Das Thema „Schafe“ hat mich grade fest im Griff. Was weiß ich eigentlich von Schafen, frage ich mich, nachdem ich den Schafskrimi „Glennkill“ von Leonie Swann ausgelesen habe. Dasselbe fragte ich mich auch schon heute vormittag in einem anderen Eintrag (hier).
Nun also schaue ich im Archiv nach, ob ich eventuell Schaf-Legebilder geschaffen habe.
Ja, aber viele sind es nicht. Da ist erstens das zweifelhafte Schaf des „fröhlichen Adventkalenders“ mit der No 8. 
Klar, zur Krippe gehört ein Schaf, aber wieso sind Kopf und Beine rosa? Egal. Es ist ein Schaf.

Meine Zweifel zerstreuen sich, als ich das Türchen öffne: hinter dem Türchen verbirgt sich Morgensterns Mondschaf.

Das ganze Mondschaf-Gedicht mit zugehörigem Legebild stammt von den Anfängen dieses Blogs: Mai 2015

Das wärs fast schon, gelegte Schafe betreffend. Fast. Denn in einer abc-etüde vom 24.1.2020 tritt noch ein Schaf auf, und das könnte, so finde ich, in unseren kriegerischen Zeiten geradezu als Vorbild dienen. Der Text enthält wichtige Lehren für die Gegenwart.
Papierene Utopie
Dem Papiertiger an der Spree,
dem taten seine Beinchen weh.
Zwei Beine waren in Kaki
Das erste nackt, das vierte Knie
War fast gebrochen, arg geknickt,
das hat den Tiger sehr gezwickt.
Auch hing die Zunge aus dem Maul
So durstig wie ein alter Gaul,
Hat lange nicht mehr nix gesoffen
nur immer neue Leut getroffen.
Und hört ers plätschern wie vom Quell
So sind es nur die Herren: „Well“
So sagt der eine, let us do it“
Der andre sagt: „So kriegst die Kuh nit
Vom Eise runter“, und der Dritte
Der schweigt gleich ganz, wie es so Sitte
Im Lande, wo man lieber schießt
Als laue Friedenspakte schließt.
Der vierte sprach: Pardon, messieurs
Wenn ihr nicht spurrt, sag ich adieu!“
Und worum gings? Wer war der Täter?
Wer war der Gute, wer Verräter?
Wer sprach mit wem warum worüber?
Belanglos war’s, und trüb und trüber.
Doch plötzlich kam ein Schaf daher
Das passte unsren Herren sehr.
„Das Schaf ist meins“, so sprach der Zweite
„Mais non, Monsieur, auf jener Breite
Sind wir die Herren, s’il vouz plait!“
Das Schaf das sagte nur „bä bä!“
Der erste meinte, „Let us give it
To little Tiger may he eat it.“
Der dritte schwieg, das Schaf das kannt er
Es war ein engstens ihm Verwandter.
Die Sache ginge übel aus
Wär da nicht unser roter Klaus
Der Klaus der hob die große Scher
Als wie ein mächtig Schießgewehr
„Ich kenne eure üble Tücke!
Ich schneid euch alle gleich in Stücke,
dass ihr der Welt nicht schaden könnt.
Ins Feuer dann, dass ihr verbrennt!
Das Volk, das brav die Fahnen schwenkt
Und so wie seine Herren denkt,
Das ist vorbei, das ist zu Ende
Jetzt endlich kommt die große Wende!
Ihr Papiermännchen, Papiertiger
Das Schaf, ihr Leute, ist der Sieger!“
Ansonsten habe ich noch ein paar gezeichnete Schafe zu bieten, so wie diese, die ich portraitierte, während meine Freundinnen Seife kochten (hier).

Ein Schaf kam mir dabei sehr nahe, und hätte ich damals schon mehr von der Schafsseele verstanden, hätte sich daraus womöglich eine tiefere Freundschaft entwickeln können. Eine verpasste Chance.

Eine weitere Gelegenheit ergab sich bei meinen Spaziergängen mit Dora, die im Gegensatz zu mir das Gespräch mit den Schafen suchte – und sei es auch aus purem Opportunismus.

Ich kommentierte damals:
Die Schafe, jung und alt, kommen herbeigerannt, als sie unser ansichtig werden. Sie drücken ihre Schnauze an den Zaun und lassen sich die Nase kraulen, verlieren aber schnell das Interesse und streben, immer als Herdenformation, einem anderen Ziele zu. Schafe sind eben auch Menschen.
Ahnungslos war ich! Schafe sind eben KEINE Menschen, da sie all die Dummheiten, zu denen Menschen fähig sind, verachten. Außerdem sind sie viel freigebiger und geduldiger als Menschen. So boten sie Dora ihren breiten Rücken für einen kurzen bequemen Ritt an und verlangten keinerlei Gebühr.

Dass die meisten Menschen, jedenfalls die ordentlichen und gesetzestreuen, wie Schafe ticken, habe ich tatsächlich gelegentlich unterstellt. Wie sonst hätte ich die folgende abc-etüde vom Mai 2022 (hier) erdichten können?
Wenn wunderliche Laffen
und arg verführte Pfaffen
nächtens in den Vollmond gaffen
Dann werden sie mondsüchtig.
Doch Menschen die stets tüchtig
Und treu und bieder, züchtig
Die ohne Ehrgeiz schaffen
Für sich kein’n Reichtum raffen
Die keine Kräutlein paffen
Die können nächtens schlafen
Und gleichgesinnt mit Schafen
Früh morgens aufgewacht
Ihr Tagewerk vollbracht
Zum Stalle freudig eilen
Und nirgends blöd verweilen
Um dumm das Wahrheitspflänzchen
Zu suchen….
….
Hier verließen den Poeten
Seine Sinne, es verdrehten
Wohlgerüche von Gebeten
Dem armen Tropf
Seinen Kopf.
.
Und des Nachts, total verwirrt
Ist er durch den Wald geirrt.
Nirgends Mondschein, nirgends Pfaffen
Nur langhalsige Giraffen
Knabbern an dem Laub der Bäume
Ach Poete, schlafe, träume!
Welt ist dunkel, Himmelsräume
Öffnen nachts die weiten Pforten
Tragen dich zu Himmelsorten
Wo die Tische reich mit Worten
Schon gedeckt sind auch für dich
Dorten gibt es sicherlich
Was du brauchst für dein Gedicht.
Hier hinieden findst du’s nicht.
Auf der dazugehörigen Illustration fehlen die Schafe, aber vielleicht tut es ersatzweise auch die Kuh am rechten Bildrand?


Gerda im Schafefieber! 😃🐏🐑🐑🐑🐑🐑🐑🐏🐏🐏
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🙂 🐏🐑🐑🐑🐑🐑
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Schafe Schafe
Häusle baue
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Katz verkaufe, selber mause? Kommt gar nicht in Frage.
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Ja, die Schafe hatten die letzten Jahre Hochkonjunktur….😃 kein Wunder, der Satz (der mir gefällt) Schafe sind halt auch Menschen…. Die Ähnlichkeit ist unverkennbar…. Doch ich liebe eigentlich die Schafe und besonders die kleinen Lämmer, die ich mich weigere zu essen.
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Ich lernte in dem Schafskrimi, dass Schafe eben doch keine Menschen sind – sie sind ganz anders. Sie haben zB Verachtung für Dinge und eine viel größere Seele. (Die Seele der Menschen ist sehr klein, behaupten sie)
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