Montag ist Fototermin: Die Metro von Athen.

Die Metro von Athen ist eines der Wunder des Landes. Sie ist blitzsauber, die Züge kommen tatsächlich, wann sie sollen, sie sind schnell und sehr billig (1.40 Euro für 70 Minuten im gesamten Netz) und vor allem: die Bahnhöfe zeigen dem Besucher, jeder auf eine andere, ortsbezogene Art, Kunst hohen Niveaus.

Ich habe mir schon lange vorgenommen, einmal alle Bahnhöfe abzuklappern, aber es bisher nicht geschafft. So nehmt nun mit einigen wenigen vorlieb, die ich gelegentlich fotografiert habe (immer nur mit Handy, also stellt bitte nicht allzu hohe Ansprüche an die Qualität).

Bahnhof Aigaleo, eine Metrostation im westlichen Athen, erschließt eine Industrie- und Arbeitergegend. Das Gebiet war im Altertum kaum bewohnt, aber eine bedeutende Straße durchzog es: der „Heilige Weg“ (Hieri Odos), der vom antiken Friedhof Kerameikos IMG_8687aa IMG_8683  nach Eleusis führte. Bei einer Zählung im Jahr 1889 lebten dort nur 770 Männer und 36 Frauen, die meisten waren Landarbeiter auf den großen Gütern. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung (1981) wurden in der Gemeinde  82.000 Einwohner, 2011 nur noch 70.000 gezählt. Entstanden ist diese heute bevölkerungsreiche Gemeinde durch Flüchtlinge, die nach ihrer Vertreibung aus dem entstehenden neutürkischen Stadt 1920 angesiedelt wurden: Griechen aus Kleinasien und dem Schwarzmeergebiet und assyrische Christen. Aus den ehemaligen bürgerlichen Städtern Kleinasiens wurde das Proletariat des neugriechischen Staates.

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2007 eingeweiht, weist die Metrostation zwei Gruppen von Kunstwerken auf, die die gesamte überschaubare Geschichte umspannen: die eines zeitgenössischen Künstlers und Fundstücke vom Hieri Odos, der heiligen Straße, die beim Bau der Station ans Tageslicht

kamen. Ieros odos 4 Ieros odos 3 Ieros odos 2 a Ieros odos, Metro Aigaleo

Station Panormou

… eine innerstädtische Station ohne besondere historische Bedeutung zeigt diese Installation.

Metro Panormou 3 Metro Panormou

Die traumhaft schöne Schirm-Installation am Bahnhof Syntagma habe ich euch ja schon einmal gezeigt. https://gerdakazakou.com/2016/01/03/griechische-kunst-zum-sonntag-die-schirme-von-giorgos-zongolopouloso/. An diesem zentralen Umschlagplatz im Zentrum der Stadt gibt es noch vieles zu sehen – ein anderes Mal.

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Station Doukissas Plakentiou, „meine Station“, an der ich mein Auto parke, wenn ich ins Zentrum von Athen fahren will. Es ist ein Umsteigebahnhof, denn hier gehts auch zur Vorstadt-Eisenbahn, die in regelmäßigen Abständen bis nach Korinth und  weiter an der Nordküste der Peloponnes entlang bis nach Kiato fährt.

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Station Monastiraki: Sie kennen die meisten Athenbesucher. Aber haben sie auch mal den Kopf in den Nacken gelegt und an der Decke der Eingangshalle diese riesige Hand gesehen? Keine Ahnung, wer sie geschaffen hat.

photo 7 Quadrat

Monastiraki 3     Monastiraki 6

Und wenn du dann hinaustrittst aus der Metrostation und ein paar Schritte gegangen bist, siehst du sie vor dir: die Akropolis. Und dein Tag ist gemacht.

Akropolis mit Hymettos copy

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Antworten zu Montag ist Fototermin: Die Metro von Athen.

  1. mmandarin schreibt:

    Danke, bin sehr beeindruckt. Das hätte ich nicht erwartet. Athen, wie lange ist das her. Ich muss unbedingt mal wieder dort hin. es hängen so viele schöne Erinnerungen daran. Das arme gebeutelte Griechenland. Was fordert man diesem Land alles ab. Aus irgendeinem Grunde hatte ich lange keine Nachricht von Deinen Aktivitäten, offensichtlich hab ich da mal am falschen Knopf gedrückt (manchmal bin ich so schusselig) und hatte mir schon Sorgen gemacht, aber wie ich sehe ist deine Schaffenskraft ungebrochen. Das freut mich sehr.
    Marie

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    • gkazakou schreibt:

      Danke dir ganz herzlich, Marie! Ja, ich bin noch da, und ja, Griechenland wird schwer gebeutelt, das kann man wohl sagen! jetzt soll es KZs auf seinen Inseln und an der Nordgrenze bauen, um die Flüchtlinge dort zu internieren – man nennt so was heute Hotspots. Wenn es die Lager nicht rechtzeitig fertig hat (sie sollten heute in Betrieb genommen werden), fliegt es aus dem Schengenraum raus. –
      Gleichzeitig hindert niemand die Türkei, kurdische Dörfer in Syrien zu bombardieren. So produziert man täglich neue Flüchtlinge. Auch die Saudis drohen, gegen Syrien zu marschieren, um ihre islamistischen Schützlinge zu unterstützen. (Ich weiß, in Deutschland liest man es anders, da sind Assad und die Russen schuld).

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  2. waehlefreude schreibt:

    So strahlend sauber alles. Das findet man in Deutschland kaum. Ich kenne die U-Bahn in Berlin und in Frankfurt am Main, weil ich in beiden Städten einige Jahre gelebt habe.

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, die kenne ich auch, und die von Paris und von New York und …. Die Athener U-Bahn ist nicht nur ein ausgezeichnetes Fortbewegungsmittel für Millionen Bürger, sondern auch eine der schönsten weltweit. Ich bin jedesmal dankbar, wenn ich sie benutze. Und Besuchern zeige ich sie stolz, als ob ich sie gebaut hätte😉

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      • waehlefreude schreibt:

        In Paris kannte ich nur die alte Metro zur Zeit, als es noch die alten Markthallen gab; da war ich gerade mal gut über Zwanzig.😉
        Oh jeh, in den Hallen mußte ich einmal einen LKW mit Schweinehälften ausladen…

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  3. gkazakou schreibt:

    … und mir machte ein junger Mann im „Pied de Cochon“ einen Heiratsantrag auf einem Foto mit uns beiden🙂 („Falls du im Jahre …. noch nicht verheirat bist, wirst du meine Frau. Unterzeichnet: ___ und ___. „). Ist mehr als 50 Jahre her.

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