Kata-Strophen für ein Füchslein (abc-etüde)

 

Wieder gehts um die abc-etüden, von Christiane betreut. Diesmal will Petra Schuseil  wissen, ob unsereiner rund um die Wörter Winterreifen, eifersüchtig und stolpern eine Geschichte zusammenbringt, die nicht mehr als 300 Wörter hat. Nun, das ist eine einfache Übung, dachte ich, und begann zu reimen.

 

Eifersucht

Als die liebestollen Tauben

In den laubberaubten Lauben

Von den winterreifen Trauben

Flink gepickt

und höchst geschickt

Gurrend turtelnd und entzückt

Schnäbel sich mit Schnäbeln kreuzen

Hörte ich ein Füchslein seufzen

Und ins Taschentüchlein schnäuzen:

 

Trauben mag ich auch sehr gerne

Vor allem lieb ich Traubenkerne

Doch muss ich sehen nun von Ferne

Wie die Tauben ohne mich

Die Trauben teilen unter sich.

Das macht mich wirklich ärgerlich.

Wer wäre da nicht eifersüchtig!

Selbst ich, das Füchslein, das so tüchtig

Und in allen Dingen züchtig…

 

Ich wollt die Tauben würden stolpern

Grad so wie meine Reime holpern

Dass alle Trauben runterpoltern.

Ich würd sie mir zusammenklauben

Dann hätt ich sie und nichts die Tauben.

Ich würd mir auch nen Spruch erlauben

Und würde rufen: Hach, jetzt spürt

Wie ihr die Eifersucht mir schürt

Weil ihr ein Turtelleben führt!

 

So sprach das Füchslein, Tränchen rannen

Als es sich traurig schlich von dannen

Heim zu den schneebedeckten Tannen.

… oder doch lieber eine von diesen? Alles sind Varianten derselben kleinen Handskizze.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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37 Antworten zu Kata-Strophen für ein Füchslein (abc-etüde)

  1. Werner Kastens schreibt:

    Einfach Klasse, Gerda, mit welcher Leichtigkeit der Worte Du eine schöne Geschichte zauberst!
    Chapeau!

    Gefällt 5 Personen

  2. Werner Kastens schreibt:

    Und der Trick mit den winterreifen!!

    Gefällt 2 Personen

  3. tontoeppe schreibt:

    Winterreifen mal nicht als Substantiv! Hut ab, Gerda. Darauf muss man kommen…
    Gute Nacht… Birgit

    Gefällt 3 Personen

  4. Myriade schreibt:

    Deine Reime holpern keineswegs, sie sind- herausragend aus vielen anderen- ganz versmaßsicher und geschmeidig

    Gefällt 2 Personen

  5. puzzleblume schreibt:

    Die Vorstellung von kullernden Trauben für das Füchslein waren ganz reizend zu lesen, am Ende habe ich sie ihm sehr gewünscht.
    Aus den Bildern spricht mich die graubraune, dritte Variation am meisten an.

    Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      Mögen Füchse eigentlich Trauben? es gibt da ja die Fabel von Äsop vom Fuchs, dem die Trauben, die er nicht erreichen kann, zu sauer sind,….

      Gefällt 1 Person

      • puzzleblume schreibt:

        Von Füchsen weiss ich nichts Entsprechendes, aber Bongo liebt Trauben und erntet sie selbst. Er ist ja auch grösser als ein Fuchs.
        Es heisst zwar immer wieder, Trauben seien unverträglich für Hunde, aber das gilt vermutlich nicht für diese ursprünglichen Selbstversorger-Typen.
        Er jedenfalls frisst Trauben leidenschaftlich gern, allerdings schnuppert er auch vorher, ob sie schon reif sind, und wartet ansonsten noch mit dem Pflücken.

        Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      A, Bongo, ein Erntehelfer! Mein Hund Typ Vorsteherhund (ein Findling) rührt die Trauben nicht an, die wir auf der Terrasse haben. Dafür kommen die Ratten. – Ich denke, wenn dein Hund Trauben mag, so werden sie wohl auch Füchsen munden. Die reifen natürlich nur, wie in der Fabel. Danke sehr für die Antwort!

