Impulswerkstatt Bild 2: Hut-Sprüche kloppen, samt Legebildern

Dein Hut-Bild, liebe Myriade, hat mich dazu gebracht, einmal nachzusehen, welche Rolle das Motiv bei mir und anderen spielt. Einen Eintrag habe ich ja schon dazu gemacht (hier), nun kommt der zweite.

Der Sprüche und Redensarten mit „Hut“ gibt es viele: „auf der Hut sein“, „sei behütet“, „ich ziehe den Hut“ oder kurz „chapeau“, „alles unter einen Hut bringen“, „nichts damit am Hut haben“ sind einige Beispiele. Im Griechischen gibt es noch das schöne Wort kapelono – jm einen Hut aufsetzen, dh jemandem eine Meinung überstülpen, sich über jm erheben, seine Meriten in Anspruch nehmen. Mir ist natürlich klar, das der Hut nicht gleich die Hut ist, aber beide sind wesensverwandt, denn „Das Wort Hütte kommt von dem mittelhochdeutsch hütte, althochdeutsch hutta; eigentlich = das Bedeckende, Umhüllende“. Daher auch sich hüten, auf der Hut sein und eben der Hut.

Hier nun habe ich ein paar Redensarten samt Illustration, wie sie in diesem Blog vorkommen, zusammengestellt.

Der gastfreundliche Hirte Fotis lädt die herumstreifenden hungrigen Gefährten des „Kleinen Welttheater“ in seine Hütte ein. Er ist der Inbegriff des Behütenden. (hier)

Nur zu, kommt mit in meine Hütte

da gibt es alles, was ihr wollt

Es sind von hier nur ein paar Schritte

ist freilich schlicht und nicht von Gold.

 

Verschiedenes unter einen Hut bringen

Das ist offenbar einer meiner Lieblingssprüche, denn er kommt immer wieder vor.  Zum Beispiel, ebenfalls aus dem „Kleinen Welttheater“: „Sehr viele Mitspieler, die unter einen Hut gebracht werden müssen“ (hier):

 

Eins auf den Hut kriegen

Dora dichtet:

Und wer das tut,

kriegt eins aufn Hut,

ob Zylinder oder Mütze,

er landet in der Pfütze!

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Celia mit Zylinder „Nachtzirkus“-Zyklus

 

Auf der Hut sein

Nochmal Dora, diesmal auf Kanditaten-Kür bei den Spirits. Ein Spirit wispert: „Sei auf der Hut, sonst verdirbt mir die Brut!“

 

Bertold Brecht:

Der Mensch ist gar nicht gut.

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum hau ihn auf den Hut.
Hast du ihm auf den Hut gehaun
Dann wird er vielleicht gut.

(„Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“, Dreigroschenoper, 1928)

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Aus einer abc-etüde

Auf der Hut sein

Moritat von der armen Hanne.

Der Lohn war gut

Die Arbeitszeit variabel

Sie war auf der Hut

und hielt ihren Schnabel.

Doch als die Automatik kam

Da wurde sie entlassen.

Zeit hatt sie nicht für ihren Gram

sie musste Arbeit fassen… (Fortsetzung hier)

Die Näherin

Noch einmal eine abc-etüde (der ganze Text hier)

Auf der Hut sein

Bisher ging’s mir soweit ganz gut

mit meinem unscheinbaren Sein

Ich war halt stets auf meiner Hut

Und machte mich am liebsten klein.

 

Den Hut schwenken (ebenfalls aus einer abc-etüde: hier)

Nun aber Schluss, jetzt geht’s hinaus

Die Sonne lacht, der Wald ist nah

Schon steh verwegen ich vorm Haus

Und schwenk den Hut und schrei Hurra!

 

 

Nichts damit am Hut haben

(Luise erinnert sich, hier, inspiriert durch Jutta Reichelts Geschichtengenerator)

Ausgerechnet dieser Satz muss mir jetzt einfallen. Hier in diesem schäbigen Hotelzimmer. Die Karte ist schuld, die anstelle der sonst in Hotelzimmern üblichen Dekoration über dem schmalen Bett hängt. … Was sich die Betreiber wohl dabei dachten, eine Karte Deutschlands in den Grenzen von 1939 aufzuhängen? In großen roten Buchstaben läuft ein Spruchband über die ganze Breite: Dreigeteilt niemals! Wie auf der Karte in unserem Schulatlas. Als ich moserte und sagte, son Quatsch, wollt ihr noch  einen Krieg anzetteln oder was? kriegte ich eins aufs Dach. Hier ist sie also wieder, die Karte. Königsberg, die Stadt des Aufklärers Kant, wie der Herr Lehrer versicherte, der sonst mit Aufklärung nicht viel am Hut hatte, der alte Sack.

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Und zum Abschluss dieser Vorstellung:

Den Hut lüften. (hier)

Wir danken sehr, dass ihr uns applaudiert,
drum kommen wir noch einmal rausspaziert
und zeigen unsre Künste gern
den schönen Damen und den Herrn.
Wir hängen uns an das Trapez
und fliegen durch die Luft, ihr seht΄s!
Wir lüften auch dabei den Hut
und wünschen euch: nun schlaft mal gut!
Denn zwölfe schlug die Turmuhr eben.
Wir müssen gehn und ihr müsst leben!

 

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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1 Response to Impulswerkstatt Bild 2: Hut-Sprüche kloppen, samt Legebildern

  1. `Das ist ja wieder einmal so gut, daß kein Widerspruch möglich ist.🙃🤡🍁

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