Nachtrag zu gestern (Kerameikos): Kirche, Stier, Keramik-Figuren, Flüchtlings-Politiker

Gestern skizzierte ich die Kirche oberhalb des antiken Friedhofs. Hier noch mal ohne Text, samt Bearbeitung. Das Bäumchen im Vordergrund und die großen Steine gehören zur leichten Welt der griechischen Antike, als der Mensch noch das Maß der Dinge war. Die Kirche darüber schließt sich gegen die Natur ab, schwer und übergroß demonstriert sie ihren Alleinvertretungsanspruch.

Auch den Stier möchte ich noch mal ohne Text und in einer Bearbeitung zeigen. Auf der Zeichnung fehlt leider der mächtige Hinterleib mit dem peitschenden Schwanz. Gebändigte aber ungebrochene Naturkraft spricht aus dieser Skulptur und weist sie daher als antikes Kunstwerk der klassischen Zeit aus.

Die Skulptur steht im Innenhof des Museums. Eine Kopie findet sich am ursprünglichen Ort, hoch oben auf dem Grabmahl eines stolzen Atheners des 4. vorchristlichen Jahrhunderts.

Zwei Werke zeitgenössischer Künstler mögen den gestrigen Rundgang vervollständigen: die eine, Polina Kasimati, wird am letzten Wochenende dieses Monats eine Installation von 18 Tonfiguren im Kerameiko zeigen. Wir  konnten einen Blick drauf werfen, bevor sie  nach einer Foto-Session weggetragen wurden.

Das andere Kunstwerk befindet sich an einer langen Wand außerhalb des Kerameiko, an der immer neue Spraybilder entstehen (zB dies hier). Diesmal ist es ein großes Wandgemälde: an einem langen Tisch palavern Politiker und fuchteln mit Geld und Papieren, während im unteren Bereich Hände Ertrinkender verzweifelt versuchen, einen Halt zu finden. Ich musste es über die stark befahrene Straße und bei gleißendem Licht heranzoomen, weshalb die Motive zum Teil aus dem Fokus gerieten. Aber ein Panoramafoto gibt doch einen guten Gesamteindruck, finde ich.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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30 Antworten zu Nachtrag zu gestern (Kerameikos): Kirche, Stier, Keramik-Figuren, Flüchtlings-Politiker

  1. Ulli schreibt:

    Ein sehr realistisches Wandgemälde! Ach ja, diese Politiker und Politkerinnen, das Spiel um Macht, Geld und Ruhm, als wüssten es die Menschen immer noch nicht besser, sie wissen es nicht, sie können nicht anders?!
    Ich erfreue mich auch heute erneut an dem Stier, nun auch an deiner Bearbeitung.
    Kirche und Staat, dazu passen auch meine ersten zwei Sätze.
    Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag, liebe Gerda,
    herzlichst, Ulli

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  2. wildgans schreibt:

    Besten Dank, liebe Gerda, für die kleine Kunstreise!
    Die Skulpturen auf der Wiese gefallen mir besonders! Wie auch deren Schöpferin, für Dinge aus Ton habe ich eh was übrig, gewaltig was.
    Liebe Grüße von Sonja

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  3. finbarsgift schreibt:

    Coole Reliefe und Skulpturen, die dich wieder zum Künstlern animierten,
    schön das 🙂
    LG vom Lu

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  4. kowkla123 schreibt:

    stark, liebe Gerda, genieße die folgenden Tage, es soll ja wettermäßig schöner werden, Klaus

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  5. kunstschaffende schreibt:

    Interessante Fotos liebe Gerda!
    Liebe Grüße vom Sternen Bild Steinbock! Ich gehöre auch zu den gehörnten! Allerdings, mein Aszendent Löwe entschärft so einiges! 🤗😂😂😂😉🙋

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Der mächtge, schweifwedelnde Stier auf dem Sockel, Photo eines antiken Grabmals. Und,auf dessen Rücken der kleine Vogel, – welch ein Gegensatz von Schwere und Leichte. Gäbe es nur die wuchtige Schwere, – was würde uns da fehlen! Gäbe es nur die beschwingte Leichtigkeit, – auch da würden wir etwas vermissen. Wie gut ist diese Vielfalt auf Erden!!🌞🌱

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  7. Gisela Benseler schreibt:

    Liebe Gerda! Wie Du den mächtigen Dom farblich aufgearbeitet hast, ist der Gegensatz zur lebendigen Natur aufgelockert. Mir scheint, daß Du dem Dom auch etwas Sympathie entgegenzubringen versuchst? Und daß Du – vielleicht eine Antwort darauf erhoffst? Ich stelle mir nur vor, daß manche Menschen früher diesen weltabgeschiedenen, klösterlichen Weg gingen. Da galten strenge Regeln: Armut, Entbehrung, Gehorsam, Keuschheit…Ach ja, das wählten sie sicher nicht alle freiwillig, oftmals Not. Doch darin entdeckten sie auch etwas Starkes, Helles🌞

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    • gkazakou schreibt:

      Mit der „Sympathie“ hast du recht, liebe Gisela. Eigentlich wollte ich der Kirche wie gewohnt den Rücken zudrehen, aber dann sagte ich mir: so geht das nicht. Schau hin und finde die message.
      Bei der Bearbeitung werden dann die beiden Elemente stärker differenziert: der antike Friedhof wird luftig blau, als sei er schon fast nur noch als Erinnerung vorhanden, die Kirche mit ihren Rottönen ist nicht nur dominierend, sondern bietet auch Schutz und Zuflucht. Der Kampf, den die Kirche in ihrer Gründungsphase gegen das Altertum führte, ist längst abgeflaut (allerdings immer noch nicht zum Erliegen gekommen).
      Ich bin kein Kirchenfeind, billige dieser inzwischen ja auch schon altehrwürdigen Institution gerne ihre gesellschaftliche Rolle zu, genauso wie dem Staat und anderen menschlichen Ordnungssystemen. Liebe Grüße!

