Silberlackierte Eulenbuchständer, Bücher, Flaschenputzerblüte mit Flasche, Flaschenputzer, Eisenkette, Brille (Bleistiftzeichnung)

Flaschenputzer, Eulen, Kette, Brille und Bücher. Bleistiftzeichnung, 50 x 70 cm (a) gerda kazakou, 2018

Eine rote Flaschenputzerblüte bildet heute die Hauptattraktion und ist auch die einzige Naturform des Bildes. Sie steckt in einer braunen Flasche. Ihr korrespondiert ein etwas ramponierter blauer Flaschenputzer aus der Küche. Zwischen den beiden silbern lackierten Eulen stecken ein paar recht wahllos aus dem Regal gezogene Bücher. Rechts eine Eisenkette und ein weiteres Buch, links meine Lesebrille.

Du bist vielleicht neugierig, welche Bücher es in das Bild geschafft haben?  Hier eine kleine Lesehilfe:

Flaschenputzer, Eulen, Kette, Brille und Bücher, Bildausschnitt (a) gerda kazakou, 2018

Peter Handtke: Wunschloses Unglück. Erzählung – 2001.
Sigrid Damm: Christiane und Goethe – Eine Recherche – 2005
Homer: Die Odyssee, Bd I und II (neugriechisch)
Th. Frank u.a. (Hg), Des Kaisers neue Kleider: Über das Imaginäre politischer Herrschaft. Texte Bilder Lektüren Taschenbuch – Mai 2002
Alessandro Baricco: Oceano Mare. Das Märchen vom Wesen des Meeres. Roman – 2000

Ein Buch liegt abgesondert auf der rechten Seite. Es ist „Kitsch, Konvention und Kunst – literarische Streitschrift“ von Karlheinz Deschner (1957). Es fiel mir im Alter von 17 Jahren in die Hände und eröffnete mir eine ungeahnte Welt. Ich verschlang die von Deschner gelobten Autoren (Hans Henny Jahnn, Robert Musil, Hermann Broch) und verwarf vehement die von ihm getadelten, die den Hauptteil des schuligen Lesekanons bildeten (von Bergengruen bis Hesse). Beim Zeichnen ging mir durch den Kopf: wie hätte ich wohl, 17jährig, meine heutigen Zeichnungen eingeordnet? Bei Jürgen Küster (Buchalov-Blog) schreibe ich: „Und nun zeichne ich silberlackierte Eulenbuchständer und anderen Tineff, als sei es die höchste der Offenbarungen. Nicht als Popart, nicht ironisch, sondern mit lächelndem Ernst“.

Flaschenputzer, Eulen, Kette, Brille und Bücher (a) gerda kazakou, 2018, Filter „filmgrain“, fotoshop.

 

 

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Silberlackierte Eulenbuchständer, Bücher, Flaschenputzerblüte mit Flasche, Flaschenputzer, Eisenkette, Brille (Bleistiftzeichnung)

  1. wildgans schreibt:

    „Tineff“- so ein besonderes, lange nicht gelesenes oder gehörtes Wort. Für mich bezeichnet es etwas wenig Wertiges.
    Überlegungen, was man an kleinen Dingen zusammentragen und zeichnen könnte. Oder fotografieren. Genau, seltsamste Zusammenstellungen könnten sich dabei ergeben. Interessant!

    Gefällt 4 Personen

  2. gkazakou schreibt:

    Tineff: „im 19. Jahrhundert in Kaufmannskreisen aufgekommen; Entlehnung über das Rotwelsche aus dem Westjiddischen טינוף‎ (YIVO: tinef) ‚Dreck, schlechte Qualität“ (Wiki)‘,
    Ich hätte auch Nippes schreiben können, aber Tineff gefällt mir besser. Ich mag Tineff. Deine Überlegungen kreuzen sich mit meinen.

    Gefällt 4 Personen

  3. Werner Kastens schreibt:

    In Niedersachsen haben wir den Ausdruck „Tineff“ oft gebraucht, aber nicht als qualitative Einstufung von Sachen, sondern eher in Bezug auf von Mitteilungen und Gesprächsinformationen. Statt „erzähl doch nicht so einen Quatsch“ sagen wir dort „das ist doch Tineff“ oder „erzähl nicht solchen Tineff“. Kommt mir also sehr vertraut vor.

