Frohe Auferstehung auf Griechisch

Καλή Ανάσταση! (kali anastasi) wünscht man sich zu Ostern, und das heißt „Gute Auferstehung“. Mir gefällts besser als das ebenfalls immer mögliche χρόνια πολλά (chronia polla), mit dem man sich „viele Jahre“ wünscht. oder das ganz neutrale „καλές γιορτές“ (gute Feiertage).
Das lateinische Kreuz – Symbol des Todes – ist der orthodoxen Welt fremd. Sie kennt das gleichschenklige „Auferstehungskreuz“, gelegentlich mit dem Rosenkranz, denn es ist die Überwindung des Todes, die Auferstehung, für die das östliche Christentum steht.


Wenn heute Nacht die Lichter in der Kirche ausgegangen sind und nur noch eine Kerze brennt – ihr Licht wird jedes Jahr aus Jerusalem nach Athen eingeflogen und von dort in alle Kirchen verteilt  -, wenn um Mitternacht das erlösende „Χριστός ανάστη“ ertönt, dann umarmst du die Menschen in deiner Nähe und sagst ihnen „Xhristos anesti“, Christus ist auferstanden – oder du antwortest mit dem versichernden Wort „αληθινώς ανέστι“ (er ist wahrhaftig auferstanden). Und du entzündest deine weiße Osterkerze an einer anderen Kerze, die ihrerseits an einer anderen entzündet wurde – eine lebendige Kette, die in Jerusalem ihren Ausgangspunkt hat, von wo aus sie sich über das ganze östliche Christentum verzweigt.

Frohe Auferstehung ist auch dem Griechentum nach einem nun schon sieben Jahre währenden wirtschaftlichen Niedergang zu wünschen. Das tue ich hier mit einem Bild, das ich dem geplanten Buch über Tiu-Ti entnommen, leicht abgewandelt und politisch interpretiert habe: das Küken bricht aus einem Ei in griechischen Farben. Links droht der Pleitegeier,  rechts oben kann ein zerfasertes, schwarz-rot-gold dominiertes Europa keine zusammenhängende Form finden.

Das rosa Licht des neuen Morgens möge uns Hoffnung schenken. Καλή Ανάσταση.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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15 Antworten zu Frohe Auferstehung auf Griechisch

  1. ralphbutler schreibt:

    Also Frohe Auferstehung, Gerda!

    Vor drei Jahren postete ich Jacob Needlemans_Emotionen eines Christen. Vielleicht auch für Dich interessant in diesen Tagen? Frohe Ostertage wünsche ich Dir! Und: Glück Auf Griechenland!

    „Meine Gespräche mit dem Metropoliten Anthony von Sourozh (in Paris) zeigten mir, dass eben diese Frage `Emotionen eines Christen`das Geheimnisvollste am ganzen Christentum überhaupt ist.

    Ich versuche nun, zusammenzufassen: Ich bemerkte dieses mal an ihm eine Qualität der der Offenheit, die man als Hingabe bezeichnen könnte, eine Hingabe nicht einer bestimmten Person oder einer bestimmten benennbaren Kraft gegenüber. Diese Hingabe hatte vielmehr etwas Unpersönliches. (…) In mir fiel eine Angst, eine Wachsamkeit in sich zusammen, ohne dass dem ein Kampf vorangegangen wäre. Die Folge davon war, dass ich mich aus meinem Inneren heraus auf den Mann zubewegte, oder besser gesagt, in mir bewegte sich `etwas`auf den Mann zu. `Ich`- was immer das sein mag – ging einfach blind mit dieser Bewegung um“.

    Es war also bereits der zweite Besuch. Darauf anspielend und auf den Gottesdienst, den Needleman vor dem Gespräch besucht hatte, sprach er: „Ich sagte damals zu Ihnen, wie sehr mich das Fehlen jeglicher Emotionen in Ihrer Stimme verblüfft hätte. Heute ist mir das gleiche beim Chor aufgefallen: das völlige Fehlen jeglicher Emotion in den Stimmen der Sänger“. „Ja“, antwortete der Metropolit, „das ist völlig richtig. Es hat zwar viele Jahre gedauert, aber sie begreifen nun allmählich, worum es geht…“. – Needleman wusste wohl, was er meinte, aber er wollte hören, was der Metropolit über diesen erstaunlichsten Aspekt des Christentums sagen würde, von dem überhaupt nur sehr wenige moderne Menschen jemals etwas gehört haben. Er führte seine Frage näher aus aber: „Er wischte das, was ich gesagt hatte, mit einer sanften Handbewegung beiseite, und ich hielt mitten im Satz inne. Nach einer Pause sagte er: „Nein. Die Emotion muß zerstört werden“. Er hielt inne, dachte nach und setzte neu an: „Wir müssen uns von den Emotionen lösen, … um … zum Fühlen zu gelangen“.