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  8. kunstschaffende schreibt:

    Die Zeichnungen sind wieder sehr gelungen! 👌👍🙋

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  9. Gisela Benseler schreibt:

    Danke, Gerda! Staat und Kirche haben sich immer wieder bekämpft und dann wieder ausgesöhnt. Es bieb nur die Frage, wer von beiden das Sagen hat. Und so dominierte mal die Kirche, mal der Staat. Heutzutage arbeiten sie ziemlich friedlich zusammen und bilden so zusammen die Herrschaftsordung. Darum aber ging es mir nicht.. Ich glaube, Du findest die Richtung, wenn Du genauer liest. Größer als alle Menschenmeinungen aber ist der Schöpferwille.🌞 Und den sollen wir suchen und können ihn finden, als Einzelmenschen😊

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  10. Gisela Benseler schreibt:

    Liebe Gerda! Ich sehe das ja ganz ähnlich wie Du, und zwar wie auf die Griechen so auch in ganz ähnlicher Weise auf die Germanen bezogen. In Verden/Aller habe ich die unzähligen Steine gesehen, die zum Gedenken an die – von der christlichen Kirche- ermordeten Sachsen gesehen.
    Was hat das mit der Lehre von JESUS CHRISTUS zu tun!? GAR NICHTS,!

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  11. Ule Rolff schreibt:

    Das Panoramafoto der Politiker hat mich zuerst an eine Abendmahlsszene erinnert, wahrscheinlich weil ein religiöser Bezug nach der Eröffnung mit der Kirche so nahelag.
    Deine Worte zu der Bedeutung der Kirche im Verhältnis zur Antike spiegeln sich für mich nicht in der Zeichnung, die ich als harmonisch empfinde. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Anspielungen auf die Antike nur schwach ausgeprägt empfunden habe, erst durch deine Erläuterung gesehen habe, eigentlich. Es ist zwar logisch, dass unterdrückte Kultur verblasst, aber sooo blass … da geht die Botschaft fast verloren.

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    • gkazakou schreibt:

      Auf der Zeichnung, liebe Ule, ist ein bestimmter Moment, eine konkrete Perspektive eingefangen. Sie kann das Empfinden nur schwach wiedergeben, das mich an diesem Ort heimsucht. Außerdem habe ich, wie ich schon schrieb, diesmal versucht, mich mit dem schweren hoch ragenden Kirchenbau zu versöhnen, der mich immer so stört.
      Die Antike IST im Kerameiko so stark verblasst, fürchte ich. Es sind vor allem ein paar große Steinquader übrig, gefügt zu Mauern, Fundamenten, Unterführungen und Brücken, die heute keine Funktion mehr haben, dazu der Fluss – ein winziges Bächlein nur, aber immerhin mit klar sprudelndem Wasser auch im Spätsommer. Die Skulpturen, die man ausgrub, sind im Museum zusammengeführt, schön ausgeleuchtet. Ich habe einiges davon gezeigt. Ansonsten ist es die feine Atmosphäre des Ortes, die zu mir spricht und die auch Eleni in ihrem Text andeutet.

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  12. Gisela Benseler schreibt:

    Die „objektive Weltsicht“,die Lu meint, macht mich nachdenklich, auch, daß das mit dem „Mittelpunkt der Welt“ doch relativ ist und von vielen, den Ärmeren, kaum geteilt werden kann. ☺

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  13. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Wundervoll ist Dir der Spannungsbogen von damals zu heute gelungen
    Ein winziges bissel erinnern mich diese trutzigen domininanten Kirchen auch an das Byzantinische.
    Ein Kraftpaket, der Stier und wie anders die scheinbar menschengroßen Skulpturen einer wundrevollen Künstlerin.
    Wie gut schließt Du mit dem Graffiti ab und auch über die Straße hinweg ist es ausdrucksvoll.
    Ich bin beeindruckt von dieser Kunst, die immer noch so ein bissel am Rande läuft und doch schon so unendlich viel zu bieten hat.

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    • gkazakou schreibt:

      Hallo, Bruni! Die Kirchen – ja, der Form nach sind sie byzantinisch. Die alten sind freilich weniger trutzig, sondern klein und bescheiden wie Maulwurfshügel fast, höhlenartig und wunderschön ausgestaltet. Auch in Athen gibt es noch ein paar solcher tief in den Boden gesunkenen Kirchlein.
      Die Tonfiguren sind nicht besonders groß, eher wie große Puppen. Aber sie sind eindrucksvoll in ihrer schreitenden Bewegung.
      Mit dem Graffiti geht es mir wie dir: Es gibt da ganz hervorragende Künstler – und natürlich auch Schmierer. Aber die gibt es ja auch in der herkömmlichen Kunst….

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      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        Ach, die Kirchlein waren kleiner und bescheidener, liebe Gerda. Njn kann ich mir noch viel mehr vorstellen.
        Dann sind die Figuren doch nicht so groß, wie es auf dem Foto aussah, ach so, interessant
        Ja, zu den Graffitis habe ich eine ganz besondere Liebe, da ich viele wirklich gute kennemlernen konnte. Die jungen Leute in dieser Szene wissen um die echten Künstler unter sich und kennen sich, so wie es wohl ähnlich bei allen Klünstlergruppen der Fall ist.

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