Im Garten (Schattenbilder und tägliche Zeichnung)

Nachdenklich spazierte ich heute im Garten herum, der vom späten Januar-Frühlingslicht lieblich belebt war. Die Blätter der Olivenbäume spielten und funkelten, der nun kahle Aprikosenstamm warf sein Geäst als malerischen Schatten an die Hauswand, ein paar gelbe Kleeblüten leuchteten zwischen dem sprießenden Grün, die Sonne wärmte angenehm, ein Lüftchen fächelte mir Düfte zu, auch ein paar Vogelstimmen ließen sich vernehmen.

Nachdenklich war ich, denn eine kunstliebende Freundin hatte zu https://gerdakazakou.com/2020/01/20/montags-ist-fototermin-koenigskerzen-und-oliven/ etwas verzeifelt kommentiert: „Es ist mir seit Jahren eine Frage, warum man Natur abbildet, wo sie doch so viel vollkommener ist.“ Zwar bewundere sie meine Geduld und Hingabe, aber! „Es ist ja die pure Oberfläche der Dinge, die zur Darstellung kommt…. Also was vermag die Malerei noch, nachdem wir fotografieren können?“

Einer lieben Freundin schuldet man mehr als eine oberflächliche Antwort. Doch mit Worten? Die würden nur neue Worte nach sich ziehen.

Und wie ich so spazierte, dachte ich: Soll doch die Natur zeichnen! und fing mit meinem Zeichenblock Schattenbilder auf. Die fotografierte ich.

Wenn ich so ein Foto ein wenig bearbeitete und die vorhandenen Farben verstärkte, würde sich ein hübsches Aquarell ergeben.

bearbeitet, farbverstärkt

Perfetto! Jetzt noch ausdrucken, am besten großformatig, schön rahmen und mit anderen solchen Wunderdingen in eine Galerie hängen!

Und was kann ich selbst ausrichten, mit meinem schwarzen Stift und dem Zeichenblock? Mit meiner Geduld und Hingabe? Kann es daneben bestehen? Vermittelt es vielleicht doch etwas mehr als die „pure Oberfläche der Dinge“? Und wenn: was?

Natürlich kann ich hier nur ein Foto der Zeichnung präsentieren – und das heißt: ein Foto. Nähergerückt und in höherer Auflösung (bitte anklicken!) lässt sich aber vielleicht doch der Unterschied zur Fotografie verdeutlichen.  Und der besteht meines Erachtens in der besonderen Energie der Zeichnerin, die sich dem toten Ding – der Zeichnung – mitteilt und die die Betrachterin auch wahrnehmen kann .

 

Der Olivenbaum mit der Ziegenglocke, im Hintergrund der Aprikosenbaum und die Schatten an der Hauswand als Foto.

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, elektronische Spielereien, Fotografie, Kunst, Leben, Meine Kunst, Methode, Natur, Philosophie, Serie "Mensch und Umwelt", Zeichnung abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

24 Antworten zu Im Garten (Schattenbilder und tägliche Zeichnung)

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, ich kann deiner Freundin nicht zustimmen! Schon immer haben KünstlerInnen Naturmotive gezeichnet oder gemalt, es sind ihre Augen, die sehen, sie wählen die Ausschnitte und es ist ihre Hand, die Stift und/oder Pinsel führen, wodurch die Kunstschaffenden selbst einen Abdruck hinterlassen und sie schenken oft dem Gesehenem eine Beseelung.
    Ja, das kann die Fotografie auch, aber selbst die kann nicht 100%ig spiegeln, ein Foto entspricht seltenst genau der realen Wahrnehmung (wir sprachen ja schon öfter darüber).
    Ich empfinde die Vergleiche von, und die Diskussionen um Malerei/Zeichnungen versus Fotografie schon lange als müßig. Es sind zwei sehr verschiedene Methoden, um sich was auch immer noch anzunähern und darzustellen, seien es nun Menschen, Tiere, Bäume oder Blumen bzw. Natur an sich oder ganz anderen Sujets. Einzig gemeinsam ist ihnen, dass die Künstlerin, der Künstler das Gesehene mit seinem Innerem, seinem Sein verbindet und nach außen bringt.
    Liebe Grüße am Abend
    Ulli

    Gefällt 5 Personen

    • Ulli schreibt:

      P.S. die Schattenbilder mag ich sehr, aber mag ich ja immer schon gerne. Und dein Olivenbaum hat wieder einen klasse Charakterkopf 😉

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. ich will jetzt mal nicht kommentieren, sondern lasse die Bilder sprechen.

