Tägliche Zeichnung; „starke Bindung“ (Foto Gerhard, KopfundGestalt)

Gerhards Foto von einer Pflanze, deren Zentrum von einer starken Kraft zusammengehalten zu sein scheint, während die „Äste“ sich verzweigen und mit entsprechend großer Kraft nach außen streben … hat mich ziemlich beeindruckt. Ich fand es symbolisch für den Zusammenhalt, aber auch das Einengende von Verwandtschafts-Systemen. Heute holte ich es hervor, um es ein wenig besser zu verstehen.

Ich habe dann ziemlich viel herumexperimentiert, um die von mir empfundene Symbolik herauszustellen und zu variieren:

in der ersten Reihe: Farbverstärkung, Entfärbung, Neonlicht-Filter

in der zweiten Reihe: die ausgeschnittene Form vor bearbeiteten Gemälden (Fotocollage)

Zum Vergrößern bitte anklicken.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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25 Antworten zu Tägliche Zeichnung; „starke Bindung“ (Foto Gerhard, KopfundGestalt)

  1. Ulli schreibt:

    Auch mich hat das Foto von Gerhard der starken Bindungen fasziniert, aber ich habe eine andere Sicht darauf, zumindest was das Einengende von Verwandtschafts-Systemen betrifft, das ich so gar nicht wahrnehme. Ich sehe den starken Knotenpunkt, der alles verbindet, von dem aus aber dann alle in eine andere Richtung streben, sich verzweigen ohne den Halt zu verlieren. Es geht mir gut damit, wenn ich alle meine Ahnen im Rücken spüre, sei es Gabe, sei es Aufgabe.
    Von deinen Bearbeitungen sprechen mich am meisten die zweite und letzte an, hier sind deine Gemälde ruhige Hintergründe und stellen die Dynamik der starken Bindung in den Vordergrund, bei den anderen schweift mein Auge zwischen Vorder- und Hintergrund, findet kaum den Fixpunkt, was ja auch durchaus seinen Reiz haben kann.
    Herzliche Abendgrüße
    Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      Ja, so kann man es durchaus auch sehen, Ulli. Ich will deine Sicht gar nicht in Frage stellen, wollte nur auf die Ambivalenz hinweisen, die verwandschaftliche Systeme kennzeichnet: beides, sowohl das, was du sagst in Bezug auf die „Ahnen“, dass sie Halt geben, aber eben auch das Eingrenzende, dass du niemals aus dem System wirklich hinaustreten kannst, in das du geboren wurdest. Du willst es vielleicht ja auch nicht, dann ist es gut.

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      • Ulli schreibt:

        Das meinte ich mit „sei es Gabe, sei es Aufgabe.“ – natürlich gibt es das Einengende, gibt es Belastungen, aber ich glaube daran, dass man das meiste davon wandeln/auflösen kann – ich sage nicht, dass das einfach wäre.

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  2. Myriade schreibt:

    Deinen Gedanken finde ich in der Zeichnung selbst am besten wieder

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  3. mmandarin schreibt:

    Ich schrieb es schon Gerhard, wenn ich diese Konstruktion der Natur mit einem Wort überschreiben sollte, fällt mir spontan „Zusammenhalt“ ein. Fein gezeichnet liebe Gerda. Marie

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  4. Gisela Benseler schreibt:

    Ohne das Bild von Gerhard gesehen zu haben, kann ich vielleicht nicht viel,sagen zu diesem Werk. Ich glaube, ich sehe das etwas anders , mit dem Zusammenhalt.
    So dicht miteinander verbunden zu sein, halte ich nicht für gut und richtig. Wir
    kamen als Einzelseelen in diese Erdenwelt, brauchten dazu natürlichmauch eine Familie, Mutter und Vater, um geboren werden zu können. Und auch die Geschwister sind von Anfang an als Einzelseelen geboren worden und suchten sich die entsprechende Familie aus, bzw. wurden angezogen von einer Familie.
    So haben wir nun Gelegenheit, jede/r Einzelne, aus den sich daraus ergebenden
    Verknüpfungen zu lernen, um so bereichert, dann eines Tages dies Erdenlebens
    wiederum zu beenden und auf den Wegen „drüben“ weiterzugehen, die sich daraus für uns ergeben. Wir selbst gestalten uns im Hier und Jetzt die Wege….

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  5. Chrinolo schreibt:

    Deine letzte Barbeitung finde ich besonders faszinierend 🙂

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  6. kopfundgestalt schreibt:

    Ein jedes hat sein Temperament.
    Das 3te Glut der Verbindung.
    Das 6te sehr auffallend.

    Einschnürend war das Verhälnis zu meiner Mutter, ja fast erstickend.
    Mein jüngerer Bruder schätzte familiäre Bande sehr.
    In der Nachkriegszeit baute man sehr auf familiäre Kontalkte. Wir hatten sehr lebendige nach Nürnberg und Oberschwarzach, beides recht weit weg.

