Zwischen Berg und Meer

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Zwischen Berg und Meer lebe ich. Meistens ist mein Blick aufs Meer gerichtet, das mit seinen fantastischen Lichtspielen die Aufmerksamkeit fesselt. Doch ich liebe das

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Gebirge nicht weniger, dessen Hänge gemächlich hinter unserem Haus anzusteigen beginnen. Eine halbe Stunde Autofahrt, und du bist in einer Landschaft, die nichts von dem Getriebe und der Unruhe der Küste hat.

Gestern hatte ein frischer Wind die Atmosphäre so klar geblasen, dass mir die Berge mit ihren weich verschatteten Hängen und schärfer gezeichneten Grüften besonders nah zu sein schienen. Also hinauf. Ziel war einer der „Geschlechtertürme“, die seit alters her die Gipfel der Mani beherrschen. Die meisten stehen leer und zerfallen. So auch dieser.

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Das intensive Sonnenlicht malte die leeren Fensteröffnungen als leuchtende Idole an die gegenüberliegende Wand.

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Das flache Gebäude dient gelegentlich als Schlafplatz für die Herden und ihre Hüter. Gestern war es leer. Gut so, denn ich hatte meinen kleinen Jagdhund dabei.

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Der Hauptturm ist nicht mehr zugänglich: der Eingang ist zerfallen. Die Schatten der Zinnen bilden sich auf der hellen Wand ab.

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Still ist es hier oben, nur der Wind saust in den krüppeligen Bäumen und durch die blühende Macchia.

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Für Ulli und alle, die sich als Liebhaber der Herbstzeitlosen geoutet haben, fand und knipste ich ein winziges Exemplar im Innenhof der Burg.

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Durch das leere Tor blickst du hinab auf das nächstgelegene Dorf, in dem kaum noch Menschen wohnen. Auf dem Rückweg begegnete mir nur ein uraltes Mütterchen mit ihrem Esel, die mir mit der knöchrigen Hand zuwinkte.

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Auf der anderen Seite der Burg dehnt sich das Meer, das gestern in so gleißendem Licht lag, dass es auf dem Foto nicht erscheint.

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Dahin zog es mich zurück. Schon recht weit unten, sah ich einen Drachen einen Lichtmast hochklettern und stoppte. Da bemerkte ich auch den feinen Sichelmond schräg links oberhalb seines Fußes. Und wie immer, wenn ich ihn erblicke, füllte sich meine Seele mit grundlosem  Optimismus.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, alte Kulturen, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Umwelt, Zwischen Himmel und Meer abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

33 Antworten zu Zwischen Berg und Meer

  1. Arabella schreibt:

    Ich glaube, ich hab Oregano entdeckt.:-)🙂🙂

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  2. karfunkelfee schreibt:

    Chorta, die wilden Bergkräuter. Griechisch Rigani ist sehr aromatisch im Geschmack, noch anders als das italienische. Diese Landschaft ist bezaubernd schön, nicht nur wegen der Herbstzeitlosen…
    Wie so oft verweben sich bei Dir Bild und Text wunderbar und beinah meine ich die herben Aromen in der Luft riechen zu können.
    Liebe Grüße und Dank
    von der Karfunkelfee ✨

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    • gkazakou schreibt:

      herzlichen Dank, karfunkelfee! Du kennst dich aus.
      Als Horta gesammelt wird vor allem der wilde Löwenzahn. Der wilde Origano (Rigani) schmeckt je nach Boden und Sonnenlage anders und ist natürlich viel würziger als die angebauten Sorten. In Griechenland sind tausende von Wildpflanzen endemisch, die irgends sonst vorkommen. Schönen Abend dir! Gerda

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  3. kunstschaffende schreibt:

    Das sind sehr schöne Impressionen! Die Burgruine finde ich sehr spannend und die Lichteinfälle hast Du mit den Aufnahmen schön in Szene gesetzt! Was ist das für ein Viech, das am Strommasten hängt?
    Ja und die Sonnenuntergänge sind natürlich Sensationell!

