9.3.2021 Ziegen hinter dem Zaun. Und was wichtig ist. (Fotografien)

„Ziegen und Ziegenbock musst du schreiben“, ermahnt mich Will.ie. „Du kannst den Bock nicht zur Ziege machen, damit würdest du ihn diskriminieren. Er ist zwar nur einer in einer ganzen Herde von Ziegen, aber es ist ungerecht zu sagen: Liebe Ziegen! Es muss heißen Liebe Ziegen, verehrter Bock!“. – „Ach“, sage ich, „fängst du jetzt auch mit dem Gendern an? Ich dachte, es wär egal, ob Mann oder Frau….

links Ziege, rechts Bock

…Ich will übrigens gar nicht bestreiten, dass es einen Unterschied zwischen Ziegen und Ziegenböcken gibt, aber darauf kommt es gerade nicht an.“ – „Und worauf kommt es an?“ fragt Will.ie. – „Na, darauf, dass diesen Tieren zwei Beine zusammengebunden wurden, damit sie nicht entkommen, und dass sie alle hinter einem Zaun stehen und demnächst einem Schlachter zugeführt werden. Alle haben das gleiche Schicksal, egal ob Ziege oder Bock.“ – Will.ie ist nicht überzeugt: „Bist du da so sicher? Der Bock wird doch sicher noch benötigt, damit die Ziegen Nachwuchs kriegen, oder?“ – Ich: „Weiß ich nicht. Kann sein. Und manche Ziegen dürfen sicher auch noch ne Weile leben, sofern sie als Muttertiere taugen. Das ändert aber nichts daran, dass sie alle gefangen sind. Schau dir doch mal diesen kläglichen Bock an. Hast du schon mal einen Bock im Freien gesehen? Nein? Ich schon. Auf  Samothrake. Mächtige Gestalt, langes braunes Fell, breites Gehörn, goldene Augen. Ich sag dir: der war wie ein Gott!“

Die Fotos entstanden, als wir heute die Ziegen – ja, auch den Bock, und auch den Hund, der mich immer ankläfft und auch schon mal übel gebissen hat – mit Brot fütterten.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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17 Antworten zu 9.3.2021 Ziegen hinter dem Zaun. Und was wichtig ist. (Fotografien)

  1. sonnenspirit schreibt:

    Ja, es ist immer etwas traurig, so war es auch auf den Kanaren, dass denen die Beine mit einem Strick zusammengebunden waren, damit sie nicht fortspringen konnten. Allerdings gab es in den Bergen viele Entkommene, die ein wildes Leben vorzogen…sie fressen leider die wenig vorhandene Vegetation, und klettern an völlig unzugänglichen Abhängen herum. Durch ein EU gesetz wurde es übrigens den Einheimischen schwer gemacht, sich ein, zwei Ziegen zu halten, die sie mit den wilden Kräutern füttern konnten und eigenen Käse herzustellen. Nun gibt es dafür eine zentrale Stelle, wo 200 Ziegen auf einmal gehalten werden. So viel Blödsinn macht die letzte regionale Lebensweise kaputt.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, so ist es. Auf Samothrake begannen vor vielen Jahren Unberufene, die keine Ahnung von Tierhaltung hatten, plötzlich damit ,sich große Ziegenherden anzuschaffen. Warum? Die EU hatte festgestellt, dass es zu wenig Ziegenmilch gab, ergo gab es für jedes Muttertier eine Subvention. Diese Herden wurden in Krals gehalten. Um im Tal Tierfutter anzubauen, wurden die Wasserfälle – bis auf einen, der touristisch erschlossen war – an ihren Quellen in Rohre geleitet, die herrlichen Oleander und Platanen verdorrten.
      Auf den Bergen aber lebten die freien Ziegen, die jegliche noch vorhandene Vegetation abfraßen. Die Eichenwälder konnten sich nicht mehr erneuern, und in schweren Wintern gruben die Ziegen sogar die Wurzeln der alten Bäume auf.
      So geht es, wenn Bürokraten regieren, die nichts als Zahlen anschauen.
      All dies beobachtete ich in den 20 Jahren, wo ich diese Insel besuchte. Das ist jetzt schon wieder 30 Jahre her, ich weiß nicht, wie es heute aussieht.