      Gefällt 2 Personen

  6. Ulli schreibt:

    Die Freiheit des Dichtens, da werden aus Winterreifen winterreife Trauben, das ist wahrlich genial, liebe Gerda! Und die Eifersucht des Füchschens ist keine bei der ich die Nase rümpfe, sondern eine, die mich dauert …
    herzlichst, Ulli

    Gefällt 2 Personen

  7. mynewperspective schreibt:

    Sehr kreativer Einsatz des Wortes Winterreifen / Winterreifen. Toll!

    Gefällt 2 Personen

  8. Petra Schuseil schreibt:

    Hallo liebe Nachteule, ich amüsiere mich köstlich. Vielen Dank fürs eifersüchtige Füchsen. Passen doch die winterreifen Trauben eher in das warme Ambiente Griechenlands als Winterpneus. Gibt es die überhaupt rund um Athen?
    Sehr schön gedichtet. Die Worte purzelten anscheinend ganz leicht.
    Freue mich sehr von dir dieses Gedicht zu lesen. Herzliche Grüße vom winterkalten See. Petra

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Danke für die liebenswerte Resonnanz, Petra! Tatsächlich zieht hier kein Mensch Winterreifen auf. Der jährliche Reifenwechsel ist, so scheint mir, in ganz Griechenland unbekannt, auch in den kälteren Gegenden. Hier hat man notfalls Schneeketten im Kofferraum.

      Liken

  9. Christiane schreibt:

    Der Trick mit den winterreifen Trauben ist vergnüglich, fällt aber streng genommen unter „Christiane schimpft“, da das, was verändert werden darf, per Definition eigentlich nur das Verb ist, siehe Kleingedrucktes.
    Ansonsten wünschte ich dem Füchslein gar sehr seine Trauben, und sei es nur um der schönen Reime willen (und weil ich Tauben ziemlich oft ziemlich blöd finde). Danke, liebe Gerda, macht viel Spaß!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

  10. fundevogelnest schreibt:

    zumindest „pflücken“ Füche z.B. Himbeeren, warum sollten sie dann keine Trauben mögen?

    Gefällt 1 Person

  11. Agnes Podczeck schreibt:

    😉 armes Füchslein 😉

    Gefällt 1 Person

  12. wechselweib schreibt:

    Liebe Gerda, ich liebe es, wenn du dichtest! Da sitzt dir immer der Schalk im Nacken.

    Gefällt 2 Personen

  13. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    die winterreifen Trauben… genial, und ich finde, Du solltest hier ein Sternchen wegen kreativer Wortgestaltung bekommen *g* und Deine Reime, liebe Gerda, total vergnüglich, vorzüglich und am Ende zum Mitleid haben mit dem armen hungrigen Füchslein klein …

    Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      Danke, liebe Bruni 🙂
      Ob das Füchslein wirklich so hungrig ist? Er ärgert sich m.E. mehr darüber, dass die Tauben turteln, als dass es nicht an die Trauben kann. Es fühlt seine Einsamkeit. Hätte es zum Trost jedenfalls ein paar Trauben, dann könnte es, wie so mancher Mensch, seine Trostlosigkeit durch Nachrungsaufnahme kompensieren. So aber geht ihm beides ab….

      Gefällt 1 Person

  14. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Das mit dem hungrigsein schrieb ich auch etwas halbherzig ⭐

    Gefällt 1 Person

  15. Sehr kreativ und witzig zugleich, wie du die Winterreifen aus dem profanen technischen Bereich ins Lebendige transferiert hast.

    Gefällt 1 Person

  16. hummelweb schreibt:

    Wunderbar! Das musste ich jetzt sogar schnell dem Lieblingsmann beim Frühstück vorlesen! Danke dir!

    Gefällt 1 Person

  17. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.19 | Wortspende von wortgeflumselkritzelkram | Irgendwas ist immer

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