Dora zum DreiundzwanzigstenElften: Die offene Tür (alltägliche Zeichnung)

Es regnet draußen, ein verabredetes Treffen fiel wegen Erkrankung aus. Was tun? Da wäre zum Beispiel diese Zeichnung von gestern: die Eingangstür der Taverne, durch die man den Vorplatz mit Tischen und Blumen sowie das Gemäuer des gegenüberliegenden Kirchleins sieht….

Dora lästert. „Eine offene Tür – ha, großartig! Den Vorplatz und die Blumen und das Gemäuer siehst vielleicht du, weil du es weißt, aber sonst niemand. Wenn jedenfalls irgendwas Interessantes durch diese Tür hereinkommen würde, zum Beispiel die Tauben von gestern oder, besser noch, mein neuer Datingfreund Gallus, der Hahn….“

Ich protestiere: „Tauben dürfen hier nicht rein! Tauben machen Dreck! Und dein Hahn ist, soviel ich davon verstehe, ein Huhn, für das nicht mal Bahnhofshallen*, geschweige denn Gaststuben erbaut wurden! Tut mir leid, Dora.“

Inzwischen regnet es draußen. Dora schlüpft hinaus und kommt mit einem Koffer zurück, den sie neben den Eingang stellt. „Der Poldi wird ja wohl rein dürfen, oder? Er friert!“

Poldi! So also hat sie den kleinen Goldenen getauft. Nach dem Sonnengott Apoll vermutlich. Na bravo. Ja, klar, Poldi friert. Poldi darf nicht frieren. Wo kämen wir hin, wenn wir kleine Katzen frieren ließen?


  • Christian Morgenstern

Das Huhn

In der Bahnhofshalle, nicht für es gebaut,
geht ein Huhn
hin und her …
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh’r?
Wird dem Huhn
man nichts tun?
Hoffen wir es! Sagen wir es laut:
daß ihm unsre Sympathie gehört,
selbst an dieser Stätte, wo es – »stört«!

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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Eine Antwort zu Dora zum DreiundzwanzigstenElften: Die offene Tür (alltägliche Zeichnung)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Also Christian Morgenstern ist doch immer wieder auflockernd mit seinen Nonsense-Gedichten. Aber Dora und Du macht es ja ähnlich. Ob Tauben, Huhn oder Poldi, – sie machen die Szene wirklich lebendig!

    Gefällt mir

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