Noch ein bisschen Schattenspiel (mit Dora)

Als ich gestern von der Turmterrasse hinunterblickte, sah ich den klitzekleinen goldenen Kater seinen großen schweren Schatten mit sich schleppen. Er merkte nichts davon. Und wenn doch, ließ er sich davon nicht irritieren. Was ging ihn sein Schatten an? Da gab es Wichtigeres zu erledigen.

Mich aber erinnerte das Bild an eine frühere Legearbeit (hier). Da ging  ein Fuchs mit seinem Schatten spazieren …

https://gerdakazakou.files.wordpress.com/2018/02/img_4329.jpg

oder war es der Schatten, der den Fuchs mit sich führte?

Dies Spielchen schloss sich an eine andere Überlegung an: Wer führt eigentlich beim Menschen die Regie? Er selbst oder sein Schatten?

Wir leben in einer Jahreszeit, in der die Schatten wachsen. Das ist in Ordnung. Es bewuhigt. Auch wissen wir, dass die Schatten wieder kürzer werden.

Doch wie steht es mit dem menschlichen Zusammensein auf dieser schönen Erde? Ist da dieselbe Zuversicht am Platze?

Der „Schatten“ enthält all das, was als negativ erachtet wird und das anzusehen uns schwerfällt, weshalb wir es lieber unter der Schwelle des Bewusstseins halten. Auch die Menschheit als Kollektiv schleppt einen gewaltigen Schatten mit sich herum. Die unendliche Geschichte von Raub, Neid, Mord und Totschlag, von Ausbeutung, Versklavung, Vergewaltigung und Vernichtung ganzer Völker und Erdteile, von Hass und Verachtung, Verleumdung und Lüge….. sie schleppen wir mit uns herum, und nur manchmal treibt ein Stückchen davon an die Oberfläche. Dann schreien wir auf und zeigen mit dem Figer auf den, der uns das Böse zu verköpern scheint. Man nennt das „Projektion“, denn man wirft das, was im Innern rumort, hinaus auf eine dafür geeignet erscheinende Person. 

„Manchmal will mir scheinen, dass der Schatten der Menschheit die Regie über das Weltgeschehen übernommen hat“, schließe ich meine Überllegungen ab.

An dieser Stelle mischt sich Dora ein, die  bisher schweigend zuhörte.  „He!“ schreit sie, „das Katerchen ist klüger als du! Mit all deiner Philosopherei  verdirbst du dir den Tag! Und mir und ihm gleich mit. So ein feiner Tag! Deine Schwarzseherei  ist wahrscheinlich sone Projektion aus deiner schwarzen Seele, oder was? “ 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Dora, Fotografie, Geschichte, Katastrophe, Krieg, Leben, Legearbeiten, Meine Kunst, Politik, Psyche abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

42 Antworten zu Noch ein bisschen Schattenspiel (mit Dora)

  1. derschwarzekater schreibt:

    Da kommt mir doch gleich ein Gedicht in den Sinn – genauer ein Liedtext, aber leider kann ich das hier nicht singen -, das/den ich vor vielen Jahren mal verfasst habe:

    Dein Schatten

    Du hast mich nie beachtet,
    und doch bin ich da.
    Nach Treue hast getrachtet,
    und ich bin so nah.
    Ich weiß, was Du planst,
    und tu es Dir gleich.
    Ich kann, was Du kannst,
    im Schattenreich.

    Ich bin Dein dunkler Bruder,
    dein Zwilling aus der Nacht.
    Ich weiß, Du führst das Ruder,
    ich habe nichts vollbracht.
    Doch ich kann zaubern
    mit meiner Gestalt.
    Wenn nachts mein Volk wächst,
    hab ich Gewalt.

    Vielleicht bin ich Dir lästig,
    Du wärst mich gern los.
    Doch folg ich treu, verlässlich,
    Dir stets auf dem Fuß.
    Ich möcht gern führen,
    will Dein Herrscher sein.
    Es kann passieren –
    gedenke mein.

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    • gkazakou schreibt:

      Eindrucksvoll! Ja, nachts (in Zeiten der Not) wachsen die Schatten, und da kann es schon passieren, dass sich der eigene Schatten zum Führer aufschwingen möchte (das Wort „Führer“ habe ich nicht zufällig gewählt).