    Später, angesprochen auf das Gebet, das Beten, sagte der Metropolit: „Beim Beten ist man verletzlich, nicht enthusiastisch. Dann haben diese Rituale (z.B. die Feier-Tage) eine ungeheure Kraft. Sie überrollen die, die daran teilnehmen, wie eine Lokomotive. Man darf ihnen gegenüber nicht enthusiastisch sein, aber ebenso wenig ablehnend. Man muß offen sein. Das ist die ganze Zielsetzung der Askese: einen Zustand der Offenheit zu erreichen“.

    Wieder später, schreibt Needleman: „ … diese neue Emotion, die, wenn sie auftritt, so subtil und still ist, dass sie oft eher wie ein Gedanke, kaum wie ein Gefühl wirkt. „Trockene Seelen sind die besten“, hat Heraklit gesagt, lange bevor Sokrates und Platon über die Macht der universellen Intelligenz im Menschen sprachen, die nur dann aktiviert werden könne, wenn der Betreffende die gewöhnlichen Emotionen gemeistert habe“.

    „Für die größten unter den alten Griechen gründet der Kampf, die wahre Askese, auf jener ungeheuren Kraft im Menschen, auf der Liebe zum Verstehen“.

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    • gkazakou schreibt:

      Lieber Ralph, das sind sehr schöne mir zT sehr vertraute Gedanken. Gestern bei der Karfreitags-Lithurgie fiel mir erneut diese Emotionslosigkeit auf, die, wenn man sie nicht versteht, als Gleichgültigkeit und Routine missdeutet werden kann. Doch wenn man sich offen macht und auf Gedanken und Emotionen verzichtet, beginnt sich etwas sehr Innerliches zu regen. Sich von Emotionen lösen, um zum Fühlen zu gelangen. Heraklits Hinweis auf nasse und trockene Seelen. Frohe Tage dir. Gerda

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  2. kormoranflug schreibt:

    Nach 17 Jahren Dienst als Ministrant bin ich mir heute nicht mehr sicher ob diese Auferstehung nicht eine Fake-New aus früher Zeit war um die Gläubigen, Jünger und Staatsmacht zu beeindrucken.

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  3. Maren Wulf schreibt:

    Den Gedanken einer Ketten-Umarmung mag ich sehr. Auch dir frohe Auferstehung, Gerda!

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  4. gkazakou schreibt:

    Danke Maren! Das Schöne ist für mich die Vorstellung, dass sich das Licht, das nur ein winziges Flämmlein ist, ausbreitet, indem einer dem anderen seine Flamme hinreicht. Es ist wie mit der Liebe und der Weisheit : sie vermehren sich durchs Teilen. Frohe Ostern!

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    • Ulli schreibt:

      Ihr zwei Lieben, ich mag die Verquickung von dem weitergereichtem Licht und der Umarmung dazu … das Leben ist wieder auferstanden, es grünt und blüht in voller Kraft und nicht unter zu kriegendem Lebensdrang, wenn das nicht Freude ist…
      euch beiden wünsche ich von Herzen freudige Ostertage
      Ulli

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  5. ann christina schreibt:

    Wann genau wünscht man sich denn die frohe Auferstehung? Ich habe heute noch mit meinem Freund überlegt, dass es ja rein rechnerisch der Montag sein müsste, also 3 Tage nach Karfreitag… Aber dann könnte es auch die Nacht von Sonntag auf Montag sein…?
    Schön, dass die Orthodoxen Christen das andere Kreuz haben – ich kannte seine Bedeutung gar nicht. Ich wünsche Griechenland auch, dass es schnell einen Weg aus der Krise findet – vor allem den einfachen Leuten und Rentnern. Es ist bestürzend, das einige wenige (reiche) Politiker und Banker Entscheidungen treffen, unter der dann so viele leiden, die nichts verschuldet haben. Frohe Auferstehung und schöne Osterfeiertage!

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    • gkazakou schreibt:

      Heute Nacht, also Samstag auf Sonntag, wird die Auferstehung gefeiert. Gestern war die Grablegung. Keine drei Tage, sondern nur ein Tag und ein paar Stunden liegen dazwischen.
      Dieses Jahr fällt Ostern bei Ost- und Westkirche zusammen. Das kommt, glaube ich, alle vier Jahre vor. Für uns ist es ein frühes Osterfest, aber das Wetter ist einfach himmlisch! Schöne tage wünsche ich dir und deinen Lieben! Gerda

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  6. Meermond schreibt:

    Gute Auferstehung und viele Jahre!
    Herzliche Ostergrüße,
    Meermond

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  7. ralphbutler schreibt:

    Hallo Gerda! Ich habe Deinen Kommentar noch einmal gelesen, aber es gibt wirklich nichts hinzuzufügen!?

    Aber ja: Ich wünsche Dir auf das Herzlichste alles nur erdenklich Gute zu Deinem Geburtstag!!

    Viele Grüße!

    Ralph

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  8. gkazakou schreibt:

    Danke, Ralph!

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