    Die Fotoshop Version gefällt mir sehr gut. Es kommt alles sehr plastisch rüber, als wenn es sich aus dem Nichts herausgeschält hat. Ich finde, das gibt dem Bild eine gewisse Dynamik und Präsenz. Toll, wie Du das so machst!

    LG aus dem frühlingshaft explodierendem Hessen. Werner

    Gefällt 2 Personen

  4. Ulli schreibt:

    Guten Morgen, liebe Gerda, Tineff ist mir auch vertraut und die Frage nach Kitsch oder Kunst auch (das Buch weckt sofort mein Interesse). Die Eisenkette daneben lässt mich daran denken, wie oft etwas oder jemand in Ketten von Wertungen und Meinungen gelegt wurde und wird, ohne die Weisheit der Eulen zu Rate zu ziehen, so manchen Kritiker *innen gehören einmal ihre Gedanken- und Meinungswelt tüchtig ausgeputzt oder sie sollten die Brille aufsetzen, soll ja manchen Blick schärfen und trübe Sichtweisen klären 😉
    herzliche Grüße, Ulli
    die Bearbeitung ist richtig klasse!!!

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Lieber Werner, die Photoshop-Version kommt unseren heutigen Sehgewohnheiten (Vereinfachung, Plastizität, Ähnlichkeit mit Druckgraphik) und dem Medium (elektronisch übermitteltes Bild) entgehen, daher gefällt sie mir im Blog und Computer oft besser als das Original. Aber das Original hat eine „Aura“ (Walter Benjamin), bringt die Energie des Zeichners herüber, was die Reproduktion nicht schafft. Liebe Grüße dir aus dem saharasandigen Athen.

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      • Ulli schreibt:

        Ich schalte mich mal kurz dazwischen, da ich mich/dich gerade gefragt habe wie es nun mit dem Sand in der Luft ist und nun weiß ich es … herrjeh, wo bleibt der Regen? Und du bist ja schon in Athen…

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  5. kopfundgestalt schreibt:

    Sammelsirium geht auch anstatt Tineff.
    Aber ich mag Tineff.

    Ich mag die Ideee, Eulen mit Büchern zusammenzubringen – und zwar aus einer der folg. Gründe:

    Bücher lesen ist zu der zweiten Natur des Menschen geworden.
    (Wie ich bei Dehaene nachlas, wurden bestimmte Gehirnstrukturen (Mustererkennung) umfunktioniert/benutzt, um Lesen als solches möglich zu machen = das nebenbei).
    Es geht sogar soweit, daß Bücher des Menschen bester Freund werden konnten.
    Und wieder ein Bogen:
    Ich habe einen guten Freund, dessen Wohnung NUR im Grunde eine Bücherablage ist, mit geringem Platz zum Schlafen und Essen.

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Danke Ulli, deine Interpretation kommt der meinen sehr nahe. ich habe die an sich sehr schwere Kette ein wenig leichter gezeichnet, da sie für mich nicht mehr so viel wiegt. Und meine Lesebrille hat sich an die andere Seite begeben. Von den aufgestellten Büchern haben zwei seit langem meine Sympathie, und ich lese immer wieder mal darin.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke Gerhard, ganz so schlimm ist es mit den Büchern bei uns nicht (wohl aber bei dem Bruder meines Mannes, da ist es genauso wie bei deinem Freund). Wir haben zwar auch unzählige Bücher, aber auch viel Stauraum. Noch sind es mehr Bücher als Eulen…

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  6. kowkla123 schreibt:

    ja, haben wir denn schon Sommer? Klaus

    Gefällt 1 Person

  7. www.wortbehagen.de schreibt:

    Jetzt weiß ich endlich, wieso mir Deine Originale immer besser gefallen, als die Bearbeitungen *g*
    Hier liegt die Kette ein wenig im Hintergrund,
    die Bücher sind wichtiger Bestandteil des Bildes und in seiner Gesamtheit wirkt es wieder sehr ausgewogen und die *Tineff*teilchen sind liebevoll und bedacht ausgesucht, liebe Gerda

    Gefällt 2 Personen

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