Kleine Dinge ans Licht heben (7): Bittbrief an die Ahnen.

Zur  Zeichnung „Starke Bindung“ gab es ein lebhaftes Echo im Kommentarstrang. Ein Kommentar kam von Ulli. Sie schrieb: „… Es geht mir gut damit, wenn ich alle meine Ahnen im Rücken spüre, sei es Gabe, sei es Aufgabe….“

Und so ist es vielleicht nicht verwunderlich, dass ich heute beim Kramen auf dem Grund einer blauweißen Steingutvase ein eingerolltes Zettelchen fand. Neugierig rollte ich es auseinander und hob es ans Licht. Es war ein Bittbrief an meine Ahnen! Geschrieben hatte ich ihn vor 13 Jahren, am 24. September 2006, als wir zu einer langen Reise aufbrachen. Es war das erste (und einzige) Mal, dass wir den Atlantik überquerten, um die USA, Mexiko und Kuba zu besuchen.

Damals also schrieb ich, angeregt wohl durch eine Freundin, die derlei Rituale kennt und schätzt, ein Briefchen, in dem ich die Vorfahren einlud, uns zu begleiten (sofern sie die andere Seite des Atlantik kennenlernen wollten) und sie bat, auf uns und unsere Lieben, auf unser Haus, unsere Tiere und Pflanzen aufzupassen, während wir weg waren.

Kindereien? Nun. Es gibt eine weltweite sehr lebendige Wunschkultur. Grad vorgestern stieß ich bei einem indischen Leser meines Blogs auf einen Bericht dazu (Wish fulfilling Temples). Und heute las ich in Julias schönem Blog „Athenmosaik“ über die Wunschformeln, mit denen sich die Menschen hier Gutes wünschen. Wer bin ich anzuzweifeln, was für so viele Menschen von großem Wert ist?

Wie auch immer: Wir sind auf unserer großen Reise wunderbar beschützt gewesen, und unseren Lieben, unserem Haus und Getier ist in unserer Abwesenheit nichts Böses zugestoßen.

Hier seht ihr, wie ich zuerst die Vorderseite des Zettelchens mit der rechten, dann die Rückseite mit der linken Hand halte, um den Text zu lesen und für euch abzuschreiben.

bearbeitet:

Eure Gedanken zu Wunschritualen würden mich interessieren.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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32 Antworten zu Kleine Dinge ans Licht heben (7): Bittbrief an die Ahnen.

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda,
    ich kann deins nicht lesen, ich habe versucht es für mich zu vergrößern, aber es wurden nur noch mehr Hieroglyphen, darum ist es nicht wirklich wichtig – das, was zählt ist dein, mit deinem Herzen verbundener Wunsch, So, wie ich dich lese ist er in Erfüllung gegangen, das ist das was zählt, jenseits von Lesbarkeit für andere.
    Manches will nicht wirklich ins Licht, manches ist nur für uns – für dich, für mich …
    Herzlichst, Ulli – Hagazussa

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ulli. ich habe die Datei wohl zu klein gehalten – aber du hast schon recht: manches will nicht ans helle Licht. Es reicht, wenn man es für sich im Herzen behält.
      Im Text habe ich übrigens geschrieben, was ungefähr auf dem Zettel steht.
      Gute Nacht!

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      • Ulli schreibt:

        Hab auch Dank für die Links, die Kraft des Wünschens, mit der rechten Motivation, ist eine Kraft, die zum einen unterschätzt wird, zum anderen für manche in die Kategorie: Hirnspinnerei gehört, ich weiß und du weißt auch …

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  2. Anonymous schreibt:

    Schön gezeichnet, Gerda.😊

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  3. mmandarin schreibt:

    Hagazussa … fein

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  4. mmandarin schreibt:

    Ja liebe Gerda, wünschen ist wichtig, finde ich. Mein Sohn brachte mir von seiner Indienreise einen kleinen Ganescha mit. Er soll Reisende beschützen. Ich habe ihn nun immer bei mir und auch einen kleinen kitschigen Engel to go, den mir meine Nichte, die vor einem Jahr starb, mir kurz vorher schenkte. Sie wärmen das Herz und sind ein kleines Symbol für was auch immer. …Marie

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Marie. Solche liebevoll übergebenen „Talismane“ sind herzerwärmend und gut, immer dabei zu haben. Ich zeichnete ja auch den Delphin am Komboloi, Geschenk meines Sohnes, damit ich sicher Auto fahre.
      Der kleine Engel deiner Nichte hat sicher eine ganz besondere Kraft der Verbindung, die dir immer gegenwärtig ist, wenn du den Engel anschaust oder fühlst. Liebe Grüße, Gerda

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    • kopfundgestalt schreibt:

      Das leuchtet ein.

