abc-etüde: Katamaran-Kata-Strophe

Katamaran, bitte! Olpo Olponator möchte, dass wir mit diesem doppelleibigen Boot reisen. Christiane  hat auch die anderen Wörter – großspurig und totschweigen – gutgeheißen. Da müssen wir nun durch. Hier ein erster Versuch.

 

Katamaran-Katastrophe

„Katarameno* Katamaran!“

Flucht der alte Kapitan

Er hasst sie, die modernen Dinger

Kaum rührt der Sturm den kleinen  Finger

Fangen sie an zu torkeln, zu tanzen

Jeder für sich und beide im Ganzen

Und gibst du Gas, schlägt’s hart auf die Wellen

Und kracht und spielt den wilden Gesellen.

„Ihr Leute von die Reederei

Habt keine Ahnung von Segelei.

Ein Boot braucht nen Kiel wie der Baum seine Wurzeln

Sonst holt es der Wind und es fängt an zu purzeln!

Son Katamaran, der ist natürlich schick und schnell

Wenn glatt das Meer, doch stürmt es, well,

totschweigen möchtet ihr es gern

es kentert, wenn auch hochmodern

Ihr werbt mit bunten Katalogen

da wird die Wahrheit krumm gebogen!

Großspurig schwatzt ihr im Büro

Und sagt, ‚die Firma Soundso

Hat auch son Ding, du schaffst das schon

Wenn nicht, dann übernimmt dein Sohn.‘

Mein Sohn wird einen Teufel tun

Das sag ich euch!  Good afternoon!“

 

Der Käpten knurrt und brüllt im Sturm

Die nächste Welle kommt, ein Turm

Aus Wasser, und ergreift das Schiff

Mit seinem nassen Würgegriff

Und schleuderts rum, o große Not

Das Boot ist hin, der Käptn tot.

Was sonst noch auf den Wellen treibt,

hat sich das Meer schnell einverleibt.


* „katarameno“ (vorletzte Silbe betont)  ist griechisch und bedeutet „verflucht“.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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42 Antworten zu abc-etüde: Katamaran-Kata-Strophe

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Das weiß anscheinend bei uns keiner, was das griechische Wort bedeutet! Du hast uns aufgeklärt, Gerda, und zwar gründlich und vom künstlerischen Standpunkt einfach grosartig, im Gedicht sowohl als auch – umd noch mehr – in Deiner dynamischen Bildarbeit! Daraus slricht auch die Sturrmerfahrenen!

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    ☆ daraus spricht auch die Sturmerfahrene. (Es wurde schneller abgeschickt, als ich es wollte)

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    • Olpo Olponator schreibt:

      Die Sturmerfahrene mit einem Katamaran ? Glaube ich nicht … 😉

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      • gkazakou schreibt:

        Nein, traditioneller Segler vor einem halben Jahrhundert.

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      • Olpo Olponator schreibt:

        Damals gab es in unseren Längen ja tatsächlich keine andere Bootsform – ich habe sie selbst auch erst in den 70ern, dann aber auch schnell lieben gelernt und bin bald darauf mit einem selbstgebauten Ding von 4,50m, ab Volos die nördlichen Sporaden bis immerhin Alonnissos gefahren – mit Frau und Kind. BEVOR der tägliche Meltemi höhere Wellen brachte … 😉

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      • gkazakou schreibt:

        Das muss ein eindrucksvolles Erlebnis gewesen sein! Nicht ganz ungefährlich, auch wenn man in Küstennähe bleibt. Nun, die Alten haben diese Strecken geschafft, obgleich sie auf Rückenwind angewiesen waren (ourios anemos). Ich war als junger Mensch auf der Ostsee unterwegs,

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      • Olpo Olponator schreibt:

        Du hast vollkommen recht mit der Gefahr. Ich konnte sie aber schon ein bißchen einschätzen und der Meltemi ist ein verläßliches Kind des Windes im Sommer. Zumindest war es ‚damals‘ 😉 so und ich fuhr niemals ohne Rückversicherung durch einen Fischer, was das Wetter betraf… Manche schönen Situationen tauchen tatsächlich noch heute recht plastisch vor meinem inneren Auge auf, ja, war eindrucksvoll kann man sagen … 😉
        Die Ostsee kenne ich nur ein wenig von Dänemark. Als Kind. Eindrucksvolles Erlebnis auch hier: an einem Tag wurden pfannengroße Quallen, harmlose, angespült. Schwimmen gehen wollte ich nicht 😉 …

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      • gkazakou schreibt:

        mit den Quallen haben wir als Kinder Schlachten geschlagen. Erst haben die Jungs uns Mädchen beworfen, wir nicht faul schmissen zurück, und so ging das, bis Sand und Quallen einen Ekel-Brei bildeten. Eigentlich sind die Medusen schöne Tiere.

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      • Olpo Olponator schreibt:

        Genau so wars. Nur wollte ich die Gallerte nicht angreifen, damals, wie ich heute noch immer keine Spanische Galeere angreifen mag – die ja auch wunderschön ist 😉

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  3. Myriade schreibt:

    Wunderbar lakonisches Ende !

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  4. Olpo Olponator schreibt:

    Oje. O Καπετάνιος ist ein Mann der alten Schule und sehr konservativ – die Seemannschaft bei einem Mehrrumpfboot ist natürlich eine andere als bei Kielbooten und wären diese wirklich so untauglich um damit ausgewachsene Meere wie zB den Pazifik zu befahren, hätten die Polynesier vielleicht nicht ihr Reich so weit dehnen können…
    In einem Gedicht nach alter Bauart darf sowas natürlich vorkommen … 😉

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  5. Werner Kastens schreibt:

    Doppelt ist manchmal halt nur eine scheinbare Sicherheit. Aber das aufkommende Wetter hätte er vielleicht vorausahnen können, es sei denn er hatte die Absicht, den Katamaran bewußt zu schrotten und seinen Sohn davor zu bewahren.
    Ich sehe es deswegen mal als Helden-Epos, und was für eins!!!!!

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  6. Wieder ein sehr schönes Gedicht!

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  7. Christiane schreibt:

    Ja, Heldenepos, ich greife das gern auf. Er verdammt die moderne Zeit mit ihren Neuerungen, und am Ende ist er selbst tot. Weil er sich dagegen stemmte? Im Epos hätten die Götter über ihn entschieden.
    Und die Moral von der Geschicht? Ich weiß sie nicht 😉
    Gibt viele wie ihn, denke ich.
    Schön, gefällt mir sehr gut.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🍷🌦️👍

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  8. gkazakou schreibt:

    Vielleicht war der Käptn ein Rechthaber, der recht behielt? Soll ja vorkommen. Ich freu mich, dass du meiner Geschichte was abgewinnen konntest. 🙂

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  9. Ulli schreibt:

    Mag ich sehr!
    So, und jetzt gehe ich ins Bett – für heute ist’s genug 🙂
    gute NAcht Gerda – schlaf tief, träume bunt.

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  10. nandalya schreibt:

    Ich musste (auch) spontan „Der Erlkönig grüßt John Maynard“ denken. 🙂 Damit bin ich offenbar nicht allein. Danke, du hast ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert.

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  11. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Eine tolle echte Gerda-Ballade, die mir sehr gefällt und zum Ende dann der leicht lakonische Ton, knapp, aber treffend, trocken und schmucklos. Eindeutig Balladencharakter in Gerdas Art …

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  12. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 21.22.20 | Wortspende von Kopf und Gestalt | Irgendwas ist immer

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