mein neuer Stift

Ich hab einen neuen Stift. Den habe ich mir auf dem Flughafen von Rom gekauft, kurz vor der Abreise. Es ist ein wilder rasanter Stift, den ich noch nicht eingeritten habe. Er rennt, wie er will, über das Papier.

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Gestern habe ich versucht, ihn zu zähmen. Immer dieselbe Strecke musste er rennen, und wenn er mal ausbüxte, holte ich ihn zurück und zwang ihn zurück auf die vorgeschriebene Bahn.

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Hier seht ihr seine Befreiungsversuche. Aber ich ließ nicht locker, Disziplin muss sein.

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Schließlich tat ich etwas, was ich „nie“ tue: ich zeichnete von einem Foto ab. Der Stift schritt brav und ein wenig beklommen die vorgeschriebenen Linien ab, er wirkte ein bisschen traurig. Warum lässt du mir nicht meine Freiheit? murmelte er verstimmt. Das Ergebnis gefiel mir dann auch nicht sonderlich, ich schönte es per photoshop, so dass es nun recht ordentlich aussieht: ein Erkertürmchen in Rom.

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Aber ist es das, was ich will? Sicher nicht. In der Nacht, als ich nicht schlafen konnte, griff ich mir einen ganz gewöhnlichen blauen Kuli – sozusagen einen Muli, verglichen mit dem römischen Vollblutrappen – und ließ ihn über das Blatt traben. Ein Grüner wanderte gemächlich hinterher. Und siehe da: Es entstand etwas durchaus Erfreuliches. „Voranschreitende“ nannte ich es. Mir gefällt’s.

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Wenn dir das zu viel Gefluse ist, kannst du es auch vereinfacht haben: als Druck, hergestellt mit Fotoshop-Filter. Na also! Da schreiten sie nun.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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36 Antworten zu mein neuer Stift

  1. mannigfaltiges schreibt:

    Stift bei Dir – ein sehr hartes Los!
    😉

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  2. dergl schreibt:

    Der Stift ist ein Kind, der will spielen…

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  3. Myriade schreibt:

    Hoffentlich hält er durch bis er eingeritten ist 🙂

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  4. kormoranflug schreibt:

    Ein Stift ohne Anfang und Ende, der braucht sein freies Laufen. Besser Du greifst zur Feder….

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  5. karfunkelfee schreibt:

    Ich bin gespannt, was dabei herauskommt, wenn die Seele den Stift führt, nachdem Du ihn eingeschrieben hast. Manche Stifte bocken erst einmal. Was bockt, wird gelockt mit Voranschreitendem wie Begegnendem, mit Nacht- und Tagtraum. Die sind für Stifte wie das Zückerchen für den Braunen (oder grünen oder…)…:)
    Liebe Grüße zu Dir✨👌

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  6. gkazakou schreibt:

    Das klingt zauberhaft liebe Fee. Die Seele führt den Stift u der sorgt für traumwandlerische Begegnungen, sofern man ihm statt Peitsche ein Zuckerstück reicht. Jetzt ist er erst mal leergeschrieben, Myriade hats mit bewährtem Realitätssinn vorausgesagt. Ich kehrte daher reumütig zum Pinsel zurück.

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  7. Ulli schreibt:

    So, du konntest also auch nicht schlafen! Ich war auch ab 3:30h plötzlich hellwach, das nächste Mal greife ich zu den Stiften, statt zum Grübel …
    Mich wundert jetzt auch nicht, dass dein Stift schon leer geritten ist, wenn ich mir alle die vielen Schwünge anschaue …

    Zurzeit fotografiere ich „nur“ … und denke an meine schönen Bücher, in die ich nun schon so lange mal meine Stifte herumgleiten lassen will, denke an meine Collagen, die aber gerade schlummern, weil ich dann eben doch wieder schreibe- das sind so Phasen, nicht wahr?! Vornschreiten … weitergehen …
    herzliche Abendgrüsse auch hier an dich
    Ulli

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  8. Ein wunderschöner Text!

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  9. agnes p. schreibt:

    Ich finde es wundervoll, wie Du über Deine Stifte schreibst. Ja, sie haben ein Eigenleben, eine Seele.
    Das Gefluse finde ich übrigens ganz zauberhaft.

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  10. mmandarin schreibt:

    Das Eigenleben deines Stiftes erinnert mich an den Zauberlehrling….. „Besen Besen, sei’s gewesen ….. könntest du den Zauberstfft schließlich zähmen ? Ich mußte schmunzeln über das Muli…. so schöööön. Marie

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    • gkazakou schreibt:

      Na, ich hab ihn noch ein bisschen traktiert und hab ihn auch spielen lassen, damit dergl sich freut und Maren zufrieden ist, aber schließlich musste ich ihn in Ruh lassen. Er war erschöpft. Morgen kriegt er ne neue Mine, mal sehen, ob er das goutiert. Ich gebe zu, dass ich wenig Erfahrung mit Rassetieren habe, (Pstt: Es ist ein Moleskine!) Schönen Abend dir! Gerda

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  11. bruni8wortbehagen schreibt:

    *schmunzel*, mir gefällt auch das römische Erkertürmchen.
    Vom Fotoshop gedingst würde ich erst mal zur Seite legen 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Ich finde es auch recht hübsch. und wenn ich es nicht dazugeschrieben hätte – hättest du gemerkt, dass es fotogeshopt ist? (Na, du wahrscheinlich schon) Heute ist fast alles bearbeitet, das Auge der meisten hat sich dran gewöhnt, und wenn du etwas unbearbeitet zeigst, gefällt es nicht mehr. Es ist wie mit dem Gesicht und der Schminke. LG Gerda

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      • bruni8wortbehagen schreibt:

        Ich hätte nur gemerkt, daß es irgendwie bearbeitet ist, sonst nichts, liebe Gerda.
        Ich bearbeite nichts, liebe Gerda. Ich versuche, ein Motiv so einzufangen,
        daß es in meinen Augen gut und richtig ist u. helle nur manchmal ein wenig auf,
        wenn es mir etwas zu dunkel ist.
        Das Bearbeiten überlasse ich den Profis 🙂 Ich bin da altmodisch *verschämt guck*
        Ach so, ich habe natürlich aber einige Einstellungen am Apparat, die ich nutze und es kann schon mal sein, daß auch ein solches in worbehagen Einlass findet 🙂

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    • gkazakou schreibt:

      Aha! Ja, nun. Der eine hat die Einstellungen, der andere die Nachstellungen. 😉
      Ich veränder an Fotos auch nicht viel, obgleich ich nur ein iphone benutze. Bei der Zeichung hab ich Schattenzonen reingebracht und die hellen Teile „gesäubert“. Übrigens benutze ich auch keine Schminke 🙂

      Gefällt 1 Person

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