Aus der Vogelperspektive

Hoch hinaus wollte ich heute, denn die Atmosphäre war von einer überwältigenden Klarheit. Drum fuhr ich auf kurvenreichen Straßen, von denen ich auch schon mal einen dicken Steinsbrocken entfernen musste, hinauf in ein Gebirgsdorf, das um diese Zeit nicht bewohnt ist. Weder Autos noch Menschen, nur einer Ziegenherde begegnete ich.

Von dort oben ist mein Zuhause nicht zu erkennen: irgendwo unten im Gewusel der Küste liegt es. Auch Kalamata und Messene, weiter im Westen vor dem langgezogenen Mittelgebirge, sind nichts als hellere Flecken im Grün.

Das Dorf Ano Verga ist gut erhalten, steht unter Denkmalschutz. Manche Häuser sind prächtig, andere zu Ruinen zerfallen. Die einzige, im Sommer sehr beliebte Taverne wirbt mit einer grandiosen Aussicht über die gesamte Messenische Bucht (ganz oben: nach Osten, das zweite Foto nach Westen).  Wer sich traut, kann auch von der nahegelegenen Station aus mit dem Drachen hinunterspringen und fliegen.

Am Eingang des Dorfes…

… eine der vielen kleinen Kirchen…

mit einem sauberen hellen Innenraum.

Zwei-, manchmal auch dreizeilig zieht sich das Dorf am Hang entlang, sternern auf felsigem Boden, von vielen Herden gedüngt, und immer mit diesem gewaltigen Blick in die ferne Bläue des Himmels und des Meeres….

… in die Tiefe und in die weite Ferne, wo neue Horizonte locken.  Maniatischer Geist drückt sich hier aus: Unabhängig, hart, christlich und von unbeugsamem Überlebenswillen.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter alte Kulturen, Architektur, Fotografie, Leben, Natur, Reisen, Tiere, Zwischen Himmel und Meer abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

30 Antworten zu Aus der Vogelperspektive

  1. Linsenfutter schreibt:

    Wunderbare Ausblicke hast Du da eingefangen. Sehr schön.
    LG Jürgen

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  2. Deine Fotos geben einen Eindruck von der imposanten Landschaft. Da hätte ich Lust mal eine Zeit zu verbringen..

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  3. Und dieses Dorf ist den ganzen Winter leerstehend? Und im Sommer, was für Menschen leben dann dort? Oder habe ich es falsch verstanden, steht es immer leer?

    Und Du warst da ganz alleine unterwegs, manoman Gerda, Du bist mir eine abendteurliche Frau! Handyempfang gibt’s da bestimmt auch keinen!🙈🙆‍♂️
    Meine Mutter ist auch so eine, wie keine!🤗😂😂😂😂

    Deine Handyaufnahmen sind aber super geworden und lassen die Faszination an diesem PLATZ erahnen! TRAUMHAFT schön!👌👌👍👍

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    • gkazakou schreibt:

      Im Sommer wohnen einige Menschen dort oben, reparieren ihre Häuser. Sie mögen den Sommertrubel an der Küste nicht. Es gibt dann auch etliche Besucher, denn die Aussicht zieht viele an, und die Taverne ist bekannt. Und dann gibt es eben auch die Station für die Drachenflieger. Jetzt sind noch Herden unterwegs, also auch Hirten und Hütehunde, und es gibt auch ein paar Krals mit Tieren, vermutlich kommen auch Menschen, aber ich sah niemanden. Ich war darüber eher froh, denn die alte Straße ist elend, und ich hatte Angst vor Gegenverkehr. Es gibt inzwischen eine hervorragende neue Straße, die fuhr ich heute erstmals zurück, kein Mensch, kein Auto auch dort, denn wir haben Lockdown. Am Ende ist auch diese Straße sehr schlecht, besteht fast nur aus Löchern und ist so schmal, dass grad ein Auto draufpasst. Angst, allein unterwegs zu sein, habe ich nicht, aber mehr Spaß macht es zu zweit. Ich habs auch gern, wenn jemand anderes fährt, da kann ich mehr sehen und mich entspannen.

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      • Also doch wagemutig gepaart mit einem touch Leichtsinn!🙈🙆‍♂️

        Ich kann mich erinnern, daß Du schon mal von so einem verlassenen Dorf berichtet hast, welches aber in einer anderen Gegend war! Kann das sein! Da hast Du wundervolle Fotos von dem Dorf, der Kirche und dem Dorfplatz gemacht! Da war ich auch so begeistert von Deinem Beitrag!😍👌👍🙆‍♂️

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    • gkazakou schreibt:

      Du meinst vielleicht das Dorf Altomira https://gerdakazakou.com/2016/04/25/montags-ist-fototermin-bergdoerfer-im-taygetos/
      Fast wäre ich heute da hingefahren, es ist gar nicht so weit vom anderen entfernt, liegt aber nicht direkt über dem Meer, sondern mehr landeinwärts. Doch lieber bin ich da mit einer Freundin, die sich da auskennt. Sie stammt aus der Gegend.

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  4. evaannacarola schreibt:

    Sehnsuchtsbilder. Was für ein Wetter und eine hinreißende Landschaft. Du bist glücklich da zu sein.

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  5. mmandarin schreibt:

    Ja, ein Sehnsuchtsort, eindeutig. Da würde ich auch gerne allein herumstreunen. Marie

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Welch grandiose Ausblicke, welch gewagter Aufstieg, welch tiefe Einblicke in die griechische Seele und Lebensart in aller Einfachheit und Naturverbundenheit! Ich glaube, das war ein wichtiges und großes Erlebnis für Dich.

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  7. Ule Rolff schreibt:

    So klare Sicht, grandioses Licht. Und diese Landschaft … wenn du den Shutdown zu nutzen weißt, gehört alles dir allein.

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  8. Wie schön ist es dort. Ich kann verstehen , daß Dich das Dörfchen anzog.
    Das Innere des Kirchleins hat mich wirklich verblüfft. Es wirkt sehr gepflegt.
    Ein wunderschöner Ort dort, liebe Gerda.

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  9. gkazakou schreibt:

    Man sieht das Dorf, liebe Bruni, von unserem Haus aus, hoch am Berghang klebend. Zweimal war ich schon oben, nun das dritte Mal: Die Zufahrt hat es in sich, sonst würde ich viel öfter fahren. So still wie diesmal war es noch nie dort oben. Wie verwunschen. Und obgleich niemand da war, war die Kirchentür unverschlossen, und aus dem Nirgendwo erschienen Katzen, die ich zum Glück füttern konnte, da ich zuvor Katzenfutter für Max eingekauft hatte…..

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  10. TeggyTiggs schreibt:

    …was für ein Ort! …und niemand will dort in der stillen Zeit leben? …ich finde ihn total anziehend, weil er so einsam, still und phantastisch liegt…

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, er IST fantastisch. Ich würde jetzt nicht meine Hand dafür ins feuer legen, dass dort überhaupt niemand wohnt. Ich sah niemanden, hörte niemanden, und offiziell ist der Ort im Winter unbewohnt. Aber er hat Straßenbeleuchtung! Ich sehe das immer von meinem Haus aus. Wer weiß, ob nicht doch eine Seele dort Zuflucht gesucht und gefunden hat.

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  11. enogastronomista schreibt:

    Thanks Gerda for these sunny posts of Greece!❤

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