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  5. finbarsgift schreibt:

    Was für ein kleiner feiner Fund.
    Was für eine feine große Erinnerung…
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

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  6. afrikafrau schreibt:

    Eigene Rituale zu pflegen, um die Balance zu behalten, je nach Ernsthaftigkeit und Kenntnis darüber, kann es sog. “ Seelen Menschen“ , also Menschen, die eine Verbundenheit zum Kosmos
    herstellen können, eine große Hilfe sein, wenn die Not zu groß wird. Aber nur bestimmte Wünsche zu erfüllen, weil wir unersättlich geworden sind, wird dies nicht funktionieren. Es funktioniert auch nur auf einer bestimmten Ebene, auch nicht für jeden Menschen möglich, sollte auch im Geheimen
    bleiben, je nach Situation und Wichtigkeit. In Afrika habe ich sehr viel darüber gelernt und erfahren,
    allerdings kann es nicht so in unsere Welt übertragen werden. es gehört eine gewisse Lebenseinstellung und eine fundierte Kenntnis dazu. Sollte auch nicht mit Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit missbraucht werden, da die Wirkung ausbleiben wird. Ein vielschichtiges Thema. Es tummeln sich sehr viele falsche geschäftstüchtige Gurus auf diesem Gebiet. .

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  7. Johanna schreibt:

    Danke liebe Gerda, ja ich habe auch oft mein Haus und Kind mit Schutz versehen, wenn ich nicht selber da sein konnte. Aber warum meinte ich eigentlich, dass wenn ich da bin, den Schutz gewaehren koenne? An meine Ahnen habe ich mich mit Aufgaben derart noch nie gewendet, sonder eher mit freilassenden, dankenden, verzeihenden Gedanken… und wenn das mal schwer war, auch mit Aufschreiben und Verbrennen des Briefes. Manchmal, wenn eines meiner Kinder irgendwo alleine unterwegs ist und ich Schutz wuensche, bitte ich um einen Schutzmantel, so als wuerfe ich ihnen einen Unsichtbarkeitsmantel oder Schutzmantel um. Es hilft mir… aber vielleicht hilft es ihnen auch…das weiss ich nicht….

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    • gkazakou schreibt:

      Vielen herzlichen Dank für deinen feinen Kommentar, Johanna. Wie du schreibst: kann ich denn meine Lieben schützen, wenn ich da bin? Nur in sehr geringem Ausmaß. Immer bleibt die Hoffnung, geistige Wesenheiten würden sich drum kümmern. dazu gehört dann auch das Werfen eines Schutzmantels.
      Die Anrufung der Ahnen ist etwas, was in unserer Kultur vielleicht keinen rechten Platz mehr hat (Afrikafrau macht dazu wichtige Bemerkungen), aber andererseits ist es auch gut, sich der Vorfahren ab und an zu vergewissern, denn ihre Mühsal, ihre Liebe und Fürsorge haben das Leben bis zu uns getragen und uns ermöglicht, geboren zu werden.
      Der eigentliche Schutz geht aber wohl vom „Höheren Selbst“ aus, das bestimmte Beschlüsse über den Lebensrahmen und über Lebensaufgaben gefasst hat, bevor ich in meiner jetzigen Existenzform geboren wurde. Ich meine, niemand lebt und stirbt ohne die Zustimmung des Höheren Selbst.

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      • Johanna schreibt:

        Ja so ist es wohl, fein und vielfaeltig verwoben… und ultimal die Ernte einer frueheren Saat, oder eines freien Entschlusses eines Wunsches oder auch einer Gnade?
        Die Ahnen waren fuer mich noch nie sehr wichtig oder praesent, oder vielleicht sogar eher problematisch. Aber Du hast recht, wir stehen rein koerperlich auf ihren Schultern und manche Faeden der Liebe verbinden uns auch. So haben die Ereignisse dieses Jahres mir diesen Blick erweitert und durch das Vorausgehen eines lieben Menschen, scheint der Vorhang etwas duenner, etwas durchsichtiger…..

