Das Harte und das Weiche

Was ist das Harte für das Weiche? Und das Weiche für das Harte?  Ich grübele und versuche, mich der Frage in meiner üblichen Art zu nähern: durch ein Bild.

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Kann das Weiche das Harte besiegen, wie Bert Brecht in seinem schönen Gedicht Legende von der Entstehung des Buches Tao Te King auf dem Weg des Laotse in die Emigration behauptet? („das Harte unterliegt“, vergl. https://gerdakazakou.com/2016/02/19/victor-juttags-geschichtengenerator-no-5/)

Bei Brecht ist Wasser „das Weiche“, das den harten Stein besiegt. Bei mir sind es weiche Leiber. Ich sah dieser Tage Fotos solcher Leiber wie zusammengekehrtes Laub auf dem harten Boden  eines Raums liegen. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann.

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Ich drehe und wende das Bild, aber es wird dadurch nicht erträglicher.

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Vielleicht aber kann das Weiche doch das Harte besiegen? Sehen wir es nicht immer wieder, wie eine kleine Blume es versteht, aus dem Stein herauszublühen? Sehen wir nicht auch, dass Mitgefühl Risse in die Härte bringt, so dass sie spröde wird?  Also mache ich neue Bilder. Zum Beispiel dieses.

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Oder jenes:

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Es ist nicht einfach, das Harte umzuwandeln, dass es zum Nährstoff wird für das Weiche, das wachsen will. Aber was ist schon einfach? „Hart auf hart“ ist jedenfalls keine Strategie, die in dieser Frage weiterhilft.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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18 Antworten zu Das Harte und das Weiche

  1. juergenkuester schreibt:

    Liebe Gerda!
    Geht es um Transformation? Ist Transformation ohne Energie machbar? Geht es vielleicht um einen energetischen Impuls, der diesen Prozess der Transformation in Gang setzt?
    LG Juergen

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  2. San-Day schreibt:

    Liebe Gerda,

    meine Erfahrung es passiert immer wieder, zum Glück.
    Es braucht Zeit, Geduld, offene Augen und Herzen. Wandlung vollzieht sich im Stillen so scheint es, dabei ist es nur die andere Zeit die man ihr schenkt, in der sie sein kann und sich so von Außen betrachtet scheinbar plötzlich vollzieht. Ich bin gespannt welchen Ausdruck Du mit Deiner Sicht auf die Wandlung noch findest.

    Dir wünsche ich einen wandlungsreichen Sonntag
    San

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    • gkazakou schreibt:

      Ich bin auch gespannt, San-Day! Bisher liegt mir noch immer so manches Harte, das sind nicht verdauen lässt, in den Eingeweiden. Danke für dein Mitfühlen und die guten Wandlungswünsche, die ich gern entgegennehme. Danke! Gerda

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  3. karfunkelfee schreibt:

    Liebe Gerda, die Bilder dieser vergangenen Tage waren auch für mich kaum erträglich, vor allem jedoch das Bild der menschlichen Sardinen, zusammengedrängte Leiber in einem kahlen Raum, in Ungewissheit, trieb auch mich um. Schön, dass Du Dich malerisch damit auseinandersetzt. Ich kann es textlich noch nicht, es ist zu viel nacheinander geschehen. Auf die Bilder der Leiber folgten erneute Bilder, die härter nicht sein konnten. Ich halte es mit Brecht und asiatischer Weisheit um mir Mut zu machen: Der stete Tropfen höhlt den Stein. Das weiche weiche Wasser…jajaja….doch wer aus großer Höhe hineinspringt, springt auf eine Wasserspannung, die so hart ist wie Beton. Und wenn er nicht aufpasst und sich rechtzeitig beugt und krümmt, bricht er sich am ach-so-weichen Wasser sämtliche Knochen und geht unter wie es auch ein harter und schwerer Stein täte.
    Ein Trostbild, eines, das physikalische Gesetze bemüht und diese in eine menschliche Übersetzung transformieren möchte.
    Deine Bilder sind sprechend, das Weiche sucht sich seinen Weg, es findet selbst die allerkleinste Ritze im Harten, ich denke an Überschwemmungen, wenn Deiche brechen, weil der Druck des ach-so-weichen Wassers so hart ist und so gewaltig wie kein menschgemachtes Bollwerk sein könnte…es hat große Macht, obwohl es so weich ist. Es speichert Informationen in Wasserclustern und es hat eine Erinnerung. Es erhält uns lebendig. Alles das, kann das Harte nicht, der Stein, der Fels, die Erde. Und doch brauche ich auch sie, um darauf stehen zu können, einen Widerstand zu finden. Ich bin froh, dass ich festen Boden unter den Füßen habe, obwohl ich das Meer so liebe.
    Ich möchte glauben, dass das Weiche das Harte immer besiegen wird. Eben weil es so nachgiebig und so weich ist. Doch wenn es viel genug ist, ist es dennoch stärker. Auch stärker als zusammengepferchte Leiber in einem kahlen Raum. Beiträge wie Deiner sind Wasserperlen, eine zur anderen, bis es ein mächtiger und großer Strom sein kann, der all das Harte wegreißt….