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    • gkazakou schreibt:

      Dasist eine schwierige Frage, liebe Babsi, die man auf vielen Ebenen beantworten müsste: wirtschaftlich, politisch, kulturell, sicherheitspolitisch. Und bei jeder Rubrik müsste man noch mal differenzieren. Insgesamt ist es gut, dass Griechenland zur EU gehört, denn das geografische Umfeld ist sehr schwierig, und so gibt die Zugehörigkeit eine gewisse Sicherheit. Aber auch das ist nicht so eindeutig, denn zB hat Deutschland, das in der EU dominiert, mehr Interessen in der Türkei als in Griechenland, ist also ein wenig verlässlicher Partner. Drum verlässt sich Griechenland in Verteidigungsfragen mehr auf die USA. Wirtschaftlich ist die Bilanz im Ganzen wohl eher positiv, aber auch das ist nicht sicher, denn es gibt viele strukturelle Veränderungen, die das Land abhängiger gemacht und die traditionellen Sektoren geschwächt haben. Jetzt in der Covid-Krise ist das noch offensichtlicher. Die EU hat Griechenland verführt, über seine Verhältnisse zu leben und sich auf Zuwendungen und billige Kredite zu verlassen, Mit den „Rettungspaketen“ hat es sich noch mehr verschuldet. …. Ich könnte noch vieles nennen, immer kommt ein „sowohl als auch“ heraus. – Wenn du das auf Deutschland überträgst. ist die Globalisierung für Deutschland gut oder schlecht? Da ist auch keine eindeutige Antwort möglich. „Es kommt draufan“.

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  2. Karin schreibt:

    Ich kann mich nur noch an die freilaufenden Ziegenherden auf Lesbos erinnern, deren Glöckchengebimmel meinen Weg zum Strand begleitete – sie waren aber klein, überschaubar und 1991 war genug Grün auf der Insel vorhanden – heute hat sich da wahrscheinlich viel geändert.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Karin, niemand möchte die Herden vermissen, ich am allerwenigsten. Aber wenn die lokale Wirtschaft durch bürokratische Maßnahmen aus einem Zentrum, das ganz anderes im Sinn hat, gestört wird, ist das Ergebnis nicht gut.

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  3. Mitzi Irsaj schreibt:

    Ziegen und Ziegenböcke so gehalten, sind ein trauriger Anblick. Genauso schlimm uns schwer zu verstehen, die von dir in den Kommentaren beschrieben Auswirkungen der unsinnigen Subventionen.

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    • gkazakou schreibt:

      Diesen Ziegen und Böcken geht es ja nicht ganz so schlecht. Sie haben ein großes Feld und werden zudem gut gefüttert – freilich, damit sie demnext einen guten Braten abgeben. Die Besitzer sind keine Tierfreunde, sondern arme Albaner, die sich das Feld gepachtet haben und davon leben, Tiere aufzupäppeln, um sie zu verkaufen: Puten, Hühner, Ziegen, Schafe, was halt geht. Je ein Vorder- und Hinterbein der Ziegen sind verbunden, das hindert sie zu klettern.

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      • Mitzi Irsaj schreibt:

        Man findet im Bereich der Tierhaltung wahrscheinlich problemlos schlimmere Zustände. Dass die Tiere draußen sind, Sonne, Wind und Luft haben ist da schon etwas „sehr schönes“. Und den Besitzern, in dem Fall den Albernern, kann man es auch nicht verdenken, dass sie einen Weg suchen und finden um über die Runden zu kommen. Mir werden Tiere wahrscheinlich trotzdem immer leid tun, wenn ihr Dasein dem Zweck der Schlachtung dient. Oder besser, wenn sie zu Sachen, zu Dingen werden.

