Zweimal Zimmerpflanze vorm Fenster (tägliches Zeichnen)

Wenn ich sehr unruhig bin wie gerade jetzt (was vom EU-Flüchtlingslager Morea auf Lesbos nach den ersten Bränden noch übrig war, brennt nun auch, und das bei extremen Hitzegraden und Sturm. Es ist wie ein Fanal der Unmenschlichkeit. Mindestens 13 000 Menschen – eine normale deutsche Kleinstadt – sind ohne Obdach und ohne Hab und Gut, die Feuer wüten und bedrohen die gesamte Insel), dann versuche ich erst recht zu zeichnen. Es beruhigt mich, zwingt mich zur Konzentration.

Es war schon recht dämmrig draußen, als ich begann. Die Zimmerpflanze wirkte fast schwarz vor dem helleren Himmel.  Zuerst zeichnete ich mit einem Tintenstift (a), dann verstärkte ich die Kontraste mit einem Filzstift (b) und bearbeitete das Foto ein wenig (c).

Die zweite Zeichnung machte ich bei Kunstlicht. Draußen war es nun dunkel, drinnen brannte eine Lampe, die die Pflanze vergeichsweise hell gegen den weißen Fensterrahmen und die Schwärze der Nacht erscheinen ließ. Ich beschränkte mich weitgehend auf Konturlinien (a). In einer Bearbeitung ahmte ich den tatsächlichen Hell-Dunkel-Effekt nach (b), in einer anderen betonte ich das Lineare der Zeichung auf andere Art (c)

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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30 Antworten zu Zweimal Zimmerpflanze vorm Fenster (tägliches Zeichnen)

  1. ele21 schreibt:

    Es ist eine fürchterliche Situation . Und wie bei so vielen, was geschieht, die eigene Ohnmacht eingestehen zu müssen. Lieben Gruß! Ele

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, Ele, das trifft es. Die eigene Hilfllosigkeit zu fühlen gehört zum schwierigsten. Der Brand von Moria ist nur ein winziger, nun an die Weltöffentlichkeit getretener Bruchteil der Misere. In Griechenland werden hunderttausende Seelen in Lagern „verwaltet“ oder auf Plätzen angetroffen. Sie wollen nicht hier sein, weil Griechenland ihnen keine Perspektive bieten kann, versuchen mit allen Mitteln weiterzukommen, aber kein anderes Land will sie haben. Und so hängen sie im Niemandsland fest. Die meisten kommen von weit her, aus Afganistan und dem Sudan, und können nicht vor und nicht zurück. Nun haben sie das Lager abgefackelt, in der Hoffnung, dass Bewegung in ihre Lage kommt.

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      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Es ist schlimm dort, liebe Gerda.
        Ich sehe die Bilder und bin entsetzt. Nachts auf der Strsße schlafen, keine ausreichende Nahrung, völlige Unklarheit, wie es weitergeht …. Schlimmer geht es doch nimmer.
        Die Länder sind sich uneinig, wer will schon mehr aufnehmen, als er schon hat…
        wobei ich denke, da geht noch einiges, aber 13.000 sind so viele, da läuft die Hilfe viel zu spät für die meisten an. Ich hoffe und hoffe und vermutlich auf ein Wunder.DAS würde helfen!

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  2. Ulli schreibt:

    Deine Zimmerpflanze hat Blätter bei denen ich auch an Feuerzungen denke. Es ist so grausam und unmenschlich was dort passiert und in der Welt.
    herzlichst, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      ein bisschen verkohlt, die Blätter-Flammen…..

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    • gkazakou schreibt:

      was hast du über die griechische Polizei gesehen? wieder einseitige Schuldzuweisung? ich weiß nur, dass die Aufständischen die Feuerwehr am Löschen hinderten. Außerdem las ich, dass von den 34 positiv Getesteten nur wenige aufgefunden und in Quarantäne gebracht werden konnten. Ich weiß ja nicht, wie es sich von Deutschland aus ansieht, aber hier sind die Nerven zum Zerreißen angespannt, zumal die Kriegsgefahr mit der Türkei wächst, dazu die anhaltende Hitze und der verrückte Wind, und überall Brände, eine zerstörte Wirtschaft. . Ich beneide die Regierenden wahrhaftig nicht.

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      • Ulli schreibt:

        Die Nachricht kann von den NGOs, dass die Polizei sie daran hindern würde Wasser und Lebensmittel an die Geflüchteten zu verteilen.
        Ja, die Lage in Bezug auf die Türkei ist auch prekär, das kommt auch hier so an.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. Ich finde solche Beschuldigungen in der jetzigen Situation empörend. Manche NGOs benehmen sich, als befänden sie sich in Feindesland, stellen sich weltweit vor die Mikrophone und klagen die örtlichen Behörden an, die ihr bestes tun, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Wenn sie sich weiter so feindlich verhalten, werden sie am Ende noch beschuldigt, mit den Brandstiftern unter einer Decke zu stecken.