    ❤Abendgrüße Babsi

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  4. teggytiggs schreibt:

    …was für ein schönes Land! Du hast einen schönen Platz zum Leben gefunden.
    …Geschlechtertürme sind alte Wehrtürme? …mich irritiert der Name…
    …die Planzen bei Dir dürften den hiesigen ähneln, bei uns blühen jetzt auch die Herbstzeitlosen, die wie ihre Schwestern, die Krokusse, einen Jahreswechsel anzeigen…

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    • gkazakou schreibt:

      Danke teggytiggs. Ja, es gibt sicherlich große Ähnlichkeiten, Mittelmeervegetation halt. Aber Griechenland ist eben noch mal ein wenig anders. „Geschlechterturm“ heißen diese Anlagen, weil sie einem Geschlecht oder Clan gehörten (und gehören), also mehr als nur einer Familie. Das waren die herrschenden Clans in der Mani, harte Leute, die sich gegenseitig bekämpften und in manchen Dörfern viele solcher gewaltigen Türme hochzogen, von wo sie sich gegenseitig beschossen. Es gab sehr lange Blutrachefehden. Das Land ist auch sehr hart, wurde nie von den Türken besetzt, worauf die Maniaten sehr stolz sind. Von hier gingen zahlreiche und am Ende erfolgreichen Aufstände zur Befreiung vom „türkischen Joch“ aus, das das übrige Land 400 Jahre unter der Knute hatte. Sei herzlich gegrüßt!

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      • finbarsgift schreibt:

        Hat es nicht in San Gimigniano in der Toskana auch solche „Geschlechtertürme“?!
        Liebe Grüße zur Nacht vom Lu

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      • teggytiggs schreibt:

        …interessant, die Geschichte prägt das Land auf ihre Weise, auch mit einer bestimmten Stimmung, das ist hier so mit den Kreuzzügen gegen die Katharer…da müsste es sich jetzt doch gut leben lassen in den Dörfern, wo die Kriegerischen weg sind, aber nun sterben die Dörfer aus…ein schönes Wochenende Dir!

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      • gkazakou schreibt:

        Danke ganz von Herzen, Teggytiggs, für deine Einladung. Wer weiß, vielleicht führt mich mein Lebensweg tatsächlich mal nach Perpignan, ich würde mich sehr sehr freuen, dich kennen zu lernen und durch deine Tür zu treten. (Wie weit bist du denn mit der Tür inzwischen gekommen?)

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe teggytiggs, du lebst im Land der Katharer? O, das hätte ich auch gern besucht! Das muss eine ganz besondere Atmosphäre haben. Ja, Geschichte prägt das Land, wie mir scheint, bis in den letzten Krümel, genauso wie die Lebensgeschichte eines Volkes im DNA niederschlägt und die individuelle Geschichte jede Zelle des Organismus durchtränkt.

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      • teggytiggs schreibt:

        …ja, ich lebe bei den Katharern, deren Geist hier immer noch durch die Gebirge schweift und ich habe von Anbeginn gespürt, dass eine besondere Trauer über der hinreißenden Landschaft liegt, was mir erst erklärlich wurde, als ich deren Geschichte kannte…auf eine geheimnisvolle Weise fühle ich mich ihnen verbunden und das hat sicher seinen Grund…

        Wenn Du es möchtest, mein bescheidenes Heim nimmt Dich gern als Gast auf, Zimmer mit Bad und Internet, kostenlos, von Perpignan aus fahren Busse für nur einen Euro in alle Richtungen…und aufrichtig würde ich mich freuen…

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Finbar, ja, du hast recht, diese Türme gibt es auch in Italien. In San Giminiano habe ich sie bewundert, aber auch in den Dörfern des Südens, in Vassilikata und Kalabrien, wo Griechen siedelten (Magna Grecia) gibt es sie wohl. Nicht immer wurden solche Türme in feindlicher Absicht errichtet. Im Herkunftsdorf meines Mannes in Arkadien, zB, wurden bis zu achtstöckige, innen kunstvoll ausgeschmückte Häuser an die Steilhänge gebaut: von der einen Straßenseite gehst du ins Erdgeschoss, aber die andere Seite ist völlig unzugänglich, ragt über dem Abgrund hoch. Das Dorf war berühmt für seine Steinmetze. LG

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  5. Mirja Neff schreibt:

    Liebe Gerda,

    Dein Beitrag über die verlassene Burg hat mir wirklich gut gefallen – so schöne Fotos! Da bekommt man richtig Lust mal wieder zu verreisen🙂.

    Seit einem Monat arbeite ich wieder als FRühförderin und nebenbei plane und bepflanze ich ein paar Naturgärten. Amelie ist immernoch sehr süß.

