Neues ist eine Herausforderung

Heute habe ich einen neuen Stift, mein neues kleines Skizzenbuch und mein neues Auto ausprobiert.

Ich mag Neues nicht besonders. Es schüchtert mich ein. Neue Kleidung zum Beispiel. Ich werde erst warm damit, wenn ich den eigenen Körpergeruch hinterlassen, den ersten Fleck drauf gekleckert habe. Ein neues Buch? ein wenig drin rumblättern, ein Eselsohr, eine kleine Anstreichung – schon ist es mir verwandter. Ein neues Auto – die erste Schramme, eine kleine Beule, die Hundehaare auf dem Rücksitz – dann erst ist es ganz meins. Ich bin unvollkommen – wieso sollen die Dinge, mit denen ich zu tun habe, perfekt sein? Andererseits schimpfe ich mit mir, wenn ich das Makellose beschmutze. Ich schäme mich meiner Unvollkommenheit. Kurzum, ich befinde mich angesichts von Neuem in Stress.

Heute bekam ich endlich mein neues Auto und fuhr es heim. Es ist wieder ein Italiener, hergestellt in der Türkei. Der Motor klingt anders als bei meinem vorigen Wagen, beim Anfahren huppelt es noch, der Blicker sitzt nicht genau da, wo er soll, der Rückwärtsgang ist woanders als für mich gewohnt. Alles ist mir zu neu. Froh war ich, als ich es unversehrt geparkt hatte und den Schlüssel abziehen konnte. Morgen werde ich eine kleine Tour unternehmen und sehen, ob wir Freunde werden können.

Vorher war ich wie immer in meinem Wald, bewaffnet mit einem neuen kleinen Skizzenbuch und einem neuen Tintenkuli. Ein bisschen kalt kamen mir die Skizzen vor, es fehlten mir die Wärme des Graphits und die wechselnde Intensität des Grau, je nach Druck meiner Finger. Aber schon bei der zweiten Skizze – den Wurzelmännchen – begann ich mich sicherer zu fühlen. Für Konturzeichnungen ist der Stift gar nicht so schlecht, dachte ich. Außerdem lassen sich die Zeichnungen besser fotografieren, da die Tinte nicht glänzt.

Mithilfe von einfachen Filtern lassen sie sich leicht ein wenig dramatisieren. Ich glaube, ich werde meinen Spaß damit haben. Das bisschen Umgewöhnung werde ich wohl schaffen.

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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33 Antworten zu Neues ist eine Herausforderung

  1. tontoeppe schreibt:

    Ich wünsche Dir viel Freude bei Deinen neuen Malutensilien (neue Skizzen- oder Tagebücher mag ich übrigens sehr gern, denke immer, die erste Aufzeichnung darin muss etwas Besonderes sein…) und vor allem viel Freude und immer unfallfreie Fahrt mit dem Italiener.

    Gefällt 3 Personen

  2. Ulli schreibt:

    Ich glaube, dass der neue Stift schneller zu einem Vertrautem wird als vielleicht das Auto, denn bei ihm sprichst du schon Freude, die ich auch schon meine zu sehen, beim anderen lese ich noch eine kleine Skepsis und ein winziges bisschen Traurigkeit über den Verlust des alten. Insgesamt aber bin ich zuversichtlich, ich glaub an dich 🐻

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  3. Moony schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch zum neuen Auto und Skizzenbuch. Ich habe vor zwei Wochen auch ein neues Auto bekommen. Mir fiel der Abschied so schwer und ich kann auch nachempfinden, dass es noch nicht ganz dein ist. Mir geht es nach zwei Wochen auch noch so.

    Neues Material ist immer aufregend. Aber in deinen Händen macht es sich klasse. 😉

    Viel Spaß weiterhin!

    Moony

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  4. mynewperspective schreibt:

    Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. So heißt es doch so schön. Doch jede Gewohnheit musste erst zur Gewohnheit werden, nachdem wir etwas Neues in unser Leben reingeholt haben. Diese Ausgangsbasis scheinen wird immer wieder zu vergessen. Zumindest ist es etwas, was ich mir immer wieder vor Augen führen muss. 🙂

    Glückwunsch zum neuen Auto und zu den kreativen Utensilien. Mir gefallen die Skizzen besonders gut. Ich persönlich empfinde sie weniger „kalt“ aber dafür „clean“. Das gefällt mir. Diese ganz klaren Abgrenzungen und Kontraste – mit und auch ohne Filter. Freue mich schon auf mehr aus Deinem neuen Skizzenbuch.

    Liebe Grüße
    Serap

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  5. wechselweib schreibt:

    Mit Autos geht es mir ähnlich wie die dir, neue Klamotten habe ich gerne und neue Tagebücher. Aber das Vertraute ist für mich auch wichtig, es gibt mir wie dir Sicherheit. Und Bücher lese ich ganz oft mehrmals. Manche sind mir wie Freunde.
    Die Zeichnungen der mir so lieben Wurzelmännchen sehen toll aus! 🌈

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  6. kunstschaffende schreibt:

    Ich liebe Neues, es hat was jungfräuliches!

