Die Farbe Blau

010aa Ich habe heute in meinem Archiv nach blauen Bildern gefahndet. Ullis Beitrag zum „Westschild“ (https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/08/29/westschild/) machte mich neugierig, wie denn ich mit der Farbe Blau umgehe. Ich fand – fast nichts. Blau als Hintergrundfarbe kommt bisweilen vor, auch als Farbe unter Farben spielt es eine Rolle. Aber als Hauptfarbe? Kaum.

Ich möchte die paar Bilder, die dennoch evtl. ein Licht auf das werfen, was die blaue Farbe mit „Jugendalter und Pubertät“ zu tun haben könnte, hier vorstellen. Vielleicht, um mich selbst zu überzeugen, dass da ein Zusammenhang herzustellen ist.

Das erste ist nicht viel mehr als ein Versuch, mit der blauen Farbe zurechtzukommen.  Es ist – abgesehen von lichtblauen Meeresbildern -, das Einzige, in dem das Blau eindeutig dominiert.  Seine unruhige, aufgewühlte Oberfläche , durch die das Blau aus der Tiefe durchzubrechen versucht, passt zu Ullis Beschreibung des Westschildes. Gemalt ist es mit Akryllpulver und Leim auf Aquarellpapier.

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Das zweite zeigt eine Gruppe von wilden Gesellen (Titel: Karneval der Tiere), ebenfalls mit Akryllpulver und Leim, nun aber auf Leinwand gemalt. Darin ist die Fantasiewelt, die sich mir wenig später beim Legen von Schnipselbildern erschloss, vorgeprägt. Für mich war es eine Art Wiederentdeckung des leicht Verrückten in mir.

14.1. KarnevalHier noch einmal die Köpfe in Ausschnitten.

14.1. Karneval detail c 14.1. Karneval der Tiere

Das folgende Bild hat mich immer wieder beschäftigt, insbesondere wegen des blauen Kopfes am linken Bildrand. Es ist rätselhaft und treibt mich um. Mir scheint nun, dass es mit den Ungewissheiten  und der Bodenlosigkeit des Jugendalters zu tun hat.

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Ich habe es mehrfach umgestaltet, auch elektronisch.

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Hier die letzte Variante, die das Gefüge des Bildes am besten verdeutlicht. Einen überzeugenden Titel habe ich nicht gefunden.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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21 Antworten zu Die Farbe Blau

  1. lieberlebenblog schreibt:

    Sehr schön! Das Blau-in-Blau-Bild berührt mich besonders, und es passt tatsächlich gut zu Ullis Westschild-Geschichte.
    Liebe Grüße!
    Silke

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  2. bruni8wortbehagen schreibt:

    Das Blau, ob´s zu Pubertät passt? Ob es einen Zusammenhang gibt, wirklich oder doch nicht?
    (Ich trug damals Schwarz., dem vorwiegend Grün folgte, leuchtendes auffälliges Grün🙂 mitunter mit Blau gemischt. Kein Rot und heute liebe ich Rot und alle anderen Farben auch.

    Es gibt aber ein Gedicht von mir, das Bruni Blau heißt *lach*

    Auf jeden Fall sehe ich ein eindrucksvolles mittig leuchtendes Blau im ersten Bild von Dir, liebe Gerda, und das leicht Verrückte hat so wundervolle Fantasiegeschöpfe erschaffen, daß ich glaube, Deine Visionen waren immer stark und mächtig und sie trugen Dich immer weiter.
    Was könnte frau sich mehr wünschen als weitergetragen zu werden von den eigenen Gedanken und Werken.

    Herzlichst Bruni

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  3. gkazakou schreibt:

    Liebe Bruni, herzlichen Dank mal wieder für die bunte Mischung aus Einfühlung und Aufmunterung, dazu eine gute Dosis eigener Erinnerungen, die ich so mag. Man merkt: du liebst jetzt alle Farben. Ich trug schwarz in meiner zugleich wildesten, abenteuerlichsten wie auch düstersten Zeit, von 20-25, danach sehr selten. Jetzt wiegen Weiß u Rotbraun-Töne vor, aber alles andere ist mir auch recht. Vieles, was ich trage, ist uralt oder von Freundinnen geschenkt … Blau? Kommt vor. Liebe Grüße dir! Gerda

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    • bruni8wortbehagen schreibt:

