Es werde

Gott sprach: Es werde …, und es ward. Und so machte er auch mich. Er sprach Werde, und ich ward. Nach seinem Ebenbild.

Doch wenn Ich sage: Es werde…, rührt sich nichts. Nichts Lebendiges will entstehen. Das betrübt mich zuweilen.

IMG_5239

Manche, darunter besonders die Künstler, suchen sich Trost zu schaffen. Pygmalion, typisch Grieche, machte sich ein lebensechtes Frauenbild aus Elfenbein. Es wurde lebendig und tröstete ihn. So jedenfalls erzählt Ovid den altgriechischen Mythos.

Mancher findet, dass das Spiel der Fantasie ihm Trost genug sei. Christian Morgenstern war so einer und erdichtete sich die Galgenlieder*.

Ich fühle mich in seiner Gesellschaft wohl. Er wird mich nicht schelten und sagen: Was du machst, ist kindisches Zeug. Deine Figuren sehen aus wie Kamelenten und Schoßeulen. In deinem Himmel treiben sich Walfischvögel und Tagtigallen, Sägeschwäne und Ochsenspatzen herum. Hör auf, die lebendige Schöpfung zu verhöhnen.

Nein, so wird er nicht sprechen, sondern mich auffordern, meinem kindlichen Bildnertrieb frei zu folgen. Ein anderes ist es, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, und ein anderes zu versuchen, das Leben selbst zu manipulieren.

 

Man stelle sich vor, jedes Hirngespinst würde lebendig!

Zu unserem Glück wurden wir aus dem Paradies vertrieben, bevor wir vom Baum des Lebens essen konnten.

Manche versuchen es dennoch. Heute las ich, dass genmanipulierter Lachs für den Verzehr in Europa zugelassen wurde.  Armer Lachs! Arme wir.

IMG_5240e

_____

*Alle kursiv gesetzten  Wörter sind Zitate aus Christian Morgenstern, Galgenlieder.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Ökonomie, Dichtung, Kunst, Leben, Mythologie, Psyche, Tiere, Umwelt abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Antworten zu Es werde

  1. nomadenseele schreibt:

    Ich finde deine Figuren sehr lebendig.

    Gefällt 1 Person

  2. gkazakou schreibt:

    danke! Zum Glück aber machen sie sich nicht auf die Socken und die Welt unsicher.

    Gefällt mir

  3. A, die Figuen sind wirkich wunderlichwunderbar – aber der Text ist auch sehr lesenswert. Zwischendurch hab ich mich selbst, als Ungläubigen zwar gefragt, ob das mit ein klein wenig mehr Vernunft und ein klein wenig weniger Kinderglauben nicht doch auch alles zu einem Vernünftigeren Ergebnis hätte führen können…
    Nix für ungut und liebe Grüße vom
    Ungläubigen Kai

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Kai! M.E. hat die Ungläubigkeit unserer Epoche der Vernunft auch nicht auf die Beine geholfen.

      Gefällt mir

      • Da will und kann ich Dir nun leider auch nicht widersprechen. Obwohl,es gab und gibt ja auch in unserer Epoche ganz mächtige Religionen, also neben dem STaMOKap, dessen Kirche in der Tat in den letzten Jahrzehnten eine Menge Gläubige verloren hat ganz aktuell der neoliberale Kapitalismus, der einfach alles darf und immer weiter und immer weiter galoppiert und dabei wie zu fällig mal hier mal da ein paar Kriegsgeräte fallen lässt, oder dort den Stuhl nicht halten kann und quasi eine Schleifspur von Kleinkaliber-Exkrementen hinter sich her zieht, bis in den Orient…
        Ach, ich lass es, für mich sind Religionen jeglicher Art einfach schädlich. Jede einzelne will Menschen vorschreiben, was wir wie zu tun haben und was nich. Dat is nix für mich.
        Liebe Grüße
        Kai

        Gefällt 1 Person

  4. Ulli schreibt:

    Ich hatte als kleines Mädchen ein Buch: Max und die Männchen, das waren 5 Männchen, die er an die Wand gemalt hatte und die stiegen dann eben von der Wand und waren SEHR lebendig, wer weiss was mit deinen Figuren in der Nacht passiert, wenn sie sich bei der einem und dem anderen erst einmal eingebrannt haben …😉

    und ja, armer Lachs, arme wir … das hast du schön gesagt

    Gefällt mir

  5. gkazakou schreibt:

    Danke Ulli! Die Männlein, sagst du, sind sehr lebendig. Die Puppe, die ich in die Hand nehme und sprechen lasse, ist auch sehr lebendig. Alles, was ich mit meinem Geist belebe, ist lebendig. Aber dennoch ist es uns Menschern nicht gegeben – und dafür bin ich dankbar – Leben zu „machen“. Wir können es verändern, zerstören, fortentwickeln, fortpflanzen, aber nicht herstellen, produzieren, nicht einmal verstehen. Leben, auch das unsere, kommt aus einer anderen uns nicht zugänglichen Quelle. Schau nach rückwärts, da siehst du Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Ur-Ur-Ur-Ur.-Großeltern, und immer weiter schau, doch findest du die Quelle? Selbst die eingefleischtesten Darwinisten können nach der Amöbe nicht weiter zurück. Neuerdings reden sie viel von Meteoriteneinschlägen. Na und? Nützt das was? Wie kam das Leben auf die Meteoriten? – Ich meine, es ist gut und es reicht, am Lebendigen teilzuhaben.

    Gefällt mir

  6. Susanne Haun schreibt:

    Gestern habe ich eine Vorlesung zur „macchia“ Leonardos besucht.
    Sehr interessant waren die Ausführungen des Dozenten zu Leonardos Vorstellung der Beziehung zwischen Mutter und Embryo. In dem ersten Monaten formt die Mutter die Seele des Embryos, danach weckt die Mutter die Seele des Embryos und von da an formt das Baby selber!
    Genauso weckt, laut Leonardo, die macchia die Seele des Künstlers.
    Wir können uns also fragen, ob in dem Moment, wo du deine Arbeiten schaffst, du als Schöpfer tätig bist.
    Der Zeitpunkt, wann die „Seele“, den Embryo „erweckt“ ist ja heute noch ein großes ethisches Thema, besonders in Bezug auf Abtreibungen.

    Gefällt 1 Person

  7. gkazakou schreibt:

    Danke, Susanne, für diesen Beitrag.
    Meine Anschauung ist: Die Idee – wie die Seele des Kinder – wird empfangen oder ergriffen, vielleicht „geformt“ (Leonardo), wenn sie in die Dreidimensionalität eintritt. Ihre Herkunft ist für uns ein Geheimnis.
    Zum künstlerischen Prozess: Es geschieht, dass man mit einer Idee schwanger geht, fühlt, wie sich langsam der zur Idee passende Leib bildet, und wie dies eine Eigendynamik gewinnt, die man mit gespannter Aufmerksamkeit malend, komponierend, schreibend begleitet, bis es ans Tageslicht tritt. Viele Fehlgeburten und Abtreibungen, auch Missgeburten bleiben zurück. Das Lebendgeborene umsorgt man noch ein Weilchen, bringt es auf den Weg – und da zieht es nun hoffentlich fröhlich dahin.

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s