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    • gkazakou schreibt:

      Nun habe ich deinen Kommentar noch mal gelesen und sehe, dass du nicht nur auf die Gemeinsamkeiten, sondern auch auf die Unterschiede zwischen beiden Methoden abhebst. Das bleibt hier natürlicherweise sehr allgemein („sehr verschiedene Methoden“). Danke dafür.
      Mich beschäftigt, worin die Verschiedenheit besteht – nicht für den Künstler, denn da ist er ja offensichtlich, sondern für den Betrachter. Für ihn stellt sich ja in der Regel eine Fotografie vor Augen (mein Gezeichnetes, Gemaltes,Gelegtes kennt er ja nur als Fotografie, auch Installationen, Performances etc werden als Fotografien verbreitet), und er beurteilt daher Werke bildender Kunst wie eine Fotografie. Warum, so meine Frage, in Zeiten der „technischen Reproduzierbarkeit von Kunst“ (Walter Benjamin) sich dann noch der Mühe des Zeichnens und Malens unterziehen? Tatsächlich tun es ja immer weniger. Bei meinen Dokumenta-Besuchen fand ich keine oder nur einige wenige Maler (Zeichner sowieso nicht). So wird man oft geradezu mitleidig und auch ein bisschen hochmütig von „modernen“ Künstlern angeschaut, wenn man zeichnet, malt, bildhauert – also quasi handwerklich unterwegs ist.

      Nein, ich sage das jetzt nicht aus „Verunsicherung“, ich weiß schon, was ich tue und warum. Ich will gar nichts anderes. Das, was mich ergreift in der Kunst (wie auch im Leben), ist der direkte sinnliche Kontakt mit dem Bild, der Skulptur, der Musik (dem Menschen). Kein künstlerischer Ausdruck, bei dem technische Mittel zwischen mich und die künstlerische Äußerung treten, vermag, mich wirklich zu erschüttern. Er kann mich interessieren, mich gedanklich bewegen, meine Bewunderung hervorrufen … , aber er bleibt meinen Sinnen ferngerückt.

      Nun habe ich doch meine eigene Antwort gegeben. Liebe Grüße! Gerda

      Gefällt 3 Personen

      • Ulli schreibt:

        Das geht mit nicht so. Mich kann eine Fotografie, eine Collage etc. tief berühren, genauso wie eine Zeichnung, ein Gemälde, eine Skulptur. Ich denke an Anselm Kiefer, mit welch gigantischen Maschinen er ganze Räume geschaffen hat, was noch einmal eine andere Dimension der technischen Mittel betrifft – diese Räume haben mich schon nur bei der Betrachtung in einer DVD tief berührt. Es wird noch einmal anders sein, wenn ich wirklich hindurchgehe, klar. So ist es dann auch mit deinen Zeichnungen und Legebilder, wir hier sehen die Fotografie davon, ich hatte schon das Vergnügen ein paar wenige in der Realität zu sehen, inhaltlich war es für mich kein Unterschied, höchstens von der Intensität der Empfindungen, aber nicht immer.
        Es zeigt sich hierbei, dass verschiedene Menschen, also gerade eben du und ich, anders spüren und empfinden?!

