abc-Etüden: Herbstlied-Strophen

Etüden-Herbst.  Liebe Christiane, danke für die liebevoll-zuverlässige Betreuung, danke Ludwig für die schöne Einladungsgestaltung.

Ahornblatt, Chinareise, krabbeln sind die Wörter, die Elke H. Speidel (transsilabia.wordpress.com) gespendet hat und die mich nun zu einer zweiten Etüde animiert haben. Diesmal habe ich ein etwas komplizierteres Reimschema gewählt, das ich „Spiegelreim“ nenne: Die Zeilen laufen rhythmisch reimlos auf die Mitte zu und laufen sich reimend-spiegelnd zurück      a – b – c – d / d -c- b -a.

Das Herbstlied, horch, es klingt
Durch den Wald in Wogen
Rot und golden unter blauem
Himmelsraum
Raunt der Baum
tönt und rauscht in rauem
Getöse, vom Sturme gebogen
Knackt und knistert und singt

Ein Ahornblatt fällt und singend
sinkt es und taumelt sacht
Schon wird es stumm und legt
Sich schweigend nieder
Nimmt mit die Lieder
Doch drunter lebhaft regt
Und krabbelt und lacht
Das Wintervolk Ernte einbringend.

Was sollen mir Chinareisen
Was Hongkong, Peking, Shanghai
Ich will den Herbstwäldern lauschen
Auf heimatlichem Grund
Da werde ich gesund
Ich bin ein Ton in diesem Rauschen
Und werde Licht und werde frei
Wenn hoch im Blau die Krähen kreisen.

Ein wirklich passendes Bild fehlt mir. Wälder – Ahorn – Krähen sind in meiner Umgebung grad nicht vorhanden.  Deshalb zeige ich euch noch zwei herbstlich-blattförmige Boote, schwebend über spiegelndem Wasserbecken. Sie gehören zu einer Installation der Keramik-Künstlerin Θεοδώρα Χοραφά (Theodora Horafa). Ich besuche sie regelmäßig, wenn ich zurück bin in Maroussi (Vorort von Athen). Morgen ist es mal wieder so weit. Mani adee!

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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17 Antworten zu abc-Etüden: Herbstlied-Strophen

  1. Myriade schreibt:

    Ohhhh, die Installation gefällt mir sehr gut…. Überhaupt die Kombination von Wasser und Keramik !

    Gefällt 2 Personen

  2. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, ich lese deine Sehnsucht nach Herbstwäldern und Blätterrascheln und Krähenkrächz, aber gesund bist du ja auch dort, wo du nun lebst (hoffe ich wenigstens!).
    Die Installation gefällt mir sehr: wie so ein Schicksal eines Bootes auch nur an einem Faden hängt (auch wenn es hier mehrer sind) –
    herzliche Samstagnachmittaggrüße
    Ulli
    Und hab eine gute Zeit in Athen!

    Gefällt 3 Personen

  3. www.wortbehagen.de schreibt:

    Wie gut hast Du die Etüde wieder geschafft, liebe Gerda, und das Schönste darin für mich Deine Stelle *Ich bin ein Ton in diesem Rauschen* und ich glaube, diesmal hast Du mit mehr Ernst geschrieben als sonst.
    Wunderschön sind sie schmalen Boote und ihr Atelier würde ich auch zu gerne sehen

    Einen feinen Aufenthalt in Athen wünsche ich Euch

    Nachdenkliche Grüße von Bruni am Samstagabend

    Gefällt 1 Person

  4. Christiane schreibt:

    „Ich bin ein Ton in diesem Rauschen
    Und werde Licht und werde frei
    Wenn hoch im Blau die Krähen kreisen.“
    Sehnsuchtszeilen, wunderbar, lese ich gern, sprechen mir aus dem Herzen. Müssen vielleicht keine Krähen sein … Aber was ist das für dich, Heimat, die du so lange in Griechenland bist? Immer noch deutsche Herbstwälder? Heimat ist so ein unselig belastetes Wort, sorry … aber es war wirklich die erste Frage, die mir durch den Kopf schoss.
    Liebe Grüße und danke wieder mal
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Christiane, nicht „Heimat“ sage ich, sondern „heimatlich“. Heimatlich, freundlich zugewandt, wohlbekannt, stimmig, mit mir harmonisierend kann ein Klang sein, eine Farbe, eine Melodie, ein Wort, ein Duft, eine Dialektfärbung, der Wind auf meinem Gesicht – sehr oft haben sie ihre Wurzeln in alten Eindrücken, aus Kindertagen, aber das muss nicht so sein. Es passiert sogar, dass mir eine Landschaft heimatlich wird, kaum habe ich sie erstmals erblickt. Heimatlich ist insofern ein Begriff, der im Gegensatz steht zu fremd, unheimlich, abstoßend, ausschließend, unangenehm.
      Herbstwälder klingen mir heimatlich, obgleich ich solche in meiner Kindheit nie sah. Warum? Wegen eines Trakl-Gedichts, das vollkommen mit meiner Verfassung als Jugendliche harmonisierte.: Groddek.

      Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
      Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
      Und blauen Seen, darüber die Sonne
      Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
      Sterbende Krieger, die wilde Klage
      Ihrer zerbrochenen Münder.
      Doch stille sammelt im Weidengrund
      Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
      Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;
      Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
      Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
      Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
      Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
      Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
      O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre
      Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
      Die ungebornen Enkel.

      Gefällt 4 Personen

      • Christiane schreibt:

        Ja, ich stimme dir zu, was „heimatlich“ angeht und den Rückbezug auf Sinneseindrücke aus der Kindheit. Bei Trakl steige ich allerdings aus …

        Gefällt 1 Person

      • Elke H. Speidel schreibt:

        Ja, Heimat – und auch heimatlich – ist für mich durchaus ein doppeldeutiger Begriff. Und ein schwer belasteter. „Ubi bene, ibi patria“ ist eben nicht identisch mit „Ubi patria, ibi bene“. (Verzeiht das möglicherweise fehlerhafte Latein, ich hatte nur ein einziges Jahr Lateinunterricht, und das war vor gefühlt 120 Jahren. Was ich meine ist: „Wo es gut ist, ist die Heimat“, heißt nicht zwingend „Wo die Heimat ist, ist es gut“.)

        Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Christiane, wir sind eben eine andere Generation. Drum sind dir Trakls Bilder nicht so heimatlich wie mir.

      Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Liebe Elke, da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen. „Wo die Heimat ist, ist es gut“ – o nein! Im Gegenteil, ich konnte sie kaum ertragen, diese Heimat. ich brauchte sehr sehr lange, um mich auszusöhnen. Aber das „Heimatliche“ war immer in mir stark. Denn es bildete den Resonnanzraum für alles, was ich danach sah und empfand.

      Gefällt 1 Person

  5. Elke H. Speidel schreibt:

    Heimat ist ein „unselig belastetes Wort“ – schön gesagt. Magst du dazu mal einen Gastbeitrag auf meinem Nachbarblog „Heimatkonstruktionen (https://elkespeidel.wordpress.com/)“ schreiben, liebe Christiane? Oder vielleicht Gerda? (Okay, okay, der dümpelt noch mehr vor sich hin als transsilabia, aber fragen kostet ja nix, und im Zweifel erwarte ich auch keine Antwort – nur würde es mich freuen …)

    Gefällt 1 Person

  6. Pingback: Griechische Kunst am Samstag. Die schwebenden Boote von Theodora Horafa | GERDA KAZAKOU

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