Gleich einem lauernden Tier

Dies ist eine Antwort auf Ullis letzten Beitrag (https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/11/25/miniatur-schatten/), der beginnt mit dem Satz „Gleich einem lauernden Tier“.

Angeregt durch den kreativen Dialog zwischen Susanne und Jürgen (http://susannehaun.com/2016/11/24/juergen-und-die-nacht-ein-neues-projekt-zeichnung-von-susanne-haun-und-druckzeichenskizze-von-juergen-kuester)  möchten auch wir ein Wechselspiel beginnen. Dabei nehmen wir einen Satz des anderen auf und legen ihn auf unsere Weise aus.

Dies ist ein Anfang, ein erster Schritt in einem Prozess, der vom Monolog zum Dialog führen soll. Keine Ahnung, wann und wie es weitergehen wird. Vielleicht findest du es reizvoll, ebenfalls in dieses Gespräch einzusteigen, oder es reizt dich, deine Ideen auf andere Weise einzubringen.

„Gleich einem lauernden Tier ….hockt im Herzen des Menschen die Gier“

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Der Drache ist nicht sofort zu erkennen, denn er hat sich in unserer Welt eingenistet, ist fast schon eins geworden mit ihr. Er hat sich ausgezeichnet getarnt hinter den schönen Worten von Fortschritt und Entwicklung. In diesem Hinterhalt lauert er und reißt im passenden Moment ein weiteres Stück aus dem lebendigen Leib der Erde.  Der Drache, von dem ich rede, ist die GIER des Menschen nach mehr und mehr und mehr. Und noch mehr. Und noch mehr, noch mehr. Na, du  weißt schon: wie de Fru von den Fischer, die nie zufrieden war, egal wie viel sie schon hatte, und am Ende wieder in ihrem Pisspott saß. (https://gerdakazakou.com/2016/02/06/samstag-ist-maerchenstunde-von-dem-fischer-un-syner-frau/)

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Der Drachen, von dem ich spreche, saugt alles Lebendige in sich auf und tötet es ab. Damit Dinge entstehen. Die man haben kann, die man besitzen kann. „Ist es nicht  hübsch?“, werben die  Hersteller von rosaroten Drachenskeletten im TV. „Bald ist Weihnachten, kaufen Sie Ihrem Kind ein wunderschönes rosarotes Drachenskelett aus Plastik, abwaschbar, pflegeleicht, alle Kinder haben heute solche Drachenskelette. Wozu braucht es eine Wiese?  Die ist nass und schmutzig, dort lauern Gefahren, vielleicht gar der Tod.“ „Ich will auch ein Drachenskelett“, schreien die Kinder. „Alle haben eins, ich will auch eins!“

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Im Leib des Drachens wächst ein riesenhaftes Drachen-Ei. Aus dem werden viele viele kleine Drachen schlüpfen. Es sei denn, wir entziehen dem Drachen die Nahrung.

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Drakon – das ist ein altgriechisches Wort und heißt: der Starr-Blickende. Das Gegenteil davon ist: Lebendig, beweglich, weich. Weich blickend. Nicht lauern, nicht starren, sondern blicken, schauen, sehen. Betrachten. Wahrnehmen. Erkennen.

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Die Bilder habe ich schon einmal im Oktober 2015 unter dem Titel Drachenbrut  veröffentlicht. Den begleitenden Text habe ich verändert.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Gleich einem lauernden Tier

  1. kunstschaffende schreibt:

    Und dann gibt es noch den Drachen mit einem Herz aus Stein und einem Verstand, der alles setzt in Brand;
    Stark sind seine Kräfte und die Säfte, die er verteilt sind Zerstörung und bringen großes Leid.
    Darum, ist der Verstand wirklich ein Segen?

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  2. Ulli schreibt:

    Ja, die Gier, liebe Gerda, das ist wahrlich ein lauerndes Tier! Im Buddhismus spricht man ja von den drei Geistesgiften: Gier, Hass und Neid- mittlerweile begreife ich sie als Oberbegriffe, da sich das eine und andere noch unter sie einordnen lässt. Ich nenne sie Schatten oder Herausforderungen und je nach Stärke auch Dämon, sie zeigen sich, wenn wir reagieren, anstatt zu agieren … ach Bücher könnt ich darüber schreiben😉
    Ich bin auf alle Fälle schon einmal sehr angetan von deinem Anfang und begeistert über deine schnelle Reaktion, nun schauen wir weiter, das kann doch nur spannend werden – ich lache …
    herzlichst.
    Ulli

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  3. gann uma schreibt:

    Das zweite Bild erinnert mich an eine Mülldeponie mit brennenden Feuern.

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Ich wünsche euch viel Freude und Erfolg bei eurem Projekt, schön, dass wir euch inspirieren konnten. LG Susanne

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  5. teggytiggs schreibt:

    …eine Legearbeit, die mir ausgezeichet gefällt…noch dazu die Interpretation…aber erscheint die Gier nicht in dem Moment, wenn dem Menschen das Vertrauen in naturgemäße Abläufe entzogen werden? …mit dem Verlust des Bezuges zur Natur muss Unsicherheit in der Existenz erscheinen, wachsen, die dann angebotenen Alternativen…wie rosa Skelette…sind nur ein Ersatz, der von den Mächtigen geboten wird, um die wirklichen Bedürfnisse zu fesseln…

    …die Drachen verschwinden erst, wenn Bewusstsein und Werte des Menschen wieder zurückfinden zu ihren Ursprüngen…

    Gefällt 1 Person

  6. Maren Wulf schreibt:

    Sehr stark, das berstende Ei im Bauch des Drachen.

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