Ulli Gaus zweite Schnipselspende (3): Wenn Eltern sich nicht mehr vertragen

Ulli hat mir mit ihren Schnipseln auch zwei gezeichnete Figuren geschickt: einen Mann von vorn und eine etwas größere Frau von hinten, dazu auch ein fotografiertes Kind. Diese drei „Schnipsel“ bestimmen stark das Geschehen, sobald ich sie einsetze. Es wird fast zwangsläufig psychologisch.
Diesmal habe ich die drei Figuren-Schnipsel fast allein sprechen lassen. Da seht ihr dann auch die Größenverhältnisse von Unterlage und Schnipseln.

Wenn Eltern sich nicht mehr vertragen …. was geschieht mit dem Kind?

Wird das Kind zwischen den Eltern zum Pingpong-Ball?

Wird das Kind zwischen den kämpfenden Eltern zum Pingpong-Ball?

Schippert das Kind davon in die Welt seiner Träume?

 Schippert das Kind davon in die Welt seiner Träume?

Umgeben Vater und Mutter das Kind mit ihrer Liebe auch dann, wenn es zwischen ihnen blitzt, donnert und kracht?

Umgeben Vater und Mutter das Kind mit ihrer Liebe auch dann, wenn es zwischen ihnen blitzt, donnert und kracht?

Für das letzte Legebild habe ich eine früühere Zeichnung als Hintergrund benutzt. Hier das Original: Graphitstift und Kreide auf gauer Pappe. 

Zeichnung mit Graphit und Kreide auf grauem Karton

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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13 Antworten zu Ulli Gaus zweite Schnipselspende (3): Wenn Eltern sich nicht mehr vertragen

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Ja, viele Fragen, wenig Antworten? Du versuchst es herauszufinden, Gerda, also psychologisch. Sicher kommt es auch vor, daß Kinder daraus gestärkt und selbstbewußt hervorgehen , früh selbständig werden. Dann war es gut für sie und ihre Entwicklung.

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    • gkazakou schreibt:

      Es sind Fragen, Gisela, die sich in jedem Fall neu stellen.
      Meine drei Beispiele sind als Anregung für Menschen mit Scheidungshintergrund gedacht, sich selbst Fragen zu stellen: Wie ist mein Verhältnis zu Vater und Mutter in mir, die sich haben scheiden lassen? Bekämpfen sie sich weiterhin in mir? Kann ich immer nur einen Teil von mir akzeptieren und lieben? Wie ist mein Verhältnis zu Ex-Mann/Frau und unseren Kindern, wenn ich getrennt lebe? Halten wir uns in Liebe, akzeptieren wir den anderen (die andere) im Kind, selbst wenn wir uns vom Partner (von der Partnerin) tief verletzt getrennt haben?

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  2. lyrifant schreibt:

    Manche Kinder dürften daran auch für immer zerbrechen oder zumindest angeknackst durch ihr weiteres Leben gehen. 🤔 Sensibles Thema! So werden Deine Legebilder zur „Familienaufstellung“ – aber gleichzeitig zu ihrer (kreativen) Überwindung.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Sabine. es sind kleine Bildchen, die aber, wenn man sie richtig einsetzt, vielleicht doch wichtige Wirkungen haben können. Besonders gefiel mir, wie sich fast von selbst die Herzform einstellte. die zwei Ausbuchtungen des Herzens, und die Spitze sind ein gutes Symbol für eine trotz allem heile Kindheit. Es ergab sich hier auf dem Kopf stehend, aber auch das finde ich sinnreich, denn man kann es lesen als entzweiten Wurzelbereich und neuen intakten Keim.

      Gefällt 3 Personen

  3. Ule Rolff schreibt:

    Der Kritzelhintergrund erschien mir spontan wie eine Kinderzeichnung, auf der jemand das elterliche Gewitter zu zeichnen versuchte. Er macht die aufgestellte Familie deutlich bedrohter als vor dem aufgräumten Weiß.
    Die menschliche Figur, die uns in ihrer Rolle für künstlerische Gestaltung ja schon häufiger beschäftigt hat, erweist sich auch in einem Schnipselvorrat als beherrschend.

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    • gkazakou schreibt:

      Der Kritzelgrund ist genau so gemeint, liebe Ule. Wie du siehst, besteht er aus weißen Licht-und schwarzen Schattenlinien, die sich verknäulen. Ich habe die Zeichnung zwar früher gemacht, aber jetzt aus dem Stapel herausgzogen.
      Tatsächlich ist eine menschliche Figur im Bild so dominant, dass sie das ganze Geschehen zu beherrschen scheint, selbst wenn sie winzig ist. Sogar nur ein Auge kann dasselbe bewirken. Das liegt wohl am Mechanismus der Identifikation und Projektion:

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  4. Ulli schreibt:

    Ui, das ist nun ein Thema, das mich sehr berührt und auch schon immer wieder in den verschiedensten Facetten beschäftigt hat. Das Kind wird wohl immer eine Bindung zu beiden behalten, da Kinder nun einmal in ihrer unschuldigen Liebe so sind. Das zeigst du für mich durch das auf dem Kopf stehenden Herz. Hier ist aber auch der Schmerz und die spätere Chance, die Ressource für die Heilung der verletzten Kinderseele.
    Das Thema ist groß und der Kommentarstrang und die fortgeschrittene Uhrzeit lassen nun nicht joch mehr Worte zu.
    Liebe Grüße
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Das Kind „wird (…) immer eine Bindung zu beiden behalten“ – das ist unausweichlich, denn es ist ja aus der Vereinigung dieser beiden hervorgegangen und wäre nicht ohne diese Vereinigung. Wenn es nicht beide lieben darf, muss es einen Teil von sich selbst ablehnen. Genau darin besteht das Drama von Scheidungskindern, wenn die Mutter und der Vater eine Solidarität für sich einklagen, die sich in Ablehnung des anderen ausdrückt. Dann wird Liebe zum einen durch Ablehnung des anderen erkauft. Das Kind gerät in eine Schaukelbewegung zwischen den beiden Quellen seines Soseins, die beide irgendwie bedrohlich werden, weil sie die Negierung des anderen Teils einschließen.

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  5. Faszinierend, wenngleich einsichtig, dass der Mutterschnipsel eindeutig größer sein soll. Klassische, von manchem als nicht biologisch fundiert gesehene (die waren noch nie schwanger!) Rollenverteilung…

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    • gkazakou schreibt:

      Das ist richtig, liebe Petra. (Die Zeichnungen stammen nicht von mir, sondern von Ulli Gau). Problematisiert hat mich, dass die Mutter den Rücken kehrt, während der Vater, obgleich kleiner, allzu selbstgefällig seine dominante Position hält.

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      • Nebenbei, so eine Familienaufstellung unter fundiert fachlicher Anleitung (und die ist unbedingt von Nöten!) ist schon spannend. Auch schon gemacht und es ist erstaunlich, wie berührend, vielleicht weniger erklärend, als es viele Worte könnten, das ist.

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  6. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Oh, was packst du da an, liebe Gerda und wie sollen blitz und donner auf beiden Seiten da nicht auch ein bissel an dem Kind hängen bleiben?
    Und doch können sie ihm Liebe zeigen, die beiden blitzenden und donnernden…
    Wundervoll, diese Arbeit und alles aus Ullis Legebildern geschaffen. Das schaffst nur Du!

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