    Liebe Grüße auch an Panos von Mirja

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    • gkazakou schreibt:

      o wie schön von dir zu hören, Mirja! Du bist schon tüchtig, dein „Nebenbei“ wäre für andere eine schwere Hauptarbeit. Grüß mir deine Leute und kommt mal vorbei, wenns familiär und arbeitsmäßig passt. Würd mich sehr freuen! Gerda

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  6. tikerscherk schreibt:

    Wie im Paradies. Wunderschön, wirklich.

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  7. mmandarin schreibt:

    Traumpfade sind das….Danke fürs Mitnehmen…oh ja auch ich bin Herbstzeitlosenfan. Habe vor über dreissig Jahren ein trauriges Liebesgedicht darüber geschrieben. Marie

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  8. Monika schreibt:

    Genau so muss es sein, wenn ich Zuhause ankomme. Zuhause muss und darf ein „Paradies“ sein. Ich denke, mein Paradies ist ein Ort des Friedens, der Harmonie, Übereinstimmung mit mir und der Natur.
    Danke für alle Beiträge, die ich hier lesen durfte. Es macht mein Herz frei.
    LG. Monika

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  9. Ulli schreibt:

    Ich muss jetzt kurz guten Morgen sagen und abschicken, vielleicht kann ich ja dann deine Bilder anschauen, die Leitung klemmt mal wieder …

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    • Ulli schreibt:

      so, jetzt aber … nur über den Reader konnte ich deine paradiesische Welt betrachten und dann musste ich noch schauen was denn bitte ein Geschlechterturm ist … nun bin ich schlauer – schöne Bilder zeigst du uns, ich staune was jetzt in der Mani blüht – wilden Majoran sah ich neben der Herbstzeitlosen, bei uns schon längst verblüht … da sind sich in der Mani Herbst und Frühling nah?
      Herzliche Grüsse in dein Paradies an dich vom heute grauen Berg …
      Ulli

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      • gkazakou schreibt:

        Manchmal weiß ich wirklich nicht, ob Herbst oder Frühling herrscht. Wenn ich eure manchmal so wehmütigen Herbstgedanken lese und die verfärbten, abfallenden Blätter zum Thema werden, wird es mir schwer, daran Anschluss zu finden. Hier ist alles Grün, grüner als im Sommer. Die meisten Bäume sind immergrün, das Gras sprießt, die Rosen blühen….Selbst die Bäume in meinem Garten, die ihr Laub abwerfen (Feige, Granatbaum, Quitte) stehen noch voll im Grün.
        Leider kenne ich mich mit den einzelnen Pflanzen zu schlecht aus, um dir sagen zu können, ob der Majoran hier zweimal blüht. Bei meinem Rosenbusch weiß ich es: er blüht ununterbrochen.
        Grad zieht sich der Himmel etwas zu, im Westpeloponnes ist Regen angesagt. Wäre gut, wenn er auch hierher käme. Lange hält er nicht an, vielleicht bis Sonntag.
        Dir allerbeste Grüße und einen schönen hoffentlich arbeitsfreien Sonnentag. Gerda

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      • Ulli schreibt:

        Nee, leider kein arbeitsfrei, heute geht es wieder los, bis Sonntagmittag und schon wieder sone grosse Gruppe, seufz … aber dann habe ich bis Anfang November Ruhe, freu!!!
        Wenn ich all das von der Mani lese, will ich doch auswandern😉
        habs fein heute
        Ulli

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      • gkazakou schreibt:

        Es gibt auch die andere Seite: Stromrechungen und das Steueramt und Straßengebühren und Müll, der nicht abgeholt wird und sich zu Bergen türmt, es gibt streunende Hunde und unaufgeklärte Bauern, die Gift sprühen und Löcher in den Straßen und …
        Ich sags, damit du nicht traurig bist, nicht hier zu leben.😉

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      • Ulli schreibt:

        Diese Bauern gibt es hier auch, Stromrechnungen und das Steueramt auch, alles andere allerdings weniger … ach Gerda, ich werde sowieso nie auswandern, nur immer wieder viel reisen, so viel, wie es eben geht …

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  10. kormoranflug schreibt:

    Schöne Welt zum Leben. Der Drachen könnte von mir sein. Aber ich war nicht da…

    Gefällt 1 Person

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