    Aber nun zu Deinen schönen Zeichnungen. Die Originale gefallen mir, bis auf das bearbeitete Nr. 6, am Besten!
    Die Paselltöne und das filigrane von Nr. 6 spricht mich sehr an, obwohl ich nicht auf Pastell Farben stehe!

    Liebe Grüße Babsi

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  7. finbarsgift schreibt:

    Schmunzel … warum kaufst du kein gebrauchtes Auto, das fühlt sich ja nicht mehr neu an …
    Ich finde die beiden Zeichnungen mit dem neuen Stift famos!
    Liebe Morgengrüße vom Lu

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    • gerda kazakou schreibt:

      Danke, Lu! Das war eine lange Diskussion: neu oder gebraucht. Schließlich fanden wir es ökonomisch sinnvoller, ein neues zu kaufen, das 5 Jahre Garantie, Abschleppdienst, 4 Jahre TÜV, und allerlei technische Verbesserungen hat. Aber du hast recht: dies riecht verdammt fabrikneu. Ich hoffe, es nimmt bald einen menschlichhündischen Geruch an. 😉

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  8. Mit einem neuen Auto bin ich vor Jahren auch schon mal sehr angespannt unterwegs gewesen. Das wird sich geben. Deine Zeichnungen sind wieder toll, sie fangen die aktuelle Atmosphäre perfekt ein!

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  9. Das wird schon mit dem Auto, ihr werdet Euch aneinander gewöhnen 😉 Die Erträge vom Waldspaziergang gefallen mir wieder richtig gut, sie sind aufgrund des Materials natürlich anders, büßen aber nichts von ihrer Intensität ein.

    Was ich Dich schon ewig fragen wollte: In welchem Fach wurdest Du promoviert? Gehe seit ein paar Jahren durch die Höhen und tiefen einer Dissertation in den Geschichtswissenschaften und möchte dieses Jahr endlich einreichen…

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  10. wildgans schreibt:

    Bäume, aber immer.
    Ich sinne nach über die „Wärme des Graphits“!
    Morgengruß von Sonja

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    • gerda kazakou schreibt:

      Und? Wurdest du fündig? Der weiche Bleistift (der eben eigentlich ein Graphitstift ist) hinterlässt fein glänzenden Staub auf dem Papier, was mir das Gefühl von Wärme gibt. Der Tintenstift bzw Kuli hinterlässt nur eine kalte quasi intellektuelle Spur.

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  11. Susanne Haun schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch zum neuen Auto und viele, viele unfallfreie Kilometer!

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  12. klasse, so virtuos über die Doppelseite hinweg!

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  13. puzzleblume schreibt:

    Sehr schön, die Zeichnungen, ob original oder in Variation, wo die sanfte Farbigkeit mir wie ein zusätzliches erzählerisches Moment scheinen will.
    Gratulation und gute Wünsche zum neuen Auto, und dass es bald heimeliger wirkt. Das kann ich gut nachfühlen, ich fühle mich auch am wohlsten, wenn etwas, das zu mir gehören soll nicht mehr so fremd riecht. Gerüche sind wichtig. Ein Duftsäckchen mit Kaffee vielleicht und die Hundedecke …

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  14. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Endlich ein neues Auto, liebe Gerda! Es war wichtig, damit Du – motorisiert – wieder beweglicher wirst. Mir geht es ähnlich wie Dir, Neues beäuge ich mit großer Vorsicht und begegne ihm mißtrauisch, als wolle es mich beißen bei zu schneller Berührung 🙂
    *Andererseits schimpfe ich mit mir, wenn ich das Makellose beschmutze.*
    Bei der ersten Beule atme ich auf 🙂 und lasse etwas von mir Gebrauchtes drin liegen. Ich nähere mich an und meine auch nicht mehr ständig, ich sitze falsch.
    Deine beiden Skizzen sind wieder wunderschön. An den neuen Stift hast Du Dich schnell gewöhnt.

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    • gerda kazakou schreibt:

      danke, Bruni, wie gut, dass es dir genauso geht! Wenn zwei dasselbe fühlen, ist es ja vielleicht gar kein Manko mehr. 😉
      Das Skizzieren mit dem neuen Stift geht schon ganz gut, ja. Warum also nicht auch das Fahren mit dem neuen Auto? Das habe ich heute alllerdings brav stehen lassen – keine Zeit. Morgen.

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  15. Warm werden muss nicht immer was mit Wärne zu tun haben, wie wahr! Mit deinen tollen Bildern muss ich es nicht erst, ich. bin es auf Anhieb.

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  16. Pingback: Mit Kuli und Bleistift | GERDA KAZAKOU

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