Die Farbe Grün in der Malerei (für Bruni)

Bruni wunderte sich, dass mein Schaf so gar nichts Grünes zu fressen hat („… ich bin ein bissel verblüfft, daß Grün fehlt, liebe Gerda. Wo bleibt es denn? War kein Grün in Deinem Sinn? Oder hat sich das sommerliche Grün schon verwandelt und die Sonne hat es ausgebrannt?“), und auch Agnes fand es deprimierend, dass die Schäferin „ihr Traumschaf auf die trockene Weide führt“.

Und so kamen wir auf die Farbe Grün in der Malerei zu sprechen.
Nun ist es nicht etwa so, dass ich das Grün im Leben, in der Natur nicht liebe! Wie wäre das möglich! Ich bin verrückt nach dem Smaragdgrün der jungen Frühlingswiesen, dem durchsichtigen Türkisgrün des Meeres, dem schattenden Grün des Aprikosenbaums. Ich habe auch einen heiß geliebten grünen Schal und sogar ein grünes Kleid, das mir eine Freundin schenkte. Aber ich benutze Grün in der Malerei höchst selten – und überhaupt keine grünen Pigmente, sondern mische mir höchstens mal ein Grün aus Gelb und Blau zusammen. Warum? Weil die meisten Maler es meiden? weil Kandinsky Grün als die Farbe des bequemen Bourgois bezeichnet hat? Nein, ich glaube nicht. Grün  ist eine schwierige Farbe, und sie passt einfach nicht zu meinem Temperament als Malerin.

Male ich nicht dennoch gelegentlich mit Grün? fragte ich mich und durchsuchte meine Archive. Und siehe da: Als ich mit dem Malen begann, waren die Wiesen grün und die Bäume trugen grünes Laub. Sehr bald aber verschwand das Grün, und an seine Stelle traten Blautöne, Ocker…. – bis auf sehr seltene Ausnahmen.
Ich habe eine Reihe von Bildern zusammen gestellt, auf denen Grün vorkommt. Sie sind zeitlich geordnet – die ersten fünf stammen aus der Zeit, als ich gerade mit dem Malen begann und den Schul-Malkasten meines Sohnes benutzte, der natürlich Grün enthielt. Das sechste ist eine Collage aus kleinen Aquarellen. Das siebte (große Welle) und achte (Hafen erotico) sind aus den neunziger Jahren und schon mit Akryllpigmenten gemalt. Bei den späteren Bildern kann man sich schon drüber streiten, ob das überhaupt Grün ist. Eine Ausnahme bildet das Bild „Palimpsest“ in der vorletzten Reihe, Mitte, wo ich klares Grün (Tusche) verwendete. Die beiden letzten sind Bildausschnitte. Bitte anklicken, um die Bilder groß zu sehen.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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30 Antworten zu Die Farbe Grün in der Malerei (für Bruni)

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Da sind sehr schöne Sachen dabei.
    „Hafenbild ueberarbeitet 7“ sprang mir ins Auge.
    Zu perfekt für Dich mittlerweile?
    Zum Grün als Farbe würde ich gerne näheres wissen bzw. einen Hinweis hören.
    Das fände ich spannend.
    Es muß aber nicht sein!

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    • gkazakou schreibt:

      ich schau mal, was ich zu Grün noch schreiben kann. Das Hafenbild habe ich übrigens mit Bedenken reingenommen, denn es ist mehr Blau als Grün. „zu perfekt“? Nee. Es war halt anders als was ich momentan mache, feingliedriger. Mein Stil ändert sich immer wieder …Liebe Morgengrüße nach Frankfurt!

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Ein Stil muß sich ändern…
        Unlängst berichtete mir jemand, daß er all seine CDs und Platten auf einer Festplatte kopieren will.
        Ich habe sehr viele, dennoch werde ich das nicht tun. Denn in 5 Jahren habe ich sicher einen anderen Geschmack und interessiere mich wohl kaum mehr für das Gut auf dem Weg.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich lese grad mal wieder „Die Entdeckung der Langsamkeit“ – mit Gewinn. Denn ich bin eine von den sehr Schnellen, so ganz anders als der Held der Geschichte, John Franklin, der sich nicht für das sich Verändernde, sondern für das Konstante, das Präzise, Verlässliche interessiert und es verzweifelt sucht. Die Lektüre ist ein gutes Korrektiv für mich und mein panta rhei. .

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  2. Ulli schreibt:

    Du schenkst mir eine Geschichte zur Farbe Grün und eine wunderbare Zeitreise dazu, vielen Dank
    herzlichste Grüße, die Nachteule

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  3. finbarsgift schreibt:

    Wundervolle Werke sind das!
    Insbesondere die große Welle hat’s mir angetan…
    Bonjour liebe Gerda!
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

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  4. tontoeppe schreibt:

    Ich schliesse mich dem gern an. Es ist als hätte ich heut früh schon eine schöne Ausstellung besucht. Auch mir gefällt die große Welle sehr, aber der mächtige Regenguss über den Feldern hat es mir ebenso angetan. Vielen Dank für den umfangreichen Einblick.

