Montags ist Fototermin: Landschaft mit Zypressen, tägliche Zeichnung

Große Landschaften zu zeichnen, finde ich schwierig. Wie soll man ihre gewaltige Größe in ein kleines kleines viereckiges Format sperren?

Heute wanderte ich durch Olivenhaine, kleine Schluchten und wildes Gestrüpp, und immer anders öffneten sich Blicke hinauf zu den Bergrücken, hinab zum Meer. Die Oliven-Landschaft wird durch kleine Zypressenwälder und provisorisch angelegte Feldwege gegliedert, auf denen ich wanderte.

Wenn ich solche Wege gehe, kommt mir stets die Rilkezeile in den Sinn „Wege gehen weit ins Land und zeigens“. Ich bleibe stehen, betrachte den Weg mit seiner lehmigen Bruchkante, den Gänseblümchen und dem Grünzeug, zücke meinen winzigen „Reporterblock“ und skizziere den Weg mitsamt den Olivenbäumen, die auf verschiedenen Höhen des steil abfallenden Geländes wachsen,  In der Ferne die Horizontlinie des Meeres.

Dann wende ich den Blick Richtung Berghang, der über und über mit Oliven bestanden ist und von wilden Zypressen gekrönt wird. Die nahen Zypressen sehe ich von oben. Im Tal scheint ein heller Weg auf.

Danach fotografiere ich nur noch. Die Atmosphäre ist trüb, wahrscheinlich wabert darin die Asche vom Ätna-Ausbruch.

Obgleich alles blüht, was ich in dieser Jahreszeit erwarte, kommt mir der Frühling geschwächt vor.  So freue ich mich besonders über die Bienen, die die erblühte Wolfsmilch eifrig verkosten.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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12 Antworten zu Montags ist Fototermin: Landschaft mit Zypressen, tägliche Zeichnung

  1. pflanzwas schreibt:

    Ich finde die Zypressen ja zu schön! Deine schnelle Skizze gefällt mir gut, vieles nur angedeutet. Was den Frühling angeht: immerhin schon Blüten 🙂 Die Anemonen sind hübsch. Jetzt dürfte es gerne etwas wärmer werden…

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  2. Fallen für Wildsauen, sofern erlaubt (derzeit gibt es hier ja die panische Angst vor der Schweinepest, zu viele sinds, wohl gemästet, eh), gibts immer wieder. Gern solche, in die die (noch vertrauensvoll naiven) Frischlinge gehen, die Muttersau nicht reinkommt. Aber meine Frage wäre, man sieht das auf dem Bild nicht gut: ist das denn für diese Tiere massiv genug? Eine wütende Wildsau, die zu ihren Jungen will oder irgendwo raus will…
    Das war aber nicht des Zeichners primärer Blick, das ist mir schon klar.
    Was das Motiv angeht, so denke ich oft, dass das Kleine gern groß rauskommen will und das Große sich nichts vergibt, wenn es klein erscheint (na, die Mona Lisa ist dafür jetzt grad kein gutes Beispiel).

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    • gkazakou schreibt:

      Dass es eine Wildschweinfalle ist, habe ich nur angenommen, ich weiß es nicht. Auch mir scheint die Konstruktion etwas schwach dafür.
      Danke für deine Hinweise auf groß und klein: Das Kleine ganz groß – und das Große sehr klein ist manchmal eine gute Lösung, um ein an sich langweiliges Motiv wieder spannend zu machen. Beim Malen ist es mir schon oft aufgefallen, dass ich für große Landschaften eher kleine Formate vorziehe, da das kleine Format die Dinge quasi entfernt wie beim umgekehrten Fernrohr, für Stillleben aber große wie beim Zoom, um auch die Einzelheiten wiedergeben zu können. In meinen schnellen Skizzen aber gebe ich nur wieder, was und wie ich es sehe. Und das bedeutet in der Regel: Normalabstand.

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      • Das glaube ich gern, wenn auch Normalabstand eigentlich definitionsbedürftig ist. Ich vergleiche, ganz frech, Skizze mit Schnappschuß – relativ schnell, einen Augenblick, einen bestimmten Blick festhalten. Das Motiv bearbeiten hieße (für den Fotografen, der ja schlecht mit Phantasie arbeiten kann): auf den Boden legen, auf eine Leiter klettern, die Perspektive, die Blickrichtung ändern. Und dann – mit Technik oder selbst – näher ran, weiter weg, länger belichten, kürzer, ausleuchten, den Blick weiten bis zum unnatürlichen Froschauge oder verengen… der Zeichner, der Maler hat es da einmal einfacher, solange auch das die Ausarbeitung dauert, wenn er das Gesehene, wenn er seine Skizze mit ins Atelier nimmt und sich auf seine Erinnerungen und sein Vorstellungsvermögen verläßt.

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  3. Wunderhübsch, Deine kleine Zeichnung und so viel Blühen schon, liebe Gerda.
    Wir sind noch nicht soweit. Krokusse, Schneeglöckchen, Winterlinge, das sind vorwiegend unsere Frühblüher. Nun kommen langsam Primel und Narzissen und dann Tulpen dazu.
    Kalt ist es nochmal geworden und ich mummele mich ein.

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  4. Johanna schreibt:

    Danke für die kleine Reise 😊

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