überprüfen? Ich bin oft zu schnell, zu oberflächlich. Geh einmal gründlicher zu Werk, prüfe auch im August, was du hast und kannst.

Der Gedanke der Ressourcenüberprüfung begleitete mich heute den ganzen Tag, und als ich mich eben hinsetzte, um eine zweite Zeichnung zu machen, stand mir der hübsche Bursche mit der Münze vor Augen. Aber irgendwie kam ich nicht weiter. Also schaute ich nach der Tarotkarte, die ich in der Nacht gezogen hatte. Und wer schaut zurück? Der Bube der Kelche, den ich auch schon einmal, aber nicht für den Juli, sondern für den Juni gezogen hatte!

Was denn nun? Verwirrt halte ich in meiner Zeichnerei ein. Soll ich im August weiterhin prüfen, wie es mit meinen Ressourcen bestellt ist? Oder soll ich mir „die Weisheiten (seines Vetters) zuflüstern lassen, die mich auffordern, mich dem Wasser, der Kreativität und Sinnlichkeit sanft und widerstandlos hinzugeben“, wie ich zur Juni-Karte schrieb?

Die neurografische Zeichnung für den Buben der Kelche machte ich am letzten Tag des Jahres 2024, an dem ich völlig „neben der Kapp“ war und der uns am Ende noch eine böse Überraschung bescherte (Verrußung des Ateliers, kaputte Heizung). So richtig leichtfüßig-sommerlich geriet sie nicht. Und auch der gestern gezeichnete „Bube der Münzen“ war mir zu kompakt geraten.

Also ist es wohl das Beste, die beiden Buben in eins zu setzen und den angefangenen Buben der Münzen leichten Gemüts als Buben der Kelche zu beenden? Das tat ich dann auch.

Ja, so darf der August sein. Wer braucht schon viele Gedanken und Selbstprüfungen, wenn die Hitze zuschlägt und das Meer lockt?

Mit gefällt es sehr, dass diese beiden munteren Buben, die auch Pagen genannt werden, mich erst abwechselnd, dann gemeinsam in den drei Sommermonaten von Juni bis August begleiten werden.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Belebender Rundgang

Recht abgeschlafft bin ich heute am frühen Nachmittag losgegangen. Die Luft ist milde, sanft, also auf auf! Ich schleiche die Bergstraße hoch, nehme einen Feldweg, der weniger steil ist. Denke: zum zweiten Mal hast du heute die Tarotkarte „Bube der Münzen“ gezogen, die für dich bedeutet: Wie steht es mit deinen Ressourcen? Mit deinen körperlichen Kräften, um mal mit dem Wichtigsten zu beginnen? Na? Ist ja schön und gut, große Pläne zu schmieden, aber wenn du wie die Ameisen von Hamburg gleich nach ein paar Schritten schlapp machst, vergiss sie lieber jetzt als später.

Ich lehne mich, um auszuruhen, gegen die Mergelwand, die den Pfad begleitet. Voller kleiner Wunder ist sie. „Vor allem die Ressource der Geduld mit dir selbst fehlt dir,“ sage ich mir. „Mach einfach mal ein Päuschen mehr.“ Das gefällt mir. Was machen eigentlich die Mauerbienen um diese Jahreszeit?

Nichts los in der Bude, nehme ich an. Ich will ein Zweiglein wilde Minze, die ich zuvor abpflückte, in eins der Löcher stecken, um die Hände frei zu haben, bemerke dabei, dass die Bienen, diese Schlauberger, die Löcher nur am Anfang nach unten, dann aber nach oben graben.

Daneben bemerke ich ein Pflänzlein, das sich eng an die Wand anschmiegt und eins mit ihr wird. Doch auch wenn es nun eigentlich schon selbst Wand ist, wächst es wacker und grünend voran.(Draufklicken, dann siehst du es besser). Ein mich faszinierender Anblick.

Ein anderes Löchlein, fein ummauert, fällt mir auf. Wer sich da wohl eine Heimstatt geschaffen hat?