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  5. lieberlebenblog schreibt:

    Interessant! Und ich wollte dir schon länger sagen, dass mich deine Blau- und Ockertöne besonders berühren …

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  6. Agnes Podczeck schreibt:

    Dein allererstes Bild hat mich ganz besonders gepackt.
    Grün ist wirklich eine besonders schwierige Farbe, ich selbst stehe damit auch auf Kriegsfuß. Es gelingt mir nie, genau den richtigen Grünton, der zu meiner Stimmung und meinem Motiv passt, auszuwählen.
    Einen weiteren Beitrag von Dir zum Grün als Farbe würde auch ich verschlingen.
    Liebe Grüße

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    • gkazakou schreibt:

      Vielleicht magst du das erste Bild deshalb sehr, weil es alters- und entwicklungsgemäß dir entspricht? Dieser Gedanke kam mir eben. ich war mit ca 40 Jahren eine blutige Anfängerin im Malen, und dieses Bild ist ein wenig wie ein selbstbewusstes: Hier komme ich! Eine wilde Windsbraut über den beschaulichen Häusern und Rapsfeldern meiner ersten Heimat, die ich grad verlassen hatte. So wie du den Drachen malst, noch allerdings nicht mit feurigem Maul 😉

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  7. afrikafrau schreibt:

    sehr interessant über die farbe grün zu sinnieren, in der Natur wunderbar, auf Leinwand hm ……..

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  8. petraelsner schreibt:

    Es geht mir mit der Farbe GRÜN ganz genauso. Nur in den Buchillus kommt sie bei mir vor. Spannungsreiche Bilder zeigst Du uns da.

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  9. www.wortbehagen.de schreibt:

    *lächel*, mir fiel nur auf, daß ich nirgendwo in den Bildern Grün finde, liebe Gerda
    Es erstaunte mich, aber es fehlte mir nicht. Interessant, was ich jetzt darüber an Informationen finde. Eine schwierige Farbe? Vielleicht eine, die sich vordrängt, wenn sie in ein Bild darf?
    Eine, die herrschen möchte? Ich hab keine Ahnung, ich gebs zu, ich überlege nur, was es mit dem Grün auf sich hat.
    In Deiner Galerie kann ich mich gar nicht für eines entscheiden. Mir gefallen da so viele. Mal tendiere ich zu dem einen, dann wieder zu einem anderen. Palimpsest ist einer meiner Favoriten.
    Da haben wir aber schon das türkisene Meeresgrün von dem Du sprichst, liebe Gerda.
    Ich liebe die Vielfalt der Farben, ihre vielen Nuancen und selbstverständlich auch alle Ocker- und Terrakottatöne 🙂 Das Seltsame ist, daß in meiner Kleidung Schwarz die Grundfarbe ist, ohne die ich kaum denkbar bin

    Liebe Grüße in die Nacht

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  10. Stephanie Jaeckel schreibt:

    Ich habe erstaunt gelesen, dass einem beim Malen eine Farbe abhanden kommen kann. Das ist spannend. Aber mehr noch wirkt Dein Satz vom Schul-Malkasten Deines Sohnes nach. Wie nah manchmal das Abenteuer eines Neuanfangs liegen kann…

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Stephanie, so wie du die beiden Sätze zusammenstellst, lösen sie bei mir eine Art Aha-Erlebnis aus: in der Geschichte der Kunst ist es nämlich nicht anders: der Renaissancemalerei kam das Grün abhanden, das in der mittelalterlichen Malerei Gang und gäbe war. Es bahnte sich dann mühsam einen Weg im Impressionismus und verschwand erneut im Kubismus. Heute? Wie steht es heute mit der gesunden Farbe des Lebens, der Hoffnung, der Kindlichkeit und des Herzens?
      Grün hat es freilich immer auch als negative Variante gegeben: der Teufel, die Bösen, der Neid, die Todesfarbe, das Elend (zB bei van Goghs Trinkern). ….

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  11. wildgans schreibt:

    Grün ist gut. Böses sehe ich eher in gelb. Obwohl, das ist ja Licht. Die Farbwahl ist Sache des Tagesgefühls. Habe hier ein Mousepad aus dem Art Museum in Houston, darauf ist jedes Farbwort in jeder Farbe geschrieben. Überschrift: In what color is each word written?
    Meine Kleidung schwingt sich grüner und grüner ein, war früher nur rot-weiß-schwarz. Und erst das grüne Gletscherwasser…man müsste malen können, so wie du!

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    • gkazakou schreibt:

      Gelbgrün ist – obgleich die lieblichste Farbe der Natur, zugleich auch die hässlichste Todesfarbe. Immer wieder erstaunlich, wie in einer Erscheinung die größten Gegensätze hausen. Eine klitzekleine Farbverschiebung reicht.
      In meinem Romanfragmemt Schwanenwege ist die Einkleidung der ältestem Schwester Gise (Gans in der Schwanenfamilie) in ein grünes Gewand mit Goldimprimatur der Durchbruch zu Leben, Leidenschaft und Fruchtbarkeit. ….Liebe Grüße dir! Hab einen goldgrünen Tag, Frau Wildgans!

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  12. kowkla123 schreibt:

    ich mag deine Malerei, wünsche ein gutes Wochenende

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