Tagebuch der Lustbarkeiten: Zurück in der Mani (Garten, Küste, Katzen, Landsleute, Sonne und Mond)

Was für ein Tag!

Wir sind zurück in der Mani. Die Katzen sind vollzählig, rund und gesund, nur ein kleiner Goldener hat ein abgeknicktes Öhrlein. Am Aprikosenbaum hängen noch ein paar gänzlich vertrocknete Blätter. Seine leeren Zweige glänzen in der Sonne, bald schon werden sich feine Knospen zeigen. Die roten Rosen sind verblüht, die weißen blühen in Überfülle. Soll ich auch die Geranien und den Hibiskus erwähnen? Diese dankbaren Blüher geben immer ihre Rottupfer ins Grün, um die Freude zu komplettieren.

Nach Tisch wanderte ich mit Zeichenblock zum Nachbarsdorf Akrogiali („leuchtende Küste“), setzte mich auf eine kleine Mole und …… Nun, wenn das Wasser in glitzernden ständig sich wandelnden Mustern und Farben über die Steine strömt, hier und da anprallend und Kreise ziehend, wenn die Sonne mal krass herunterstrahlt, mal hinter weißgerandeten Wolken verschwindet und die Befestigung mal als scharfe schwarze Silhouette, mal überdeutlich erscheint, so dass du jeden einzelnen Stein zeichnen möchtest …, dann wird es nichts mit dem Zeichnen. Es scheint so sinnlos angesichts des Licht- und Farbgetümmels um dich herum!

Ich habs es dennoch versucht, aber es wurde nichts Rechtes. Sehenswürdiger ist der Blick zurück auf die Küste und ihre Spiegelungen im Wasser der Bucht (Weitwinkel).

Ich wanderte dann ein Stück weiter die Dorfstraße entlang. Den dortigen Katzen wurde offenbar durchs „vereinte Feld“ (vergl. Rupert Sheldrake, „Der siebte Sinn der Tiere“) mitgeteilt, dass ich Katzen füttere. Jedenfalls kamen sie gleich von allen Seiten herbeigeströmt und maunzten mich an. Vergebens erklärte ich ihnen, dass ich einen Unterschied mache zwischen „meinen Katzen“ und allen anderen (Rassistin, die ich bin). Einige folgten mir trotz meiner Ansprache auf die große Mole. Ein stattliches beiges Exemplar vertrieb freilich die anderen – für den Fall, dass ich doch noch zum Fütterer würde. (Rassisten scheint es auch unter den Katzen zu geben, das tröstet mich ein wenig).

Als ich aufbrach, sah ich zwei lustige Gefährte mit Anhängern heranradeln und vor dem Kramladen halten. Es war ein deutsches Paar mit zwei kleinen blonden Jungs, die sich oberhalb der Sandovabucht eingemietet haben und bleiben wollen. Eine erfreuliche Begegnung, vielleicht kann was draus erwachsen.

Die helle runde Scheibe im Fenster ist übrigens die tiefstehende Sonne. Das war dir klar? Nun, ich war jedenfalls ziemlich baff, als ich später auf dem Heimweg genau so eine Scheibe über den Bergen sah. Das war aber nicht die Sonne, sondern der Vollmond, umgeben von einem feurigen Schein.

Der Garten bescherte mir dann auch noch ein paar Extra-Freuden, wie er nun so dunkel dalag, und zwischen den Bäumen der Himmel den letzten Farbenzauber dieses Tages entfaltete.

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About gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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6 Responses to Tagebuch der Lustbarkeiten: Zurück in der Mani (Garten, Küste, Katzen, Landsleute, Sonne und Mond)

  1. So ein schöner Beitrag, eine Beschreibung wie ein Film.

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  2. Phantastisch und sehr lebendig gezeigt und beschrieben ist dies alles, Gerda! Nur eines verstehe ich nicht: deine Bemerkung zu „Rassisten“. Bist Du etwas eine?

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  3. Ach ja, hier wird es Februar. Und der Winter hat ja auch seine Reize, aber gerade ist die Einheitsfarbe, frostweiß, wieder komplett weg, statt dessen herrscht Sudelwetter.

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  4. Ein Korb mit schönen Eindrücken, einfach so beschenkt! 🙂

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  5. Wie schön, Dein Bericht über Eure Rückkehr in die Mani, liebe Gerda!

    Ein schönes ausgewachsenes Katzenexemplar hast Du auch getroffen und fotografiert! 🙂

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  6. Avatar von Ola Ola sagt:

    Ein wunderbares Licht

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