Aufräumen um wegzuwerfen 2: Kleine Bühne – große Bühne (Legebilder)

Das „Aufräumen um wegzuwerfen“ macht Fortschritte. Heute verschwand der Inhalt von zwei großen Plastiksäcken im Recycling-Müll. Bücher und Papiere, darunter auch das ausgedruckte 700-Seiten-Manuskript meines Romanentwurfs „Schwanenwege“ sowie die Schreiben an und Absagen von Verlagen.

Beim Aufräumen fiel mir auch eine Tüte mit bunten Schnipseln in die Hände. Sie stammen von einer Collage. Auch sie wollten entsorgt werden. Aber bevor sie den Weg alles Vergänglichen nahmen, habe ich sie noch einmal auf die Bühne  geholt. Als Bühne dienten mir die schwarzen Passepartouts der Linolschnitte, die ich vorgestern zeigte.

Die großen Gesellen wollten sich nicht auf die kleine Bühne bequemen, und so baute ich für sie eine größere Bühne, was ihnen sehr gefiel. Ha, ja, hier konnten sie sich entfalten!

Zugleich marschierten die kleinen Leute auf der kleinen Bühne auf. Wie im Leben halt. Die kleine Bühne verzierte ich mit einem reizenden kleinbürgerlichen Vorhang aus Toilettenpapier.

Hier sieht man die großen Herren als Schattenfiguren, von unsichtbarer Hand an Stäben und Fäden bewegt, während die kleinen Leute auf ihrer kleinen Bühne ihre kleinen alltäglichen Dramen aufführen. 

Nun ist auch dieses Stückchen aus: Applaus, Applaus!

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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25 Antworten zu Aufräumen um wegzuwerfen 2: Kleine Bühne – große Bühne (Legebilder)

  1. Geschichtenweise schreibt:

    Eigentlich doch viel zu schade zum Wegwerfen…

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  2. Ule Rolff schreibt:

    Ja, Applaus, liebe Gerda, sehr gerne! Die „Großkopfeten“ als Schatten an Marionettenfäden, so viel blasser als die fröhlich-bunten kleinen Leute, freuen mich besonders. So viel Wahrheit liegt darin.
    Aber der Applaus für das Wegwerfen des Manuskripts friert mir ein bisschen ein … wie muss das schmerzen. Das könnte ich nicht, gewiss nicht.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ule. Ich hab das Manuskript ja in elektronischer Form. Außerdem kann ich es fast auswendig 😉 Falls es tatsächlich doch noch mal zuende geschrieben werden will und kann, wird es schon wieder zum Vorschein kommen. Aber du hast schon recht, es war nicht leicht.

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      • Ulli schreibt:

        All das, was Ule geschrieben hat, empfand und empfinde ich genau so, von Anfang bis Ende.
        Die elektronische Form deines Romans, liebe Gerda, sollte aber zumindest eine doppelte Sicherung haben, ich hoffe doch sehr, dass du eine externe Festplatte hast?!
        Ich gebe zu, dass ich mein Handschriftliches nicht schaffe zu entsorgen, dabei wiegt es bei jedem Umzug umso mehr, aber das ist es mir wert – noch.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Ich denke, wir verstehen uns. Ich bin älter, das macht den Unterschied. Wichtig ist, dass dein Geschriebenes zu allererst für dich und dann auch für andere Menschen von Gewinn ist.

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  3. afrikafrau schreibt:

    Du bist so eine kluge Schnipsel Gestalterin und verpackst darin weltliche , philosophische und andere Weisheiten, drucke sie aus, ein Sammelband, wäre eine schöne Übersicht deines Schaffens, verschenke sie, sie sind nützlich, etwas von deiner Klugheit weitergeben, das braucht es
    heute.Das digitale kann so schnell verschwinden, wie wir selbst, Gedanken umzusetzen immer nützlich und gut.Kenne dies nur zu gut, was soll weg, was bleibt, was ist wichtig, könnte für andere
    wichtig werden.??????? .

