Das traf sich gut, denn grad gestern versuchte ich mich zu erinnern, wie ich lebte, als es weder Computer noch Handy gab.
Ich bemerkte den Stromausfall, als ich noch schlaftrunken zur Kaffeemaschine schlich und sie mit Kaffee und Wasser befüllte. Doch sie tat nicht, was ich von ihr erwartete, ich probierte den Lichtschalter – auch nichts. Da ging mir ein Licht auf: der Strom war weg. Also auch kein Computer, um Nachrichten und Mails zu lesen. Aber ich hatte ja noch das Handy. Dachte ich. Doch merkwürdig: ich hatte vergessen, es aufzuladen.
Kein Computer und auch kein Handy.
Als erstes machte ich mir einen griechischen Kaffee im μπρίκι auf dem Campinggas, der mir sowieso viel besser schmeckt. Dann machte ich meinen Rundgang durch den Garten, goß die Pflanzen, zupfte dies und das aus. Doch ich blieb unruhig: was ging in der Welt vor? Musste ich das nicht wissen?
Also fuhr ich ins Nachbardorf zum Zeitungskiosk. Und kaufte Blumenerde und Samen. Und stieg in unserer Taverne aus, um das Handy aufzuladen, und während es auflud, würde ich schwimmen gehen. Ich würde mich in die Sonne legen und mich in aller Ruhe trocknen lassen. Und eine Portion Pastitio fürs Mittagessen bestellen und mit nach Hause nehmen. Und die Erde ausladen und auf meinem vorgestern erschaffenen Hügelbeet verteilen,
die Samen und Knollen in die Erde versenken, gießen, das rundum allzu hoch stehende Grünzeug ausrupfen, mich ins Atelier begeben, um dort nach dem Rechten zu schauen, bemalte Leinwände aussuchen, die ich übermalen würde. Und dann auch gleich eine der Leinwände mit Kleister bestreichen und Fetzen von Wellpappe drauf kleben, schwarze Pigmente und einen dicken Pinsel in Betrieb setzen und ein Bild produzieren, das ich „Nachtschattengewächse“ betitelte…
Dann würde ich ins Haus gehen, mich säubern und das Päckchen auspacken, das man mir in der Taverne überreicht hatte …
Wunderbar! Fein gestapelt kamen 16 Exemplare meines Tui-Tiu-Kinderbuchs, mehrere der hinreißenden Eichhörnchenkarten von Susanne Haun und etliche Kataloge des Eichhörnchenverlags von Nina Schuchardt zum Vorschein! Das Kinderbuch ist mit Legebildern aus Papierschnipseln illustriert – länger hier Mitlesende haben seine Entstehung miterlebt. Diese Exemplare bekam ich als Geschenk für meine Kunst-hilft-Aktion. Um sie auch für Griechen verständlich zu machen, werde ich ein Blatt mit Übersetzung hinzufügen.
Um 16 Uhr war der Strom wieder da. Der Zauber der Stromlosigkeit verlosch und machte der gewohnten Bequemlichkeit Platz. Auch das ist gut, denn ein paar Stunden ohne Elektrizität sind in Ordnung, aber bei längeren Ausfällen wäre ja doch eine ziemliche Umstellung nötig.

Was den Stromausfall angeht, ja das hat Dich quasi für ein paar Stunden entschleunigt und die Erinnerungen an ohne PC und Handy wachgerufen!
Ohne PC, Laptop und Handy sehe ich persönlich garnicht als so schlimm, aber ich denke das Kochen, Gefrierschrank, Licht und Heizung, das wären schon riesen Probleme, mit denen erst lernen müssten umzugehen!
Dein Gemälde ist dunkel, naja, halte ohne Strom!😂
Ganz liebe lichterfüllte🙏 Grüße Antje
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Lieben Dank, Antje! Ohne Strom wäre es tatsächlich sehr mühsam, so wie wir heute leben. Im mütterlichen Haushalt gabs keinen Gefrierschrank (habe ich auch heute nicht) und keinen Kühlschrank. Man musste die Dinge haltbar machen, einkochen oder im Keller lagern. Wir heizten mit Brikett, Papier und ein bisschen Holz zum Anzünden. Der Herd wurde auch mit Feuer betrieben. Um die Hitze zu regulieren, gab es verschieden große ineinander passende Ringe. Das Badewasser wurde im Badeofen einmal wöchentlich mit Holz oder Kohle angeheizt. Strom brauchte man eigentlich nur als Lichtquelle und für das Radio, den Haarföhn und das Bügeleisen. Das waren gegenüber den Großeltern schon Novitäten. Heute aber geht gar nichts mehr ohne Strom, nicht mal das Wasser. Ich denke oft daran, wie hilflos die heutige Generation ist. Falls der Strom ausfällt, sind die Menschen aufgeschmissen.
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