Im Januar 2014 rauschte eine Nachricht durch den Medienwald, der alle Naturforscher entzückte: ein gemeinsamer Vorfahr von Hund und Katze hatte sich zu erkennen gegeben! Gefunden hatte man im belgischen Dormaal ein paar Knochensplitter, aus denen Tierreich-Paläontologen ein fleischfressendes und auf Bäumen lebendes schlankes Tierchen rekonstruierten, das sie nach dem Fundort Dormaalocyon (Hund von Dormaal) tauften.

Foto: Charlène Letenneur & Pascale Go
Dormaalocyon lebte, so erzählen diese Knöchelchen, vor 55 Millionen Jahren, als Europa noch von dichten Regenwäldern bedeckt war, in denen sich riesige fluguntaugliche Vögel rumtrieben und den anderen in die Erscheinung drängenden Wesen den Auftritt vermasselten. Nun, es gelang ihnen zum Glück nicht vollständig: Unser kleiner wendiger Schelm Dormaalocyon nutzte eine „ökologische Nische“, überlebte – und öffnete so den Weg der Entwicklung für Löwen und Tiger, Robben und Wölfe, Bären und Wiesel und eben auch für Hunde und Katzen. Man stelle sich vor, Dormaalocyon hätte es nicht geschafft! Wir müssten auf unsere lieben Hausgenossen verzichten ….

(Quelle)
Die genetische Verwandschaft aller Lebewesen nachzuweisen, ist für mich weit einfacher als für die höheren naturwissenschaftlichen Zünfte. Ich brauche nur eine „Frühlingslandschaft“ zu zerschnippeln, um aus so gewonnenen Gen-Schnipseln Tieren und Menschen jeder Art und Gestalt in die Existenz zu verhelfen.
Systematische Übersicht der zur Verfügung stehenden Knöchelchen bzw Gen-Schnipsel:
Bei sorgfältiger Beobachtung wirst du sie in allen Lebewesen wiederfinden, und so kann niemand ihre Verwandtschaft in Frage stellen.
Manchmal fehlen (wie bei dem obigen Hund) ein paar Knöchelchen, andere (wie das grüne Schulterblatt) sind nicht sicher zuzuordnen, aber verglichen mit den Knochenfunden der Tier-Paläontologen bin ich doch in einer sehr vorteilhaften Position.
Die folgenden Abbildungen zeigen Hund und Katze, die sich bereits ungefähr in ihre heutige Form hineingemendelt* haben.
(*Anm.: Das Verb mendeln leitet sich ab von Gregor Mendel (1822–1884), einem österreichischen Augustiner-Mönch, der als Begründer der modernen Genetik gilt).
Mit meinem genetischen Material kann ich die Entstehung der Arten sogar noch weiter zurückverfolgen, nämlich bis zu den Wesen, die sich vor 300 Millionen Jahren von Dormaalocyon und seinesgleichen trennten – den Vögeln. Auch sie haben sich in allerlei merkwürdige Gestalten hineingemendelt, wie wir wissen. Ihre Verwandten sind die bösartigen flugunfähigen Riesenvögel, die unserem Dormaalocyon das Leben schwer machten und ihn zwangen, auf die Bäume auszuweichen. Zum Glück, wie wir dankbar anerkennen, denn ohne sie müssten wir ohne Hund und Katzer weiterleben.
Irgendwann – so vor 2,5 oder 2.8 Millionen Jahren – war es dann auch Zeit für den Menschen, in Erscheinung zu treten. Hier sieht man einen Urmenschen, der mit einem Urvogel darüber debattiert, wem der Urfisch als Vorfahr zukommt.
Vielleicht einigen sie sich ja, und der Vogel nimmt den Kopf, der Mensch den Schwanz. Oder umgekehrt.
Dass die Entwicklungsreihen manchmal durcheinander geraten, habe ich schon vorgestern demonstriert, als sich Seemann und Nixe ein Stelldichein gaben. Solchen Mensch-Tier-Hybriden oder Mischwesen wird vielleicht ja die Zukunft gehören.

Weitere Wesen derselben Entwicklungsreihe hier.