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  2. Myriade schreibt:

    Ich sehe es nicht so negativ. Einerseits halte ich gar nichts von Sippenhaftung und zweitens finde ich, dass man auch die positiven Seiten der Menschheit bzw jedes einzelnen Menschen sehen muss. Ein Schatten hat beispielsweise auch die Qualität andere vor der Sonne zu schützen …

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    • gkazakou schreibt:

      Von Sippenhaftung halte ich auch nichts, liebe Myriade. Überhaupt nichts. Und dennoch sehe ich, dass sie in der Welt eine große Rolle spielt. Oder wie soll ich es sonst auslegen, dass „die Ukraine“ gegen „die Italiener“ Anklage erhoben, weil sie eine von einem Russen komponierte Oper nicht aus dem Programm nahmen? (Das ist eines von vielen Beispielen) Es heißt dann: die Ukrainer seien während des Zeit der SU traumatisiert worden, woraus ein generalisierter Hass auf alles Russische entstanden sei. Genau so ist es. Bei einer Retraumatisierung wie jetzt durch den Krieg kommt das Verdrängte an die Oberfläche, es wirft sich zum Herrscher auf, und das, was der Vergangenheit anzugehören schien, wird zum vorherrschenden Gefühl: Hass auf alles Russische. In diesen Hass versucht nun der Traumatisierte die ganze Welt hineinzuziehen und überall und von allen zu verlangen, so zu hassen wie er selbst.
      Dies ist nur ein aktuelles Beispiel, das Prinzip ist überall das Gleiche, im Großen wie im Kleinen. Wer durch einen Mann traumatisiert wurde, hasst womöglich „alle Männer“ sowie alle Menschen, die sich weigern, „alle Männer“ für potentielle Vergewaltiger zu halten.

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      • Myriade schreibt:

        Unerwähnt lässt du, dass die Ukraine samt lebensnotwendiger ziviler Infrastruktur gerade von der russischen Föderation in Schutt und Asche gebombt wird. Ich glaube nicht, dass auf ein Trauma aus Sowjetzeiten zurückgegriffen werden muss um Hass von ukrainische Seite zu erklären. Der wäre in dieser Situation entstanden auch wenn die beiden Länder noch nie miteinander zu tun gehabt hätten

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    • gkazakou schreibt:

      Ich habe versucht, einen Mechanismus zu beschreiben, Myriade, und hatte nicht vor, den Krieg in der Ukraine zu diskutieren. Drum erwähne ich noch ein anderes Beispiel. (Es gäbe viele andere Beispiele,etwa, dass man allen Menschen aus …. abschieben sollte, weil einige von ihnen Mädchen und Frauen getötet haben.) Du sagtest, du seiest gegen Sippenhaft (der Ausdruck passt zwar nicht zu dem, was ich zum Schatten schrieb, aber nun hast du ihn einmal eingebracht) – das war mein Ausgangspunkt und sonst nichts.

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    • gkazakou schreibt:

      Nun doch noch ein Wort: Leider gibt es viele ukrainische Zeugnisse, die zu ungehemmtem Hass auf alles Russische (Ermordung aller Russen inclusive der Kinder, ihr habt kein Recht zu existieren, Schweine zum Schlachten) aufrufen, und zwar längst vor dem Einmarsch der russischen Armee. Die Ukraine gehöre zum zivilisierten Westen, Russen seien barbarische Untermenschen. Die Wortwahl entspricht genau der Nazi-Propaganda, von der sich die heutigen Ukraine-Nationalisten ja auch herleiten. Der Russenhass ist Programm, nicht Reaktion.
      Die nicht sehen zu wollen, halte ich für äußerst gefährlich.

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      • Myriade schreibt:

        Kürzlich hast du an Rosa geschrieben, dass du keine Ahnung hättest, was in Russland tatsächlich vorgeht. Hat sich das geändert? Anti russische Ressentiments in der Ukraine sollen rechtfertigen, dass ein ganzes Land in Schutt und Asche gelegt wird?

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      • gkazakou schreibt:

        Warum missverstehst du mich immer, Myriade? Habe ich den Krieg gerechtfertigt? Rechtfertigst du umgekehrt „antirussische Ressentiments“ (ein harmloser Ausdruck).
        Ich denke, wir wünschen beide von ganzem Herzen eine möglichst sofortige Einstellung der Kriegshandlungen.
        „Soldaten sind sich alle gleich, lebendig und als Leich“ – diese Brecht-Zeilen kamen mir in den Sinn, als ich las, dass in Hamburg nun die ukrainischen von den anderen in Gefangenschaft oder in Zwangsarbeit gestorbenen sowjetischen Soldaten getrennt weren sollen. Die ukrainische Seite will das so. Wenn nicht mal die Toten „Seit an Seit“ ruhen dürfen – wie soll Frieden möglich sein?