      Ja, ich mag alle, aber nicht alle mögen mich, Blau gehört inzwischen dazu und beige meide ich wo ich kann. Weiß mag ich sehr und Rotbraunes, Ockertöne passen gut.
      Uralte Sachen trag ich auch gerne und auf Flohmärkten kaufe ich mit Vorliebe ein🙂

      Einen feinen Abend Dir
      Bruni

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  4. Ulli schreibt:

    Wie bewegt dein Blau-in-Blau-Bild ist, auf mich wirkt es wie ein Sturm im Untergrund, der sich nach oben, ans Licht schaffen will. Oder sag ich besser: „Etwas“ will von Innen ins Aussen- passt wunderbar!
    Blau, so heisst es ja immer, ist die Farbe der Tiefe und der Innenschau, das ist der Grund warum es dem Westschild zugeordnet wird (ich trug viel Schwarz – lange – auch heute noch … aber in Kombination mit anderen Farben – blau-grün ist meine Lieblingsfarbkombination- aber jetzt gerate ich auf ein Nebengleis)
    Der Karneval der Tiere ist schon fast eine Korrespondenz vom Westen hin zum Osten, wo es u.a. närrisch wird … und närrisch sind auch deine Zyklopenfiguren, sie scheinen den Schalk im Nacken zu haben- gefallen mir sehr!!! (Ich denke auch und schon wieder an Max Ernst)
    Komme ich zum letzten Bild (juchhu, ich konnte es anklicken und es vergrösserte sich😉 ) – Bewegtes und Festes sehe ich, etwas ringt um einen Stand (die zwei schwarzen „Figuren“) in den verschiedenen Facetten des Lebens und Seins (=Pubertät) und Eine_r schaut zu, der kleine Kopf am linken Bildrand-
    Dann die Verfremdung, huuuu dunkel wird es und tief, das Feuer des Lebens lodert im Rot des Zentrums (ich denke an das Feuer im Erdinneren), wenn der Blick wieder nach oben wandert, dann wartet dort wieder das Leben, hier wirkt es auf mich, als schaute es oder Jemand zu, wie ich dort in der Tiefe zurechtkomme … ist Halt und Trost und Versprechen auf die Wiederkehr ans Licht. (Ob ich es ohne den Bezug zum Westschild genauso gesehen hätte ist offen).
    Und dann die dritte Variante (ist es nicht immer wieder wunderbar, wie unterschiedlich Bilder wirken, wenn wir mit den Farben „spielen“ – JA). Hier denke ich an die Alletage, die viele Menschen oft als Grau empfinden, es ist ein lichtvolles Grau, es wird verwehen, wie die Nebel, die sich in manchen Phasen über unsere Seelen legen, der Trost ist (für mich) das Gelb und Blau, die Komplexität der Kontraste und des konträren Seins …
    Ich finde deine Auswahl in Bezug auf das Westschild total stimmig.
    Hier höre ich auf, es ist ja nie alles gesagt ;o)
    freudige Grüsse
    Ulli

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  5. gkazakou schreibt:

    So wie du es siehst passt es besser als geahnt. Es ist schon sehr befriedigend, so geistreich ausgelegt zu werden, dass der Blick aufs Eigene frisch und neu wird. Hab ganz herzlichen Dank!

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  6. karfunkelfee schreibt:

    Liebe Gerda, in Deinen Bildern spaziere ich gern herum. So wie Dir erging es mir ähnlich wie Dir mit Ullis Westschild-Beitrag: ich suchte blaue Texte, Gedichte. Es gibt welche, die Blau als Stimmung beschreiben. Die blaue Stunde, die blaue Blume, das romantische Blau der Jugend. Doch sehr oft finde ich in den Texten, der Einrichtung oder Garderobe Indigo-Aspekte, eher dezent und klein. Blau, das ist auch die Ruhe, die Klarheit, der Himmel, das Wasser, das Meer. Die Farbe strahlt auf mich unendlich, weit, beruhigend und kühl bis kalt. Meine ‚blaue‘ Zahl ist die Vier, eine Arbeitszahl, die ‚Ordnung‘ für mich bedeutet und Sachlichkeit ausstrahlt.
    Herzliche Grüße zu Dir und Ulli ✨

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    • gkazakou schreibt:

      danke dir für dies! Ich denke, das Blau hat (wie alle Farben) viele Nuancen, vom Indigo und Preußischblau bis hin zum hellen Coelin. Je mehr Rot im Blau ist, desto schwerer, dunkler wirkt es, hineinziehend in seine Tiefen. Im lichten reinen Blau hingegen kann man sich furchtlos treiben lassen. Mir ist die Verbindung zur Jugend noch nicht klar. Und was den Herbst betrifft, so hat der „blaue September“ eine solche klare Heiterkeit, dass ich ihn nicht mit der Pubertät in Beziehung setzen kann. Ihr fehlt ja gerade die Abgeklärtheit und Kühle des Blau.
      Ich habe Bilder ausgesucht, die dennoch vielleicht diese oft sehr schwierige Phase illustrieren.