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    • gkazakou schreibt:

      So geht es mir auch, Mitzi. Tiere sind keine Objekte, keine Dinge, die man kaufen und verkaufen kann. Und tut es doch, isst sie sogar,seit alters her, und so machen wir uns als Menschheit schuldig. So sah es Pythagoras (6. vorchristliches Jahrhundert) und ermahnte seine Mitbürger, keine Tiere zu essen und dadurch schlechtes Karma auf sich zu laden. Aber seine Ansichten setzten sich bekanntlich nicht durch.
      Einmal habe ich eine Ziege, die für den Abtransport gebunden am Wegrand lag (es war auf Samothrake) befreit, ich konnte es einfach nicht lassen. Und was passierte? Das Tier, obgleich unverletzt, rührte sich nicht. Es schien, als hätte es schon mit dem Leben abgeschossen. Ich blieb dann freilich nicht länger vor Ort und weiß nicht, was noch geschah.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich weiß nicht, Mitzi, ich hatte danach ein ziemlich schlechtes Gewissen. Denn erstens hatte ich einem armen Mann ins Handwerk gepfuscht und zweitens habe ich dem Tier einen zweiten Todesschock zugemutet. Denn es wird ja auf jeden Fall wieder eingefangen. Oder ein anderes tritt an seine Stelle, Was also ist gewonnen?
      Andererseits: ich konnte halt nicht anders. Und das ist ja an sich auch gut. Besser ist ja doch, man folgt seinen lebensfreundlichen Instinkten als einem abstrakten Kalkül.

      Obgleich es kaum vergleichbar ist, fiel mir in diesem Zusammenhang eine Episode aus dem russischen Dostojewski-Film ein, den ich kürzlich sah. Dostojevski hat sich bei der Zwangsarbeit mit einem Mann namens Orlov angefreundet, der seit früher Kindheit als Krimineller galt und das Strafgefangenenleben in all seiner Grausamkeit bis ins ff kennt. Immer wieder bricht er aus, immer wieder wird er eingefangen. So auch bei diesem letzten Ausbruch. er stirbt dann an den Verletzungen des Spießrutenlaufens, dem er unterzogen wird. Aber die Freiheit bleibt ungebrochen sein Ziel.

      Wie du vielleicht (nicht?) verstanden hast, habe ich in meinen Ziegengedanken die uns heute zugemutete Corona-Zwangsverwahrung zum Frauentag kommentiert. Drum auch im Titel „worauf es ankommt“: es kommt heute nicht darauf an, ob wir als Frau und Mann gleichberechtigt sind, sondern auf unsere Freiheit als Menschen. Dasselbe Schicksal trifft Bock und Ziege, dasselbe Mann und Frau. Gefesselt und demnächst zur Schlachtung geführt.

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      • Mitzi Irsaj schreibt:

        Du hast schon recht, was ist gewonnen? Und doch kann ich den Impuls sehr gut verstehen. Das was du über den Dostojewski Film schreibst, kommt mir bekannt vor, ich könnte aber gerade nicht sagen in welchem Buch es vorkommt. Der Mensch rein für die Freiheit sehr viel auf sich zu nehmen. Wie viel, zeigt sich wahrscheinlich erst wenn die Freiheit eingeschränkt wird.

        In diesem Kontext hatte ich deinen Text tatsächlich nicht gelesen. Ich hab ihn vorhin noch einmal gelesen.
        Liebe Grüße

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  4. Zusammen gebundene Berine bei den Ziegen? Das ist Tierquälerei, liebe Gerda!
    Schlimm, habe ich noch nie gesehen und möchte es auch nie sehen müssen.

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    • gkazakou schreibt:

      Das ist üblich, Bruni. Ein Vorderbein wird mit einem Hinterbein verbunden. So können sich die Tiere zwar bewegen, aber nur humpelnd, und sie können nicht klettern, Immerhin haben sie ein großes Feld, und der Besitzer führt sie manchmal auch raus, damit sie das frische Grün unter den Oliven abgrasen.
      Ohne die Fesselung würde man viel höhere Zäune brauchen, Und die Bäume würde es bald nicht mehr geben.

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