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      • Myriade schreibt:

        Ich schreibe deswegen „antirussische Ressentiments“ weil ich diesen von dir beschriebenen Russenhass (Untermenschen, alles russische wird verdammt etc) nicht finden kann. Gibt es diese Stimmung in Griechenland? Es gibt eine Anti-Putin-Stimmung, aber eine Anti-Russland-Stimmung ist mir noch nicht untergekommen. (in kleinen Blasen gibt es sie vielleicht) Es gab einige „Ausladungen“ von Künstlern, die sich nicht von Putin distanziert haben, aber auch das war gegen Einzelpersonen gerichtet und nicht gegen Russland insgesamt.
        Russenhass gab es in Österreich in den Zeiten der Besatzung aus guten Gründen und ähnlich wird es in Deutschland gewesen sein. Inzwischen sind aber zwei Generationen ins Land gezogen…
        Ich denke natürlich nicht, dass du Krieg prinzipiell gutheißt aber gerechtfertigt hast du Putins Vorgangsweise immer wieder. Vielleicht ist das nicht mehr so. Auch wenn man meint, dass die Situation russischsprachiger Ukrainer in deren Heimatregionen nicht gut war (und weder du noch ich können das seriös beurteilen) so rechtfertigt das keinen Angriffskrieg und schon gar nicht einen, der in ganz anderen Regionen etwa in Kiew geführt wird.
        Ich weiß nicht, ob ich dich missverstehe. Ich beziehe halt in meine Kommentare auch Aussagen ein, die du irgendwann gemacht hast

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      • gkazakou schreibt:

        In Griechenland gibt es weder Russen- noch Ukrainerhass. Bei den Griechen fehlt in diesem Fall der „Schatten“ eigener Verstrickung und Schuld. Bei Deutschen und Österreichern ist das anders, daher sind sie auch in dieser Frage so verbissen für oder gegen.
        Im übrigen habe ich nie einen Krieg gerechtfertigt; selbstverständlich auch diesen nicht. Ich bin Kriegswaise und im zerstörten, gevierteilten Deutschland herangewachsen und wünsche niemandem solches Schicksal. Mir ist es so egal, ob jemand Russe oder Ukrainer ist! (Ihnen selbst ist es natürlich nicht egal).
        Ich versuche, Krieg zu verstehen – diesen und jeden anderen auch. Warum lassen sich Menschenkollektive immer wieder auf solche mörderischen Auseinandersetzungen gegen andere Menschenkollektive ein? Um einen seelischen Mechanismus, der vielleicht dazu beiträgt, ging es mir, als ich vom kollektiven Schatten sprach.

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Ich halte es da auch mit Dora. Von „Erbsünde“ etc. halte ich nichts. Davon, dass wir aus dem Geschehenen Lehren ziehen können, daran glaube ich. Und dass es lange dauert, bis wir vielleicht das eine oder andere Übel überwunden haben, das zeigt die Geschichte.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke für deinen Kommentar, lieber Werner. „Erbsünde“ ist auch nicht meins. Aber ich meine, dass das Übel sich fortzeugt, wenn man das Verdrängte nicht ruhig und urteilslos anschaut. Nehmen wir zB den Zusammenhang zwischen Kolonialismus, Sklaverei und den glänzenden Kulturleistungen des Westens. Wenn ich auf dem Zentralplatz von Brüssel stehe, freue ich mich an den glänzenden Fassaden, weiß aber auch, durch welche Leiden sie erkauft wurden. Wenn ich heute ein Kleid kaufe, weiß ich auch um das Leid derjenigen, die es webten. Was folgt für mich daraus? Oder nehmen wir den jetzt in der Ukraine wütenden Krieg. Schauen wir hin darauf, wie er entstand und was er bewirkt? Wie nehme ich Stellung? welchen Ausgang wümsche ich herbei, und warum: aus Hass? aus Liebe und Mitgefühl? Welche Tiefenschichten in mir spielen da mit, wenn ich mich mit einer Seite identifiziere? Das sind Fragen, die jeder für sich beantworten kann. Tut er das, schaut er seinen Schatten an, der mit dem Schatten im kollektiven Unterbewusstsein verschmolzen ist.

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      • Werner Kastens schreibt:

        Ja, Auseinandersetzung mit dem was Dritte veranlassen, herbeiführen oder dulden und eine eigene Position dazu beziehen, sehe ich auch als Notwendigkeit an, weil man sonst nicht über den eigenen Schatten springen kann.

