Noch mal #inktober 2019, #injured: Wenn Herr Winter kommt

Das Thema will noch nicht fortgehen. Ich habe mehrere Legebilder, die für mich das Thema ansprechen, neu bearbeitet. Zwei Schwarz-Weiß-Varianten möchte ich zeigen.

Vorsicht für sensible Seelen! Doch im Vergleich mit den mittelalterlichen Darstellungen zugefügter Verletzungen sind sie harmlos. Und auch im Vergleich zu dem, was tatsächlich auf unserer schönen Erde tagtäglich geschieht.

Ein Bild zeigt den Herrn Winter, der dem herantretenden „Kämpfer-Baum“ die Hände abhackt.  Das geschieht leise, ohne jeden Groll, ohne Brutalität, in demütiger Haltung. Dennoch bleibt es ja ein Fakt, dass das Beschneiden die Bäume verwundet. Demnächst sind unsere Oliven dran, alte Kämpferbäume: Auch sie werden beschnitten, wenn der Winter kommt. Und zugleich werden wir die Früchte ernten.

Das Ausgangsbild und einen interessanten teils kontroversen Kommentarstrang findet ihr im Eintrag https://gerdakazakou.com/2016/11/09/wenn-herr-winter-kommt/

Ein anderes Bild, mit demselben Legematerial geschaffen. Es zeigt einen alten weißen Mann, der sich eine schwarze jugendliche Braut zuführen lässt und sie nun inspiziert. Sie fürchtet sich. Zwei dunkle Gestalten, die ihre Qualitäten anpreisen, stehen dabei.

Das farbige Original-Legebild und die Geschichte („Rapunzel in Afrika“), in die das Bild eingebettet ist, findet ihr unter https://gerdakazakou.com/2016/02/20/samstags-ist-maerchenstunde-rapunzel-in-afrika-neu-erzaehlt/. Auch hier spielt ein Baum eine Rolle. Keine Angst, es ist ein Märchen und hat daher ein happy end.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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14 Antworten zu Noch mal #inktober 2019, #injured: Wenn Herr Winter kommt

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Gruselig, das letzte legebild.

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    Ich kann kaum kommentieren, beide Bilder tun richtig weh, aber das müssen sie auch, wenn Verletzungen gezeigt werden wollen/sollen, von daher sind sie voll gelungen!
    Ich mäandere noch ein bisschen um das Thema herum, jetzt gibt es erst einmal den Mantel, der bei mir weitaus fröhlichere Assoziationen angestupst hat.
    See you 🙂

    (ach so … magst du nicht mal noch ein bisschen Werbung für unser PingPong (pssst … du bist eh dran 🙂 ) und die Postkarten machen, ich will bald bestellen und es wäre doch noch spannend, ob eine oder eine deiner LeserInnen nicht auch noch Interesse hätte!,
    Es dauert leider alles etwas länger, ich hab hier so ein hin und her mit dem neuen und dem alten Laptop – hoffentlich bald nicht mehr! Aber nun sind fast alle PingPongs in Kartenform, wenigstens die bestellten und die mir und dir liebsten …)

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      danke, Ulli. Verletzungen zu zeigen,ist so ne Sache. Früher war es ja gang und gäbe, besonders in der katholischen Kirche, was wurden da für Foltereien gezeigt, und Jesus am Kreuz, „das Haupt voll Blut und „Wunden“. (Die tatsächlichen Folterungen, zB von Hexen und sog. Ketzern, waren weit ausgesuchter.) Später waren es moderne Künstler, die die Grausamkeit zB der Nazis in Bildern fassten, und da gab es dann keine Milderung mehr durch Heilsversprechen. Niemals waren die Bilder vergleichbar mit dem, was tatsächlich geschah und geschieht.
      Heutzutage sind es vor alllem TV-Filme und Spiele, mit denen kleine Kinder bereits mit jeder Form von Grausamkeit bekanntgemacht und …“abgehärtet“ (?) werden. Ein verstörendes Thema.
      Deinen Schubs, noch mal für Ping-Pong zu werben, nehme ich gerne auf. Morgen!

      Gefällt 4 Personen

      • Arabella schreibt:

        Nun, Verletzungen zu zeigen, lag früher im Interesse der Auftraggeber der Werke.
        Künstler waren immer abhängig von Geldgebern und haben sich teilweise bewusst dazu entschieden, sich benutzen zu lassen.

        Bleibt… ihr Werk und unsere Möglichkeit zwischen den Zeilen zu lesen.

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  3. Arabella schreibt:

    Oh die alten Göttinenvorstellungen, in denen die geklaute Dreifaltigkeit Ursprung hat.

    Sehr schön.

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  4. Ule Rolff schreibt:

    Diese Legebilder finde ich unglaublich stark, Gerda. So ruhig in ihrer gezeigten Brutalität. Auch für dich scheint es unmöglich, Verletzung ohne die Farbe Rot zu denken, wie Ulli in ihrem Kommentar zu den Zeichnungen zu #injured schrieb. Dass Blut und Liebe durch dieselbe Symbolfarbe repräsentiert werden, zeigt mir, wie idyllisch verzuckert heute Liebe missverstanden wird gegenüber früheren Zeiten.

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      danke, Ule. Rot ist wohl die seelisch am stärksten wirkende Farbe, es ist die Farbe unseres Bluts und bedeutet Leben. Alle unsere Emotionen werden übers Blut transportiert (ich kann es grad nicht besser sagen). Unsere Lebendigkeit ist am stärksten für uns fühlbar, wenn wir lieben und wenn wir verletzt sind.

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  5. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Ich bin noch gsanz erfüllt von den beiden anderen Beiträgen, liebe Gerda, und mag ga nicht viel sagen.
    Geschieht das Beschneiden behutsam, bedacht, dann nutzt es allen. Wird hier Gleichgewicht zerstört, stirbt zu vieles ab, Äste, Glieder und Menschengefühle.
    als das Bäumeschneiden in den Händen meines Opas lag, sprach kein Mensch davon. alles was gut. Dann starb der alte Mann, mein Vater ging in Pension und der, der sich nie an Gartensrbeiten beteiligt hatte, machte einen Schneidekurs. Aber gut gelernt hatte er es nicht. Die Bäume weinten und starben nach und nach ab… Ihm fehlte das Gefühl für die zu bescheidenen Bäume, das konnte er nicht lernen, er hatte es einfach nicht in sich.
    Mir tat es fürchterlich weh, denn ich liebte den alten Garten sehr… SO wie er mal war und nun nicht mehr

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