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      • gkazakou schreibt:

        Ja, wahrscheinlich ist es so, jeder hat etwas andere Antennen. ich habe etliche Arbeiten von Kiefer in der Realität gesehen, und nur die sind mir auch tief ins Gedächtnis oder besser: ins Gefühl geprägt. Ich wolllte, ich könnte einmal durch einen seiner Räume gehen. Genauso ist es mit Arbeiten von Beuys, die ich sah. (Doch die Fotos von ihm mit dem Hasen und die mit dem Kojoten sind ebenfalls tief eingeprägt). Ob ich Rembrandt so tief empfinden könnte, hätte ich nicht staunend vor seinen Werken gestanden? Oder Greco? oer Goya? Sicher hat mich Giacometti tief bewegt, als ich mit 17 vor einer seiner hohen Skulpturen stand – und kann es seither nicht vergessen. Und du, wurdest du nicht auch ganz anders von den Werken berührt, wenn du sie direkt sinnlich aufnehmen konntest? Du erwähnst immer mal wieder Hannah Höch. Sicher, auch reproduzierte Werke, besonders der Druckgraphik, die ja grundsätzlich „nur“ ein Abdruck ist, können mich tief beeindrucken (ich lache über diese Doppelung des Wortes „drucken“). Genauso ist es bei Kunst, die ausdrücklich (!) durch und für die modernen Medien gemacht wurde – so wie deine – auch sie kann mich beeindrucken. Da fehlt mir dann nichts.

        Wahrscheinlich spitze ich hier einen Unterschied zu, ich neige zu solchen Überspitzungen, um mir ein klareres Bild zu machen. Eigentlich sind es nur Gesichtspunkte: wie nehme ich wahr? Wie werde ich am tiefsten bewegt? Durch die Augen – das Denken – die gesamte Sinnesorganisation – die Berührung – den Klang — alles zusammen, mehr oder weniger…..? Mehr Fragen als Antworten.
        Danke, dass du dich auf diese Diskussion eingelassen hast. Und nun wünsche ich dir eine Gute Nacht und Kraft, Hilfe jeder Art und Erfolg für das, was kommt!

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Die Malereien von Caspar David Friedrich sind viel mehr als eine Photographie. Was das „Mehr“ darin ist, mag jede/r selbst herausfinden. Die Gemälde von van Gogh z. B. oder die von Rembrandt… oder die Stilleben und Landschaften von Cezanne.., die Gemälde von ……. , ach, was hat doch die Malerei uns Wunderbares gegeben, in uns geweckt…, nicht wegzudenken! Und was würde mir fehlen ohne Deine Handzeichnungen und auch Olivenbäume und auch Stilleben. Man/frau muß sich doch nicht gleich “ umpusten “ lassen durch ein bißchen Wind.. Aber so ein Wind stärkt ja auch, schadet keineswegs…😊

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    • gkazakou schreibt:

      Danke schön, Gisela, und ich freue mich, dass du meine Handzeichnungen nicht missen magst. Ansonsten bist du etwas übers Ziel hinausgeschossen: niemand will die Malerei der Vergangenheit missen. Die Frage ging ja dahin, ob die Malerei nach der Erfindung und allgemeinen Verbreitung der Fotografie noch etwas an Besonderem zu bieten hat. Und die Fragerin meinte: Ja. Ich meine das sowieso, sonst würde ich ja nicht Zeichnen und Malen. Wo siehst du da den Wind, der mich umpusten könnte?

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    • gkazakou schreibt:

      Mir war die Ansicht der Freundin ein Anlass, mich mit einem Thema, das ich eigentlich für mich geklärt hatte, doch noch mal zu beschäftigen. Das mache ich regelmäßig: ich höre eine Meinung und setze sie in Beziehung zu meinen Auffassungen. Wenn beide übereinstimmen, brauche ich mich nicht weiter damit zu befassen. Wenn sie nicht übereinstimmen, versuche ich zu einer Klärung zu kommen.Nur so kann man ja lernen. Liebe Grüße zu dir hin! Gerda

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  3. kopfundgestalt schreibt:

    Deine Zeichnung ist aufgeladen, das ist der Unterschied zur Generierten. 😀

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  4. felsenquell schreibt:

    Danke Gerda, wunderbar die Schattenbilder, für mich sehr viel reizvoller als die Farbbearbeitungen.
    Und Deine schwarzen Olivenbäume liebe ich sowieso. Du hat meine Frage verstanden. Sie bezieht sich vorwiegend auf Deine Stilleben, deshalb „die pure Oberfläche der Dinge“. Gruß zur Nacht aus Kassel.