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  4. Ulli schreibt:

    Ich verstehe unter dem Schatten das Unterbewusstsein, nicht zwingend das „Böse“ oder das „Negative“. Letzteres ist eh eine Sache der Definition.
    Ich stimme dir zu, dass die Menschheit an sich schon viel Übles getan hat, dass sie nur langsam lernt, vielleicht auch wegen der Verdrängung und Vetdrehung dessen was man tat, was war.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. „Schatten“ wirft das in der menschlichen Seele, was nicht angesehen wird. Das muss nicht böse sein, es kann auch schmerzhaft sein oder beschämend oder einfach nur störend, unangenehm. Ein ruhiges urteilsfreies Hinsehen bewirkt da manchmal Wunder.

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    Das goldige Katerchen schleppt jedenfalls keinen Schatten mit sich, bewegt sich schwerelos…Und wir brauchen höchstens eigene „Schatten“ zu tragen. bis wir sie abgearbeitet haben. Die Schatten anderer müssen wir nicht schleppen. Dann müssen wir sie auch nicht auf andere projezieren

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    • gkazakou schreibt:

      Am Seelengrund liegt, so sieht es der Tiefenpsychologe C.G.Jung, das von der Menschheit Verdrängte (nicht Angeschaute) als kollektives Unbewusstes. Das geht uns, über unseren eigenen „Schatten“ hinaus, leider doch an, denn es wird in den großen Katastrophen, die die Menschheit anzettelt, wirksam. Wenn zB ein Volk ein anderes als „schlecht“, „grausam“, „dekadent“, „bösartig“ bezeichnet (wie es beispielsweise im ersten Weltkrieg zwischen Deutschen, Russen, Franzosen geschah: „jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ), wird das kollektive Unterbewusste wirksam, das dann einen Widerhall im persönlichen Unterbewusstsein findet (oder auch nicht, wenn in der Einzelseele die Voraussetzungen dafür fehlen).

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    • gkazakou schreibt:

      Mein „ich sehe das etwas anders“ bezog sich übrigens nur auf dein „Wir kommen als Einzelmenschen hierher“. Das war mir zu kurz gegriffen. Ja, jeder ist ein Einzelwesen, mit den ihm eigenen Bedürfnissen und Bestrebungen, gehört aber zugleich der Menschheit an. Auch die Katzen sind, wie ich jetzt beobachten darf, von Geburt an Einzelwesen mit unterschieedlichen Bestrebungen und Bedürfnissen, gehören aber doch der Katzenwelt an. Sogar bei Katzen sollte man zweitens das Prägende der Beziehungen und Verhältnisse nicht unterschätzen, in die sie hineingeboren wurden. Wieviel mehr beim Menschen, dessen Welt sich kulturell, historisch, spachlich, geistig, religiös und materiell in höchst unterschiedlichen Weisen entwickelt hat und in unterschielicher Weise auf das einzelne Menschenwesen wirkt.

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Natürlich leidet ein Mensch unter dem, was in der Welt passiert. Aber das Gute ist ja ebenso da. Nur ist es leise und drängt sich nicht auf. Dies aber müssen wir vor allem sehen und fördern, damit es stärker wird, dem Unguten aber die Macht dadurch entzogen wird.

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  7. hanneweb schreibt:

    Dieses Foto des kleinen Katers der im Schatten über sich hinauswächst ist richtig schön, liebe Gerda und hast du auch wieder ganz bezaubernd im Bild umgesetzt!
    Liebe Grüße, Hanne

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  8. elsbeth schreibt:

    https://www.lyrik.ch/lyrik/spur4/celan/celan2.htm
    das fiel mir spontan zum Thema Schatten ein: dies Gedicht von Celan… „Sprich auch du….“ und dann vor allem: „Wahr spricht, wer Schatten spricht..“
    Oder wieder anders :Der “ verkaufte Schatten“ ( Schatten -gegen Geld) im „Peter Schlemihl“ von Chamisso…oder „Die Frau ohne Schatten“ von Hofmannsthal…Da geht es ja vor allem darum, dass es „Wesen“ gibt, die den Menschen ihren Schatten, den Nachweis , Beweis ihrer physischen Existenz auf der Erde, neiden; einen Schatten also “ haben wollen“.
    Aber das ist wohl alles etwas sehr anderes als der von Jung gemeinte Schatten ?!
    Interessant wäre , ob Jung einen andern Begriff genommen hätte, wenn er in einem Land und einer Kultur aufgewachsen wäre, in der „Schatten“ vor allem positiv erfahren und gesehen wird.? Wie z.B. in der Bibel (Psalmen ) oder überhaupt im Orient…hm..spannend. !!! …und ein weites Feld. Wie immer bei dir –sehr anregend !