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      • Ulli schreibt:

        Die Kräfte in der Natur ziehen sich ins Erdinnere zurück, der Pubertierende, die Pubertierende ziehen sich auch oft in sich selbst zurück. Es taucht die Frage auf: wer bin ich? Warum bin ich? Wohin gehe ich? Was will ich? Das ist der innere Weg in die Tiefe = dunkelblau bis nachtblau.
        Es ist zwar auch die Zeit, in der „wir“ in Cliquen und Gruppen um die Häuser ziehen, aber daheim, setzt man sich dann vielleicht lieber Kopfhörer auf, um die Eltern nicht zu hören …
        ich verstehe ich die Irritation sehr gut! Herbst zeigt sich äusserlich in seinen Rot-Gelb-Goldtönen, das Blau des Herbstschildes ist symbolisch-

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      • karfunkelfee schreibt:

        Die Jugend ist romantisch…blau ist auch verträumt, idealistisch, vertraut, verlässlich, Sehnsucht nach spirituellem Schutz, die ‚Luftperspektive’…blau ist Mörikes Frühlingsband, unbeschwert und leicht, blau steht für das mädchenhafte ‚Vergißmeinnicht’…in der Jugend lernen Kinder erst ihre Gefühle tiefer zu deuten, zuzuordnen, zu instrumentalisieren…sie schwanken, bewegtes Wasser…Wirbelwinde…Sturm- und Drangblaue sind sie….hm…so fände ich meinen Bezug. Er ist eher spirituell und geistig im Gegensatz zu der ‚körperlichen‘ Farbe, wie ich Rot empfinde…wahrnehme…

        Rilke in der ‚blauen Hortensie‘ letztem Vers:
        Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
        in einer von den Dolden, und man sieht
        ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.
        …und da zitiert er das junge Blau…

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Ulli, danke für die weitere Erklärung. So richtig nachfühlen kann ich das Blau noch nicht. Vielleicht weil ich an meine eigene Pubertät denke, in der ich weder mit Cliquen rumzog noch Kopfhörer aufsetzte (die gab es noch nicht). Ich weiß nur, dass eine große Kraft in mir war, eine Menge Zorn, gewaltige Lebensfreude bis hin zu ekstatischem Erleben der Natur, Sinnlichkeit, Wissbegier, Opposition, Kampfgeist, Sehnsucht, Faszination… Meine Farbe war Rot. Ich bin ja Stier, wie du weißt.

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    • gkazakou schreibt:

      Noch zu deinem, Ulli. Ich saß eben draußen in der samtfüssigen Nacht (Brunis Ausdruck) und dachte weiter übers Blau in Bezug auf die Pubertät nach, die ich eher als rauschhaft-rot in Erinnerung habe. Mir kam der Gedanke, dass es das Blau ist, das die Jugendliche Seele sucht (wie die blaue Blume des Novalis), gerade weil das Rot sonst überhand nehmen würde. Das Rot der Kindheit färbt sich blau ein und wird so ein dunkles geheimnisvolles Blaurot, ein Dunkelviolett, ein rötlich durchstrahltes Indigo, fast schon schwarz. Darin kann dann Verwandlung geschehen.

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      • Ulli schreibt:

        Schön, wie du den Faden weitergesponnen hast, mag ich sehr!
        Es ist schon verrückt, was ein „Modell“ an eigenen Gedanken und Gefühlen freisetzen kann. Wenn ich denn zum Ostschild komme, werde ich eins meiner Schilder einstellen, um zu zeigen, dass wir die Freiheit haben es persönlich zu modifizieren!
        Mir fehlte zum Beispiel lange Zeit das Grün im Schild … na, du wirst ja sehen.
        Ich freue mich so sehr, wie du meins nimmst und damit weitergehst, du und einige andere, da macht die „Arbeit“ Freude!
        Liebe Grüße
        Ulli

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  7. gkazakou schreibt:

    Das Mitdenken u Weitergehen ist bei deinen Beiträgen unvermeidlich.🙂

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