    Gefällt 2 Personen

  5. Ule Rolff schreibt:

    Diese Gegenüberstellung von Malerei/ Zeichnung, Fotografie, Natur ist nun seit der Erfindung der Fotografie spätestens so erschöpfend ausdiskutiert, dass ich ihrer eigentlich müde bin.
    Niemals zeigt ein Foto oder ein Bild welcher Technik auch immer nur Oberfläche, sogar wenn es gewollt wäre nicht. Immer ist allein durch die Auswahl des Ausschnitts, der Perspektive und weiterer Gestaltungsmittel die künstlerische Entscheidung bedeutungstragend.
    Von daher ist mir allenfalls fragwürdig, wie erfolgversprechend der künstlerische Ansatz sein kann, nichts wegzulassen und „alles“ zu zeigen, pur zu dokumentieren. Aber das steht hier ja nicht zur Debatte.
    Dein Hinterfragen, immer wieder, ob dein Standpunkt trägt, ist mir vertraut und lieb, Gerda, es schützt vor Selbstgerechtigkeit und Irrwegen (warum sollte man sich davor eigentlich schützen, sind doch spannend?).
    Deine Idee, die Natur mal pur auf deinem weißen Blatt zeichnen zu lassen, ist fein, aber immer noch entscheidest du, wohin du den Block legst.

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      danke, liebe Ule. Dein Kommentar überrascht mich genauso wenig wie der von Ulli, mir ging es ja auch so, als ich noch einmal dieses Thema aufwarf. Dennoch finde ich schade, dass ihr beide gar nicht auf die Unterschiede zwischen den beiden Medien, sondern nur auf ihre Gemeinsamkeiten abhebt. Ich hätte gern mal von einer Fotografin ein Wort darüber gehört.
      Dazu gehört nicht die Frage, ob es ein sinnvoller Ansatz ist, „alles“ zeigen zu wollen. Denn das kann man, selbst wenn man es wollte, weder mit dem einen noch mit dem anderen Medium.
      Liebe Grüße zu dir hin! Gerda

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    • gkazakou schreibt:

      nein wirklich nicht. Es drängelt auch überhaupt nicht 🙂

      Gefällt 1 Person

  6. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Eine lange Diskussion, die ich von Anfang an bis eben gespannt verfolgt habe.
    Beim Fotografieren ist es reizvoll, die Ausschnitte zu wählen, von denen man sich angezogen fühlt. Die Suche nach Motiven ist wie ein wundervolles Spiel. Dabei werde ich nie müde.

    Fotografierst Du einen der Olivenbäume, sehe ich ihn zwar in seiner prachtollen und gleichzeitig skurilen Schönheit, aber in Deinen Zeichnungen und der von heute von heute erkenne ich ganz deutlich den gemarterten Geist des Baumes. Das zeigt mir nicht die Natur selbst, nicht die Fotografie irgend eines Fotografen, hier hast DU ihn so herausgearbeitet, wie ich ihn erst durch DEIN zeichnerisches Können sehe erkennen kann. Ich bin ihm so nahe, wie nie sonst. Ist es die Kunst der Kunst und hat mit der *Realität*, die wir im Vorübergehen sehen, gar nichts zu tun?

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    • gkazakou schreibt:

      Danke Bruni, für deinen so schönen Kommentar, den ich jetzt spät nachts lese und mich freue. Wenn ich durch mein Zeichnen Unsichtbares sichtbar mache, wie Klee es verlangt, dann ist mein Ziel erreicht. Gute Nacht!

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  7. felsenquell schreibt:

    Ich freue mich über Eure lebhaften Kommentare!

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  8. Pingback: Unsere Erde und die Natur schützen/Protecting our earth and nature* | da sein im Netz

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