Tom – Treppenhaus – ausgeschlossen! geschichtengenerator (7)

Die heutigen Stichwörter des geschichtengenerators http://juttareichelt.com/in Aktion sind Tom (sucht etwas) – Treppenhaus – ausgeschlossen!

Drei kleine Skizzen habe ich dazu in Juttags blog als Kommentar hinterlassen (s.o.). Hier folgt nun das erste Kapitel einer richtigen Geschichte.

 

IMG_5970  „Du hast die Schlüssel drinnen stecken lassen!“ Martha sagte es halb vorwurfsvoll, halb hämisch. Denn Tom machte bekanntlich nie Fehler, und so sagte er auch jetzt erwartungsgemäß: „Ausgeschlossen!“

Martha biss die Zähne zusammen und hielt den Mund. Sie wusste: Es war ganz aussichtslos, Tom dazu zu bringen, einen Fehler einzugestehen. Er würde noch morgen früh hier rumstehen und seine Taschen durchsuchen nach den Schlüsseln, denn es war ja ganz AUSGESCHLOSSEN!, dass er sie hatte stecken lassen. Lieber würde er im Treppenhaus übernachten, als seinem Selbstbild eine solche Schramme zuzufügen. Eigentlich wusste Martha auch schon, was folgen würde, wenn die Tatsachen nicht mehr abzuleugnen waren: die Beschuldigung! „DU“, würde er sagen, „hast sie steckengelassen.“ Und sie würde antworten: „Quatsch, ich habe meine Schlüssel, hier, kann sie aber nicht gebrauchen, weil die Schlüssel von innen stecken, und das sind DEINE!“ Dann würde er eben sagen: „Wer hatte es denn vorhin so eilig? Du hast mich ganz konfus gemacht mit deinem ‘Wir kommen zu spät ins Kino’.“ Immerhin wären sie dann schon ein Stück weiter: Tom würde nicht mehr rigoros abstreiten, dass es seine Schlüssel waren, die da drinnen steckten, aber die Antwort auf die Schuldfrage bliebe dennoch unweigerlich dieselbe: Sie, Martha, war schuld. Tom KONNTE nicht schuld sein, das war AUSGESCHLOSSEN.

Martha hatte sich geirrt, wie gewöhnlich. Tom warf ihr nicht vor, ihn mit ihrem Gerede schusselig gemacht zu haben. Vielmehr war sie schuld, weil sie in letzter Minute noch auf die Toilette gewollt hatte. Da waren sie eigentlich schon an der Tür. Aber immer, wenn sie ausgingen, musste Martha noch mal schnell auf die Toilette. Sie hatte seit ihrer Operation, als sie sie ausnahmen wie ein Hühnchen, eine Blasensenkung, und sie fürchtete, irgendwo unterwegs Probleme zu bekommen. Zwei Stunden im Kino plus zwei Mal eine halbe Stunde Weg, das war das Äußerste. Tom hasste es, dass er, kaum öffnete er die Tür, zu hören bekam: ‘Ach bitte, Tom, warte einen Moment, ich komme dann gleich’. So war es auch heute gewesen. Und als sie dann endlich gehen konnten, hatte er eben die Tür zugeschmissen, ohne vorher seinen Schlüssel, der immer von Innen steckte – aus Sicherheitsgründen, wie er sagte – rausgezogen zu haben.

Das Dumme war: Sie musste jetzt unbedingt in die Wohnung, es war dringend. Sie hielt es einfach nicht mehr aus. Auch machte es sie nervös, dass die Treppenhausbeleuchtung ständig ausging. Sie stand nicht gern im Dunkeln. Drei Mal schon hatte sie diesen verdammten Schalter gedrückt, und nun drückte sie ein viertes Mal. Herrgott, Tom machte keinerlei Anstalten, etwas zu unternehmen! Wie lange sollte das noch gehen? Sie musste sich selbst etwas einfallen lassen.

Martha war nicht die Frau, die ohne weiteres nachts auf die Straße rennt und versucht, einen Schlüsseldienst aufzutreiben. Sie war auch nicht die Frau, nachts in die nächste Bar zu gehen und zu fragen, ob sie mal die Toilette benutzen dürfe. Sie verließ sich in allem auf Tom, denn der machte ja keine Fehler. Nie. Und nun steckten die Schlüssel da drinnen. Martha war dem Weinen nah. Schon der Film! Es war natürlich Toms Vorschlag gewesen, diesen blöden Actionfilm zu sehen. Sie hasste Action-Filme, aber wenn sie überhaupt mit Tom mal was Gemeinsames unternehmen wollte, dann musste sie sich eben seinem Geschmack fügen. Diesmal war es besonders scheußlich gewesen, action mit allem Drum und Dran: Vergewaltigung, Verfolgungsjagden, Folter, Massaker, Huren, Blut und zig Toten. Es war zum Kotzen. Sie hatte schon im Kino auf die Toilette gehen wollen, aber sie traute sich nicht im Dunkeln, besonders nicht, weil sie grad so gruselige Sachen gesehen hatte, außerdem waren die Klos da nicht besonders hygienisch. Jetzt aber musste sie.

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Diesmal ging des Licht von selbst an. Jemand hatte das Treppenhaus betreten. Martha sah auf der Fahrstuhlanzeige: 3. Stock. Sie selbst wohnten im vierten. Also fasste sie sich ein Herz und rannte die Treppe zum dritten Stock runter. Die Fahrstuhltür öffnete sich und ….

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Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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Eine Antwort zu Tom – Treppenhaus – ausgeschlossen! geschichtengenerator (7)

  1. juttareichelt schreibt:

    Ach, liebe Gerda, was für ein schöner, vielversprechender Auftakt zu einer Fortsetzungsgeschichte!

    Gefällt 3 Personen

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