Neues Skizzenbuch (tägliches Zeichnen)

Ein neues Skizzenbuch zu beginnen, hat etwas Einschüchterndes: So viele schöne leere Blätter, glatt, fest, leicht gelblich, mit gerundeten Ecken! Darf ich da einfach loskritzeln?

Ja, ich darf. Und jetzt erst recht.

Also öffnete ich es vorgestern auf dem Balkon und kritzelte los: Vor mir sah ich das Kaffeehaustischchen mit der rissig gewordenen Platte, den Kaffeebecher mit einem Reklameaufdruck, den „Zigeunerstuhl“ – so genannt, weil diese Plastikstühle jedes Jahr im Frühjahr auf klappigen Kleinlastern durch die Straßen gefahren und über Lautsprecher geneigten Hausfrauen angepriesen werden – , Andeutungen von Pflanzen und Jalousien.

Die nächste Skizze machte ich gestern im Auto vor einem Cocomat-Geschäft wartend, das noch nicht geöffnet hatte. Vor mir sah ich eine stark befahrene Straße, flankiert von Geschäfts- und anderen Häusern, eine sauber beschnittene Ligusterhecke, Reklametafeln, Masten, Straßenbeleuchtung. Dass die Straße wie eine Sprungschanze anzusteigen scheint, verdankt sich einem perspektivischen Fehler und war nicht beabsichtigt.

Später dann machte ich im Cafe weiter, von dem aus ich gestern auch Straßenszenen fotogafierte.

Ich versuchte mich auch an Menschen, aber die waren meist nur für Sekunden in meinem Blickfeld, und so gab ich bald auf.

Heute machte ich dann zwei Studien passend zur früheren Serie „Kleine Dinge ans Licht heben“ (auch die folgenden). Bei der ersten Zeichnung handelt es sich um ein merkwürdig geformtes Schwemmholzstück …

bei der zweiten um eine große Muschel.

Ich mag dieses neue Skizzenbuch, doch hat es einen Nachteil: Die Blätter sind leicht gewellt, was beim Zeichnen und mehr noch beim Fotografieren stört, Es zwingt mich, entweder die Zeichnungen zu beschneiden oder etwas Hintergrund stehen zu lassen. Oben kannst du beide Möglichkeiten sehen. Welche ist stimmiger?

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Antworten zu Neues Skizzenbuch (tägliches Zeichnen)

  1. Schön, dein neues Skizzenbuch. Da werden wir in Zukunft einiges zu sehen bekommen, wenn man an die vielen leeren Seiten denkt, die gefüllt werden wollen…
    Es ist schon interessant wie stark wir auf präzise Perspektivität sozialisiert sind. Demnach ist es kaum zu glauben, dass es auch andere Sehweisen gab und noch gibt…

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, die Perspektive…Da haben sich nun die Maler seit Beginn des 20. Jahrhunderts abgepagt, uns das perspektivische Sehen wieder auszutreiben, das ihre Vorgänger seit der Renaissance uns so mühsam eingebläut haben….aber wir mögen es nicht lassen. Nur manchmal überkommt uns eine kindliche Sehnsucht, unsere Straße würde sich nicht im unendlich fernen Punkt des horizentalen Nichts verlieren, sondern wie eine Sprungschanze geradewegs in den Himmel führen.

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  2. Gisela Benseler schreibt:

    Liebe Gerda, wie Du Dein neues Slizzenbuch „eingeweiht“ hast, freut mich. Natürlich freue ich mich besonders über die Zeichnungen „kleine Dinge ans Licht heben“. Das ist ja eine wunderbare Reihe, die Du hier fortsetzt.
    Welche der beiden Zeichnungen mir davon besser gefällt, vermag ich noch nicht zu entscheiden. Ich finde beide sehr schön, von Deinen Händen wie auch von der Muschel/ Schneckenhaus aus betrachtet.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Jetzt würde uch sagen: die 1. Zeichnung gefällt mir noch besser: vor allem weil die Hand noch liebevoller gezeichnet ist.😊❤✋
    Und da gibt es auch noch einen „Hintergrund“. Das wirkt schöner als ohne diesen.

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  4. Mitzi Irsaj schreibt:

    Diese Notizbuch wird bestimmt ein kleiner Schatz werden. Ich mag Notizbücher sehr. Die mit Worten, aber noch lieber die mit Zeichnungen. Ich finde es gar nicht störend, wenn man den Rand des Buches sieht.

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  5. PPawlo schreibt:

    Ein schöner Einstieg in deinem Skizzenbuch ! Viel Freude und weiterhin spannende Ideen! Ich bevorzuge das letzte Bild. Es ist sehr ansprechend und der dünnere Rand gefällt mir sehr. Vielleicht kannst du ihn immer nach dem Fotografieren einsetzen? Dann brauchst du nicht zu schneiden. Aber auch ohne Schneiden finde ich’s okay. Herzlich, Petra

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Petra. Der Rand fällt beim Fotografieren mal so, mal anders aus, als Standardrand einsetzen kann ich das nicht, ohne vorher zu beschneiden. Ich habe es jetzt mal so stehen gelassen, aber eigentlich gefallen mir die Blätter beschnitten ohne Verzerrung und ohne Rand besser.

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  6. Der Rand dieses wunderhübschen Skizzenbüchleins darf sehr gerne zu sehen sein, liebe Gerda. Er macht das Ganze persönlicher.
    Deine letzte Skizze mit der Muschel in Deiner Hand ist mir die allerliebste und dann auch noch Deine erste Skizze!

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  7. Ob Du diese Skizzenbuchvariante kennst „Mach dieses Buch fertig“, mit Kaffee üverschütten, über den Strand ziehen, mal ins Wasser werfen? Oder das Filmchen von Orly Avineri, was sie so mit ihrem Skizzenbuch angestellt hat? Nur, wenn Dir die Ideen für die weißen makellosen Seiten ausgehen😊

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