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  3. Linsenfutter schreibt:

    Es ist der pure Wahnsinn. Mit Grauen habe ich die Nachrichten gesehen.
    LG Jürgen

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  4. Karin schreibt:

    Das politische Gerangel im diese hilflosen Menschen ist widerlich.
    Es betrifft alle, die Flüchtlinge und die geplagten Inselbewohner, die auch nur benutzt werden.

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  5. Christiane schreibt:

    Hab mich schon gefragt, wie es dir geht, bei dir ist das fast zum Greifen nah, im Gegensatz zu uns hier … 😢

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    • gkazakou schreibt:

      danke, ja. Die Nerven sind sehr angespannt. wir haben hier nicht nur die katastrophe von Moria, Dauerhitze, einen verrücktmachenden Wind mit heftigen Böen, Brände überall (auch in unserer Nähe),neue gigantische Verschuldung des Landes, sondern auch unmittelbare Kriegsgefahr mit der Türkei, deren Forschungsschiff im Festlandssockel der griechischen Insel Kastellorizo nach Erdöl bohren will. Als Krönung dann Corona – es waren Infektionsfälle, weswegen eine Quarantäne des Lagers angeordnet wurde,die zum Aufstand führte: die einen wollten der Quarantäne nicht gehorchen, die anderen hatten Angst vor Ansteckung und wollten das Lager verlassen…Und so kam es zu den verheerenden Brandstiftungen, In der Nacht wurden die restlchen Zelte mit sehr vielen Kindern angesteckt und anschließend evakuiert. Doch wohin? Sie wurden auf 3 Schiffe und in neue Zelte gebracht, soweit man sie ausfindig machte. Verfügbare Hotelzimmer gibt es schon lange nicht mehr. Die meisten der positiv Getesteten sind noch irgendwo unterwegs.
      Man stelle sich das vor: Heftigste Sturmböen, unerträgliche Hitze, und dann auf Schiffen, die eigentlich Militärtransporter sind, eingechlossen zu sein, ohne seelische Unterstützung, womöglich zusammen mit Infizierten. Gehts noch?

      Es handelt sich übrigens um ein EU-Lager, ich weiß nicht, ob das bei euch ankommt.

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  6. Ule Rolff schreibt:

    Es ist so niederschmetternd: Viele deutsche Städte haben schon seit Wochen angeboten, Geflüchtete von Lesbos aufzunehmen, und im Kompetenzgerangel ist nicht mal die Verwirklichung dieser Angebote gelungen. Nun muss man den Eindruck bekommen: so ein Lager muss erst niederbrennen, dann geht’s plötzlich – was für eine Botschaft!
    Ich kann gut verstehen, dass du dich mit dem Zeichnen nun beruhigst, Gerda. Dies Bemühen strahlen deine Zeichnungen auch aus.

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  7. gkazakou schreibt:

    Danke, Ule. wärs nur dies eine Lager….

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  8. www.wortbehagen.de schreibt:

    Deine Skizze Nr. 1 , links die erste in der Bilderreihe oben, liebe Gerda, ist mir die allerliebste der drei, obwohl ich spontan die realste mochte, die rechte, aber nur im ersten Augenblick!

    Bei der zweiten Skizze mag ich die mittlere am liebsten. Sie macht einen starken Eindruck.

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  9. TeggyTiggs schreibt:

    …es macht mich betroffen zu lesen, wie die Menschen leiden…und es kein Ende zu sehen ist…fast gerate ich in ein Schuldgefühl, weil es mir hier so gut geht, noch, kann ich doch nichts an der Situation in vielen Ländern ändern, auch für die Deine keinen Schutz bieten…weitgehend von Nachrichten abgeschnitten, weil ich sie nicht an mich heranlasse, freue ich mich am Reifen der Äpfel…und bleibe ratlos zurück…doch von Herzen wünsche ich Dir, liebe Gerda, und allen Menschen, die sich in Griechenland und überall auf der Welt in Not befinden Schutz und Segen und dass sich die Situation zum Besseren wendet, mit lieben Grüßen!

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe TeggyTiggs, wenn man nix Praktisches tun kann, muss es eben bei Segenswünschen und der Bereitschaft bleiben zu helfen, sofern man das kann. Auch das sendet die richtigen Signale an die, die entscheiden müssen. Und genieße nur recht sehr die reifenden Früchte! es wäre schade um sie. Mit lieben Grüßen!

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  10. karlswortbilder schreibt:

    Hallo Gerda,
    ich fand leider nirgendwo eine Möglichkeit mit dir in Kontakt zutreten. oder habe ich es übersehen 😉 Hätte eine private Frage.
    LG
    Karl

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