Der heutige Buchstabe für Heides Monats-Challenge ist das P, das erstaunlich reichhaltig im Obst- und Gemüsesektor vertreten ist: Sei es Peperoni oder Paprika, Pfeffer oder Pfefferminze, Pistazie oder Pinienkern, Pfirsich oder Pflaume, Pomeranze oder Pommes, wie die Kartoffel in gebratener Form … sicher habe ich das eine und andere übersehen. Aber nichts von alledem konnte sich heute durchsetzen, es musste das πεπόνι/Peponi sein – das griechische Wort für die Honigmelone. Denn eine solche habe ich gestern gekauft, und heute wollte sie aufgeschnitten und gegessen sein. Vorher aber wollte ich sie in mein Kalenderbuch zeichnen.
Eine köstliche Frucht, saftig, süß, nährstoffreich … Oder ist es ein Gemüse? Da muss ich mich wohl erst einmal kundig machen, und erfahre:
Botanisch gesehen ist die Melone eine Frucht, da sie aus der Blüte der Pflanze entsteht und Samen enthält. Da sie jedoch zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) gehört (wie auch Wassermelone, Gurke und Kürbis), die in Gärten als krautige Pflanzen angebaut werden, wird sie botanisch und landwirtschaftlich oft als Gemüse betrachtet (genauer gesagt, als Frucht einer Gemüsepflanze, ähnlich wie die Tomate).
Eine Frucht ist sie also, aber irgendwie auch ein Gemüse. Sie sättigt wie ein Gemüse, ist saftig und süß wie eine Frucht, mit anderen Worten: sie hat es verdient, hier im Kalender abkonterfeit zu werden.
Die schwere erdige langgestreckt-ovale Peponi mit der dicken gelben gefurchten Schale ziehe ich allen anderen Sorten vor. Es ist eine Amarillo-Rugoso-Melone vom Argos- oder Argitiko-Typ, erfahre ich im Web.
Das freut mich, denn da kann ich nun Uralt-Mythologisches erzählen, um das mein nie vollendeter Roman „Schwanenwege„ kreist (vergl auch hier oder hier). Die Argolida rund um die Stadt Argos ist die fruchtbarste Region der Peloponnes, und zwar nicht erst jetzt, sondern von alters her. In der vorhistorischen Zeit wurde hier vor allen anderen Göttern die agrarische Große Göttin Hera verehrt.
Die Geschichte beginnt in mythischen Zeiten mit der Zwietracht zwischen Hera und ihrem Bruder-Gemahl Zeus, der für die schöne Io, Tochter des Flussgottes Inachos, entflammt ist.
Hera verwandelt die verliebte Io in eine Kuh und lässt sie vom hundertäugigen Riesen Argos bewachen (daher „Argusauge“). Hermes befreit sie. Nach langen plagereichen Irrfahrten landet sie in Ägypten, wo sie von Zeus geschwängert wird und ihren Sohn Epaphos gebiert.
Epaphos ist war der Urgroßvater von Danaos. Der hat vierzig Töchter, die mit ihren Vettern, den Söhnen des Ägyptos, zwangsverheiratet werden sollen. Sie fliehen und kommen als Schutzflehende nach Argos – also in die Stadt, aus der ihre Urururgroßmutter Io stammt. Die Verfolger erreichen Argos, aber die geplante Verheiratung endet in einer Bluthochzeit: 39 Frauen bringen die ihnen zugemuteten Männer in der Hochzeitsnacht um. (Sie werden dafür in den Tartarus verbannt, wo sie bis heute Wasser in löchrige Fässer füllen müssen, vergl. hier).
Eine Danaerin verschont den ihr zugedachten Mann und begründet so das Geschlecht der Danaer, wie Homer die Griechen oft nennt, die nach Troja aufbrachen (1194 v.Chr). … Sehr sehr viel später kehren Nachfahren von Io unter dem mazedonischen König Alexander zurück an den Nil und gründen eben dort eine Stadt mit dem Namen Alexandria. Alexander wird zum Pharao des Landes des Ägyptus erhoben (332 v. Chr) und Griechen beginnen, die Schicksale Ägyptens zu prägen – bis zu Kleopatra, der letzten des griechisch-ägyptischen Herrschergeschlechts (Selbsttötung 30 v. Chr.). Danach übernehmen die Römer.
Die Stadt Alexanders bleibt auch nach der Islamisierung des Landes ein kultureller Bezugspunkt des Griechentums, mit höchstem Ausdruck im Werk des Dichters Konstantinos Kavafis (1863-1933).
Das bleibt so, bis der größte Teil der griechischen Minderheit das Land unter dem Druck des arabischen Nationalismus von Gamal Abdel Nasser verlässt (beginnend mit der Suez-Krise 1956 und endend mit den Verstaatlichungen 1961). Doch auch heute noch existiert eine sehr solide Sonderbeziehung zwischen Ägypten, Zypern und Griechenland (trilaterale Allianz), mit energiepolitischen Großprojekten wie dem Unterseekabel GREGY Interconnector, das bis zu 3.000 Megawatt Ökostrom aus Ägypten transportieren soll, oder auch der gemeinsamen AWZ (ausschließliche Wirtschaftszone) zur Förderung von Erdgas im östlichen Mittelmeer, gemeinsame Militärübungen sowie Migrationskontrolle. Griechenland ist für Ägypten das wichtigste Portal für seinen Zugang zur EU.
Aus Argos also stammt diese mittelfrühe, traditionelle Melonensorte, die für ihre ausgezeichnete Lagerfähigkeit nach der Ernte bekannt ist (Wintermelonentyp). Gut möglich, dass es diese Sorte bereits zu Ios Zeiten in der Argolida gab und sie davon gekostet hat. Es sei denn, sie kam erst später mit den Danaerinnen aus Ägypten, wo sie bereits vor 4000 Jahren angebaut wurde.
Ein Viertel habe ich inzwischen verzehrt und fühle mich gut gesättigt.

Sehr interessant, was eine Melone alles Erzählenswertes bergen kann.
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Von Früchten gesättigt sein, das habe ich noch nicht erlebt. 😉
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Aber schön diese Auffächerung 🙂
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