Studieren heißt kopieren: Landschaften nach Georges Rouault

Juergen Kuester fragte mich in einem Kommentar zu https://gerdakazakou.com/2016/06/30/sommer-etueden-iv-meeresblick/ nach meinem „Ansatz“ bei der Landschaftsmalerei, und ich versuchte tastend, eine Antwort zu finden. Dabei fiel mir auf, dass mir in meinen Versuchen oft genug andere Maler den Pinsel oder Kohlestift gehalten haben. Einer davon war Georges Rouault*.

Mir war schon sehr früh, lange, bevor ich selbst zu malen begann, ein kleines Cahier mit einigen seiner Bilder in die Hände gefallen. Das war in Paris, 1962, und ich war zwanzig Jahre alt. Die leuchtenden Farben und die starken Umrandungen, die ihm aus seiner Zeit als Glasmaler geblieben waren, faszinierten mich, aber auch die Thematik zog mich an. Da war immer wieder der Clown, der in seinen religiösen Bildern durchaus auch ein Christuskopf sein konnte.

images a  images Da waren die schweren Leiber der Pariser Huren (ich mag das Wort lieber als Prostituierte), deren grau-rosa oder gelbliche glatte Nacktheit mich faszinierte.

images d images b Und da waren seine Landschaften. Vieles, insbesondere die ungewöhnlich gestaltete religiöse Thematik und die große Farbigkeit, erinnerte mich an einen anderen meiner Favoriten: Emil Nolde.

Jetzt fand ich in meinen Mappen ein paar Kopien von Rouaults Arbeiten, die ich etliche Jahre später aus dem „Cahier“ abgemalt bzw abgezeichnet hatte. Die Landschaften kopierte ich mithilfe von Deckfarben, die Figurenbilder als Kohlezeichnungen. Als ich die Bilder jetzt fand, dachte ich zuerst, es handele sich um meine eigenen Erfindungen. So sehr hatte ich mich mit ihnen identifiziert. Damals. Heute? Doch, auch heute ist etwas von dem Rouault’schen Geist in meinen Bildern enthalten. Mir scheint sogar, dass er mit den Jahren wieder stärker in Erscheinung tritt.

Hier nun zwei der nach Rouault kopierten Landschaften.

IMG_7499Einfühlen durch Kopieren nannte ich einen Blogbeitrag, auf den ich hier verweisen möchte. Dort findet ihr meine Gedanken zum Nutzen des Kopierens

Zeichnen No. 3: Einfühlen durch Kopieren

IMG_7500Ich werde diesen Beitrag mit einem zweiten ergänzen, in dem ich meine Kohle-Kopien von Rouaults Bordellszenen zeige.

*Wikipedia: Georges Rouault (* 27. Mai 1871 in Paris; † 13. Februar 1958 ebenda) war ein französischer Maler und Grafiker der Klassischen Moderne. Er lässt sich nur schwer einer bestimmten Schule oder einem Stil zuordnen, wird jedoch allgemein zu den Künstlern der École de Paris gerechnet. Als Mitbegründer des Salon d’Automne (1903) gehörte er anfangs zum Kreis der Fauves, ging jedoch bald eigene Wege und wurde zu einem der wichtigsten Vertreter moderner religiöser Malerei.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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5 Antworten zu Studieren heißt kopieren: Landschaften nach Georges Rouault

  1. kunstschaffende schreibt:

    62 Mein Geburtsjahr, ich lese erstmal intensiver bevor ich meinen Senf abgeben!😉

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  2. kunstschaffende schreibt:

    Es sind sehr düstere, bewegte Bilder und Motive. Seine Künstler Generation war geprägt vom 1. Weltkrieg, dass ist erst mal mein laienhafter Eindruck.

    Gefällt 1 Person

  3. Katrin - musikhai schreibt:

    Fühlt euch lieber verwandt in der Kunst!

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