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  9. gkazakou schreibt:

    Danke, Elsbeth, wie immer sehr anregend dein Kommentar. Ja, der Schatten „ist ein weites Feld“. Berechtigt ist Jungs Besetzung des Wortes „Schatten“ nur insofern, als es das Nicht-Angesehene, Nicht-Ins-Bewusstsein-Zugelassene betrifft – das insofern im Dunkeln liegt und aus dem Dunkel kein heraus wirkt. So jedenfalls verstehe ich es. Auf jedenfalls ist der Schatten ein rätselhafter Geselle, ein wenig wie der Traum, der Reales abbildet, aber in einer merkwürdig fliessenden, stets veränderlichen Form, dazu auch zweidimensional. Wohltuend ist mir der Schatten der Bäume und Häuser an heißen Tagen, denn er kühlt mir den Raum, während mein eigener Schatten nutzlos und arg geschrumpft am Boden nachschleicht … Dass der Schatten uns unsere Erdgebundenheit ins Gedächtnis ruft, mag auch stimmen, auch, dass es manchen Geistern sehr danach verlangt, einen Körper zu haben (also auch einen Schatten). So vieles ist mit dem Schatten verknüpft. Ich habe halt den einen Aspekt herausgegriffen, weil er mir grad am Herzen lag. Verstanden wurde er wohl nicht so recht.

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  10. elsbeth schreibt:

    Und der SCHATTEN, wie Jung ihn in dieser bestimmten Form benennt,
    existiert ja ganz klar ! Das ist deutlich. Großflächig sichtbar, fühlbar , erlebbar im Moment…in der Welt… und in uns.
    Ich stolperte nur wegen der Vielschichtigkeit von Erfahrungsmöglichkeiten, die mit dem Begriff „Schatten“ verbunden sind. Bei Celan noch einmal wieder ein anderer Aspekt.
    Grüße !!!

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    • gkazakou schreibt:

      Danke nochmal, liebe Elsbeth. die „Vielschichtigkeit von Erfahrungsmöglichkeiten, die mit dem Begriff „Schatten“ verbunden sind“, ist wirklich erstaunlich. Ich habe ein kleines Büchlein von einem japanischen Architekten, das heißt „Lob des Schattens“ (ich habe es auf Griechisch, mein Künstler-Neffe gab es mir), dort wird der Schatten zum Bestandteil der japanischen Wohnkultur.

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  11. Ich dachte, ich hätte noch nie besonders über den Schatten nachgedacht, nie über unserer aller Schatten und was sich in Schatten verbirgt, aber nach einem Blick in meine eigene Gedichtedatei habe ich sehr gestaunt, denn da gibt es nicht nur ein *Gedicht* über Schatten und Licht. Auf die Schnelle habe ich mindestens elf Schattengedichte gefunden…
    Eines lasse ich mal hier, liebe Gerda

    Nirgendwo schien Licht zu sein
    alles Leuchten war ausgeschöpft

    Dustere Schatten griffen gierig an
    bleckten ihre geifernden Schlünde
    und schnappten nach deinem zitternden
    Herzen als aus dem Nichts ein winzig
    flackerndes Licht zwischen sie trat
    und mit Mühe und Mut um Einhalt bat

    Das Licht deiner Seele wuchs über
    sich selbst hinaus, alle Schatten
    wichen zurück, verloren sich in den
    Ecken der Straßenschluchten
    und selbst die Angst nahmen sie mit …

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    • gkazakou schreibt:

      ein starkes Schatten-Angst-Gedicht, liebe Bruni, mit der für dich so charakteristischen Wendung zum Tröstlichen. Mich ängstigen natürliche Schatten eigentlich nicht, ich mag sie. Ich sehe auch besser nachts als am Tage. Was ich fürchte, sind die Schatten des Verdrängten, nicht Angesehenen im Inneren der Menschen..

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      • Die Schatten, die uns aus Vergangenem bedrängen, die nicht wirklich bewältigt werden konnten?

        Ich glaube, dass ich dich auch so verstanden habe, gerda.
        Sie lauern vermutlich schon seit ewigen Zeiten und ich vermute, sie lassen sich kaum fassen. Haben sich tief in den Menschen eingenistet und sind dort verwurzelt, als hätte es sie immer gegeben…
        Sind Sie es, die Hass und Grausamkeit erzeugen?

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  12. gkazakou schreibt:

    Ja, die Haß und Grausamkeit fortziehen. Es sei denn, man schaue sie an, ruhigen Auges. Dann lösen sie sich auf.

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