    Liebe Sonntagsgrüße

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    • gkazakou schreibt:

      Liebe Karfunkelfee, hab herzlichen Dank für deine erweiternden Gedanken! Mir scheint inzwischen, dass ich den Gedanken des Kampfes – wer besiegt wen – , der in Brechts Gedicht noch vorherrscht, fallen lassen möchte. Du sagst es selbst: das Harte brauchen wir auch, um drauf zu stehen. Wir brauchen es in uns als Festigkeit, als Aufrichtekraft, als inneres Skelett. Das Weiche, wenn es überhand nimmt, verschlingt, verschlammt, löst alle Form auf.
      Es kommt also wieder mal auf das rechte Maß an und darauf, dass das Weiche und das Harte sich ergänzen und die so unterschiedlichen Energien austuntereinander auschen, so dass Festigkeit an die Stelle von Härte und Zugewandtheit und Bildsamkeit an die Stelle von Weichheit tritt. So ungefähr. Sei herzlich gegrüßt zum Sonntag!

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  4. Monika schreibt:

    Das Harte zu weichen. Dem Totem leben einhauchen, ist alles denkbar, und dann? Dann fängt doch erst der eigentliche Prozess an. Das neue Ergebnis, ist doch nur ein kleiner Schritt zu neuen Wegen. Werden Erkenntnisse gewonnen? Herausforderung bieten sich an. Arbeit, Arbeit, denken ist Arbeit.
    LG: Monika

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    • gkazakou schreibt:

      Das verstehe ich nicht ganz, Monika. Der Prozess ist ja Arbeit, die Arbeit ein Prozess, Erkenntnisse zu gewinnen und deutlicher zu sehen, wohin das eigene Leben und die Weltentwicklung führen will. Um dann, vielleicht, ein Schärflein beizutragen.

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      • Monika schreibt:

        Die ersten beiden Bilder waren für mich als Betrachter, Spiel, Versuche. Es kam mir leicht vor. Dann ist es keine Arbeit. Erst ab da, wo die persönliche Aufmerksamkeit bei einem Spiel gefordert wird, fängt der Prozess und somit die Arbeit an. Dann ist ein Ausprobieren kein Spaß mehr, nichts Leichtes.
        Wenn Weiches sich mit Harten verbindet, könnte doch das Weiche erhärten – könnte -. Aber in diesem Fall ist das Weiche stärker, deshalb weil es fließt. Das ist gewollt, denn es soll beweisen, dass was sich bewegt, hat schon allein durch die Bewegung Kraft, ungeahndet dessen, ist es weich. Folglich ist Weich stärker und größer, als Hart, es kann in mehreren Richtungen tätig werden. Weich bleiben und weich machen, oder sich erhärten und den “Stein“, Gegenstand etc, verstärken.
        Wenn also Weich, – Hart – weicht, dann kann eine Verbindung eintreten und ich betone „kann“. Dann habe ich „ Matsch“. Es kann daraus ein – Gas -, oder eine – Legierung – entstehen. Es kann auch und du hast es schon gemalt, viele kleine Gesteinsbrocken neben dem Weichen fließen. So haben sie sich beide angenähert und sind doch sie selbst geblieben. Wenn also das Harte, bröckelig und damit transportierbares ist, könnte man daraus Nutzen ziehen. Ich will keine Beispiele geben. Nur hat das Weiche, das fließende, die Macht. Ist größer, gewaltiger, verheerender.
        LG. Monika

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    • gkazakou schreibt:

      Viele interessante Beobachtungen, Monika! Danke dafür! Nun muss ich erst mal verdauen, bevor ich sinnvoll drauf eingehen kann. schönen Sonntagabend noch! Gerda

