In roter Beleuchtung

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Die untergehende Sonne malt Wände, Menschen und Dinge rot an. Schatten erscheinen in tieferem Rotton. sind fast schon schwarz.

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Dieser rötliche Ton, der uns innerlich sanft berührt, ist eigentlich eine Trübung. Das Sonnenlicht wird durch die dichtere Atmosphäre, die über dem Horizont herrscht, gefiltert: Blau- und Gelbtöne verschwinden und es bleibt nur das Rot. Zugleich nimmt das Licht ab, es wird dunkler. Denn Rot belebt zwar unsere Sinnlichkeit, ist aber lichtarm und dem Schwarz näher als dem Blau. Fotografiert man lichtarme oder künstlich beleuchtete Innenräume, erscheinen sie in trübem „warmem“, „heimeligem“ Rotton.

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Eine träumerische intime Stimmung kommt auf, schwebend zwischen Tag und Nacht. Und so verwundert es nicht, dass das Nachtleben sich gern in Rot taucht. Rotlichtquartiere und Bars kommen ohne diese Farbe nicht aus, die die Konturen verwischt und die Gestalten nur ungewiss aus dem Nächtlichen hervortreten lässt. Welche Musik hörst du bei diesem Licht? Was denkst, was fühlst du? Was gelüstet es dich zu trinken, zu sprechen? Zu rauchen? Zu schweigen?

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Weit weg, in fremde weiche Welten lässt du dich treiben, Wünsche, Wunder und Weh wehen dich an, wenn die Sitarspieler den Raum in helle, dunkle und rötliche Flecken aufzulösen scheinen. Du willst nicht wach werden, willst weiterträumen und dich gleiten lassen in rötlich wabernde Räume. Vielleicht zurück in den mütterlichen Leib, als alles noch ungeteilt war und eins.

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(Die Fotos habe ich bei Veranstaltungen des Cabaret Voltaire in Athen aufgenommen).

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu In roter Beleuchtung

  1. haluise schreibt:

    ? NEUDEFINIERTES ROT-LICHT-MILIEU ?
    hallöchen

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  2. haluise schreibt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  3. Myriade schreibt:

    Sehr stimmungsvoll …..

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  4. Madame Filigran schreibt:

    So ein schöner Beitrag. Das Foto mit dem Hund gefällt mir am besten. Heimelig.

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  5. kunstschaffende schreibt:

    Die überdemensionale Flasche im getrübten Rot, das Schattenspiel der afrikanischen Figuren und natürlich Hundi finde ich super!
    Nachtleben und viele Menschen in engen Räumen sind nicht so meins.
    Deine Erklärungen wie dieses trübe Rot entsteht finde ich sehr interessant!

    Wieder sehr schön kommentiert!

    Danke Gerda und liebe Grüße
    Babsi

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  6. Monika schreibt:

    Was so ein bisschen „Rot“ doch ausmacht. Deine Assoziationen gehen Wege die wundersam, wohltuend sind. Ich für mich spüre die Wärme des „Rot“ und meine Stimmung wird sanfter, ruhiger.
    Vor langer Zeit, war ich in der Karibik in einem alten herrschaftlichen Haus. Dort sah ich die Küchenwände intensiv Rot angestrichen. Zuerst glaubte ich zu ersticken, da mir Hitze entgegen strahlte, dann beruhigte sich mein Empfinden und tatsächlich, der Anstrich sollte bewirken, dass lästige Fliegen in die Küche kamen. So handelte man „Anno“, ich weiß nicht wann. Dieses Rot, dass dem Schwarz sehr, sehr nahe ist, hat es nicht etwas mit der tiefen Sehnsucht in uns zutun. Liebe, Lust, Tod? Du hast großes Wissen und mir scheint, Du teilst es selbstlos mit anderen. Eine Geste, die ich schon verloren glaubte. Ich danke Dir.
    LG.Monika

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    • gkazakou schreibt:

      die dunkelroten Wände des Herrenhauses in der Karibik – sie vertreiben Mücken – das ist eine schöne Vorstellung. So ergänzt dein im Leben gewonnener Wissensschnipsel den meinen. Ein schöner Gedanke, wie all die vielen Einzelerlebnisse der Milliarden Menschen sich zu einem großen Teppich verweben, den man das menschliche Wissen, Irren und Wollen nennen könnte. LB Gerda

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  7. Bludgeon schreibt:

    Rotstichige Fotos haben (bei mir jedenfalls) immer diesen BRAVO-Poster-Effekt. Carlos Santana, Manfred Manns Earth Band waren die ersten roten Konzertfotos, die ich Mitte der 70er zu sehen bekam.

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  8. Ulli schreibt:

    Sehr spannend, liebe Gerda, während ich deins las, dachte ich daran, dass Embryos im Mutterleib rot sehen, ob es deswegen dieses „heimelige“ Gefühl verursacht? Und dann am Ende kommst du selbst auf den Mutterleib zu sprechen und ich dachte an die immer mal wieder auftauchende Sehnsucht zurück ins Paradies gelangen zu wollen … ja, spannend, ich denke mal noch weiter und lese weiter-
    ich gehe nun rückwärts, begann bei deinem Ende on Rot, sah also erst einmal die Rücklichter, in zweideutigem Sinne😉
    herzliche Abendgrüsse
    Ulli

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