Im Bazar – Täuschung als neue Realität (Dialog mit Jürgen Küster)

Jürgen Küster schrieb im Kommentar zu meinen „Überblendungen“: „Liebe Gerda! Keine Frage: diese digitalen Collagen sind ausgesprochen reizvoll und enthalten viele Aspekte wie Verfremdung, Irritation, Zufall und Abstraktion. Sie sind zudem spielerisch. Das gefällt mir sehr gut und wirkt auf mich inspirierend.
Aber: worin besteht ihr Sinn? Um was geht es da? Ums Spielen? Um die Demonstration einer kreativen Technik? Was treibt Dich da an? Liebe Grüße, Jürgen“

Ja, worum geht es mir damit? Solche Fragen finde ich sehr anregend, denn sicher bin ich mir selten, warum ich etwas tue. Ich versuchte eine Antwort: „Lieber Jürgen, danke für deinen wertschätzenden Kommentar. Wenn die Überblendungen all das vermögen, was du sagst, ist ihr Dasein schon gerechtfertigt. Was ich selbst damit suche? Danke für diese Nachfrage. Meine Gedanken kreisen sehr um das Thema „Realität und Täuschung“. Verlust von Realitätsvertrauen – Täuschung als neue Realität. Das Foto ist banale Ablichtung, die Zeichnung ehrliches Bemühen. Die Überblendung vermischt beide Elemente und erzeugt mehrschichtige, irrlichternde,unberührbare Wirklichkeiten.“

Der Bazar verwandelt sich. Der Tag wird zur Nacht, die Armutswelt wird zum Palast, das Banale wird zum Zeichen für Höheres.

Paul Klee meinte, Kunst gebe nicht das Sichtbare wieder, sondern mache sichtbar. Ich aber frage mich bestürzt: was ist denn in einer digitalisierten Welt das Sichtbare? Und was ist das, was es gilt, sichtbar zu machen? Ist das Sichtbarzumachende vielleicht gerade die Täuschung, die Vorspiegelung, die Illusion?

Die Ausgangsbilder:

Foto

Zeichnung

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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14 Antworten zu Im Bazar – Täuschung als neue Realität (Dialog mit Jürgen Küster)

  1. Arno von Rosen schreibt:

    Da hat der Jürgen recht …

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Vielleicht ist es der Versuch, der nüchternen Realität etwas abzuringen an evtl. weiteren Möglichkeiten, eine Suche nach neuen Gestaltungen? Jedenfalls nichts Fertiges.

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  3. signorafarniente schreibt:

    Unweigerlich muss ich an das Buch „Die Schriften von Accra“ von Paulo Coelho denken: „Frag die Blume auf dem Feld: >>Wie kannst du dich nützlich fühlen, wenn du nichts anderes tust, als immer gleiche Blüten hervorzubringen?<>Ich bin schön, und die Schönheit an sich rechtfertigt mein Dasein.<> Fühlst du dich nützlich, schließlich fließt du immer in dieselbe Richtung?<>Ich versuche nicht nützlich zu sein, ich versuche, ein Fluss zu sein.<< (Coelho 2013, S. 48)

    Was ich damit sagen will: Ich mag sie, die Überblendungen. Und allein das ist doch ein Nutzen, dass deine Mitmenschen daran Gefallen finden (oder auch nicht) und dass sie dazu anregen, zu kommentieren, Erfahrungen und Ideen zu teilen.

    (Quelle: Coelho, P. (2013): Die Schriften von Accra. Diogenes Verlag, Zürich.)

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, sicher, wenn etwas gefällt, hat es schon seinen Wert in sich. Und wenn es zum Nachdenken, zum Kommentieren anregt, umso besser. Darüberhinaus aber stellte sich die Frage: warum gerade diese Gestaltungsform? Warum nicht einfach nur Zeichnung oder Fotografie, die ja als solche auch gefallen können und so manchem sogar mehr gefallen als die Überblendungen? Darauf versuchte ich eine Antwort zu geben.

      Gefällt 4 Personen

  4. Werner Kastens schreibt:

    Wenn wir gleichzeitig in Parallel-Welten existieren, dann stellt sich auch die Frage der Illusionen und welche Welt die „richtige“ Welt ist. Oder gibt es gar kein falsch oder richtig?

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  5. Leela schreibt:

    „Frage: diese digitalen Collagen sind ausgesprochen reizvoll und enthalten viele Aspekte wie Verfremdung, Irritation, Zufall und Abstraktion. Sie sind zudem spielerisch. Das gefällt mir sehr gut und wirkt auf mich inspirierend. Aber: worin besteht ihr Sinn?“
    ich musste lachen, obwohl das ziemlich unhöflich ist. Wie kann man eine Frage stellen, die man selbst schon beantwortet hat?
    Deine Antwort eröffnete mir dann aber noch eine ganz andere Perspektive. Es scheint wohl nie verkehrt zu sein, Fragen zu stellen…

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  6. Susanne Haun schreibt:

    Das ist eine typische Jürgen Frage.
    Liegt der Sinn der Kunst nicht im sinnlichen Erfassen und in der Freude am Tun und in der Kontinuität.
    Seit wann wird bei der Kunst nach dem „warum“ gefragt? 😉😉😃😃
    Kunst muss.
    Liebe Grüße von Susanne

    Gefällt 1 Person

  7. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda!
    „Das Foto ist banale Ablichtung, die Zeichnung ehrliches Bemühen.“ Seltsam! Was verbirgt sich denn dahinter? Liebe Grüße
    Jürgen

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  8. Sind nicht nur Schnappschüsse banal und das ehrliche Bemühen um ein besonderes Bild
    ein Anfang von Kunst?

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