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  4. gkazakou schreibt:

    Liebe Afrikafrau, du kommst mit grad als große Hilfe entgegen. Es ist ja nicht leicht, alles, was man getan und gedacht hat, einfach ins Nichts verschwinden zu sehen. Ich danke dir, dass du Aufhebenswertes darin siehst. Ein Buch, ein Sammelband – aber liest man heute noch Bücher? Nun, ich denke mal drüber nach.
    Vorhin sah ich dein Video, auch darin so viel Herzblut. Mit herzlichem Gruß.Gerda

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  5. mmandarin schreibt:

    Oh, oh.So ein Manuskript liegt hier auch noch rum. Davon kann ich mich noch nicht trennen. Komme aber nicht darum herum. Deine Bühnenbilder sind klasse. Wie im wirklichen Leben halt. Marie

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Marie. Ja, wie im wirklichen Leben, das auf einer kleinen Bühne spielt, die auf einer größeren und noch größeren und noch größeren bis hin zur…. Weltbühne steht. (das war eigentlich auch das Thema meines Romans, wenn ich es recht bedenke)

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  6. Susanne Berkenkopf schreibt:

    Herrlich, Gerada! Gestern hörte ich im Radio einen Beitrag über die Anfänge der Augsburger Puppenkiste, als Kind meine Lieblingssendung. Deine Bilder erinnern mich daran und sofort drängen sich Geschichten ins Hirn. Danke dafür!

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  7. Gisela Benseler schreibt:

    Wenn das Stückchen aus ist und alle noch eimal,“Applaus“ klatschen können, sollten die Puppen auch abtreten und nicht erneut in der Kiste verschwinden. Allerding daß Dein Roman „Schwanenwege“ so sang- und klanglos verschwindet, ohne daß ich einen einzigen Satz davon gelesen habe, macht mich traurig. Ist das Exemplar denn nicht mehr aufzufinden? Ich hätte mich sehr dafür interessiert, allerdings hätte ich es sicher auch kommentiert.

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke, Gisela, für dein Interesse. Wenn es dir reicht, ein ein paar Stückchen zu lesen, kannst du sie in diesem Blog unter dem Stichwort „Schwanenwege“ finden. einfach in die Suchmaske bei mir oben rechts eingeben.

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Liebe Gerda, ich habe „Schwanenwege“ eingegeben, aber etwas gelesen, was nicht das Geringste mit diesem Begriff zu tun zu haben schien. Könnetest Du mir nicht eine Stelle heraussuchen, die Dir besonders wichtig ist, weshalb Du diesen Roman begonnen hattest und was etwas mit dem Titel zu tun hat?

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Gisela, Schwanenwege heßt es, weil der Gedanke,, mit dem ich begann, war, etwas über Schwäne zu schreiben, und was sie für den Menschen symbolisieren. Eine Art Sachbuch also, mit Kapiteln zu Mythologie, Dichtung, Musik, Vogelkunde, Sternenkunde (Sternbild Schwan), Malerei etc pp. Doch dann änderte ich das Vorhaben und begann, die verschiedenen Rubriken auf die Mitglieder einer Familie zu verteilen: Der eine Bruder ist Ornithologe, der andere Lehrer und Sterngucker, eine Schwester ist Organistin und ein Zwillingspaar gibt es auch noch, wie die Kinder von Lea, die von Zeus in Gestalt eines Schwans geschwängert wurde. Das sind die fünf Geschwister im Alter von 32 bis 45. Daqnn gibt es noch die alte Mutter, früher Konzertpianistin, und den verstorbenen Vater, Mathematiker.
      Diese sieben Figuren bilden wie die Sterne von Cygnus (Schwan) eine Konstellation. Und jede Figur hat ihr eigenes Schicksal, doch alle sind untergründig miteinander verwoben. Diesen Untergrund suche ich im Mythos. Denn meine Figuren sind zwar Zeitgenossen, aber zugleich scheint durch sie hindurch die mythische Erzählung, der Archetyp.
      Das muss dir nun genügen. Liebe Grüße!

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  8. www.wortbehagen.de schreibt:

    Herrlich, Deine großen Gesellen und Deine kleinen Leute und dann der reizende Vorhang aus Toilettenpapier 🙂
    Aber Dein wundervolles Manuskript einfach wegzuwerfen, ach, Gerda, das hätte ich nicht geschafft. Ich tröste mich damit, daß Du gewiss immer noch sehr viele Erinnerungsstücke hast und haben wirst für alle Deine nächsten Jahre *lächel*

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  9. Schöne Geschichte wieder und wunderbare Gestaltung!

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