Sehr gefallen mir auch die langen dünnen Wurzeln, die sich über das lockere Gestein schlängeln und ihm ein bisschen Halt zu geben scheinen.

Vieles gibt es hier zu entdecken, aber nun gehe ich vielleicht doch noch ein Stück weiter? Die gepfropften Olivenbäumchen am Wegesrand haben sich prima entwickelt, ich freue mich. Wie sorgfältig hier gearbeitet wurde! Und gearbeitet wird, denn die Stämmchen sind ordentlich beschnitten und geweißt.

Und so gehe ich weiter und weiter, die Neugier (eine meiner Hauptressourcen) treibt mich voran, und auch die Beine fühlen sich wegen der vielen Päuschen nicht mehr überfordert.

Als ich zurück zur Straße hochsteige, um nach Hause zu gehen, leuchtet mir von Ferne ein Silberstreifen des Meeres entgegen.

Mit neuen Kräften stürme ich die Straße hoch, um einen besseren Ausblickspunkt zu erreichen. Besser ist er schließlich nicht, aber anders.

Jedenfalls zieht es mich jetzt mächtig hinunter zum Meer. Und so lande ich schließlich im Nachbardorf Akrogiali an der Küste. Meer und Himmel haben sich verfinstert, und während ich auf einem Steinwall ausruhe, ziehe ich die Jacke enger um mich. Es ist kalt. 

Es wird Zeit, nach Haus zu kommen. Ich nehme die bequemsten Pfade, begrüße das weiße Pferd, das gerne Grasbüschel von mir entgegennimmt, begrüße auch die neuen Hühner des Tierhalters (Bauer möchte ich ihn nicht nennen, denn er hält die Tiere nur für einige Zeit bis zur Schlachtung), doch die Hühner rennen weg, als ich sie fotografieren will, und so kommt nur die jetzt überall kräftig wuchernde Meereszwiebel aufs Bild.

Zu Hause lasse ich mich auf einem Stuhl vor der Haustür nieder. Letzte Sonnenstrahlen durchleuchten die verbliebenen Blätter des Aprikosenbaums und vergolden die Krone der riesigen Pinie.

Kein bisschen müde bin ich, ganz im Gegenteil. Ich stehe mit Leichtigkeit auf und hole mir eine kleine Säge, um endlich die verdorrten Zweige des weißen Rosenbusches abzusägen. Der verrusste Keller kann warten.

 

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7. Raunacht: Bube der Münzen

Leicht und genussreich verspricht mein diesjähriges Leben zu werden, wenn man den für  das erste Halbjahr gezogenen Karten glaubt. Da folgten auf den König der Kelche (Januar) das Ass der Münzen (Februar), die Vier der Stäbe (März), die Königin der Stäbe (April), die Zehn der Kelche (Mai) und der Bube der Kelche (Juni). Und in der Silvesternacht (7. Raunacht) zog ich nun noch den munteren Buben der Münzen (Juli).

Den Buben der Münze lese ich als Aufforderung, meine Ressourcen – die körperlichen, finanziellen und gesundheitlichen ebenso wie Begabungen, Beziehungen und Qualifikationen – sorgfältig in Augenschein zu nehmen. Sind sie den gesetzten Zielen angemessen? Reichen sie aus?  Brauche ich noch weitere Ressourcen, oder sollte ich meine Ziele besser nach unten korrigieren?

Das sind Fragen, denen ich nicht gern systematisch nachgehe. Aber es sind gute Fragen, nützliche Fragen. Denn was nützt es, großartige Pläne zu haben, wenn man sich nicht der Ressourcen versichert, um sie zu realisieren? Ja, ja, auch ich bin schon so manches Mal auf die Nase gefallen.

Die Zeichnung, die ich zustandebrachte, entbehrt der Leichtigkeit. Ich bin ja auch kein Jungspund mehr wie der Bube.  Aber das will nichts bedeuten. Im Juli wird man sehen, was mit ihr noch weiter anzustellen ist und ob ich ein Stückchen mit der Selbstvergewisserung weitergekommen bin. Wenn nicht, kann ich ja dran arbeiten.

 

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