    Verwandschaft ist jetzt nicht mehr viel da. Zu meinen Cousins habe ich gute Kontakte. Man erwartet da aber keinerlei Verpflichtung.
    Bei meiner Frau ist es ähnlich.
    Es ist gut, daß da noch lockere Bande in der jeweiligen Famiulie sind.

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    • gkazakou schreibt:

      „jedes hat sein Temperament“ gefällt mir sehr, denn genauso hatte ich die Variationen gedacht. Wollte erst Titel drunterschreiben, war mir aber nicht schlüssig. Danke auch für „Glut der Verbindung“ (3), ja, ein wenig wie beim Schweißen wirkt es….
      Zu deinen Bemerkungen über Familie: Ja, in Notzeiten werden Familienbeziehungen, die schon ziemlich ermüdet waren, oft wiederbelebt. Man braucht sich, man sucht sich. Das ist wohl auch der Grund, warum in ärmeren Ländern die Familie immer noch in hohen Ehren gehalten wird. In unseren vom Wohlfahrtsstaat halbwegs abgefütterten Gesellschaften wird Familie meist vor allem als emotionales und weniger als wirtschaftliches Thema betrachtet. Nur wenn es um die Versorgung schwacher Mitglieder geht (Alter, Krankheit) werden die Kräfte der Familie wieder mobilisiert.

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  7. Mitzi Irsaj schreibt:

    Ein Bild – egal in welcher Bearbeitung- das man lange ansehen kann und eine starke Symbolik hat. Es gefällt mir sehr gut.

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  8. gkazakou schreibt:

    o, das freut mich, Mitzi, danke!

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  9. felsenquell schreibt:

    Mir hat das Knotenbild, noch bevor ich Eure Kommentare gelesen habe, unmittelbar Beklommenheit in der Herzgegend verursacht. Unentrinnbare Verknotung -eine schreckliche Vorstellung für mich.Vielleicht bin ich eine Anarchistin? Den Knoten würde ich gern wie Alexander den Gordischen zerschlagen, um frei atmen zu können.

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    • gkazakou schreibt:

      danke, Hella! eine starke Reaktion! und Ja, manchmal wünschte man sich einen Alexander. Doch meistens ist es besser, Geduld aufzubringen und Faser um Faser zu entwirren, damit das Schützenswerte, Nährende nicht mit abgeschnitten wird. (ich habe in dieser Hinsicht Erfahrung nicht nur wegen meiner im Sommer immer verfilzenden Haare :).

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  10. puzzleblume schreibt:

    Gerade im Zusammenhang mit dem Gedankengang bezüglich der widerstrebenden Kräfte eines verwandtschaftlichen Verbundenheitssystems spricht mich das dynamisch letzte Bild am stärksten an.

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  11. Anonymous schreibt:

    Wenn wir jedes Knospen für sich betrachten, wie wir es im Photo von Gerhard noch besser sehen können, dann kommt eigentlich bei mir nur Freude auf! Wie schön ist es, hier auf Erden geboren zu sein und sich frei entfalten zu dürfen,! Und wenn all diese Abzweigungen mit ihren jeweiligen knospenbildungen alle ein und denselben Ursprung haben,,ist es doch auch schön, finde ich.
    Es hindert mich doch nicht an meiner freien Entfaltung, und ich behinderte auch nicht die freie Entfaltung der anderen Abzweigungen mit ihren Knospen. Es ist diese Verbundenheit eines Ursprungs sogar etwas Schönes, finde ich. Daraus würde ich aber niemals irgendwelche Abhängigkeiten oder Verpflichtungen untereinander ableiten.

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Gisela, danke für deinen schönen Kommentar. Eins nur: du schreibst zweimal „doch“ (ist es doch auch schön, Es hindert mich doch nicht) – so als müsstest du eine Sichtweise gegen andere Sichtweisen durchsetzen. Andere Sichtweisen sind genauso richtig wie deine. Dass DU keine Abhängigkeiten aus der gemeinsamen Wurzel der Familie ableiten würdest, bedeutet ja nicht, dass es andere nicht anders sehen können.

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  12. Ule Rolff schreibt:

    Deine Zeichnung enthält die Essenz von Gerhards Bild, und ich empfinde auch seine Wirkung genau so, am stärksten im Original:
    fesselnd, beengend, es weckt den Wunsch, aus der Umklammerung ins Freie auszubrechen.
    Gemildert wird die Wirkung, wo du andere Werke als Untergrund hinterlegst – in allen anderen Bearbeitungen bleibt das Kraftfeld ungebrochen, wird zum Teil sogar wie durch eine Aura verstärkt.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Ule, deine feinen Beobachtungen sind wieder mal sehr hilfreich für mich. Deine Wahrnehmung deckt sich mit der von Hella (Felsenquell). Auch ich empfinde die Bindungsenergie im Original am stärksten. Da fragt man sich: wer hält fest, wer versucht auszubrechen. Wieviel ist Freiheit, wieviel Angst und Zwang?

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