Geschlossene Stadt

DSC00276Geschlossen (κλειστό) steht unter dem roten Neon-Blitz. Gemalt habe ich das Bild im Jahr 2008, bevor die wirtschaftliche Krise über Griechenland hereinbrach. Seither steht an vielen Geschäften dies Wort: geschlossen.

Das Bild ist das erste einer Reihe, die ich im Februar 2009 in einer Athener Galerie ausstellte. Als Titel der Ausstellung wählte ich Träume und Alpträume. Damals glaubte kaum jemand, dass Griechenland von der Finanzkrise, die durch die Pleite von Lehmans‘ Brothers ausgelöst wurde, betroffen wäre. Die lokalen Banken hatten nichts mit den großen Spekulationen der Wallstreet zu schaffen, das Wirtschaftswachstum wirkte solide, die Politiker beschwichtigten und die Menschen waren zuversichtlich.

Doch etwas lag in der Luft. Es passiert mir oft, dass sich mir beim Malen ein Wissen mitteilt, das in meinem Bewusstsein noch gar nicht angekommen ist. Es ist wie im Schlaf, wenn Träume kommen, die verdrängte Inhalte an die Oberfläche spülen.

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Kleisto – geschlossen steht nun an dem einstmals viel besuchten Geschäft, und von der Uhr sind die Zeiger abgefallen. Quer über die Häuserfassaden läuft ein Riegel. Er ist dick aufliegend, mit Plastikfarbe gegossen, während der Rest des Bildes mit Akryllpigmenten gemalt ist, die ich mit Tischlerleim anrühre. Im rechten oberen Eck des Fotos seht ihr mein besorgtes Gesicht: Was wird die Zukunft diesem Land bringen?

Fortsetzung folgt morgen mit weiteren Bildern dieser Serie.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Ökonomie, die griechische Krise, events, Katastrophe, Kunst, Malerei, Psyche, Träumen abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Geschlossene Stadt

  1. waehlefreude schreibt:

    Spannend! – Manche Menschen scheinen Veränderungen zu spüren, noch lange bevor diese einsetzen. – Und Künsler können dann nicht anders und müssen dem Gefühlten Ausdruck verleihen… Ja…

    Liebe Grüße,
    Frank

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    Danke Gerda, dass du mich auf das Bild aufmerksam gemacht hast, es zeigt Leerstand in der Stadt vortrefflich, wie ich finde besonders durch die roten Linien, die ja eigentlich Leben symbolisieren und sowas wie „Weitergehen“ und doch ist so vieles erstarrt, Scheiben werden blind oder sind zerbrochen, Türen zugenagelt, der Zeiger der Uhr abgebrochen, es ist also nicht mehr 5 vor 12 oder 3 nach zwölf, es ist Nichts, leerer Raum, leere Zeit, Leben findet nun woanders statt, Politik lässt Menschen allein.
    Was hier den kleinen Läden den Garaus macht, sind die grossen Shoppingcenter in den grösseren Städten und die ewige Jagd nach noch billiger = Geiz ist geil … ich seufze

    jetzt schaue ich mir noch das nächste Bild an
    sei herzlichst gegrüsst
    Ulli

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  3. gkazakou schreibt:

    Das große Sterben der Tante-Emma-Läden in den Ende 60er Jahren führte indirekt zur Kinderladenbewegung, an der ich aktiv beteiligt war. Worauf es ankommt, ist, nicht dem Absterbenden nachzutrauern, sondern die Gelegenheiten für Neues frisch am Schopfe zu packen. All dieses tote Gemäuer ist ja eine Einladung, sich was einfallen zu lassen, oder? Wir haben damals ein lange leerstehendes Gebäude „besetzt“, In Athen gibt es manche Kunstaktionen, aber eine wirkliche Lösung setzt die Änderung der Eigentums- und Erbrechte voraus.

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