abc-etüden. Entwicklungsgeschichtlicher Abriss der Wetterprophetie – Von der Unke zum Menschen.

Christianes Schreibeinladung zu den abc-etüden lockt von Neuem. Christiane meinte, auch Sachtexte seien genehm. Doch die Wortspende von viola-et-cetera legt Märchenhaftes nah. Und so verquickte ich diesmal die beiden Textsorten  „Sachtext“ und „Märchen“ – und bin damit, wie ich finde, durchaus auf der Höhe der Zeit. Denn immer, wenn ich Nachrichten sehe, frage ich mich: ist das nun Märchen oder Sachtext?

Die Fotos habe ich aus dem Netz gefischt (Wikipedia, NABU)

 

Entwicklungsgeschichtlicher Abriss der Wetterprophetie

Zu Beginn aller Zeiten war die Welt ein trüber Tümpel. In ihm lebte Unke Gelbbauch. Ihr melodiöser Gesang füllte die Auen ringsum, kündete von wohliger Wärme und Feuchtigkeit, so dass alle sprachen: „Unke Gelbbauch schützt das Klima, sie sei unsere Königin“.
Doch im Jahr 331 994 v.u.Z. regnete es wenig, es wurde auch kälter. Unke Gelbbauch litt. War sie schuld? War ihr Gesang nicht mehr kräftig genug, um die Sonne scheinen zu lassen und die Wolken zusammenzuziehen, um den heilsamen Regen zu bringen? Sollte sie ihre Aufgaben an Jüngere delegierte? Im dreißgsten Jahr bat sie ihre Nichte, ihr mit dem Wetter zu helfen.

Unke Rotbauch (die Nichte) war größer und stattlicher und schien besser ausgestattet zu sein für harte Zeiten. Doch leider: sobald sie den Mund aufmachte, kündete sie mit tiefen Klagelauten von kommenden Zeiten, wo für Unken kein Platz mehr wäre auf der Welt. Schwermut und Angst machten sich breit.

Ein paar junge Frösche sprachen: wir nehmen besser den Weg ans Land, bevor der Tümpel austrocknet. Und sie hüpften auf die Bäume, die rings um den Tümpel standen. Von oben blickten sie hochmütig auf die zurückgebliebenen alten Unken. Waren sie, die Jungen, nicht viel besser geeignet, das Wetter zu verkünden? Sie hatten den großen Überblick. Ein Laubfrosch tat sich besonders hervor, und sie nannten ihn deshalb halb scherzend, halb im Ernst: Froschkönig.

So ging es Millionen Jahre – oder waren es nur tausende? Mal war es nass, mal war es heiß, dann wieder trocken oder kalt. Unken unkten. Frösche quakten. Sie quakten, wenn es regnete, und schwiegen bei Sonne. Alle waren es soweit zufrieden. Bis Froschkönig beschloss, sich zum Menschen weiterzuentwickeln und Landwirtschaft zu betreiben. Schluss mit dem Tümpel! Für die Wetterprophetie hielt er sich einen Leib-Frosch, bis auch der ihm nicht mehr genügte. Jetzt hat er den wissenschaftlichen Klimarat.

300 Wörter

„Poseidon“, Gemälde, gerda kazakou, 2006, überarbeitet 2016.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu abc-etüden. Entwicklungsgeschichtlicher Abriss der Wetterprophetie – Von der Unke zum Menschen.

  1. dergl schreibt:

    Fein! Ich lese statt „Unke“ immer „Ulrike“, aber das liegt an mir.

    Gefällt 4 Personen

  2. Christiane schreibt:

    Klar, sobald etwas mit Vornamen „wissenschaftlich“ heißt, ist es modern und gut. Ich wüsste gern, wie genau früher Kenntnisse um die Wetterentwicklung waren, auch was den Bereich Sternguckerei angeht, Archäoastronomie und so …
    Vielen Dank!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  3. finbarsgift schreibt:

    Schmunzel … coole Unkenstory 😁

    Gefällt 3 Personen

  4. violaetcetera schreibt:

    Unken und Frösche begleiten die Geschichte der Erde schon so lange. Wer weiß, vielleicht haben sie ja wirklich einen Draht zum Wetter? Eine schöne Geschichte präsentierst du uns hier.

    Gefällt 2 Personen

  5. Karin schreibt:

    und im Klimarat einen Querquaker namens T-rumpquarkhochdrei -:))

    Gefällt 1 Person

  6. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 27.19 | Extraetüden | Irgendwas ist immer

  7. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Einfach göttlich, Deine Froschönig- und Unkengeschichte, liebe Gerda
    Um das Wetter wußten schon alte Kulturen und brauchten keinen Wetterbericht in Handy oder TV. Sie hatten anderes Wissen und sie nutzten es.
    Unken und Froschkönige umgeben mich, aber nur als Collagen und quaken tun sie nur sehr leise 🙂
    Liebe Sonntagsgrüße aus der nachmittäglichen Hitze von Bruni

    Gefällt 2 Personen

  8. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    In der Realität ist er ein wenig hübscher 🙂

    Gefällt 2 Personen

  9. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    seine Augen sind übrigens aus einem goldfarbenen Foliendeckel auf einem Fertigdessert aus Frankreich geschnitten 🙂 und seine Pupillen sind aus einem dünnen samtigen Stoff *schmunzel*

    Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      Das ist das Tolle an Materialcollagen, nicht wahr? Man sieht und befühlt und erinnert sich., All das ist auf dem Foto natürlich nicht nachzuvollziehen….

      Gefällt 1 Person

      • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

        nein, leider kann es im Foto so nie zu erkennen sein, liebe Gerda; aber ich erinnere mich oft mit Freude an ein ziemlich verrücktes Fundstück, das ich irgewndwo eingebaut hattte 🙂

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  10. schreibenwaermt schreibt:

    Daher kommt also der Ausspruch über das Wetter unken. Mir dünkt ich habe wieder was gelernt. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  11. Ulli schreibt:

    Ja bestimmt haben die „Alten“ mehr vom Wetter verstanden als wir Heutigen mit all den Radaren und Aufzeichnungen und worüber lässt sich besser unken und schwadronieren als über das Wetter?! Na klar, über die Politik und das Weltgeschehen …
    Ich mag deine Etüde sehr, aber hängen geblieben bin ich an deinem Poseidongemälde – phantastisch, das würde ich gerne einmal in groß sehen und mich darein versenken!

    So, nun mache ich den PC wieder aus und tue mal was getan werden will, morgen schon fahre ich wieder auf den alten Berg bis Freitag …
    Herzensgrüße an dich,
    Ulli

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