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  8. wildgans schreibt:

    Dazu möchte ich auch „wesentliche Dinge“ schreiben. Doch mir fällt lediglich ein, wie mir diese in der Zeichnung kombinierten Dinge gefallen!
    Gruß von Sonja

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  9. mynewperspective schreibt:

    Zufälle gibt es … die vielleicht gar keine sind.
    Ullis Kommentar zu Deinem Beitrag, Dein ganz persönlicher Fund, die neuen erwähnten Blogbeiträge … Als ob das Thema anstehen würde.
    Herzliche Grüße
    Serap

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  10. kopfundgestalt schreibt:

    Wenn man spirituelle Kurse wie ich gemacht hat, komt man an das Thema „Ritual“ nicht vorbei.
    Es gab einmal eine sehr heftige und unheilvolle Bindung an eine Frau.
    Ich sollte mir vorstellen, ich säße wie in Vogel auf einem Stöckchen und springe herunter/ab.
    Geglaubt hatte ich nicht daran. Es half nicht.

    Weitere Rituale praktizierte ich hie und da in Gruppenkontexten. Obwohl Rationalist, bin ich dennoch offen dafür gewesen.

    Ich kann jetzt, 20 Jahre danach, sagen, daß Rituale nur Sinn machen können, wenn man sich da stark hineingibt. Dann kann es klappen, muß aber auch da nicht.

    Rituale werden leider auch von Leuten missbraucht. Anstatt echte Hilfe zu bieten, kommen BISWEILEN welche mit wertlosem Zeug,

    Soviel erst mal dazu.

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    • gkazakou schreibt:

      Ich stimme dir durchaus zu, Gerhard. Lies mal dazu, was Afrikafrau schreibt. In unserer westlichen Welt, die vom rationalen Prinzip durchzogen ist, sind Rituale ohne den dazugehörigen Kontext schwer zu begreifen. Manche erkennen ihre Kraft und missbrauchen sie sogleich, wie wir aus der Politik wissen. Offenbar wirken Rituale immer noch auf die Seele. Andere machen missbräuchlich esoterisches Klimbim. Es ist ein sehr erst zu nehmendes Thema, das ich besser verstehen möchte.

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      • kopfundgestalt schreibt:

        Ein sehr sehr weites Feld!

        „Offenbar wirken Rituale immer noch auf die Seele. “
        Ein Journalist, mit dem ich befreundet bin, schreibt seit einiger Zeit Hörbeiträge im DLF über „Placebo“.
        Dieses Thema jetzt und hier kurz zu benennen, wäre falsch/bestimmt unvollständig.

        Das von Afrikafrau habe ich jetzt gelesen und stimme mit ihr überein.

        ich finde, das Thema „Ritual“ ist sehr wichtig und sollte im Grunde nicht schnell und flüchtig behandelt/abgehandelt werden.
        Wieso wichtig? Weil a) Wirkkraft darin stecken KANN und b) diese nicht „umsonst“ zu haben ist.
        Und:
        Darf man Rituale zerstören/abschaffen?
        Wie steht etwa mit dem Glauben?

        Ich sehe mich fast unfähig, dieses Thema adäquat zu bedienen.
        Wie ist es bei Dir?

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    • gkazakou schreibt:

      wie du, gerhard. Ein weites Feld, das ich nicht einfach beiseite schieben will, aber wirklich Fundiertes kann ich auch nicht dazu sagen. Es gehört zu den beunruhigenden Themen, denen ich mich wohl noch mal eingehender zuwenden werde.

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  11. Ule Rolff schreibt:

    Die Geschichte zu der Zeichnung berührt mich ebenso wie diese selbst ganz stark:
    vor langer Zeit von mir selbst oder Vertrauten Geschriebenes, wiedergefunden nach Jahrzehnten, verursacht mir immer ein Gefühl von Ewigkeit, auch Zärtlichkeit und Erschrecken. Da sprechen Personen zu mir, die es so nicht mehr gibt, die mir im Augenblick dennoch gegenüber stehen. In solchen Quellen lese ich mich regelmäßig fest, kann sie nicht einfach beiseite legen.
    Obwohl ich kein abergläubischer Mensch bin, begleiten mich kleine Beschützergegenstände durch das Leben: eine kleine Steiff-Eule zum Beispiel, die ich zum fünften Geburtstag als Geschenk bekam, sitzt seit Jahrzehnten versteckt in meinem jeweiligen Auto und hat mich vor Unfällen behütet.

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  12. athenmosaik schreibt:

    Liebe Gerda, ein so schöner Artikel und so passend zu meinem letzten Artikel, danke für das Verlinken. Wunschrituale aus aller Welt, das wäre eine spannende Blogparade!

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  13. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Ein wundervoller Wunsch an die Ahnen, liebe Gerda.

    Wenn ich überlege, ob ich Wunschrituale habe, weiß ich es nicht sofort. Ich muß darüber nachdenken. Es müßte eigentlich viele geben, aber scheinbar wollen sie sich im Moment nicht offenbaren.
    Sie sind schüchtern

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