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    • gkazakou schreibt:

      von dem, was du schreibst, liebe Monika, nehme ich besonders einen Satz für mich: Das Weiche kann in mehrere Richtungen tätig werden. Das ist ein großer, wichtiger Gedanke für mich.
      Dann das zweite: wenn das Weiche das Harte aufweicht, wird es Matsch. Bei richtiger Dosierung wird das Gemisch bildbar wie Ton. – Dasselbe geschieht auch beim Malen, wenn ich die trockenen „harten“ Pigmente (sie sind pulverisiert) mit Wasser und Leim anrühre. Sie sind dann eine geschmeidige Masse, die sich meinem Willen fügt. Wenn ich viel Wasser benutze, verlaufen sie und bilden farbige Rinnsale. Wenn ich wenig Wasser und Leim benutze, sind sie pastos bis staubig und bilden eine bröckelige Oberfläche.
      Das dritte: Wenn das Weiche das Harte aufgesprengt hat, dann kann es es mit sich forttragen, kann es fortspülen.
      Und so stimme ich dir zu: das Weiche hat die größere Kraft, hat Macht über das Harte. Denn in ihm ist Bewegung, Plastizität, Strom, Leben.
      Ach, der Austausch mit dir ist so anregend, Monika! In deinen Kommentaren kommen so viele Gedanken zu mir herüber, und selbst wenn ich nicht weiß, ob ich sie immer richtig entschlüssele, bringen sie mir den Stoff, um meine eigenen Gedanken weiter zu entwickeln. Sag mir nur noch, ob ich das, was du sagen wolltest, richtig erfasst habe. Liebe Grüße zum Abend.

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  5. Ulli schreibt:

    Ich glaube auch fest daran, dass das Weiche das Harte durchdringt- an Sieg und Niederlage will ich da nicht denken, nur an Durchdringung. Irgendwann schrieb ich mal ein gedicht: weichfelsen, muschelhart, ich müsste lange suchen, um es zu finden …
    und dann sind es doch wieder nur zwei Seiten eines Ganzen, mein Fleisch ist weich, meine Knochen hart, darin das weiche Mark, mein Kopf ist hart, mein Gehirn eine weiche Masse mit so manchem harten Gedanken darin- ja, ein Endlosthema und trotzdem schön
    herzliche Sonntagsgrüsse
    Ulli

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  6. karfunkelfee schreibt:

    Liebe Gerda, zur Ergänzung führen auch meine Gedanken im Abschluss. Wir Menschen tragen beides in uns: hart und weich. Das Harte ist Formgebung, Stabilität oder Halt, das Weiche darin gehalten, umfangen oder davon getragen. Nur hart: bricht oder versteinert, stirbt ab, wird leblos oder statisch. Nur weich: verliert die Form, fließt auseinander hat keinen Halt und verliert sich, verschwindet im Nirgendwo. Brecht hatte den Gedanken des Kampfes im Sinn, mir drifteten die Ideen hingegen ab in Richtung der Verhältnismäßigkeiten und dass Energie, die genutzt werden will, gelenkt werden muss. Ich habe das Flussbild im Kopf, das Wasser, das nur fließen kann ins Meer, wenn die Ufer es zusammenhalten. Doch: z. B. kam es wegen der Begradigung und Kanalisierung der Flüsse in den 70er Jahren zu einer Zerstörung limnischer (Süßwasser) Ökosysteme, sinkender Grundwasserstände und verstärkter Hochwassergefahr. Was tat man also? Man „re-naturierte“ die Flüsse zurück zu ihrer natürlichen Form um die Dynamik wiederherzustellen. Zu viel Formgebung und Eingreifen in naturgegebene Formvorgaben bremst die Dynamik und stört das Gleichgewicht. Die Energien können nicht mehr fließen. Zu viel Ordnung schafft Chaos.
    Ging mir gerade noch so durch den Kopf. Ich mag es, über diese Dinge nachzudenken, also danke für Deine Ideen…und herzliche Sonntagsgrüße zurück.

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    • gkazakou schreibt:

      herzlichen Dank für deine Ergänzung, die mir wertvoll ist. Besonders deine Assoziation zu den Flüssen, denen man ihre natürliche Form wiedergab, damit Dynamik und Gleichgewicht wieder hergestellt werden! Und, nebenbei, auch Schönheit und Lebendigkeit.
      Unter meinem Beitrag „die eigene Handschrift“ gibt es einen Dialog zwischen dergl und mir über die Gerade. Dergl führt Wunderlich an, der die Gerade für krankhaft hält, weil es in der Natur keine gibt. Ich antworte sinngemäß: die Gerade ist eine Idee, sie schärft das Bewusstsein für das Lebendige, das immer umwegig ist.
      Dies kann man sehr gut auf den Kanal und den mäandernden Strom übertragen, finde ich.

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